Amazons E-Book-Reader UMTS-Kindle geht gratis ins Büchernetz

Für rund 250 Euro können deutsche Kunden den E-Reader Kindle erstehen - eine weltweite UMTS-Flatrate für den Download von E-Books und Digitalzeitungen inklusive. Dank des Wechselkurses kosten US-Bestseller deutsche Kunden weniger als zehn Euro, ein Monat "International Herald Tribune" 13 Euro.

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Nichts zu lesen im Zug? Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" kommt nicht ins Fischerdorf auf Korsika? Und die "New York Times" schon gar nicht? Internetversandhändler Amazon macht Menschen mit solchen Lesebedürfnissen ein Angebot: Der E-Reader Kindle ist jetzt in 100 Staaten erhältlich. Wichtiges Detail des Angebots: In dieser internationalen Version des E-Reader ist ein UMTS-Modul verbaut. Und die Datenübertragung von Amazons Servern ist im Gerätepreis enthalten. Sprich: Man kann mit dem Gerät in 100 Staaten fast überall kostenlos E-Books und digitale Ausgaben von Zeitungen einkaufen und herunterladen.

Der Preis für das Gerät schlägt die Konkurrenzgeräte von Sony bei weitem. Der von Nachrichtenagenturen verbreitete Preis von 190 Euro trügt allerdings etwas: Den UMTS-Kindle kann man auch in Deutschland nur über Amazons US-Online-Shop bestellen. Deshalb muss der Käufer Versandkosten und Einfuhrumsatzsteuer zahlen. Aber auch mit diesen zusätzlichen Gebühren ist der Preis vergleichweise niedrig. Bei einer Testbestellung von SPIEGEL ONLINE kamen zum Gerätepreis von 280 Dollar (nach dem Umrechnungskurs vom 7. Oktober 190 Euro) diese Gebühren hinzu:

  • 22,77 Euro / 33,47 US-Dollar Versandkostenpauschale
  • 38,78 Euro / 57 US-Dollar Import Fees Deposit

Macht zusammen 251 Euro. Der Käufer muss sich dabei um nichts mehr kümmern. Amazon-Sprecherin Christine Höger bestätigt SPIEGEL ONLINE, dass Einfuhrumsatzsteuer und Zollgebühren aus dem Import Fees Deposit bestritten werden. Die Abwicklung der Formalitäten übernimmt ein von Amazon beauftragtes Unternehmen. Vom 19. Oktober an sollen die Geräte aus den Vereinigten Staaten verschickt werden.

Warum Amazon das Gerät aus den Vereinigten Staaten verschickt, ist nicht ganz klar. Amazon-Sprecherin Christine Höger erklärt SPIEGEL ONLINE: "Das ist derzeit der schnellste Weg, den Kindle zu unseren Kunden zu bekommen." Die US-Niederlassung von Amazon gibt eine einjährige Herstellergarantie auf das Gerät. Amazon-Sprecherin Höger: "Kunden sollten den Kundenservice im Garantiefall kontaktieren, dort informieren wir über Reparaturoptionen und Details zum Austausch."

Geht etwas kaputt, muss man den defekten Kindle in die Vereinigten Staaten schicken, was die Abwicklung ein wenig verlangsamen dürfte.

Die Hardware des UMTS-Kindle ist bis auf die Mobilfunk-Extras identisch mit dem Kindle 2. Nicht mal einen Zentimeter dick ist der E-Book-Reader und bringt fast 300 Gramm auf die Waage. Superflach, strahlend weiß und mit einer Rückseite aus gebürstetem Metall. Das Display hat eine Auflösung von 800 x 600 Bildpunkten und stellt Texte und Grafiken in 16 Graustufen dar. Davon profitieren nicht nur Bilder, die so detailreicher abgebildet werden können, sondern auch Texte, deren Ränder schärfer gezeichnet werden sollen.

