Musikerfindung Vo-96 Unerhörte Klänge

Solche Klänge hat man noch nie gehört: Der Acoustic Synthesizer Vo-96 manipuliert die Schwingungen von Gitarrensaiten derart, dass aus dem klassischen Instrument sphärische Synthesizer-Sounds erklingen - auf rein akustischem Weg.

experimentalsynth.com

Von Anton Waldt


Der Sound-Tüftler Paul Vo hat mit dem Acoustic Synthesizer Vo-96 ein Musikinstrument entwickelt, dessen paradox anmutender Name eine neue, vielversprechende Methode der Klangerzeugung beschreibt: Klassische, akustische Instrumente, die von Mensch und Maschine gemeinsam gespielt werden. Konkret manipuliert Vos "akustischer Synthesizer" auf raffinierte Art und Weise die Schwingungen von Gitarrensaiten und entlockt so dem vermeintlich sattsam bekannten Instrument ungeahnte Klänge.

Welches Potential in der erweiterten Gitarre steckt, führt der Songwriter Tyler Ramsey in einem Demonstrationsvideo anschaulich vor: Im Vordergrund hüpft der vertraute Klang einer Folkgitarre, dazu mäandert ein elektronisch anmutendes Geplingel und im Hintergrund tönt ein melodischer Hallraum. Diese scheinbar mehrstimmige, surreale Sound-Landschaft erklingt tatsächlich ohne Effektgeräte nur durch die Schwingungen der sechs Saiten über dem hölzernen Korpus der Akustikgitarre.

Nur, dass die Saiten eben nicht allein vom Gitarristen angeschlagen, sondern auch von magnetischen Impulsgebern angeregt werden, die auf einer kleinen schwarzen Platte zwischen Steg und Schallloch sitzen. Jeweils zwei dieser sogenannten Sensoriactuators registrieren die aktuellen Schwingungen einer Saite und verändern sie. Dabei können die Schwingungen verstärkt, gedämpft, transponiert oder mit Obertönen angereichert und auf allerlei Weise manipuliert werden.

Unspielbare Töne

Die Klänge, die der Akustik-Synthesizer der Gitarre entlockt, könnten teilweise auch durch konventionelles Spiel erzeugt werden. Aber der Vo-96 erschließt eben auch Sounds, die selbst mit aufwendigen Verrenkungen und exotischen Anschlagtechniken nicht spielbar wären. Möglich werden die eigentlich unmöglichen Saitenschwingungen durch einen Mini-Computer, der im Inneren der Gitarre angebracht wird.

Die Leistung dieses Rechners reicht aus, um den Klang jeder der sechs Gitarrensaiten in Echtzeit zu analysieren und zu berechnen, wie die Schwingungen der Saiten verändert werden müssen, um den jeweils gewünschten Klang zu erzeugen. Die Daten werden dabei drahtlos per Bluetooth zwischen Computer und Sensoren ausgetauscht.

Von Moog zu Vo

So bizarr der akustische Synthesizer anmutet, kommt er doch nicht ganz überraschend: Erfinder Paul Vo hat jahrelang für den Synthesizer-Hersteller Moog Music die Klangmechanik von Gitarren erforscht. Daraus resultierte 2008 die Moog Guitar, die nach einem ähnlichen Prinzip wie der Vo-96 funktioniert, aber nicht so viele Möglichkeiten bietet.

Mit dem Vo-96 wird das Prinzip der akustischen Klangsynthese zum ersten Mal konsequent umgesetzt. In Moogs Produktpalette passt das Gerät aber nicht, weshalb der Erfinder seine eigene Firma Vo Inventions gegründet hat. Genügend Startkapital hat Vo auf der Crowdsourcing-Plattform Kickstarter bereits eingesammelt, so dass der erste Akustik-Synthesizer demnächst in Produktion gehen kann.

Mit einem Preis von knapp 1000 Euro wird der Vo-96 ein Nischenprodukt bleiben, was aber durchaus im Sinne des Erfinders ist. Vo betrachtet den Bau seines ersten eigenen Geräts explizit als einen Test seiner neuartigen Klangerzeugungsmethode. So bleibt auch unklar, ob der akustische Synthesizer nur eine obskure Fußnote der Musikgeschichte wird, oder der Schlüssel zu einer Reihe elektronischer Erweiterungen für traditionelle Instrumente.

