Bose Quietcomfort 20 im Test: In diesen Stöpseln steckt Stille

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Ohrhörer, die die Umwelt ausblenden: Bose Quietcomfort 20 im Test Fotos
Matthias Kremp

Klein und still: Die neuen In-Ohr-Kopfhörer von Bose sollen Umgebungsgeräusche komplett ausblenden, wie es bisher nur mit viel größeren Kopfhörern gelang. Der Test zeigt, ob die kleinen Stöpsel dieses Versprechen einlösen.

Sogenannte Noise-Canceling-Kopfhörer sind vor allem unter Vielfliegern beliebt. Mit elektronischen Tricks blenden sie Umgebungsgeräusche aus, zum Beispiel das Dröhnen von Triebwerken. Dieser Komfort hat allerdings seinen Preis: Solche Kopfhörer sind teuer und groß. Sie beanspruchen viel Platz im Handgepäck und stören beim Schlafen im Flugzeug. Der amerikanische Bose-Konzern bietet nun ein deutlich kleineres Modell an. Die geräuschmindernden Kopfhörer Quietcomfort 20 versinken aufgrund der Bauweise in den Ohren und passen unterwegs in eine Jackentasche.

Ähnliches hatte Sony schon 2007 bei einem MP3-Walkman mit integrierter Geräuschunterdrückung versucht. Genau wie alle anderen Versuche auf diesem Gebiet war er kein großer Erfolg. Das Funktionsprinzip solcher aktiv Geräusche unterdrückenden Kopfhörer ist immer das gleiche: Mikrofone messen die Umgebungsgeräusche, ein Mini-Computer errechnet daraus ein Gegenschallsignal, das den Lärm am Ohr des Anwenders auslöscht.

Ob und wie gut das funktioniert, habe ich auf einer unfreiwillig ausgedehnten Bahnfahrt ausführlich ausprobiert. Meine Befürchtung, dabei könnte sich der nicht wechselbare Akku der Elektronikbox als Achillesferse erweisen, erweist sich dabei als unbegründet. Bose verspricht bis zu 16 Stunden Laufzeit, bei mir blinkt die Warnlampe nach etwa zwölf Stunden. Die Geräuschunterdrückung funktioniert danach nicht mehr, aber Musik kann ich weiterhin hören.

Unterwegs lerne ich, den Tragekomfort des Bose-Kopfhörers zu schätzen. Die weichen Ohreinsätze halten ihn fest im Ohr, stören auch nach Stunden nicht. Und man kann mit ihnen im Ohr auch mal ein Nickerchen machen, was mit einem auf den Ohren zu tragenden Noise-Canceling-Kopfhörer nicht so problemlos geht.

Musik im Vakuum

Viel mehr aber interessiert mich, wie gut die Abschirmung gegen Außengeräusche funktioniert. Als ich die Ohrhörer morgens zum ersten Mal in meine Ohren stecke, passiert nicht viel. Die Umwelt klingt etwas dumpfer. Umso größer ist der Effekt, als ich den Einschaltknopf an der Elektronikbox auf "On" schiebe.

Beim ersten Mal fühlt sich das an wie ein Spezialeffekt im Kino: Der vollbesetzte Bahnwaggon um mich herum wird absolut still. Ich sehe, wie sich die Münder meiner Mitreisenden bewegen, ich fühle, wie der Zug über die Gleise rumpelt - aber ich höre nichts. Als säße ich in einem tonlosen Vakuum, zumindest beinahe. Ein Unterschied zu Boses viel größeren Quietcomfort 15 (siehe Fotostrecke) ist nicht zu bemerken.

Das gilt grundsätzlich auch für den Klang. Beim Musikhören haben die Ohrhörer den typischen Bose-Sound mit fetten, weichen Bässen, klaren Höhen. Der Mittenbereich ist nach meinem persönlichen Eindruck nicht ganz so unterrepräsentiert wie sonst bei Bose. Außerdem sind die Quietcomfort 20 deutlich lauter als die Auf-dem-Ohr-Modelle.

