Amazon-Lesegerät Großer Kindle jetzt auch in Europa

Angesichts einer Fülle immer attraktiverer Konkurrenzprodukte gibt Amazon sein derzeitiges Top-E-Book Kindle DX acht Monate nach Verkaufsstart in den USA in den internationalen Verkauf. Das ist nicht selbstverständlich: Bisher hat Amazon den Markt außerhalb der USA stiefmütterlich behandelt.


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E-Books: Lesehilfen für Nerds
New York - Der Interneteinzelhändler Amazon.com gibt Gas: Der größere E- Book-Reader Kindle DX werde vom 19. Januar an weltweit verfügbar sein, teilte Amazon am Mittwoch mit. Bisher wurde das Gerät mit einer Bildschirmdiagonale von 9,7 Zoll (24,6 cm) nur in den USA verkauft.

In Deutschland war auch die etwas kleinere Version Kindle 2 erst seit Oktober angeboten worden. Das erste Kindle-Gerät, das in den USA bereits seit November 2007 verkauft wurde, kam hier erst gar nicht in den Verkauf. Das ist nicht ungewöhnlich: Die meisten Elektronikunternehmen behandeln Europa - das manche von ihnen als Teil des Absatzmarktes Europa-Afrika-Nahost sehen - als Elektronikmarkt dritter Klasse. Sie führen Neuprodukte hier erst ein, wenn sie in den USA und Japan im Verkauf sind. Auch Sony bot seine E-Reader der ersten Generation in Deutschland erst an, als diese in den USA von zwei Nachfolgemodellen überholt worden waren und als Auslaufmodelle verhökert wurden. Den Resteabverkauf pries Sony hierzulande als Einführung einer echten Innovation an.

Deutschlands E-Book-Markt: Branche mit Ladehemmung

Der Mangel hat allerdings auch hausgemachte Gründe. Es fehlt noch immer an attraktiven Inhalteangeboten. Alle europäischen Copyright-Industrien tun sich schwer mit dem digitalen Zeitalter, viele Innovationen scheitern bisher an Lizenzfragen oder am mangelnden Willen, sie einzuführen, manche Branchen hinken hier ein halbes Jahrzehnt hinterher. In kaum einer Branche ist die Sache in Deutschland komplizierter als im Buchgeschäft. Nach wie vor gibt es im E-Book-Sektor nur ein minimales Angebot attraktiver Inhalte in deutscher Sprache.

Auch für den Kindle DX werden hierzulande vorerst nur englischsprachige Bücher verfügbar sein. Die dafür aber in Hülle und Fülle, wenn Amazon den Zugriff aufs volle Angebot erlaubt: Bereits 2008 machte Amazon mit Digitalausgaben rund sechs Prozent seines Umsatzes, über 130.000 Titel waren im Angebot. In den USA sind E-Books längst ein Massenmarkt, im zurückliegenden Weihnachtsgeschäft setzte Amazon erstmals mehr digitale als gedruckte Buchausgaben ab. Amazon gibt an, an Digitalisierungen nichtenglischsprachiger Bücher zu arbeiten.

Der Kindle DX unterstützt nicht nur das Amazon-eigene Buchtextformat azw, sondern auch das verbreitete PDF-Format. Breit kommt auch der DX daher, der nicht mehr primär als mobiles Lesegerät für unterwegs zu sehen ist: Ähnlich wie ein iPhone bringt er seine Bilddarstellung per Bewegungssensor in Hoch- oder Querformat, die Auflösung von 1200 x 824 Pixeln zielt nicht zuletzt darauf ab, auch aufwendig produzierte Magazin- und Zeitungsinhalte attraktiv darstellen zu können: Auf Seiten der aktuell publizierenden Verlage ist das Interesse an solchen Lesegeräten entsprechend hoch. Hier werden wohl sehr kurzfristig Angebote gemacht werden.

Ab Donnerstag sollte Amazon unter verschärftem Konkurrenzdruck stehen: Es wird erwartet, dass auf der Consumer Electronics Show CES, die seit einigen Jahren die weltweiten Technik-Trends vorgibt, eine ganze Reihe an E-Book-Readern und anderen mobilen Display-Geräten vorgestellt wird, die sich zum Lesen digitaler Bücher eignen. Dazu zählt auch Apples Tablet-PC, dessen Vorstellung für das Monatsende erwartet wird. Auch bei den originären Lesegeräten steht Amazon längst unter Zugzwang, denn die technische Entwicklung geht rapide weiter. Zu den nächsten Entwicklungsstufen gehören Farbdisplays - und endlich auch flexible Lesegeräte. Ein erster Vorbote dieser neuen Gerätegeneration wird mit dem Skiff Reader auf der CES vorgestellt werden: Größer, detaillierter und "zeitungshafter" als jeder andere aktuelle E-Reader.

