Amazon Kindle Voyage im Test Schöne, teure Lesemaschine

Amazons neuer Luxus-Reader Kindle Voyage ist ein bisschen leichter, ein bisschen dünner und viel schärfer als seine Vorgänger. Ein bisschen billiger wird er leider nicht. Unser Test zeigt, ob sich der Aufpreis lohnt.

Matthias Kremp

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Ich gebe es gerne zu: Ich lese Bücher am liebsten elektrisch. Amazon hatte leichtes Spiel mit mir, als es die Technik seiner Kindle-E-Reader als Apps für Android und iOS veröffentlichte. Die waren kostenlos und hatten den Vorteil, dass man mit den Tablets auch im Dunkeln lesen kann. Der Kindle Paperwhite, der eine integrierte Bildschirmbeleuchtung hat, konnte mich nicht so recht begeistern, war mir unter anderem zum klobig. Beim neuen Kindle Voyage soll das anders sein, also habe ich ihn gut eine Woche lang ausprobiert.

Beim Auspacken des Testgeräts fällt mir zuerst auf, wie viel schlanker der Voyage ist als der neue Touchscreen-Kindle, den ich erst vor kurzem getestet habe. Nur 7,6 Millimeter ist er dick, liegt mit 188 Gramm - die W-Lan-Variante ist acht Gramm leichter - auch bei längerem Lesen gut in der Hand. Das Design kann mich weniger begeistern. Der schwarze Plastikrücken erinnert mich mit seinen kantigen Formen irgendwie an einen Tarnkappen-Jet.

Aber meist sehe ich ihn ja von vorne und vorne gefällt er mir viel besser. Die gesamte Front ist von einem dünnen Deckglas bedeckt, das mit einer chemischen Ätzung mattiert wurde. Gegenüber Tablet-Bildschirmen, in denen sich Lampen oft stark spiegeln, ein großer Vorteil.

Texte wie gedruckt

Eine Neuheit liegt unter diesem Glas: Das E-Ink-Display des Voyage hat eine Auflösung von 300 Punkten pro Zoll. Das entspricht dem Druckbild eines Laserdruckers und sorgt dafür, dass man nur durch eine Lupe überhaupt Kanten in den Rundungen der Buchstaben erkennen kann. Normal betrachtet wirken Texte darauf wie gedruckt.

Hinzu kommt die Beleuchtung des Bildschirms, die von Sensoren sehr feinfühlig an die jeweilige Umgebungshelligkeit angepasst wird. Scheinbar stufenlos wird die Lichtstärke hochgeregelt, als ich an einem Sonnentag langsam von der Terrasse übers Wohnzimmer in den Keller gehe. Ohnehin ist es empfehlenswert, die automatische Helligkeitssteuerung zu aktivieren. Im Test hatte ich damit immer ein angenehm ausgeleuchtetes Schriftbild.

Der Traum von sechs Wochen Akkulaufzeit

Die Hoffnung, die Leuchtautomatik würde gleichzeitig den Stromverbrauch senken, erfüllte sich leider nicht. Amazon gibt für den Voyage eine Akkulaufzeit von bis zu sechs Wochen an - wenn man eine halbe Stunde pro Tag liest. Für mich reicht das nicht. Umso weniger da ich regelmäßig englische Bücher lese, wobei ich gerne das eingebaute Wörterbuch des Kindle nutze. Das Ergebnis: Nach einer Woche war mein Voyage platt, musste aufgeladen werden.

Technische Daten

Hersteller Amazon
Bezeichnung Kindle Voyage
Betriebssystem k.A.
Prozessor k.A.
Arbeitsspeicher k.A.
Massenspeicher 4 GB
Displaygröße 6 Zoll
Displayauflösung 300 ppi
W-Lan 802.11 b/g/n
Mobilfunk Optional 3G
Speicherkartensteckplatz Nein
Gewicht 180/188 Gramm
Abmessungen (mm) 162 x 115 x 7,6
Unterstützte Formate AZW3, AZW, TXT, PDF, ungeschützte MOBI, PRC nativ; HTML, Doc, Docx, JPEG, GIF, PNG, BMP
Preis mit W-Lan/3G 189/249 Euro

Alle Daten sind Herstellerangaben

Ansonsten gelten für den neuen Kindle dieselben Kritikpunkte wie für seine Vorgänger: Er ist Teil eines geschlossenen Systems, in dessen Zentrum E-Books in Amazons eigenen Formaten stehen. Andere populäre Formate, wie das weitverbreitete Epub, akzeptiert er von Haus aus nicht.

