Sprachgesteuerter Assistent Amazon bringt den Echo nach Deutschland

Zwei Jahre nach der Einführung in den USA kommt Amazons Smart-Home-Lautsprecher Echo auch nach Deutschland. Die Anpassung an die deutsche Sprache und Kultur dauerte offenbar länger als erwartet.

Amazon Echo
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Amazon wird seinen vernetzten Lautsprecher Echo bald auch in Europa als persönlichen digitalen Alltagsassistenten im Haushalt anbieten. In "diesem Herbst" soll der vernetzte Lautsprecher mit Sprachsteuerung in Deutschland erstmals außerhalb des englischsprachigen Sprachraums auf den Markt kommen, kündigte Amazon-Manager David Limp am Mittwoch in London an.

In Deutschland soll der Echo-Lautsprecher rund 180 Euro kosten und zunächst eingeschränkt auf Einladung vertrieben werden. Kunden von Amazons Abo-Service Prime bekämen 50 Euro Rabatt. In Großbritannien wird das Gerät für 149 Pfund frei verfügbar sein. In der aktuellen Version wurde der Prozessor für die Spracherkennung erneuert. Das bisher nur schwarze Gerät gibt es jetzt auch in Weiß.

Der Zeitversatz zwischen der Einführung in Großbritannien und in Deutschland dürfte der Komplexität der deutschen Sprache geschuldet sein. Nachdem der Echo bereits seit Langem in den USA verkauft wird, ist die Technologie des Geräts bereits gut an englische Sprache angepasst. Die Lokalisierung für Großbritannien wird daher weit weniger aufwendig gewesen sein, als die für Deutschland notwendigen Anpassungen.

Der Echo wurde vor zwei Jahren in den USA eingeführt. Er ist mit der Spracherkennungstechnologie Alexa von Amazon ausgestattet, die mit Lösungen wie Google Now, Siri von Apple und Cortana von Microsoft konkurriert. Gerade Siri erfreut ihre Nutzer immer wieder mit unerwartet unterhaltsamen Antworten, wie diesen:

Amazons Echo-Lautsprecher kann nicht nur auf Zuruf Musik abspielen, sondern auch einen Wecker stellen, eine Einkaufsliste ergänzen, ein Taxi rufen oder alle möglichen Fragen mit Hilfe von Internet-Quellen wie der Wikipedia beantworten. Echo kann außerdem zur Kontrolle des vernetzten Haushalts genutzt werden und beispielsweise die Beleuchtung steuern oder auf Zuruf das Garagentor öffnen. Zum Geschäftsmodell gehört auch, dass per Sprachbefehl Waren bei Amazon bestellt werden können.

Unter den Partnern zum Start in Deutschland sind die Taxi-App "MyTaxi", die Musikdienste Spotify und TuneIn, der Heizungs-Vernetzer Tado, die Rezepte-Portale "Chefkoch.de" und "Kitchen Stories" sowie Medien wie "Bild", "Tagesschau.de" und n-tv. Auch SPIEGEL ONLINE entwickelt ein Angebot für den Echo.

Der Echo lauscht mit sieben Mikrofonen

Mit Echo und Alexa habe man drei fundamentale Trends im modernen Computing zusammengeführt, sagte Manager Limp. Das seien maschinelles Lernen, Cloud-Computing und die Steuerung per Sprache. Bei der Spracherkennung habe Amazon die Herausforderung bewältigt, die Spracheingaben auch richtig zu verstehen, wenn der Lautsprecher mit seinen sieben Mikrofonen in einer lauten Umgebung aufgestellt wird oder laut Musik abspielt.

Außerdem habe man große Fortschritte in der Interpretation natürlicher Sprache gemacht, betonte Limp. Wenn man Alexa etwa die Frage stelle: "Wann spielen die Spurs das nächste Mal?", sei das System inzwischen in der Lage zu verstehen, dass es dabei um den Fußballverein Tottenham Hotspurs in der britischen Premier League gehe.

Blaues Licht signalisiert Hörbereitschaft

Limp ging auch auf Datenschutzbedenken gegenüber Echo ein, weil das Gerät ständig auf die Eingabe des Aufwach-Worts "Alexa" warte. Zum einen verfüge der Lautsprecher über einen Knopf, mit dem man die Mikrofone abstellen könne. Wenn der Lautsprecher auf eine Spracheingabe warte, werde dies mit einem blauen Licht deutlich signalisiert. Die Anwender könnten sich außerdem im Web alle aufgezeichneten Spracheingaben anhören und auf Wunsch komplett löschen.

Amazon baute sein Geräte-Angebot in den vergangenen Jahren immer weiter aus. Auf die E-Book-Reader der Marke Kindle folgten Tablets, eine Fernseh-Box und 2014 auch ein Smartphone. Das Fire Phone erwies sich allerdings als ein teurer Flop und wurde wieder eingestellt. Vor wenigen Wochen brachte Amazon zuletzt seine Dash-Buttons nach Deutschland, mit dem Amazon-Kunden ausgewählte Markenprodukte auf Knopfdruck bestellen können.

Google will mitmischen

Ein Gerät mit ganz ähnlichen Merkmalen wie beim Echo hat Google im Mai auf seiner Entwicklerkonferenz I/O angekündigt. Der US-Konzern nennt sein Projekt Google Home. Auch hier dient ein per WLAN vernetzter Lautsprecher als sprachgesteuerte Steuerungszentrale für die Heimvernetzung, soll außerdem beispielsweise Verkehrsinformationen liefern, den Kalender verwalten, Restaurants reservieren oder Essen bestellen können.

Google-Manager Mario Queiroz mit einem Prototyp von Google Home
AFP

Google-Manager Mario Queiroz mit einem Prototyp von Google Home

Noch ist das allerdings nur ein Versprechen. Erst Ende des Jahres soll Google Home auf den Markt kommen. Ob nur in den USA oder auch in anderen Ländern, ließ Google-Chef Sundar Pichai bei der Ankündigung im Mai offen. Klar ist jedoch, dass sein Konzern damit den Druck auf Amazon erhöht hat, den Echo möglichst bald in weitere Länder zu bringen, um dort als erster den Smart-Home-Markt bedienen zu können.

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mak/dpa



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