Analoge Fotografie Der Foto-Film stirbt langsam aus

Das Warten, bis ein Foto entwickelt ist, das umständliche Fummeln, bis der Film eingelegt ist, all das ist für die meisten längst vorbei. Noch lebt die analoge Fotografie - allerdings in einer Nische.

Der klassische Foto-Film: Verkauf um 97 Prozent zurückgegangen
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Der klassische Foto-Film: Verkauf um 97 Prozent zurückgegangen


Bei Europas größtem Fotodienstleister Cewe passt die analoge Welt inzwischen in eine kleine Ecke der riesigen Firmenhallen. Wie eh und je werden dort die Filmdosen aus den Versandtaschen geholt. Die kleinen bunten Metallgehäuse landen in der Sammeltonne. Ein bisschen abseits werden Plastik-Einweg-Kameras in Handarbeit geknackt. Es riecht nach Chemikalien. Hier werden Negative entwickelt.

"Wir werden die letzte Firma sein, die das macht. Aber wir ziehen das durch", sagt Olaf Holzkämper, der als Cewe-Finanzvorstand weiß, dass der Analog-Welt nicht die Zukunft gehört. 2014 produzierte das Unternehmen 2,29 Milliarden Fotos. Nur noch 3,9 Prozent davon stammten von Foto-Filmen. Der Rest kam digital vom Chip. Dazu passt, dass der Verkauf von Filmen in Deutschland von 2000 bis 2013 um 97 Prozent zurückgegangen ist.

Der Siegeszug der Digitalkameras und Smartphones hat den Analog-Markt binnen einer Dekade praktisch implodieren lassen. Auch Cewe geriet unter Druck. Die Oldenburger mussten von 2004 bis 2010 elf Betriebe mit 1200 Mitarbeitern schließen. Der Umstieg von analog auf digital hat 55 Millionen Euro gekostet.

Ein kleine Gruppe stellt sich gegen den Trend

Auf Konsumentenseite trotzt eine kleine Analog-Gemeinde dem Trend. Primär sind es ältere Kunden, die nicht umstellen wollen oder können. Aber auch Kunstschaffende schätzen die Technik, einige weil sie kein Ad-hoc-Ergebnis sehen, sondern den Spannungsbogen bis zur Entwicklung halten wollen. "Vor allem geht's dabei aber um Authentizität. Ein Negativ kann nicht verfälscht werden", sagt Dagmar Göthel, die als Einzelhandelskauffrau seit 30 Jahren in der Fotobranche ist. Sie arbeitet im Bremer Fachgeschäft Foto Bischoff, das eine fast 90-jährige Firmentradition hat. Die Kameras in den Schaufenstern sind alle digital - mit Ausnahme der kleinen Minolta-Kamera Freedom. "Ein Restposten", heißt es.

Die Zahlen sind eindeutig. Wurden 2000 in Deutschland noch vier Millionen analoge Kameras und nur 580.000 digitale verkauft, war das schon 2010 ganz anders: Von den 8,65 Millionen Kameras waren in jenem Jahr 8,62 Millionen digital und nur noch 30.000 analog. Inzwischen haben Smartphones auch das Geschäft mit Digitalkameras geschrumpft: Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland nur noch 4,61 Millionen Geräte verkauft - inklusive der boomenden Action-Kameras.

Der bekannteste Verlierer des digitalen Wandels der Branche ist der US-Konzern Kodak, bei dem nicht nur die Weichen für analoge Fotografie gestellt, sondern auch die Digitalkamera erfunden wurde. Doch die Manager wollten das Kerngeschäft nicht gefährden und hielten die Innovation zurück. Am Ende musste Kodak 2012 Insolvenz anmelden und versucht nun sein Glück als Spezialist für digitalen Druck.

Auch analoge Bilder werden digitalisiert

Die Grenzen verschwimmen aber, wenn man weiß, dass auch bei Cewe die Negative analoger Filme gescannt, digitalisiert und dann gedruckt werden. Ob analog oder digital - das Foto auf Papier ist dann doch sehr traditionell. "Es geht letztlich um die Emotion, die man in einem Foto festhalten will", sagt Holzkämper. "Und Emotionalität bleibt als physisch fassbares Produkt einfach besser erhalten."

