Fire TV in Deutschland Amazon will Streaming-König werden

Amazon bringt seine Streaming-Box Fire TV nach Deutschland. Das Gerät kann Filme, TV-Serien, Nachrichten und Spiele aus dem Netz auf dem Fernseher abspielen. Sein Kampfpreis ist ein direkter Angriff auf Apple und Google.

Von , Berlin

Amazon Fire TV mit Zubehör: Glaubt zu wissen, was man sehen will
DPA

Amazon Fire TV mit Zubehör: Glaubt zu wissen, was man sehen will


Amazon führt seine TV-Set-Top-Box Fire TV in Deutschland ein. Das Gerät war Anfang April in New York vorgestellt worden, wurde seither aber nur in den USA verkauft. Ab sofort können Interessenten das Gerät, das nicht größer ist als ein paar übereinander gestapelte CD-Hüllen, beim Online-Kaufhaus vorbestellen. Die Auslieferung soll ab dem 25. September erfolgen. Den Kaufpreis gibt das Unternehmen mit 99 Euro an.

Zur Einführung wird die Box Kunden, die eine sogenannte Prime-Mitgliedschaft abgeschlossen haben oder abschließen, allerdings zu einem Kampfpreis von 49 Euro angeboten. Das Angebot ist zeitlich bis zum 8. September, Mitternacht begrenzt. Damit ist Amazons TV-Box zumindest zeitweilig erheblich günstiger als vergleichbare Konkurrenzprodukte, allen voran Apple TV.

Genau wie das Apple-Produkt wird auch Amazons TV-Box per HDMI-Kabel mit Flachbildfernsehern verbunden und beherrscht sowohl HD- (1280 x 720) als auch Full-HD-Auflösung (1920 x 1080). Die Internetverbindung wird per W-Lan nach den Standards 802.11a/b/g/n hergestellt.

Die Box weiß, was man sehen will

Ähnlich wie die Kindle-E-Reader und die Kindle-Fire-Tablets dient auch Amazons TV-Box dazu, digitale Inhalte, die der US-Konzern anbietet, zu den Kunden zu bringen. So kann man über die Box gekaufte und ausgeliehene Filme und Serien aus Amazons Instant-Video-Repertoire abspielen. Zusätzlich sind aber weitere Content-Anbieter auf dem Gerät vertreten, beispielsweise die Mediatheken von ARD und ZDF, der Musikdienst Spotify und die Videostreaming-Dienste Maxdome und Netflix. Auch SPIEGEL ONLINE und SPIEGEL TV sind über das Gerät abrufbar.

Bei einem kurzen Test zeigte sich das System als sehr schnell und leicht bedienbar. Zufällig ausgewählte Filme starteten binnen weniger Sekunden, die Bildqualität macht einen sehr guten Eindruck. Amazon-Manager Dave Limp erklärte dazu im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE, dass die Box sich einfach merken würde, was man sich bisher angesehen habe und daraus Schlüsse zieht. Etwa: Wer die zweite Folge einer Serie gesehen hat, wird wahrscheinlich auch die dritte sehen wollen. Von den entsprechenden Filmen und Serien werden dann jeweils die Anfangssequenzen in den acht GB großen Speicher des Geräts geladen, um die Wartezeit auf den Filmstart zu verkürzen.

Reden statt klicken

Herausragend scheint jedoch die Sprachsteuerung zu sein, die über einen Knopf an der Fernbedienung aktiviert wird. 50 Klicks seien nötig, um einen bestimmten Film mit einem bestimmten Schauspieler auf einem Apple TV zu finden, sagte Amazon-Manager Peter Larsen. Bei der Fire TV würde es dagegen genügen, einfach den Namen des gesuchten Schauspielers zu sagen. Einige Test in einem Vorführraum am Rande der Ifa in Berlin absolvierte das Gerät jedenfalls nahezu fehlerlos. Sogar Anfragen in denen deutsche und englische Begriffe gemischt wurden, erkannte es korrekt.

