Update für Android Wear Google greift die Apple Watch an

Google hat ein Update für das Betriebssystem Android Wear angekündigt. Smartwatches von LG, Sony, Samsung und Motorola sollen damit neue Funktionen bekommen. Sogar eine Handschrifterkennung für Emojis wird mitgeliefert.

Smartwatches mit Android Wear: Per Update ins WLAN
Matthias Kremp

Smartwatches mit Android Wear: Per Update ins WLAN


Wenige Tage, bevor Apple mit der Auslieferung der Apple Watch an die ersten Vorbesteller beginnt, hat Google das bisher größte Update für sein Smartwatch-Betriebssystem Android Wear angekündigt. Mit der neuen Software schließt Google einige funktionelle Lücken gegenüber dem Betriebssystem Watch OS von Apple.

Besonders bemerkenswert ist dabei die Ankündigung, dass mit der Software eine WiFi-Funktionalität eingeführt wird. Die Apple Watch hat bereits eine solche Funktion, kann sich also mit einem WLAN verbinden, um mit dem iPhone in Kontakt zu bleiben, an das sie gekoppelt ist. So wird der Aktionsradius der Uhr von der Bluetooth-Reichweite - circa zehn Meter - auf die Reichweite des WLAN-Netzes erhöht.

Einem Google-Blogeintrag zufolge geht die WiFi-Einbindung bei Android Wear einen Schritt weiter: Auch wenn das Smartphone an einem anderen Ort ist und womöglich nicht per WiFi, sondern per Mobilfunknetz online ist, funktioniert die Smartwatch vollständig, kann beispielsweise Nachrichten und Erinnerungen vom Handy empfangen. Eine Funktion, um mit der Uhr das Smartphone zu orten, gibt es bereits.

Konkrete Angaben, mit welchen Geräten das funktioniert, macht Google nicht. Bisher wurde keine Android-Wear-Smartwatch mit einer WiFi-Funktion beworben. Allerdings hat Sony bereits angekündigt, dass WiFi auf der Smartwatch 3 funktionieren wird. Ebenso hat Motorola eine WiFi-Fähigkeit für die Moto 360 angekündigt. Von Samsung gibt es noch keine Aussage. Die Experten von iFixit hatten in der Gear Live allerdings schon vor Monaten einen Antenne mit der Beschriftung "BT/WiFi" entdeckt.

Apps immer im Blick

Die zweite große Änderung: Apps sollen künftig dauerhaft aktiv bleiben. Das kann man beispielsweise nutzen, um sich im Supermarkt seine digitale Einkaufsliste anzeigen zu lassen. Oder, um Google Maps kontinuierlich die aktuelle Position auf einer Karte darstellen zu lassen.

Damit der Akku nicht übermäßig beansprucht wird, soll der Bildschirm automatisch auf eine stromsparende Schwarzweiß-Darstellung umschalten und erst dann die Farbversion wieder anzeigen, wenn man auf das Display schaut.

Auf ähnliche Weise wurde der Umgang mit der Smartwatch generell verändert. Künftig muss man, um neue Nachrichten und Mitteilungen lesen zu können, nicht mehr mit den Fingern der zweiten Hand durch die Nachrichten scrollen. Stattdessen soll es ausreichen, kurz das Handgelenk zu schütteln, um von einer Nachricht zur nächsten zu kommen.

Eine weitere Neuerung soll der direkte Zugriff auf Apps und Kontakt vom Zifferblatt aus sein. Es soll genügen, einmal auf den Bildschirm zu tippen, um von der Uhr-Ansicht aus etwa eine App zu starten oder einen Kontakt auszuwählen.

Auch eine neue kleine Spielerei wird mit dem Update für Android Wear eingeführt: eine Art Handschrifterkennung für Emojis. Google reagiert damit auf die neuen animierten Emojis der Apple Watch, auf charmante Weise: Künftig soll man Emojis einfach mit dem Finger auf das Display einer Android-Smartwatch malen können.

Das System werde automatisch erkennen, was man gemeint hat und dem Empfänger das entsprechende Emoji in Reinform schicken. Laut Google erkennt das System "Hunderte" Emojis. Wenn es funktioniert wie versprochen, wird das eine lustige Sache.

Googles Blogpost zufolge soll das Update "für alle sieben Android-Wear-Uhren" verfügbar gemacht werden - aber nicht sofort. Als erstes werde es für die LG Watch Urbane bereitgestellt, heißt es, die Ende Februar auf dem Mobile World Congress vorgestellt wurde. Die angepassten Versionen für die übrigen Android-Smartwatches sollen "in den kommenden paar Wochen" erscheinen.

Motorola Moto 360

Motorola Moto 360: Die erste Android-Wear-Smartwatch, die tatsächlich aussieht wie eine normale Uhr, einfach, weil sie rund ist.

Erstaunlicher Unterschied: Obwohl das Display von Samsungs Gear Live (l.) die größere Diagonale hat (1,63 Zoll), erscheint der Bildschirm der Moto 360 (1,5 Zoll) größer.

