Vorstoß des Verkehrsministers Dobrindt und der Drohnen-Führerschein

Der Verkehrsminister will Drohnenflüge strikt regulieren: Wohngebiete sollen tabu sein, Kennzeichen Pflicht werden - und Profis zum Führerscheintest antreten. Keine Frage: Regeln sind nötig. Doch der Vorstoß lässt viele Fragen offen.

Drohne des chinesischen Herstellers DJI (auf der IFA): "Neue Gefährdungspotenziale"
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Drohne des chinesischen Herstellers DJI (auf der IFA): "Neue Gefährdungspotenziale"

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Verkehrsminister Alexander Dobrindt hat mit seinen Plänen für eine Regulierung von Drohnenflügen Verwirrung gestiftet. Nachdem der CSU-Politiker mit Ankündigungen zu Führerscheinen für Profis und Kennzeichen für Hobbydrohnen Schlagzeilen gemacht hatte, konnte sein Ministerium keine weiteren Erklärungen liefern.

Dobrindts Ministerium sah sich am Montag nicht in der Lage, Fragen dazu zu beantworten, was der Vorstoß des Ministers nun bedeute. Beim Luftfahrt-Bundesamt, das nach den Plänen Dobrindts künftig Führerscheine für Drohnenpiloten ausstellen soll, wollte man zu Fragen gar keine Stellung nehmen - und verwies aufs Ministerium.

Dobrindt selbst klingt entschieden: "Ich werde die Nutzung von Drohnen neu regeln", verkündete er am Sonntag. Seine Pläne, erst via "Bild am Sonntag" und dann über ein Statement lanciert, klingen nach einer strengen Reglementierung für Profi- und Hobbypiloten der unbemannten Flugkörper, die in den vergangenen Jahren einen Boom erlebt haben.

  • Alle Drohnen, egal ob privat oder gewerblich, die mehr als 500 Gramm wiegen, sollen demnach künftig Kennzeichen tragen.
  • Wer eine Drohne aus gewerblichen Gründen wie etwa für professionelle Fotoaufnahmen aufsteigen lassen will, soll künftig eine Führerscheinprüfung ablegen. Dazu müsse der Nutzer "fliegerische und luftrechtliche Kenntnisse" in einer Prüfung nachweisen.
  • Private Drohnenflüge sollen etwa über Industrieanlagen, Gefängnissen, Menschenansammlungen und Unglücksorten verboten werden - laut Dobrindt sind selbst Wohngebiete tabu.
  • Piloten dürften ihre gewerblichen Drohnen auch außerhalb der Sichtweite steuern, Privatdrohnen dürfen hingegen nicht höher als 100 Meter steigen.

Der Drohnen-Boom habe neue Sicherheitsrisiken gebracht, so der Minister. Drohnen werden vor allem für spektakuläre Luftaufnahmen eingesetzt. Dobrindt spricht von "neuen Gefährdungspotenzialen durch Kollisionen und Abstürze" und der Notwendigkeit, Piloten bei Missbrauch und Unfällen identifizieren zu können.

In der Tat kam es zuletzt immer wieder zu Zwischenfällen - und die verantwortlichen Piloten werden so gut wie nie erfasst.

Zwischenfall mit Rettungshubschrauber

So meldete etwa eine Cessna im Juni im Anflug auf den Flughafen Frankfurt am Main eine Begegnung mit einer Drohne in 1500 Fuß, also in rund 450 Metern Höhe. Und in der Nähe des Flughafens Münster/Osnabrück musste im April nach SPIEGEL-ONLINE-Recherchen ein Rettungshubschrauber, der auf dem Weg in eine Herzklinik war, ebenfalls auf 1500 Fuß Höhe einer Drohne ausweichen. Nur aufgrund einer schnellen Reaktion konnte er mit seiner Maschine "die Gefahrenzone verlassen", meldete der Helikopterpilot dem Tower. Der Pilot des querschießenden Quadrocopters wurde nie ermittelt. (Lesen Sie hier die Hintergründe.)

Beliebte Drohnen

DJI Phantom 2

Der chinesische Hersteller DJI ist Marktführer. Dieses Modell wird quasi flugfertig geliefert. Flugzeit: 25 Minuten. Die Basisversion ohne Kamera kostet 550-600 Euro, die Version Vision Plus (Abbildung) mit eingebauter HD-Kamera etwa 950 Euro. Eine Nachfolgeversion, die Phantom 3, ist bereits erschienen.