Ein großer Verlag fehlt noch

Dass die Anzeigequalität von Texten weit besser ist als auf herkömmlichen LCD-Bildschirmen, steht außer Frage. Wie alle E-Book-Reader nutzt das Kindle 2 ein e-Ink-Display, also sogenannte elektronische Tinte, die es schafft, ein Bild vollkommen flackerfrei, eben wie auf Papier, darzustellen.

Der Speicher ist mit zwei Gigabyte ausgestattet, soll darin etwa 1500 digitale Bücher ablegen können. Nachteil: Der UMTS-Kindle hat keinen Speicherkarten-Steckplatz, um die Kapazität zu erweitern.

Das Angebot an E-Books und Digitalzeitungen ist für internationale Kunden etwas kleiner als für US-Bürger: Ein Angebot von 250.000 englischsprachigen Büchern verspricht Amazon. Ein großer Verlag fehlt laut "New York Times": Das zu Bertelsmann gehörende Verlagskonglomerat Random House bietet derzeit keine Kindle-Versionen seiner Bücher an. Auch Bestseller wie Dan Browns neuer Roman "The Lost Symbol" sind für Kunden in Europa nicht erhältlich, während US-Kunden den Titel für 9,99 US-Dollar kaufen können.

Die Verlage sind augenscheinlich fest entschlossen, eine globalisierte Welt weiterhin in Territorien einzuteilen, in denen je nach Vertragsabschlüssen zum Teil erst Monate später dieselben Werke legal erworben werden dürfen wie im Rest der Welt.

Der Dollar macht das Lesen billig

Die in Amazons Digitalbuch-Laden verkauften Werke werden in US-Dollar abgerechnet. Davon profitieren gerade europäische Kunden derzeit, weil nach aktuellem Wechselkurs der US-Dollar in Euro recht billig ist. Ungerechnet kosten englischsprachige Bestseller (11,99 US-Dollar bis 13,99 US-Dollar) deutsche Kunden weniger als zehn Euro. Für ein Monatsabo der "New York Times" zahlen deutsche Kindle-Kunden umgerechnet knapp 20 Euro, für die "International Herald Tribune" 13 Euro - die komplette Digitalausgabe bekommen Abonnenten täglich aktuell kostenlos auf den Kindle.

In etwa zeitgleich mit dem Kindle wird Sony seinen neuen E-Book-Reader PRS-600 Touch Edition auf dem deutschen Markt einführen. Maße, Gewicht und Bildschirmtechnik stimmen weitgehend mit dem Kindle überein. Allerdings ist der Speicher des Sony-Modells mit 512 MB deutlich kleiner als der 2-GB-Speicher des Kindle. Dafür lässt sich das Sony-Gerät mit SD-Karte oder Memorystick auf bis zu 16 GB aufrüsten.

Der Sony will sich anfassen lassen

Der wichtigste Unterschied des PRS-600 zum Kindle ist aber sein Touchscreen. Das Gerät lässt sich weitgehend mit Fingergesten steuern. Sony möchte das Gerät mit dieser Technik beispielsweise Studenten und Wissenschaftlern schmackhaft machen, die Literatur noch während des Lesens mit Anmerkungen, Notizen und Verweisen versehen können. Alle derart erstellten Texte können mit Sonys PC-Software auf den Computer übertragen und dort weiter bearbeitet werden. Der Touchscreen hat allerdings auch einen störenden Nebeneffekt: er verringert den Kontrast des Bildschirms.

Im Gegensatz zum Kindle fehlt Sonys Lesegeräten zudem eine Netzanbindung. Die beiden in Deutschland verfügbaren Modelle lassen sich nur über eine Verbindung zu einem PC oder Mac mit neuem Lesestoff befüllen. Dafür sind die Sonys hier nicht sonderlich wählerisch, kommen mit einer Vielzahl unterschiedlicher Text- und Dateiformate zurecht. Vor allem beherrschen Sonys Reader das PDF-Format, in dem heutzutage oftmals Handbücher für elektronische Geräte ausgeliefert werden. Außerdem können sie eBooks im Epub-Format anzeigen, einem Format, in dem bereits jetzt ein recht großes Angebot deutschsprachiger Literatur vorliegt. Um Bücher in diesen Formaten auf den Kindle zu bringen, müsste man sie zunächst mit Konvertierprogrammen in Kindle-konforme Formate überführen.