Amazon durchleuchtet Bücher

Darüber hinaus gibt es am Kindle Voyage aber kaum etwas auszusetzen, Die Bedienung per Touchscreen funktioniert flüssig, wobei ich mich schnell daran gewöhnt habe, zum Umblättern die Pagepress-Sensoren zu benutzen, die seitlich neben dem Bildschirm liegen und sich sowohl links-, wie auch rechtshändig bedienen lassen.

Den Touchscreen selbst habe ich fast nur benutzt, wenn ich beispielsweise Wörterbücher oder die X-Ray-Funktion verwendet habe, die den Inhalt eines Buchs quasi durchleuchtet. Sie gehört zu den Dingen, die E-Books praktischer machen können als deren gedruckte Pendants, indem sie etwa alle Textstellen auflistet, in denen ein bestimmte Person auftaucht. Künftig soll X-Ray eine Art Zeitleistenansicht bereitstellen, über die man sich schnell einen Überblick über die Geschehnisse innerhalb einer Geschichte verschaffen kann. Das kann nützlich sein, wenn man ein angefangenes Buch nach längerer Pause weiterlesen will.

Fazit

Der Kindle Voyage ist der beste E-Reader, den Amazon derzeit zu bieten hat. Sein schlankes Format ist zeitgemäß, sein Bildschirm samt Beleuchtung hervorragend und auch für lange Leseabende geeignet. Der Preis den Amazon dafür verlangt, ist allerdings hoch: 189 Euro kostet das Gerät mit W-Lan-Anbindung. Die Variante mit integriertem 3G-Modul schlägt sogar mit 249 Euro zu Buche. Beide sind ab dem 4. November lieferbar.

Vorteile und Nachteile

Sehr gutes Display

Dedizierte Umblätter-Tasten

Sehr fein gesteuerte Beleuchtung

Sehr dünn und leicht

Hoher Preis

Eine günstigere Alternative ist beispielsweise der Tolino Vision 2, der funktionell dem Kindle Paperwhite ähnelt, aber auf eBooks im Epub- und PDF-Format spezialisiert und zudem wasserfest ist. Ihn bekommt man schon für 129 Euro. Und gerade hat Amazon den Preis des Kindle Paperwhite gesenkt, bietet ihn ab Ende Oktober für 109 Euro an.

Matthias Kremp

Amazon Kindle Voyage: Mit dem neuen Modell schafft sich das Unternehmen eine neue Premium-Hardware zum Lesen digitaler Bücher.

Matthias Kremp

Kunststoff ist es doch: Mit seinen unregelmäßig geformten Konturen erinnert der Kindle Voyage an dir Formgebung von Tarnkappen-Jets.

Matthias Kremp

Schön schlank: Mit nur 7,6 Millimetern ist der Voyage so dünn wie ein Highend-Smartphone und außerdem …

Matthias Kremp

... nicht viel größer als ein Reisepass. So passt er auch in kleine Taschen, so dass man ihn fast überall hin mitnehmen kann.

Matthias Kremp

Spiegelfrei: Das Deckglas des Displays wurde chemisch leicht aufgeraut, so dass es keine harten Reflexe erzeugt. Sehr dezent ist hier die Beleuchtung zu erkennen.

Matthias Kremp

Fast wie gedruckt: Das neue E-Ink-Display des Kindle Voyage hat eine Auflösung von 300 Punkten pro Zoll. Das entspricht der Qualität einfacher Laserdrucker.

Matthias Kremp

Feine Rundungen: Selbst in dieser stark vergrößerten Ansicht sind keine Treppeneffekte zu erkennen.

Matthias Kremp

Drücken statt tatschen: Alternativ zum Umblättern auf dem Touchscreen kann man berührungsempfindliche Felder am Rand des Bildschirms benutzen, um eine Seite vor oder zurück zu springen.

Matthias Kremp

Macht es leicht: In der W-Lan-Version wiegt der neue Kindle 180 Gramm., mit 3G-Modul 188 Gramm. Das ist so leicht, dass man ihn gerne auch etwas länger in der Hand behält.

Matthias Kremp

Geht so: Als Zubehör bietet Amazon für 45 Euro die sogenannten Origami-Hüllen an, die das Gerät deutlich dicker und schwerer machen und auch zum Aufstellen des Kindle taugen. Immerhin, stabil sind sie.

Matthias Kremp

Ein bisschen mehr: Das Hauptmenü wird aufgerufen, indem man einmal auf den Bildschirm tippt - so wie bei allen Touchscreen-Kindles.

Matthias Kremp

Shopping-Portal: Der Voyage wäre kein Kindle, würde er nicht die Möglichkeit bieten, weitere Bücher und Zeitschriften bei Amazon zu kaufen.

Matthias Kremp

Gut, wenn man mal die Brille vergessen hat: Natürlich lassen sich auch Schriftgröße und Zeilenabstand variieren.