Neben der Funktion als TV-Abspielgerät preist Amazon die Möglichkeit an, die Fire TV als eine Art Spielkonsole-Light zu benutzen. Entsprechend programmierte Android-Spiele lassen sich damit auf dem TV in hoher Auflösung spielen. Als Eingabegerät lässt sich dabei wahlweise die Fernbedienung oder ein für 40 Euro separat erhältlicher Gamecontroller nutzen. Smartphone-Fotos lassen sich über den Umweg von Amazons Cloud-Speicherdienst Cloud Drive via Fire TV am Fernseher betrachten.

Mit der Fire TV bekommen Googles TV-Stick Chromecast und das Apple TV in Deutschland jetzt mächtige Konkurrenz. Technisch ist Amazons Gerät überlegen und dabei nicht mal teuer. Doch wie gut sich der kleine TV-Kasten tatsächlich gegen die Konkurrenz behauptet, kann erst ein Test klären.

mak

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insgesamt 44 Beiträge
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spon-facebook-1577295414 04.09.2014
1. Viele Einschränkungen - es gibt besseres
Außer fürs teure Prime Instant Video nicht wirklich zu gebrauchen. Zocken wird damit wohl nicht wirklich jemand. Dazu: USB nicht für Speichermedien nutzbar, kein Abspielen von lokalen Medien oder Anchluss ans Heimnetzwerk möglich, kein Browser, aktuell nicht rootbar, stark beschränkte App-Auswahl etc. etc. Da bleibe ich lieber bei meiner Android 4.4 TV Box (Orbsmart S82). Die ist nicht komplett auf das Amazon-Angebot zugeschnitten und XBMC ist auch schon vorinstalliert.
nk222 04.09.2014
2. kampfpreis?
ähm... ein Chromecast kostet 35€ und das ohne Prime-Dings Mitgliedschaft! Wo also ist denn hier der Kampfpreis? Außerdem ist der auch deutlich kleiner als ein "paar übereinandergestapelte CD Hüllen"...
John.Moredread 04.09.2014
3.
Nett. Aber für die Funktionalität im Grunde überteuert; ich würde jedenfalls nicht damit werben, wenn man sich den Chromestick locker für 35 Euro kaufen kann (habe ihn neulich im Saturn in der Grabbelkiste für 25 Euro gesehen). Wenn das Gerät allerdings performant ist und die Sprachsteuerung gut dann ist es in der Tat interessant und einer Überlegung wert. Aber nicht wegen des Preises. Für den anvisierten Endpreis von 100 Euro bekomme ich hier einen Blue-Ray-Player, auf dem ich auch locker Prima schauen kann (und viele andere Dinge).
kdshp 04.09.2014
4.
USA 99 Dollar vs Deutschland 99 Euro ???
quark@mailinator.com 04.09.2014
5. Pappnasen
Wer nun auchnoch seinen Online-Medienkonsum in die Hände der US-Firmen legt, hat den Schuß wirklich nicht gehört. Es reicht ja nun wirklich so schon, daß mittlerweile Telefon und Fernsehen oft mit über die IP-Schiene, sprich Internettechnologie übertragen werden und von Google über Amazon und eBay, Facebook und PayPal, Microsoft und Apple fast alles über US-Resourcen läuft. Könnte der europäische Bürger nicht langsam mal aufhören, den bequemsten Weg zu wählen und ggf. IRGENDWER endlich Geld dafür bereitstellen, daß paar unabhängige Alternativen entstehen ??? Statt dessen bekommt man es über Jahrzehnte noch nicht mal hin, ein eigenes GPS zu bauen ... augenroll. Nach Büchern etc. kommen nun als nächstes die Taxis dran ... Aber die USA sind ja unsere großer Freund und die Monsterfirmen von da wollen auch nur unser Bestes :-(.
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