Kein Kleinkram: Obwohl die Moto 360 auf den ersten Blick sehr klobig wirkt, ist sie nicht wirklich dicker als Samsungs Gear Live (l.).

Mit einem Wisch von oben erreicht man ein Schnelleinstellungsmenü, über das sich der Vibrationsalarm deaktivieren lässt. Außerdem werden hier das Datum und der Ladestand des Akkus angezeigt.

Motorola Connect: Per Smartphone-App lassen sich ein paar Parameter der Moto 360 auslesen und verändern. Unter anderem kann man hier das Zifferblatt auswählen.

Auch auf der Uhr selbst lässt sich auswählen, welchen Look das Zifferblatt haben soll. Dazu hält man den Finger ein paar Sekunden auf das aktuelle Zifferblatt gedrückt, bis eine grafische Liste der verfügbaren Designs erscheint.

Mehr Möglichkeiten: In der Connect-App ist zudem wählbar, welche Farben das Zifferblatt und der Sekundenzeiger haben sollen.

Mal was anderes: Insgesamt sieben unterschiedliche Zifferblatt-Designs liefert Motorola mit.

Kann auch konservativ: Die Mehrzahl der Zifferblätter, die Motorola mitliefert, orientiert sich an analogen Vorbildern. Leider bleibt ein kleiner Bereich am unteren Bildschirmrand stets schwarz.

Mehrwert: Die Wettervorhersage besorgt sich die Moto 360 vom gekoppelten Android-Smartphone. Auf Wunsch wird auch eine Vier-Tage-Vorschau angezeigt.

Schritt halten: Wie alle Smartwatches hat auch die Motorola-Uhr einen eingebauten Schrittzähler.

Wohin, wohin? Eine als Google Maps Micro bezeichnete App hilft mit Schritt-für-Schritt-Anweisungen dabei, den rechten Weg zu finden. Wahlweise kann man sich den Weg für Pkw, Radfahrer oder Fußgänger berechnen lassen.

Ruhig bleiben: Der in die Uhr eingebaute Pulsmesser misst regelmäßig im Hintergrund den Herzschlag, kann für Zwischenmessungen aber auch manuell aktiviert werden.

Grünes Licht: Den Puls des Uhrenträgers misst die Moto 360 mit grünem Licht aus kleinen LEDs auf der Unterseite der Uhr.

Genug getan: Hat man sein Herz nach Ansicht der Moto 360 oft und intensiv genug auf Trab gebracht, meldet die Pulsmess-Software der Uhr dies als Erfolg.

Einfach mal fragen: Alles, was man der Uhr nach dem Sprachbefehl "OK Google" sagt, gibt die Moto 360 ans angeschlossene Android-Smartphone weiter.

Kann auch mal absaufen: Die Moto 360 ist nach dem Standard IP67 wassergeschützt, hält also 30 Minuten lang in einem Meter Wassertiefe dicht.

Kabellos laden: Damit Motorolas Smartwatch rundum geschlossen konstruiert werden konnte, wurde sie mit einer drahtlosen Ladefunktion versehen. So stört keine USB-Buchse das Design.

Leider viel zu oft: Ein generelles Problem vieler Smartwatches ist, dass sie meist nur Mitteilungen anzeigen können, nicht aber dazu geeignet sind, wirklich aktiv zu werden. Deshalb bekommt man bei vielen Benachrichtigungen diese Meldung angezeigt.

mak



insgesamt 30 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
westerwäller 21.04.2015
1. Muss ein Präventivkrieg sein ...
... weil es die Apple-Watch noch nicht zu kaufen gibt ... (wenigstens bei uns...)
StefanXX 21.04.2015
2.
Die Apple-Watch gibt es in den USA schon rel. lange zu kaufen, wir sind nicht der Nabel der Welt :-)
hschmitter 21.04.2015
3.
Solange uhrensimulierende Geräte im Zuhause-Modus nicht die Geschirrspülmaschine ersetzen, fahre ich kein Hard- oder Softwareupdate mehr.
filou99 21.04.2015
4. Nutzen?
Ich kann mir, weder bei Apple noch anderen Anbietern, einen wirklichen Nutzen der Geräte vorstellen. Das Handy muss ja trotzdem dabei sein. Emails auf einer Uhr? Das ist wie früher Internet mit einem Nokia 3510, es geht zwar, aber schlecht.
peterbruells, 21.04.2015
5.
Zitat von StefanXXDie Apple-Watch gibt es in den USA schon rel. lange zu kaufen, wir sind nicht der Nabel der Welt :-)
Die Apple-Watch kann in den USA wie hierzulande nur im Apple Online Store bestellt werden, eine Verfügbarkeit in den Ladengeschäften vom Apple war für den 24. April geplant, wird aber wohl aufgrund der Anzahl der Bestellungen nicht eingehalten. Ausgeliefert wird ab dem 24. April. Wer in den USA jetzt schon eine Apple Watch hat, hat ein geliehenes Testgerät oder ein von Apple verschenktes Sondermodell - beide existieren aber nur homöopathischen Dosen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.