Paperwhite im Test Einmal Kindle, extrascharf

Mit einem neuen Bildschirm und verbessertem Textsatz soll der neue Kindle Paperwhite Kunden locken. Wir haben ausprobiert, ob er wirklich besser ist als sein Vorgänger.

Von

Matthias Kremp

Um das gleich vorweg zu nehmen: Ein langer Testbericht wird das hier nicht. Muss es auch nicht, denn so viel hat sich beim neuen Kindle Paperwhite gegenüber dem Vorgängermodell nicht geändert.

Nicht einmal den Namen hat Amazon geändert. Kein Kürzel deutet darauf hin, dass es sich hier um die dritte Version des laut Hersteller populärsten Kindle-E-Readers handelt. Von außen ist er nicht vom Vorgänger zu unterscheiden. Auch die Preise wurden nicht geändert: 120 Euro kostet das günstigste Modell mit WLAN und Werbeeinblendungen, 200 Euro die werbefreie Variante mit Mobilfunkanbindung.

Und doch gibt es eine wichtige Neuerung bei dem Gerät, das Amazon schlicht als "der neue Kindle Paperwhite" bewirbt: Der Bildschirm ist jetzt ebenso hochauflösend wie der in Amazons bis zu 250 Euro teurem Top-Modell, dem Kindle Voyage. Genau wie dort zeigt der E-Ink-Bildschirm im Paperwhite jetzt 300 Punkte pro Zoll an. Ebenso viel also, wie ein handelsüblicher Laserdrucker in der Standardeinstellung zu Papier bringt.

Licht ohne Automatik

Das Ergebnis ist ebenso beeindruckend wie beim Voyage. Dass Texte auf E-Ink-Displays wie gedruckt wirken, weil die Displaytechnik ein besonders ruhiges Bild erzeugt, ist nicht neu, und funktioniert bei vielen anderen E-Readern ebenso gut. Hier aber ist der Effekt noch etwas deutlicher, weil die Buchstaben sich gestochen scharf vom Hintergrund abheben. Selbst durch die Lupe (siehe Bilderstrecke) oder bei extrem großen Schriften, sind keine Kanten zu erkennen.

In Kombination mit der Bildschirmbeleuchtung sorgt das dafür, dass man auf dem Paperwhite stets sehr gut lesen kann, egal, ob im prallen Sonnenlicht oder im abgedunkelten Schlafzimmer. Allerdings ist hier Handarbeit gefragt. Im Gegensatz zum Voyage wird die Intensität der Beleuchtung nicht automatisch geregelt, bleibt also auch in heller Umgebung aktiviert. Besser lesbar werden Texte dadurch nicht. Stattdessen wird der Akku schneller geleert als nötig.

Kindle Paperwhite, Modell 2015: Die dritte Inkarnation des populären E-Readers ist von außen nicht von seinen Vorgängern zu unterscheiden.

Die Rückseite des neuen Modell besteht, wie immer, aus einem griffigen und leider auch schmutzempfindlichen Kunststoff.

Der USB-Anschluss neben der Einschalttaste dient zum Aufladen des Akkus. Amazon verspricht "wochenlange" Ausdauer. Wenn man ihn wirklich benutzt und viel liest, muss man aber doch eher einmal pro Woche Strom tanken.

Handlich ist das neue Modell geblieben. Mit knapp über 200 Gramm liegt er so leicht in der Hand, dass man ihn bequem einhändig benutzen kann.

Der deutlichste Unterschied gegenüber dem 70 Euro teureren Kindle Voyage ist, dass man die Display-Beleuchtung manuell regeln muss. Für dieses Foto haben wir die Lampen komplett abgeschaltet.

In diesem Bild ist zu sehen, wie hell der Bildschirm bei voller Beleuchtung strahlt. Besonders häufig wird man diese Einstellung nicht benötigen.

Die hohe Auflösung des Bildschirms - 300 Punkte pro Zoll - sorgt dafür, dass selbst bei naher Betrachtung keine Kanten, Stufen oder Fransen in den Buchstaben zu erkennen sind.

Selbst durch eine Lupe betrachtet, wirkt das Schriftbild noch vollkommen gleichmäßig, fast wie gedruckt

Die übrigen Neuerungen am 2015er Kindle Paperwhite liegen in der Software. Als wichtigste bezeichnet Amazon die neue Schriftart Bookerly. Sie soll das Lesen angenehmer machen, sei "für das Lesen auf digitalen Bildschirmen entwickelt" worden, erklärt der Hersteller.

Tatsächlich passt sie sehr gut zu dem neuen 300-dpi-Display, weil sie sehr fein gezeichnet ist, die hohe Auflösung dadurch gut ausnutzt. Die aber spielt ihr Potenzial nur in Kombination mit einigen Verbesserungen am Textsatzsystem des Kindle aus.