E-Reader: Lesegeräte von Sony und Amazon im Vergleich

Sony PRS 300 Sony PRS 600 Touch Sony Reader Daily Edition Kindle Kindle DX
Maße 15,75 x 10,67x 0,5 cm 17,53 x 12,19 x .1,2 nicht veröffentlicht 13,5 x 19 x 1,8 cm 26,3 x 18,3 x 0,97 cm
Gewicht 220 Gramm 280 Gramm nicht veröffentlicht 289 Gramm 560 Gramm
Auflösung 800 x 600 Pixel 800 x 600 Pixel nicht veröffentlicht 800 x 600 Pixel 1200 x 824 Pixel
Bild-schirm-diagonale 12,7 cm 15,2 cm 17,78 cm 15,2 cm 24,64 cm
Anzeige 8 Graustufen mit E-Ink-Technik 8 Graustufen mit E-Ink-Technik 16 Graustufen mit E-Ink-Technik 16 Graustufen mit E-Ink-Technik 16 Graustufen mit E-Ink-Technik
Speicher 512 Megabyte 512 Megabyte nicht veröffentlicht 2 Gigabyte 4 Gigabyte
Schnitt-stellen USB 2.0, Memory Stick Pro Duo, SD-Steckplatz USB 2.0, Memory Stick Pro Duo, SD-Steckplatz 3G Mobilfunk, USB 2.0, Memory Stick Pro Duo, SD-Steckplatz 3G Mobilfunk, Mini-USB 3G Mobilfunk, Mini-USB
Preis 199 US-Dollar 299 US-Dollar 399 US-Dollar 299 US-Dollar 489 US-Dollar

pat/dpa/AFP

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insgesamt 3 Beiträge
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Seite 1
semper fi, 06.01.2010
1. -
Zitat von sysopAngesichts einer Fülle immer attraktiverer Konkurrenzprodukte gibt Amazon sein derzeitiges Top-E-Book Kindle DX acht Monate nach Verkaufsstart in den USA in den internationalen Verkauf. Das ist nicht selbstverständlich: Bisher hat Amazon den Markt außerhalb der USA stiefmütterlich behandelt. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,670386,00.html
Der "kleine Kindle" ist ok. Bis auf die DRM-Einschränkungen natürlich. Der grosse ist noch zu teuer. Es gibt kaum etwas, wofür der grössere Screen sinnvoll zu gebrauchen wäre.
Tomanak 06.01.2010
2. Würde ich nicht sagen, Semper fi
Zitat von semper fiDer "kleine Kindle" ist ok. Bis auf die DRM-Einschränkungen natürlich. Der grosse ist noch zu teuer. Es gibt kaum etwas, wofür der grössere Screen sinnvoll zu gebrauchen wäre.
Es gibt schon Dokumente, bei denen größere Screens sinnvoll sind. PDF's im A4- oder Letter-Format zum Beispiel. Die wenigsten davon lassen sich auf den bisher üblichen 5- und 6-Zoll-Geräten sinnvoll darstellen (die einzige, mir bekannte Ausnahme stellen die Geräte des ukrainischen Herstellers Pocketbook dar, die seit knapp 6 Wochen auch in Deutschland vertrieben werden - aber die spielen eh in einer ganz eigenen Liga ;)).
semper fi, 06.01.2010
3. -
Zitat von TomanakEs gibt schon Dokumente, bei denen größere Screens sinnvoll sind. PDF's im A4- oder Letter-Format zum Beispiel. Die wenigsten davon lassen sich auf den bisher üblichen 5- und 6-Zoll-Geräten sinnvoll darstellen (die einzige, mir bekannte Ausnahme stellen die Geräte des ukrainischen Herstellers Pocketbook dar, die seit knapp 6 Wochen auch in Deutschland vertrieben werden - aber die spielen eh in einer ganz eigenen Liga ;)).
Das hatte ich auch gedacht. Nach dem letzten Firmware Update des kleinen Kindle lassen sich auf dem Gerät auch PDFfe ganz normal (also "draq & drop" oder so) speichern. Die Darstellung ist allerdings bei normalen Schriftstücken nicht besonders gut und bei Zeitschriften, Spiegel z. B., einfach unhandlich. Besser wird es mit der von Amazon angebotenen Umwandlung von .pdf in .azw. Aber mitnichten optimal. Ob die 2 oder 3" mehr des grossen Kindle da Erleichterung bringen, weiss ich - mangels Ausprobieren - nicht. Und für ein "trial & error" ist mir das gute Stück schlichtweg zu teuer.
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