Amazon Fire TV im Test Die Kiste versteht mich!

Mit Amazons Fire TV soll man sekundenschnell Zugriff auf Tausende Filme, TV-Serien und Millionen Songs haben. Das kleine Kästchen soll Spracheingaben verstehen und sogar als Spielkonsole taugen. Hier der Test, ob das wirklich klappt.

Matthias Kremp

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Amazon hat offenbar verstanden, wie man seine Kunden zu Konsumenten macht. Als ich mein Testgerät auspacke, finde ich im Karton der Fire TV eine Anleitung, wie ich das Gerät an meinen Fernseher anzuschließen habe. Nicht, dass ich das nicht auch ohne diese Hilfestellung geschafft hätte, aber gut zu wissen ist das schon.

Die nächste Überraschung kommt, als ich das Gerät zum ersten Mal einschalte. Nicht nur, dass es meinen bereits in die Jahre gekommenen Fernseher dazu bringt, automatisch auf den richtigen HDMI-Eingang umzuschalten. Es begrüßt mich auch noch mit meinem Namen und fragt, ob ich es denn wirklich selbst bin und diese Fire TV mit meinem Amazon-Konto verwenden will.

Ich muss also keinen Benutzernamen und kein Passwort eingeben, das Gerät wurde bereits vor dem Versand mit meinem Nutzerdaten verknüpft. Mir bleibt nur, mein W-Lan auszuwählen und dessen Passwort einzugeben. Das war es dann aber auch. Wenige Minuten nachdem ich den Karton geöffnet habe, läuft deshalb bereits ein Filmchen auf meinem Fernseher, in dem mir die grundlegenden Funktionen der Box nahegebracht werden.

Asynchron fernsehen

Was ich danach zu sehen bekomme, ist eine üppig bebilderte Auflistung von Filmen, Serien, Apps und Spielen. Zur besseren Übersicht hat Amazon seine Inhalte in verschiedene Kategorien wie Serien, Spiele und Prime Video aufgeteilt. Die Startseite bietet einen bunten Mix aus allem.

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Zuerst probiere ich aus, was eigentlich nicht Kernkompetenz einer TV-Box ist - und installiere ein paar Apps. Neben den Angeboten aller wichtigen deutschen Mediatheken sind auch ein paar Online-Medien dabei, darunter auch SPIEGEL ONLINE.

Zum ersten Mal habe ich das Gefühl, dass es Spaß machen kann, auf einem Fernseher Nachrichten zu lesen. Die Integration der Mediatheken gibt mir die Möglichkeit, auch mal ARD, ZDF und Arte TV zu sehen. Weil ich mich schon so sehr daran gewöhnt habe, Streaming-Dienste und Festplattenrekorder zu benutzen, bleiben mir oft nur die Mediatheken, um TV-Sendungen anzuschauen.

Auch noch eine Spielkonsole?

Als nächstes schaue ich mir an, welche Spiele Amazon für die Fire TV anbietet. Ich staune nicht schlecht, als ich sehe, dass das Angebot schon recht umfangreich ist. Viele der Titel kenne ich von Android-Geräten und lade mir das Rennspiel "Riptide GP 2" auf die Box. Bezahlen muss ich es nicht, weil ich es schon für mein Android-Handy gekauft habe. Die Spiele, die auf der Fire TV laufen, sind modifizierte Versionen von Smartphone- und Tablet-Spielen. Einmal gekauft, laufen sie auf allen kompatiblen Geräten.

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Die Qualität ist vollkommen in Ordnung. Grafisch können Fire-TV-Spiele zwar keineswegs mit dem mithalten, was eine PS 4 oder die Xbox One leisten, aber um nur mal zwischendurch ein bisschen auf dem Sofa zu daddeln, reicht es allemal. Umso mehr als viele Spiele kostenlos sind, andere nur wenige Euro kosten. Würde ich das regelmäßig machen, stünde bald Amazons Gamecontroller auf meiner Wunschliste. Die Fernbedienung kann als Spielsteuerung nicht überzeugen.

Die Box versteht alles

Dafür überzeugt sie umso mehr als das, was sie eigentlich ist: eine Fernbedienung. Zum einen, weil man sie nicht auf die Box ausrichten muss, damit sie funktioniert - eine Sichtverbindung ist nicht nötig. Zum anderen, weil sie sehr übersichtlich ist und mit wenigen Tasten auskommt. Die wichtigste davon liegt ganz oben. Wenn ich sie gedrückt halte, wird das Mikrofon aktiviert und die Box lauscht darauf, was ich sage.