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E-Book-Hardware: Die Kindle-Alternativen von Sony

Einen Reader, der Bücher, Zeitungen und Zeitschriften ebenso wie der Kindle via Mobilfunknetz laden kann, hat Sony ebenfalls bereits vorgestellt, das Modell PRS-900 Daily Edition. Den allerdings will das Unternehmen ausschließlich auf dem US-Markt anbieten. Pläne, das UMTS-Modell in Europa auf den Markt zu bringen, gibt es bisher nicht. Das könnte sich mit Amazons Eintritt in den europäischen eBook-Markt allerdings ändern.

Klar ist: Mit seinem Angebot bringt Amazon die Konkurrenz unter Druck. Mit Kosten von rund 250 Euro ist der internationale Kindle deutlich billiger als Sonys derzeitige Topmodell, bringt aber eine UMTS-Anbindung mit. Der von Sony als Einstiegsvariante positionierte PRS-505 dagegen kann hier gar nicht mehr mithalten, hat weder eine Netzanbindung noch einen Touchscreen.

Allerdings dürfte es zum Weihnachtsgeschäft noch einige weitere Neuzugänge im Markt für E-Book-Lesegeräte geben. So hat etwa der für seine MP3-Player bekannte Hersteller iRiver gerade den E-Book-Reader iRiver Story angekündigt, der für 299 Euro in den Handel kommen soll. Er hat wie der Kindle zwei GB Speicher eingebaut, soll auf 34 GB erweiterbar sein, beherrscht wie die Sonys Dateiformate wie Epub und PDF. Seine Besonderheit: Er hat ein Mikrofon für Sprachaufnahmen eingebaut.

Noch ein Phonetik-Tipp für alle, die ihren Freunden vom Kindle erzählen wollen: Laut Amazon spricht man den Produktnamen "Kindl" aus, nicht "Keindel".

E-Reader: Lesegeräte von Sony und Amazon im Vergleich

Sony PRS 300 Sony PRS 600 Touch Sony Reader Daily Edition Kindle Kindle DX
Maße 15,75 x 10,67x 0,5 cm 17,53 x 12,19 x .1,2 nicht veröffentlicht 13,5 x 19 x 1,8 cm 26,3 x 18,3 x 0,97 cm
Gewicht 220 Gramm 280 Gramm nicht veröffentlicht 289 Gramm 560 Gramm
Auflösung 800 x 600 Pixel 800 x 600 Pixel nicht veröffentlicht 800 x 600 Pixel 1200 x 824 Pixel
Bild-schirm-diagonale 12,7 cm 15,2 cm 17,78 cm 15,2 cm 24,64 cm
Anzeige 8 Graustufen mit E-Ink-Technik 8 Graustufen mit E-Ink-Technik 16 Graustufen mit E-Ink-Technik 16 Graustufen mit E-Ink-Technik 16 Graustufen mit E-Ink-Technik
Speicher 512 Megabyte 512 Megabyte nicht veröffentlicht 2 Gigabyte 4 Gigabyte
Schnitt-stellen USB 2.0, Memory Stick Pro Duo, SD-Steckplatz USB 2.0, Memory Stick Pro Duo, SD-Steckplatz 3G Mobilfunk, USB 2.0, Memory Stick Pro Duo, SD-Steckplatz 3G Mobilfunk, Mini-USB 3G Mobilfunk, Mini-USB
Preis 199 US-Dollar 299 US-Dollar 399 US-Dollar 299 US-Dollar 489 US-Dollar

