Anekdoten über Steve Jobs Pirat, Geizhals, Notnagel

Was er dachte, das sagte er auch: Steve Jobs war kein Diplomat. Seine unverblümte Art konnte Menschen erschrecken - oder motivieren. Einige witzige, charmante, aber nicht immer schmeichelhafte Anekdoten lassen erahnen, wer der Mann war, der sich selbst als iCEO bezeichnete.

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Steve Jobs: "Es ist besser, ein Pirat zu sein, als der Navy beizutreten."
REUTERS

Steve Jobs: "Es ist besser, ein Pirat zu sein, als der Navy beizutreten."


Legendär ist der Spruch, mit dem Steve Jobs einst den Marketing-Chef von Pepsi überredete, als Firmenchef zu Apple zu wechseln: "Wollen Sie Ihr Leben lang Zuckerwasser verkaufen oder wollen Sie eine Chance, die Welt zu verändern?", fragte er John Sculley. Diesen Worten konnte Sculley offensichtlich nicht widerstehen. Er schmiss seinen Job, kam nach Cupertino - und war letztendlich derjenige, der Steve Jobs 1985 aus dem Unternehmen drängte.

Als Steve Jobs daraufhin die Firmen Next-Computer und Pixar aufbaute, hatte er Mitte der Neunziger jeden Glauben an die Computer-Branche verloren. "Wired" sagte er 1996 in einem Interview: "Die Desktop-PC-Industrie ist tot. Es gibt praktisch keine Innovationen mehr und Microsoft dominiert mit sehr wenig neuen Entwicklungen. Es ist vorbei. Apple hat verloren. Der Desktop-Markt steckt in einem dunklen Zeitalter, und so wird es für die nächsten zehn Jahren bleiben, zumindest aber für den Rest dieses Jahrzehnts."

Ganz so lange dauerte die Durststrecke dann nicht. Apple stand 1997 schon kurz vor dem Abgrund und wurde als Übernahmekandidat, beispielsweise für Sony, gehandelt. Da bat der Apple-Vorstand Steve Jobs, wieder den Chefposten zu übernehmen. Jobs lehnte zunächst ab, ließ sich dann aber doch breitschlagen, zumindest als Interims-CEO zu fungieren.

Dabei beließ er es dann doch nicht. Schnell hatte ihn seine Ex-Firma wieder gepackt. Nach wenigen Monaten wechselte Jobs fast den gesamten Vorstand aus. Und er verkündete eine unvorstellbare Kooperation: Mit Microsoft-Chef Bill Gates hatte er eine Abmachung getroffen, um einen alten Patentstreit beizulegen. Microsoft zahlte Apple damals angeblich 100 Millionen Dollar, kaufte für weitere 150 Millionen Dollar Apple-Aktien und verpflichtete sich, mindestens fünf Jahre lang neue Versionen seiner Office-Software für Macs zu entwickeln.

Steve-Jobs-Videos: "One more thing"
1983: Ankündigung des ersten Macintosh
1983: Bill Gates setzt auf Apple
1997: Steve Jobs als Sprecher eines Apple-Werbespots
1998: Erste Präsentation des iMacs
1998: Bill Gates als ausgebuhter Apple-Retter
2001 Erste Präsentation des iPods
2005: Jobs Rede in Stanford
2007: Erste Präsentation des iPhones
2010: Erste Präsentation des iPads
2011: Steve Jobs letzte Keynote
Die Vorstellung des Abkommens auf der Macworld Expo, damals noch in Boston ausgerichtet, sorgte für Buhrufe aus dem Publikum. Der Grund: Microsoft-Boss Bill Gates kam nicht persönlich zu der Veranstaltung, sondern wurde riesengroß auf eine Leinwand über der Bühne projiziert - und über Jobs. Sofort machte das Wort vom Big Brother Bill die Runde, viele Apple-Fans fühlten sich verraten.

Doch der Microsoft-Deal war offenbar das richtige Signal: Er ließ nach außen erkennen, dass Apple nicht am Ende war. Jobs Sanierungsplan fing an Früchte zu tragen und schon 1998 konnte Steve Jobs stolz melden, dass der Konzern zum ersten Mal seit langem wieder Gewinn erwirtschaftet hatte. Ein erneutes Angebot, den Chefposten dauerhaft zu übernehmen, schlug er dennoch aus. Als man ihn fragte, wie lange er bei Apple bleiben wolle, sagte er: "Wenn überhaupt, dann werde ich für immer CEO oder Verwaltungsratsvorsitzender des Unternehmens." Gegen den Ex-Pepsi-Manager Sculley, der ihn aus der Firma getrieben hatte, stichelte er: "Ich habe Apple schon mal einem Blödmann hinterlassen."

Tatsächlich dauerte es noch bis 2000, bis Steve Jobs zum Ende seiner Keynote-Rede auf der Macworld Expo sein berühmtes "One more thing" ankündigte; eine letzte Sache, die er noch erzählen wolle. Als er dann verkündete, das "Interim" aus seinem Titel streichen und fortan CEO der Firma Apple sein zu wollen, brandete frenetischer Jubel auf.

Doch so beliebt war Steve Jobs nicht immer. Ein ums andere Mal brüskierte er Mitarbeiter und Konkurrenten - oder trieb Menschen mit seinem Hang zum Perfektionismus in den Wahnsinn.

Einige kuriose Begebenheiten aus seinem Leben als Apple-Chef:

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insgesamt 85 Beiträge
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micha-mille 07.10.2011
1. Normalität
Wann kehrt denn wieder Normalität in der Redaktion ein? Müssen wir jetzt mit einem Trauerjahr rechnen mit geschätzten 500 Beiträgen über Jobs?
senfdazu 07.10.2011
2. Der Blog....
Zitat von sysopWas er dachte, das sagte er auch: Steve Jobs war kein Diplomat.*Seine unverblümte Art konnte Menschen erschrecken - oder motivieren. Einige*witzige, charmante, aber nicht*immer*schmeichelhafte*Anekdoten*lassen erahnen, wer der Mann war, der sich selbst als iCEO bezeichnete. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,790364,00.html
..wird in kürze wieder voll von hämischen Komentaren über Jobs und Apple sein und in kürze geschlossen werden ! - Ich frage mich warum in deutschland niemand die Leistungen eines Menschen anerkennt und nur nach den Schattenseiten des Erfolges sucht? Mit dieser Methode bekommt man alle klein ! Hat man das damals auch mit Henry Ford, Gottfried Daimler, James Watts, Alva Edison, etc. gemacht ? Wie neidzerfressen muss man sein ? Welch großen Minderwertigkeitskomplex mir sich herumtragen ? Es soll Leute geben, die Produkte wie einen Porsche oder ein iPhone kaufen, weil sie qualitativ gut sind und weil sie es sich eben leisten können und nicht weil sie einen zu kleinen Schwanz haben ! Klar gibt´s die auch...aber doch nicht nur... Also bitte die Kirche im Dorf lassen.
Auriv 07.10.2011
3. Liebes Spon-Team...
Okay Steve Jobs ist tot... aber 29 Artikel in 2 Tagen...?!
xees-s 07.10.2011
4. toll schwarze Bilder beim mac
da liest man den bericht, will sich die videos anschauen und sieht nur schwarze flachen (und das nicht zum erstemmal hier auf spon!) mit dem macbook pro mit lion und safari. dürfen nur Windows user diesen Nachruf lesen?
meinmein 07.10.2011
5. Santo subito
Ich schlage vor, man sammelt all diese Anekdoten und schreibt sie in ein Buch und nennt dieses "Die heilige Schrift".
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