Homepage zum Acoustic Synthesizer Vo-96



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insgesamt 56 Beiträge
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Seite 1
martin2011ac 09.05.2013
1. zu früh
Kickstarter ist super, wir setzen unser Projekt heute oder morgen auch dort rein, die Zulassung haben wir mittlerweile, Sie dürfen also auch gerne einmal etwas über jb-webs.com schreiben ;-). Zu dem Synthesizer, ich spiele selbst seit mehr als 15 Jahren Gitarre, normalerweise sogar täglich, nur jetzt halt nicht, weil dass Kickstarter Projekt doch sehr Zeitintensiv war, man muss dazu ja eine US ID haben nebst Steuer Nummer der RSI. Persönlich halte ich (leider) nicht so viel davon, weil soweit ich das verstanden habe hierbei keine MIDI Schnittstelle vorhanden ist. Dabei ist Gerade MIDI das Tor um wirklich Zugang zu jeden beliebigen Sound zu bekommen. Aber nun gut, wer’s mag soll damit Glücklich werden. Heute würde ich mir das Gerät noch nicht an meine Gitarre installieren aber wer weiß, vielleicht ist dass ja nur ein erster Schritt, vielleicht funktioniert es ja eines Tages wirklich, ich hatte das Projekt jedenfalls mal unterstützt, in der Hoffnung das da noch mehr kommt.
Guy Montag 09.05.2013
2.
Zitat von sysopexperimentalsynth.comSolche Klänge hat man noch nie gehört: Der Acoustic Synthesizer Vo-96 manipuliert die Schwingungen von Gitarrensaiten derart, dass aus dem klassischen Instrument sphärische Synthesizer-Sounds erklingen - auf rein akustischem Weg. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/akustik-synthesizer-vo-96-von-soundtueftler-paul-vo-a-897988.html
Technisch sicher eine nette Sache. Ich möchte mir aber die Unmengen von langweiligen New-Age-Platten, die mit Hilfe dieses Gerätes aufgenommen werden, nicht vorstellen.
Spiegulant 09.05.2013
3. E-Bow
Zitat von sysopexperimentalsynth.comSolche Klänge hat man noch nie gehört: Der Acoustic Synthesizer Vo-96 manipuliert die Schwingungen von Gitarrensaiten derart, dass aus dem klassischen Instrument sphärische Synthesizer-Sounds erklingen - auf rein akustischem Weg. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/akustik-synthesizer-vo-96-von-soundtueftler-paul-vo-a-897988.html
Das Prinzip ist nicht neu. Schon seit den 70ern gibt es das E-Bow, um Gitarrensaiten in Schwingung zu versetzen. Hierbei werden die Saitenschwingungen über ein Pickup als elektrisches Signal registriert und dieses Signal verstärkt. Über einen Magnettreiber werden die Saiten mit diesem Signal in Schwingungen versetzt. Dadurch sind verschiedene Saitenschwingungen und Klangeffekte möglich. Das neue an dem Vo-96 scheint die Signalverarbeitung zu sein: Keine reine Verstärkung, sondern raffinierte Modulation. Rein akustisch wird da gar nichts synthetisiert.
arvin_g 09.05.2013
4. Der Gedanke
die Ausdrucksmöglichkeiten traditioneller Instrumente elektronisch oder elektroakustisch erweitern zu wollen ist ja nicht neu, die amerikanische Music for Tape fällt mir da z.B. ein (damals eben mit Hilfe einer Bandmschine). Dennoch interessant dass hier mal jemand wieder etwas Neues versucht anstelle eines x-ten Software plugin's. Das Video mit der netten Klimperei dürfte allerdings noch nicht mal ansatzweise die potentiellen Möglichkeiten dieses Geräts zeigen. Besitzer hochwertiger akustischer Gitarren dürfte auch interessieren ob die benötigte Hardware irgendwelche Verbastelungen (Bohrlöcher zb) erforderlich macht.
QuixX 09.05.2013
5. optional
Eigentlich wird der Sound nur mulmiger. Die Geräte von Moog und Korg damals waren mit ihren Hüllkurven gesteuerten Filtern wesentlich "aufregender". Vor allen im Verhältnis zu damals existenten Instrumenten. So klingt die Gitarre eher verwaschener, unpräziser. Aber vielleicht ist es ja doch der Hit und alle spielen den Acoustic Synthie bald. Ich bin durch den Blick auf's Tonale eh etwas vom Sound abgelenkt. Möchte fast verblendet sagen. Ich lass mich vom Können des Gitarristen derart beeindrucken, dass die ganze Mühe mit dem Equipment für die Katz war.
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