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E-Book-Vergütungssystem: Amazon will Autoren nach gelesenen Seiten bezahlen

Kindle-Nutzer: Wer gelesen wird, kassiert Zur Großansicht
obs/Amazon.de GmbH

Kindle-Nutzer: Wer gelesen wird, kassiert

Amazon führt ab Juli ein neues Abrechnungssystem für ausgeliehene E-Books ein: Die Honorare für bestimmte Autoren berechnen sich dann nicht mehr nach Buch, sondern nach der Anzahl der tatsächlich gelesenen Seiten.

Je dicker das Buch, desto höher der Ertrag für den Autor? So war es bei Kindle E-Books, die über Amazon ausgeliehen wurden, bisher nicht. Nur die Anzahl der Ausleihen zählte. Das fanden - nach Angaben des Konzerns - viele Autoren ungerecht.

Für die Autoren der Self-Publishing-Plattform KDP Select startet Amazon deshalb am 1. Juli in den USA ein neues Abrechnungssystem: Es soll die Höhe der Ausschüttungen für geliehene Kindle-E-Books abhängig machen von der Zahl der tatsächlich gelesenen Seiten.

Ob ein Roman oder Sachbuch nun 15 Seiten hatte oder 1500, das war bei der bisherigen Abrechnungsmethode der E-Book-Flatrate-Services Kindle Leihbücherei und Kindle Unlimited in der Vergangenheit irrelevant. Auch, wie viel ein Leser vom 1500-Seiten-Schinken tatsächlich gelesen hat. Die Vergütung für die Schriftsteller war allein abhängig von der Zahl der Ausleihen.

Ein Algorithmus zählt die Seiten

Die Einnahmen, die der Dienst erzielt, werden in einem Pool gesammelt. Aus Deutschland kommen zum Beispiel pro angemeldetem Kindle-Unlimited-Nutzer 9,99 Euro pro Monat in den Topf. Für die Leihbücherei wird ein Teil der Amazon-Prime-Gebühr verwendet. Im Juni kamen nach Unternehmensangaben auf diese Weise drei Millionen Dollar zusammen.

Ab Juli wird dieser Pool nun nach konkreten Nutzungsstatistiken unter den Autoren aufgeteilt. Die kommen zustande, indem jeder einzelne Kindle-E-Book-Reader das Leseverhalten seines Lesers protokolliert und an Amazon zurückmeldet.

Aber was genau ist denn eine Seite in einem Kindle-Buch? Da sich Schrifttyp und -Größe individuell einstellen lassen, gibt es ja eigentlich keine Seitenzahlen bei diesen Geräten, der Lesefortschritt wird in Prozent angegeben. Amazon hat dafür eine Methode mit dem skurrilen Namen Kindle Edition Normalized Page Count (KENPC) entwickelt.

Sie berechnet die Zahl der gelesenen Seiten, indem als Basis die voreingestellten Standard-Einstellungen der Reader für Schriftart, Schriftgröße und Zeilenabstand angenommen werden. Gemessen wird ab der Start Reading Location (SRL), die typischerweise den ersten Satz des ersten Kapitels markiert. Auch grafische Elemente soll der KENPC dem Seitenzähler zuschlagen.

Mehrfaches Lesen bringt dem Autor allerdings nichts

Wer jetzt seinen Lieblingsautoren etwas Gutes tun will und ihre Veröffentlichungen im Schnellverfahren durchblättert, scheitert: Die Verweildauer auf jeder Seite wird auch gemessen. Ist der Text so gut, dass Leser ihn noch einmal lesen möchten, bringt das dem Autor allerdings nichts: Für die zweite Lesung wird nichts ausgezahlt.

Was solch ein Vergütungssystem für die Literatur bedeuten könnte, darüber spekuliert die US-Zeitung "The Atlantic": "Cliffhanger und Geheimnisse werden quer durch alle Genres belohnt, genauso wie alles, was Menschen süchtig hält. Auch wenn das bedeutet, dass Autoren weniger Betonung auf Nuancen und Komplexität legen."

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insgesamt 3 Beiträge
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1. Die totale Leseüberwachung...
shardan 22.06.2015
.. kauf die 'nen Kindle. Wer allerdings den Inhal dieser Verleihbibliotheken mal gesehen hat, weiß wieviel Geld Amazon dadurch sparen könnte.... das meiste was sich da findet, unterbietet die ausgelegte Lektüre beim Damenfriseur um Längen. Über "Premium" kann man da doch etwas geteilter Meinung sein. (Nein, ich habe weder Amazon Premium noch einen Kindle)
2. klasse Idee
pevoraal 22.06.2015
Dann braucht der Autor ja auch nur noch ein paar Seiten zu schreiben. Aber mal im Ernst - geht's noch? Wer ein Buch lesen will kauft ein Buch und nicht ein paar Seiten.
3. Ist ok ...
Sitiveni 23.06.2015
Autoren werden pro gelesene Seite bezahlt und Dichter dann perVers ...
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Zum Autor
  • Andreas Brohme
    Gadgets, Apps, neue Technologien - der Hamburger Andreas Brohme schreibt seit über 20 Jahren über Neues aus Digitalien. In seiner Freizeit spielt er - ganz analog - vor allem Gitarre.



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