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 32 Beiträge
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Seite 1
Family Man 07.10.2009
1. Es lebe das gedruckte Buch!
Ich möchte nicht, daß Amazon weiß was für Bücher ich lese. Nachher werde ich noch von der Gedankenpolizei verhaftet.
p_schulte 07.10.2009
2. Txtr & Sony setzen Amazon unter Druck
Amazon unter Druck! Die Frankfurt Buchmesse naht, Sony hat bereits neue Produkte angekündigt, und auch das Berliner Startup Txtr wird auf der Buchmesse Mitte Oktober seinen neuen Reader ankündigen. Das erklärt, warum es nur die US-Version des Kindle zu bestellen gibt. Amazon muss schnellstens handeln, bevor die Konkurrenz lokalen Boden gewinnt. Amazon hat den Vorteil ein weltweites UMTS Netz anbieten zu können. Txtr kann hingegen auf die Angst der hiesigen Verlage bauen, die einem übermächtigen Präsenz des Kindle mit Erschrecken entgegen sehen. Sony ist technisch schon ein paar Schritte weiter, bislang fehlen aber Kooperationen für ein attraktives Angebot. Die überhasstete Aktion von Amazon zeigt jedenfalls, wieviel wert es ihnen ist, diesen attraktiven Markt zu umkämpfen. Fortsetzung folgt...
Gegengleich 07.10.2009
3. Soso
Zitat von Family ManIch möchte nicht, daß Amazon weiß was für Bücher ich lese. Nachher werde ich noch von der Gedankenpolizei verhaftet.
Ach, und die gedruckten Bücher, die Sie lesen, kaufen Sie über einen zuverlässigen Mittelsmann (der Sie nicht mit richtigem Namen kennt) auf dem Flohmarkt? Bezahlt wird mit nicht nummerierten, nicht gekennzeichneten 1€-Münzen?
Silverhair, 07.10.2009
4. Danar Geschenk
Warum vergißt der Autor dieses Artikels das die Netzanbindung eine recht zweifelhafte angelegenheit beim Kindle ist! Gelöschte Bücher und Zensurmöglichkeiten die Amazon da ja schon vorgeführt haben lassen diese Bücher auch nicht mehr als Kauf, sondern höchstens noch als "Mietsache" betrachten, da sie jederzeit verschwinden können! Hier hat Amazon zwar "bezahlt", http://www.heise.de/ct/meldung/Amazon-zahlt-150-000-US-Dollar-wegen-Loeschung-von-E-Books-807776.html aber die nächste Runde der Zensur und des "Verdunsten" von gekaufter Ware dürfte nicht lange auf sich warten lassen. Auch die Eingriffs- und Zensurmöglichkeiten von dieversen Seiten, auch des Staates sind zweifelhaft. Die "Schriften der Aufklärung" waren durchwegs auch alle von Staatlicher Seite verboten worden - und wenn man bedenkt welche andere Wendung der Geschichte, nämlich keine Französiche Revolution und keine breite Einführung der Menschenrechte mit den "Zensurmöglichkeiten" eines Kindle und seiner Vertreiber einhergehen, dann ist sowas aus demokratischer Sicht strikt abzulehen! Für zensurgeräte, und das trifft darüber hinaus ja auch auf das "selektive" Angebot nach Zonen weltweit zu, ist jeder Preis zu hoch, sogar geschenkt wäre es ein danar-Geschenk von Amazon, da man nie weiß was diese Netzanbindung anstellt!
claudilein 07.10.2009
5. Elektronische Bücher sind toll!
Dann sollten Sie aber auch nicht bei Amazon gedruckte Bücher kaufen… Ansonsten haben eBooks schon enorme Vorteile: Variable Schriftgröße (gut für meine Großmutter), leicht, Tausende Bücher kostenlos verfügbar, … Wer kostenlose Klassiker sucht, sollte mal hier vorbei schauen: http://wiki.mobileread.com/wiki/Free_eBooks/de/ebooks-de Bezüglich des Kindle-Readers hoffe ich allerdings, dass er sich nicht durchsetzt, oder, noch besser, auf ePub als Format setzt, wenn er international eingeführt wird, aber danach sieht es ja vorläufig nicht aus ):
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