Drahtlose Aktivboxen: Klingende Anziehpuppe und tönender Kühlturm
Diese Lautsprecher sind wirklich drahtlos: Libratone Zipp und Sony NS-510 brauchen weder Audiokabel noch Steckdose, um richtig laut aufzuspielen - außer man hat das falsche Smartphone dabei. Aber nicht nur bei der Wahl der Zuspieler polarisieren die beiden Geräte.
Über Geschmack kann man nicht streiten? Wenn ich mir die beiden Aktivboxen anschaue, die mir der Libratone und Sony zum Testen zugeschickt haben, komme ich zu dem Schluss: Doch, darüber lässt sich trefflich streiten. Eigentlich haben beiden Systeme dasselbe Prinzip: Sie können Musik via W-Lan aus dem Netz oder drahtlos von bestimmten Smartphones entgegen nehmen und im Akkubetrieb ihre Klangfülle stundenlang verbreiten.
Damit hat es sich aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten. Beim Design gehen der kleine dänische Hersteller und der japanische Konzern vollkommen unterschiedliche Wege. Die Grundkonstruktion ist ähnlich: Beide haben ein schwarzes Plastikgehäuse, in dem neben den Lautsprechern auch Verstärker, Netzwerkelektronik und Akkus untergebracht sind.
Libratone hüllt dieses spartanische Grundgerüst allerdings in einen weichen Filzumhang. Das sieht gut aus und fühlt sich ebenso an - und soll der Firma offenbar Nebeneinnahmen bringen. Per Reißverschluss lassen sich die Überzüge austauschen. Acht verschiedene Farben bietet der Hersteller zum Nachkaufen an, für 49 Euro pro Stück. Für die Lautsprecher selbst zahlt man, mit einem grauen oder roten Bezug im Apple Store 399 Euro. Andere Händler und der Hersteller selbst verkaufen die Boxen für 449 Euro mit einem Dreierpack bunter Bezüge.
Sony ist da wesentlich pragmatischer: Statt den Plastikrumpf des 349 Euro teuren NS-510 farbig einzupacken, wurde ihm einfach eine, sagen wir ungewöhnliche Form gegeben. Die Geometrie erinnert an einen Kraftwerks-Kühlturm, nur dass dessen Außenwand nicht geschlossen ist, sondern von Plastiklamellen umwoben wird, die im unteren Bereich offen sind. Analog zum Kühlturm gibt es auch oben eine Öffnung, durch hier allerdings nicht Wasserdampf, sondern die Bässe des Subwoofers hinausgeblasen werden.
Ohne App geht nichts
Beim Bedienkonzept kommen die beiden Boxen dann wieder auf einen gemeinsamen Nenner. Beide können per App konfiguriert und gesteuert werden. Das ist durchaus wichtig, da es ohne dieses Vehikel wohl schwierig wäre, die Geräte drahtlos zu vernetzen. Die Apps hingegen machen das sehr leicht (siehe Fotostrecke). Zudem beherrschen beide Boxen Apples Airplay-Technologie. Die ermöglicht es - ohne weitere App - vom iPhone, iPad, iPod touch oder Mac aus Musik drahtlos an die Lautsprecher zu senden.
Libratones Zipp kann das sogar ohne ein W-Lan. Playdirect nennen die Dänen diese Erweiterung der Apple-Technik. Sie ermöglicht es, die Lautsprecher beispielsweise auch am Strand oder im Park drahtlos zu benutzen.
Zur Not ein Kabel
Da es sich um Apple-Technik handelt, funktioniert all das aber nur mit Apple-Geräten, Android-User bleiben außen vor. Bei Libratone gilt das generell, bei Sony nur teilweise. Für den NS-510 gibt es auch Android-Apps. Die helfen bei der Konfiguration und senden Musik an den Lautsprecher, allerdings nur aus dem Internet oder von kompatiblen Netzwerkspeichern. Im Test erkannte die Sony-Box zwar einen Netgear-Router mit Festplatte, nicht jedoch eine Synology Diskstation.
Ansonsten kann man mit Sonys Android-App Internetradio und Musik des Sony Online-Dienstes Music Unlimited abspielen. Musik direkt vom Android-Smartphone oder -Tablet abzuspielen, war dagegen nicht möglich. Lediglich der Walkman-Player von Sonys Xperia-Smartphones soll dazu in der Lage sein. Im Zweifel muss man also Android-Geräte und andere Musikplayer doch per Kabel an die Sony NS-510 anschließen. Das funktioniert natürlich auch bei Libratones Zipp als Notlösung.
Sony fällt ins Bassloch
Lohnenswert ist das durchaus. Sowohl Zipp als auch NS-510 erzeugen erstaunlich räumlich wirkende Klangkulissen. Die notwendige Technik bedingt auch das runde Design der beiden Geräte. Beide verfügen über einen zentralen Subwoofer und zwei (Libratone) beziehungsweise vier (Sony) Mittelhochtöner, die den Ton durch die radiale Anordnung in alle Richtungen des Raumes abstrahlen. Das funktioniert bei beiden ähnlich gut und umso besser, je zentraler man die Boxen im Raum plaziert. Der Vorteil dieses Systems ist, dass eine Box ausreicht, um ein Zimmer angenehm, wenn auch nicht in echtem Stereo, zu beschallen.
Beiden Boxen können sich durchaus hören lassen. Sie schaffen ein recht transparentes Klangbild mit kräftigen Bässen, die man den kleinen Dingern nicht zutrauen würde. Auffallend ist bei Sony allerdings ein Frequenzloch im Bereich von 250 bis 400 Hertz. Bassfrequenzen in diesem Bereich werden deutlich zu schwach wiedergegeben. Der Frequenzgang von Libratones Zipp weist keine derartigen Dellen auf. Ohnehin klingen die dänischen Lautsprecher runder und weicher als das Sony-Konstrukt, bei dem der Ton ein wenig pappig wirkt.
Ob dieser Klangunterschied die 50 Euro Aufpreis, die Libratone gegenüber Sony verlangt, rechtfertigt, ist Geschmackssache. Darüber kann man ja bekanntlich nicht streiten.
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- Dienstag, 16.10.2012 – 10:42 Uhr
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