Zugleich ist es so, dass die Menschen so viele Bilder wie nie zuvor machen - aber deutlich weniger als früher auf Papier drucken lassen. Die Aufnahmen landen oft bei Facebook oder werden per Kurznachricht verschickt. Bei Cewe wurden 2004 noch über 3,5 Milliarden Farbfotos gedruckt - vergangenes Jahr waren es über ein Drittel weniger. Der Umsatz war mit 524 Millionen Euro aber um rund 100 Millionen höher als damals - weil die digitalen Bilder die Tür zu einem Geschäft mit Fotobüchern oder Geschenkartikeln geöffnet haben.

Von Helmut Reuter, dpa



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insgesamt 124 Beiträge
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Seite 1
Geographus 31.08.2015
1. ...
Viele Hobbyastronomen schwören auch weiterhin auf analoge Fotografie, da sich die benötigten Belichtungszeiten hier wesentlich leichter erreichen lassen als mit digitalen Kameras, von denen auch nur eine sehr begrenzte Anzahl überhaupt für lange Belichtungszeiten (>60s) ausgelegt ist, was oft auch die eher teuren Modelle sind. Seit dem Niedergang der analogen Fotographie sind zudem selbst hochwertige analoge Kameras und Objektive für sehr erschwingliche Preise zu haben, von denen man vor 20 Jahren nur träumen konnte.
fs01 31.08.2015
2. Von wegen nur ältere
Laut Filmhersteller Ilford ist ein Drittel der Analogfotografen unter 35. http://www.amateurphotographer.co.uk/latest/photo-news/one-three-film-users-aged-35-43372 Und auch in der digitalen Welt sind analoge Fotografen sehr aktiv: http://www.vfdkv.de
Falsche Küste 31.08.2015
3. Auch in den USA ..
.. ist der Niedergang der Entwicklungsmöglichkeiten stark zurückgegangen. Vor ein paar Wochen hat die letzte Drogeriefiliale von Walgreens in meinem Wohnort ihre Entwicklungsmaschine ausgemustert. Ich glaube Walmart bietet die Negativ-Entwicklung überhaupt noch an, aber auch nicht mehr lokal. Vor allem bekommt man seine Negative dort gar nicht mehr zurück. Wird alles digitalisiert auf CD. Schon schade.
ackergold 31.08.2015
4.
Nur analoge Filme sind nicht zu fälschen. Digitale Fotographie ebnet den Weg zu Fälschung und Diktatur. Wer kann heute schon noch einem Bild glauben?
truthonly 31.08.2015
5. Stimmt nicht
Zitat von GeographusViele Hobbyastronomen schwören auch weiterhin auf analoge Fotografie, da sich die benötigten Belichtungszeiten hier wesentlich leichter erreichen lassen als mit digitalen Kameras, von denen auch nur eine sehr begrenzte Anzahl überhaupt für lange Belichtungszeiten (>60s) ausgelegt ist, was oft auch die eher teuren Modelle sind. Seit dem Niedergang der analogen Fotographie sind zudem selbst hochwertige analoge Kameras und Objektive für sehr erschwingliche Preise zu haben, von denen man vor 20 Jahren nur träumen konnte.
Das ist Unsinn aus mindestens 3 Gründen. 1.) Amateurastronomen welche Astrofotografie betreiben verfügen meist über das entsprechende (und teure) Equipment, sprich automatisierte Montierungen, um Langzeitbelichtungen durchzuführen. Dazu gehört auch eine entsprechende DSLR bzw Astrocam. 2.) Alle DSLR Kameras verfügen über eine BULP Funktion und die Belichtungszeiten und die Anzahl der Belichtungen werden in der Astrofotografie nicht an der DSLR eingestellt sondern über die Steuersoftware mittels Computer/Laptop, hier sind dann die Belichtungszeiten in der Länge (bis hin zu Stunden) einstellbar. 3.) Ich bin Mitglied in einer Amateurastronomen Gemeinschaft, ca. 1800 Mitglieder, und nicht einer von denen fotografiert hier noch analog.
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