Gesprochene Befehle versteht die Fire TV damit zwar nicht, aber wenn ich einen Film suche, muss ich dessen Titel nicht umständlich eintippen, sondern kann ihn einfach ins Mikrofon sprechen. Die Trefferquote der Spracherkennung lag bei allem, was ich ausprobierte, bei nahezu 100 Prozent. Selbst wenn ich englische und deutsche Sprache mischte oder beispielsweise einen italienischen Namen mit englischem Akzent aussprach, zeigte die Fire TV sekundenschnell das richtige Ergebnis an. Neben Filmtiteln findet man auf diese Weise auch Schauspieler und Regisseure.

Ein schneller Internetanschluss hilft

Womit wir bei dem wären, worum es bei der Fire TV eigentlich geht: Filme und Serien. Die Auswahl ist in Ordnung, weist aber Lücken auf, wie wir im Vergleich mit anderen Streaming-Diensten bereits festgestellt hatten. Beim Stöbern im Angebot störte mich, dass in den Übersichten meist nicht vermerkt ist, welche Inhalte kostenpflichtig sind und welche nicht. Ein Teil des Gratis-Angebots ist Prime-Kunden vorbehalten, die 49 Euro pro Jahr für die kostenlose Lieferung vieler Artikel und eben kostenlose Web-Videos bezahlen.

Die Qualität dessen, was man zu sehen bekommt, hängt meist mit der Durchsatzrate der Internetleitung zusammen und wird dynamisch angepasst. Bei meinem 100-Mbit-Kabelanschluss erreichte mich bei allen in HD angebotenen Filmen Full-HD-Video mit Dolby-Digital-Sound.

Fazit

An der Fire TV müssen sich andere Streaming-Boxen messen lassen. Sie ist klein, leicht zu bedienen, bietet eine gute Sprachsuche und kann Filme in sehr guter Qualität auf den Fernseher bringen. Der Preis von 99 Euro ist dafür absolut gerechtfertigt. Zwei Mankos muss man ihr aber dennoch ankreiden.

Vorteile und Nachteile

Bei Bestellung über Amazon vorkonfiguriert

Sehr gute Spracherkennung

Auch als Mini-Spielkonsole nutzbar

Umfangreiches Film- und Serienangebot

HDMI-Kabel nicht im Lieferumfang

Alternative Streaming-Dienste nicht nutzbar

Zunächst, dass das für den Anschluss an den Fernseher nötige HDMI-Kabel nicht mitgeliefert wird. Vor allem aber, dass sich keine Apps von Streaming-Anbietern wie Maxdome, Watchever und Netflix installieren lassen, um Amazons Programm zu ergänzen. So werden viele Anwender doch noch eine zweite Box neben die Fire TV stellen müssen.



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Seite 1
grenoble 03.10.2014
1. und genau das ist der Kern...
..die Box kennt mich, sie versteht mich, deshalb muß der dummbröselige, saumseelige User nichts Verstehen, nichts Können. Auch seine Daten muß er nicht kontrollieren, denn was hat ein Dummbeutel schon zu verbergen, eben, Nichts! Das kann man toll finden und fehlendes Hdmi Kabel beklagen, man könnte aber auch reflektieren, nachdenken und fragen muß das sein? Aber zum Glück gibt es die Fanboys die sich von dem "Kästchen" bzw. seinen Machern gerne weiter verarsc....lassen
windsurfgleiten 03.10.2014
2. Watchever lässt sich nicht installieren?
Ich warte noch auf die Lieferung meiner Fire TV, aber ich habe mehrfach gelesen, dass sich Watchver installieren lässt... Daher wundert mich hier die Aussage und der Negativpunkt?!
kaiping 03.10.2014
3. Keine anderen Dienste?
Das stimmt nicht. Netflix ist bereits für den Herbst angekündigt!
mschomm 03.10.2014
4. Netflix auf Fire TV
Mich hatte im Beitrag die Aussage verwundert, dass Netflix auf Fire TV nicht gehen soll. Irgendwann in den letzten Tagen hatte ich Gegenteiliges gelesen. Und bei den Hilfeseiten von Netflix selbst findet sich auch ein Eintrag, was man dazu tun muss: https://help.netflix.com/de/node/13588 Kann's selbst "leider" nicht ausprobieren, da ich mir einige Monate vor dem Erscheinen von Fire TV schon einen Sony BD-Player angeschafft habe, der Instant Video, Netflix, Maxdome, etc. unterstützt.
andix 03.10.2014
5. Netflix ist bereits vorinstaliiert
Netflix steht nicht nur ganz prominent auf der Verpackung drauf, es ist sogar vorinstalliert. Und ohne Amazon Prime Konto braucht man die Box sowieso nicht.
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