Yuneec Q500 Typhoon

Das Oberklassemodell, ebenfalls aus China, eignet sich für gute Luftaufnahmen. Die Full-HD-Kamera macht Fotos und ruckelfreie Videos. Preis: etwa 980 Euro.

Syma X5C Explorer

Dieser Quadrocopter steht in den Verkaufscharts bei Amazon ganz oben. Einsteigermodell, das aber Manöver fliegen kann und bereits eine HD-Kamera eingebaut hat, die auch den Ton aufzeichnet. Preis: 99 Euro.

Udi U818A

Diese Mini-Drohne hat eine fest verbaute Kamera und ist für zwei Flugmodi, für Anfänger und Fortgeschrittene, ausgelegt. Sie ist ziemlich robust. Flugzeit 7-9 Minuten pro Akku. Preis: etwa 109 Euro.

Ninetec Spyforce1

Ein Billigflieger, der in der Mini-Version bereits ab 69 Euro zu haben ist. Die Kamera hat dennoch eine gute Bildqualität. Das Modell ist aber auch etwas fragil: Bei etwas stärkerem Wind hat es die Mini-Drohne schwer. Flugzeit: 5-6 Minuten.

Dobrindt scheint mit seinem Vorstoß anzuerkennen, dass die Piloten bislang kaum auszumachen sind. Vor wenigen Wochen hatte sein Haus auf eine Anfrage der Linken noch geantwortet: "Da unbemannte Luftfahrtsysteme einer Aufstiegserlaubnis bedürfen, sind die Steuerer dieser Geräte bekannt, so dass mögliche Verstöße (...) geahndet werden können."

Dabei ist jenen, die mit dem deutschen Luftraumü zu tun haben, seit Langem klar, dass das Problem besteht. Die DRF Luftrettung begrüßte auch prompt die Pläne des Ministers.

Verbotszonen in der Landkarten-Software?

Im August hatte bereits der Chef der Deutschen Flugsicherung, Klaus-Dieter Scheuerle, Kennzeichen für private Drohnen gefordert. Scheuerle war zuvor unter Dobrindts Vorgänger Peter Ramsauer Staatssekretär im Verkehrsministerium.

Unklar bleibt nach Dobrindts Vorstoß, wie genau die Geräte - die vor allem auch über internationale E-Commerce-Plattformen gekauft werden - in Deutschland Kennzeichen erhalten sollen. Und wie werden die Flugverbotszonen durchgesetzt? Etwa damit, in der Landkarten-Software der Drohnen Verbotszonen zu verankern? Dieses sogenannte "Geofencing" hatte Scheuerle ebenfalls gefordert.

Erst im Juni hatte das Luftfahrt-Bundesamt die Regeln verschärft. Für Geräte, die schwerer sind als fünf Kilogramm, musste man nun eine Flugerlaubnis einholen - wie oft diese bislang erteilt worden ist, konnten jetzt aber weder Ministerium noch Bundesamt beantworten.



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insgesamt 115 Beiträge
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Seite 1
Flying Rain 09.11.2015
1. Nur gut
Nur gut das ich keine Drohne sondern einen Multikopter fliege... Ich hatte für eine Sekunde schon Angst....
THINK 09.11.2015
2.
Bei Einführung eines Drohnen-Führerscheins muss man zumindest nicht befürchten von unseren Politikern per Drohne ausspioniert zu werden, da sie einen Drohnen-Führerschein niemals bestehen würden und sie außerdem noch für ihrem Internet-Führerschein lernen.
ubiorum 09.11.2015
3. Na endlich
15.000€ habe ich ausgegeben und mittlerweile kommen die ganzen Billig Dinger mir nur noch in die Quere ohne Beachtung jeglicher Regeln und Gesetze. Hoffentlich wird auch der Führerschein einiges Kosten. Das ist kein Hobby für jedermann, wer nicht wirklich geübt ist stellt sich und andere unter hoher Gefahr.
_alexander_ 09.11.2015
4. Wenn man nichts Besseres bzw...
Anderes zu tun hat, erschafft man einen Führerschein für Drohnen. Dieser Dobrindt ist ein einziger Reinfall, genauso wie sein Vorgänger Ramsauer.
Lars65 09.11.2015
5. Regulationswut
So so, weil ein Hubschrauber einer 2 kg schweren Drohne ausweichen musste, brauchen wir jetzt strenge Vorschriften. Na da war die Gefahr bestimmt erheblich. 4 kg Enten sind dagegen kein Problem? Und 12 kg schwere Schwäne? Schön, wenn man keine anderen Sorgen hat im Verkehrsministerium. 1300 Mitarbeiter wollen ja auch irgend was machen den ganzen Tag.
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