Dessen Neuerungen sind allerdings eher von der feinen Sorte, fallen nicht notwendigerweise sofort ins Auge. So kann es jetzt beispielsweise besser mit sogenannten Ligaturen umgehen, also mit eng zusammenhängenden Buchstaben, wie den Kombinationen fi und fl. Außerdem wurde verbessert, wie die Software mit Blocksatz umgeht und wie sie Wörter so trennt, dass der Lesefluss erhalten bleibt.

Das Ergebnis ist nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen, macht das Lesen am Kindle aber insgesamt doch angenehmer. Zumindest bei den Büchern, die ich übers Wochenende gelesen und durchgeblättert habe, waren - subjektiv gefühlt - seltener Zeilen zu finden, in denen zu große Wortabstände nerven oder in denen Worte falsch getrennt waren.

Fazit

Keine Frage: Der neue Kindle Paperwhite ist besser als sein Vorgänger. Das Display macht den Unterschied, ist schärfer, kontrastreicher als sein Vorgänger. Dass Texte außerdem besser umbrochen werden, die Typografie gewonnen hat, ist dagegen eine reine Softwarefunktion. Davon werden andere Kindles per Update bald auch profitieren.

Einen Grund, einen alten Paperwhite durch das neue Modell zu ersetzen, gibt es deshalb kaum. Dafür gibt es viele Gründe, statt des teuren Kindle Voyage den neuen Paperwhite zu kaufen. Wer auf die automatische Beleuchtungssteuerung und ein etwas schickeres Gehäuse verzichten kann, spart mit dem Paperwhite 70 Euro gegenüber dem Top-Modell.

Vorteile und Nachteile

Sehr gutes Display

Sehr gute Textdarstellung

Umfangreiches Angebot an Büchern

Gute Akkulaufzeit

Geschlossenes System

Was beiden gemein ist: Wie alle Kindle-E-Reader gehören sie zu einem geschlossenen System, in dessen Zentrum E-Books in Amazons eigenen Formaten stehen. Andere populäre Formate wie das weitverbreitete Epub akzeptieren sie von Haus aus nicht.

Technische Daten

Hersteller Amazon Amazon
Bezeichnung Kindle Paperwhite (2015) Kindle Voyage
Betriebssystem k.A. k.A.
Prozessor k.A. k.A.
Arbeitsspeicher k.A. k.A.
Massenspeicher 2 GB 4 GB
Displaygröße 6 Zoll 6 Zoll
Displayauflösung 300 ppi 300 ppi
W-Lan 802.11 b/g/n 802.11 b/g/n
Mobilfunk Optional 3G Optional 3G
Speicherkartensteckplatz Nein Nein
Gewicht 205/217 Gramm 180/188 Gramm
Abmessungen (mm) 169 x 117 x 9,1 162 x 115 x 7,6
Unterstützte Formate AZW3, AZW, TXT, PDF, ungeschützte MOBI, PRC nativ; HTML, Doc, Docx, JPEG, GIF, PNG, BMP AZW3, AZW, TXT, PDF, ungeschützte MOBI, PRC nativ; HTML, Doc, Docx, JPEG, GIF, PNG, BMP
Preis mit W-Lan/3G 120 bis 200 Euro 190 bis 250 Euro

Alle Daten sind Herstellerangaben



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insgesamt 59 Beiträge
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Seite 1
spon-facebook-10000263309 22.06.2015
1. Kobo H20
Etwa ein Jahr alt, trotzdem genauso gut
GerhardFeder 22.06.2015
2. Unbrauchbar
"Was beiden gemein ist: Wie alle Kindle-E-Reader gehören sie zu einem geschlossenen System, in dessen Zentrum E-Books in Amazons eigenen Formaten stehen. Andere populäre Formate wie das weitverbreitete Epub akzeptieren sie von Haus aus nicht." Proprietäre Systeme sind grundsätzlich unbrauchbar, weil sie zu Abhängigkeiten führen und den Fortschritt blockieren. Leider gilt das auch für die ansonsten guten i-pads.
blabla55 22.06.2015
3. Anderes Format,
einfach die Software Calibre nehmen und schon passt es.
deegeecee 22.06.2015
4.
"Selbst... bei extrem großen Schriften, sind keine Kanten zu erkennen." Es dafür gäbe es ja auch keinen technischen Grund. Die Schriften sind doch frei skalierbare Vektorfonts, oder?
evans 22.06.2015
5. Geschlossene Systeme
werden offenbar nur kritisiert, wenn sie nicht von Apple sind... Der Kindle ist der technisch beste und am einfachsten zu gebrauchende Ebook-Reader. Oft haben eine einfache Bedienung und ein günstiger Preis eben Einschränkungen zu Folge (s.o.). Die werden von den allermeisten Nutzern sicherlich nicht wahrgenommen. Zu den Fotos: Super Idee den Unterschied in der Display-Helligkeit zwischen der minimalen und der maximalen Stufe mit einer Belichtungsautomatik zu fotografieren. Darauf kommen bestimmt nur Technik-Redakteure ...
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