Android-Handys Google will ins Handy-Web

Umbruch im Handy-Markt: Nokias Gewinne schrumpfen, Internetgigant Google baut Marktanteile aus. Doch ums Geld allein scheint es dem Suchmaschinenunternehmen gar nicht zu gehen. Andere Ziele sind wichtiger.

Das Maskottchen für das Google-Betriebssystem Android: Immer mehr Smartphones nutzen Googles Betriebssystem, Googles Dienste auf dem Bildschirm zu bringen
dpa

Das Maskottchen für das Google-Betriebssystem Android: Immer mehr Smartphones nutzen Googles Betriebssystem, Googles Dienste auf dem Bildschirm zu bringen


Die Roboter kommen ins Rollen: Immer mehr Multimedia-Handys haben das Betriebssystem Android unter der Haube - und Googles Dienste auf dem Bildschirm. Der US-Konzern entwickelt die Software federführend, um sein erfolgreiches Geschäftsmodell mit Online-Werbung aufs Hosentascheninternet auszuweiten. Experten vermuten, dass Android-Geräte in wenigen Jahren das populäre iPhone überholen werden. Das wird sich für Google über kurz oder lang bezahlt machen - wenn auch nicht unbedingt in Dollar und Cent.

Der Start des Androiden war holprig, das gesteht Google mittlerweile offen ein. Das erste Gerät G1 von HTC sah klobig aus, die Software hakte. Doch mittlerweile läuft das System wie geölt - und immer mehr Anbieter setzen darauf. Zehn Geräte sind bislang auf dem Markt, 40 weitere Modelle dürften 2010 herauskommen.

"Die wichtigsten Hersteller vertrauen dem System", sagt Gartner-Analystin Carolina Milanesi. HTC hat bereits etliche Geräte gebaut, Samsung, LG, Sony Ericsson und Motorola sind ebenfalls dabei. Auch die großen Mobilfunkanbieter machen mit, in der Hoffnung, mit ihren Datentarifen die bröckelnden Einnahmen aus Telefonaten und SMS auszugleichen.

Bis zum Jahr 2012 werden 75 Millionen Telefone mit dem System verkauft, prognostizieren die Marktforscher von Gartner. Wenn sie recht haben, würde Android seinen Marktanteil von derzeit 2 auf 14,5 Prozent steigern und damit sowohl das iPhone (Schätzung für 2012: 13,7 Prozent) als auch Microsoft mit seinem Windows Mobile (geschätzte 12,8 Prozent) überholen. Nur Nokias Plattform Symbian hätte mit 39 Prozent noch mehr.

Eine Wette auf Werbung

Zur Verbreitung seines Betriebssystems hat Google eine Allianz geschmiedet, der außer Marktführer Nokia, iPhone-Hersteller Apple und BlackBerry-Bauer RIM alle Industriegrößen angehören. Der Konzern ködert die Partner mit zwei Versprechen: Zum einen soll das Internet in der Hosentasche dank Android ähnlich viel Spaß machen wie auf dem iPhone. Zum anderen ist die Software kostenlos - für Microsofts Windows Mobile werden für die Hersteller dagegen pro Gerät 15 bis 25 Dollar Lizenzgebühr fällig.

Die Investitionen will Google über einen Umweg wieder hereinholen: Je mehr Handy-Besitzer auch unterwegs im Internet surfen und Googles beliebte Dienste nutzen, so das Kalkül, desto häufiger klicken sie auf die Werbeanzeigen des omnipräsenten Internetkonzerns; nicht zuletzt weil Google-Dienste wie E-Mail, Straßenkarten und Kalender nahtlos in die Software integriert sind. "Android ist eine Wette darauf, dass Google mit seinen Diensten mehr Werbung verkaufen kann", sagt Expertin Milanesi.

Monopolverhinderungsstrategie

"Die Verbreitung von Android wird bald explodieren", verkündete Firmenchef Eric Schmidt jüngst vollmundig. Ob sich der wachsende Marktanteil bereits bezahlt macht, verrät das US-Unternehmen nicht. Nur so viel: Die Suchanfragen von mobilen Geräten aus hätten binnen eines Quartals um 30 Prozent zugelegt.

Die US-Investmentbank Jefferies schätzt, dass Werbung im Unterwegs-Internet Google dieses Jahr 180 Millionen Dollar Umsatz einbringen wird. 2011 werden es 500 Millionen Dollar (332 Millionen Euro) sein. Angesichts knapp 22 Milliarden Dollar Jahresumsatz im vergangenen Jahr wäre das nicht mehr als Zubrot.

Die Bedeutung lässt sich aber allein nicht in Dollar und Cent messen. Android sei eine Art Lebensversicherung, meint etwa der Analyst Youssef Squali: "Google hofft, den Markt für Betriebssysteme weiter zu fragmentieren, um eine Machtkonzentration in der Hand von ein oder zwei Wettbewerbern zu verhindern." Niemand soll die vielen Dienste des Internetgiganten ausbremsen können - weder auf dem Handy noch auf Lesegeräten für elektronische Bücher oder Netbooks, wo Android mittlerweile auch zum Einsatz kommt.

Christof Kerkmann, dpa



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