Matthias Kremp

Literatur durchleuchtet: Amazons X-ray-Funktion zeigt beispielsweise an, wann und wie häufig eine bestimmte Person in einem Buch vorkommt.

Matthias Kremp

Mehr erfahren: Per X-ray kann man sich schnell einen Überblick verschaffen, wie eine Person im jeweiligen Buch dargestellt wird.

Matthias Kremp

Am besten auf Automatik: Ein Lichtsensor sorgt dafür, dass der Bildschirm immer optimal ausgeleuchtet ist und sich das Licht abschaltet, wenn genug Umgebungslicht vorhanden ist.

Matthias Kremp

Stromnot: Statt der bis zu sechs Wochen Akkulaufzeit, die Amazon in Aussicht stellt, war der Stromspeicher des Testgeräts bereits nach einer Wochen leer.

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insgesamt 18 Beiträge
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Seite 1
Anay2 29.10.2014
1. Leider
Leider zu klein für meine Bedürfnisse: Bei gescannten Dokumenten, PDFs mit Fußnoten usw. muss es mind. ein 9,7-Zoller sein, und davon gibt es m.W. nur ein vernünftiges Modell auf dem Markt, nämlich bei Onyx Boox. Oder kennt jemand eine Alternative? Will nämlich demnächst mal upgraden. :)
nolabel 29.10.2014
2. leider proprietär
Der Kindle krankt am Grundübel seines proprietären Datenformats. Ich begreife nicht, wie man sich darauf einlassen kann, wo es mit dem international genormten epub-Format längst eine Alternative gibt, die erstens keinen Deut schlechter und zweitens von sämtlichen Buchshops angeboten wird (solange sie nicht Jeff Bezos gehören). Bin übrigens seit 2 Jahren sehr zufrieden mit Kobo Glo.
Bin_der_Neue 29.10.2014
3. Akkulaufzeit
Falls das Testgerät des Autors ein Neugerät war, so wird es einige Lade-/Entladezyklen benötigen um die volle Akkukapazität zu erreichen. 6 Wochen Laufzeit wird man dennoch nicht erreichen, wenn man das Gerät entsprechnd fordert, aber es heisst ja auch "bis zu 6 Wochen" - ich füge hinzu: je nach Nutzung. Und da es hier bereits wieder die ersten Schlaumeierkommentare bezüglich Amazons proprietären Datenformats gab: nicht jeder ist gewillt (und befähigt) sich mit unterschiedlichen Methoden, Anbindungen etc. zum Download von Büchern zu beschäftigen. Und für dieses Klientel ist der Kindle einfach eine hervorragende Sache, für die sie auch gerne ein paar Cent mehr zu bezahlen bereit sind.
nein_zur_vds 29.10.2014
4. die Tatsache dass er von amazon ist reicht!
die zahlen keine Steuern, scheren sich einen Dreck um Freiheitsrechte (siehe Wikileaks Kündigung der Server auf US Druck) oder Arbeitnehmerrechte, verstopfen die Straßen mit ihrem Paketmüll, und vernichten den Einzelhandel und damit langfristig unsere Innenstädte... Von daher: auf keinen Fall kaufen! Amazon raus aus Europa! Im übrigen: die in der "Anstalt" im ZDF propagierte "Staricebucketchallenge" könnte man prima ergänzen: Amazon-ice-bucket-challenge
egon_kallinski 29.10.2014
5. PDF und Kindle
Zitat von Anay2Leider zu klein für meine Bedürfnisse: Bei gescannten Dokumenten, PDFs mit Fußnoten usw. muss es mind. ein 9,7-Zoller sein, und davon gibt es m.W. nur ein vernünftiges Modell auf dem Markt, nämlich bei Onyx Boox. Oder kennt jemand eine Alternative? Will nämlich demnächst mal upgraden. :)
Ich halte weder den Kindle noch einen anderen monochromen eBook-Reader geeignet für PDFs. Solche Dokumente sind auf dem iPad oder ähnlichen Tablets gut aufgehoben. Insbesondere, weil man dann Details wie Bilder oder Tabellen zoomen kann. Wer viel mit PDFs umgeht, sollte sich die Software "PDF Expert" oder ähnliche ansehen. Kommentieren, verwalten, verschicken der Dokumente geht hier wunderbar. Mein Kindle Paperwhite benutze ich nur für Belletristik, weil das "Genuss-Lesen" hier sehr angenehm ist. Wen die Beschränkungen von Amazon stören, sollte Calibre - ein kostenloses Reader-Management-Programm - ansehen. Damit kann man jedes Format in ein anderes wandeln. Zum Beispiel ePub in das Kindle-taugliche mobi. So fallen alle Beschränkungen weg und man hat gleichzeitig eine sauber geführte eBook-Bibliothek.
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