Die Mithörtaste

Auf meiner Reise durch die halbe Republik erweist sich der sogenannte Aufmerksamkeitsmodus als äußerst praktisch. Per Druck auf einen Knopf an der Kabelfernbedienung wird die Geräuschunterdrückung abgeschaltet und das integrierte Mikrofon aktiviert. So kann man Musik hören und bekommt trotzdem mit, was um einen herum passiert. So kann ich mich mit den Schaffner unterhalten.

Mit ein paar Schalterchen am Kopfhörerkabel kann man die Musik anhalten, vor- und zurückspielen oder Telefongespräche annehmen. Weil Apple sein eigenes Süppchen kocht, gibt es den Quietcomfort 20 neben der Standardvariante auch in einer Version 20i, die speziell auf Apple-Geräte zugeschnitten ist.

Fazit

Der Quietcomfort 20 erfüllt seine Aufgabe genauso gut wie die großen Noise-Canceling-Kopfhörer von Bose: Wenn man Ruhe haben will, schafft er Ruhe, egal ob drum herum ein Zug rumpelt, ein Flugzeug dröhnt oder sich einfach nur Sitznachbarn angeregt unterhalten. Der große Vorteil des In-Ohr-Modells ist die geringe Größe. Über den Sound kann man streiten, neutral ist er sicher nicht, dürfte aber den Geschmack vieler Musikhörer treffen.

Vorteile und Nachteile

Sehr gute Geräuschreduzierung

Geringes Gewicht

Integrierte Smartphone-Steuerung

Headset-Funktion

Guter Tragekomfort

Gute Verarbeitungs- und Materialqualität

Hoher Preis

Mit dem Preis sieht das anders aus: Stolze 300 Euro soll der Quietcomfort 20 kosten, wenn er am 2. September in den Handel kommt. Billiger kann man sich von der Umwelt abkapseln, wenn man Standard-Ohrhörer nimmt und mit Schaumgummi-Ohrstopfen in die Ohren drückt. So effektiv wie Boses Lärmreduzierung ist die Schaumgummi-Methode aber nicht, vor allem beim tiefen Rumpeln und Dröhnen in Zügen und Flugzeugen.

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insgesamt 45 Beiträge
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1. Komischer Trend
Master_of_Darkness 13.08.2013
Zitat von sysopKlein und still: Die neuen In-Ohr-Kopfhörer von Bose sollen Umgebungsgeräusche komplett ausblenden, wie es bisher nur mit viel größeren Kopfhörern gelang. Der Test zeigt, ob die kleinen Stöpsel dieses Versprechen einlösen. Angefasst: Bose Quietcomfort 20i Noise Canceling Headphones im Test - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/angefasst-bose-quietcomfort-20i-noise-canceling-headphones-im-test-a-915452.html)
Ich finde es sehr befremdlich, dass sich immer mehr Menschen von der Außenwelt abkapslen. So nach dem Motto: "Was geht mich meine Umbegung an?" "Was, da ist jemand belästigt worden? Habe ich nicht bemerkt." Oder: "Lasst mir bloß die Ruhe." Dass dies im Straßenverkehr gefährlich sein kann, kommt noch hinzu. Wie oft überhole ich mit dem Fahrrad andere Radler oder Fußgänger, die meine Klingel oder meine Zurufe einfach nicht hören, weil sie sich beschallen. Aber dann fast vom Rad fallen, wenn man überholt...
2.
Core_F 13.08.2013
Zitat von Master_of_DarknessIch finde es sehr befremdlich, dass sich immer mehr Menschen von der Außenwelt abkapslen. So nach dem Motto: "Was geht mich meine Umbegung an?" "Was, da ist jemand belästigt worden? Habe ich nicht bemerkt." Oder: "Lasst mir bloß die Ruhe."
Bei Kopfhörern geht es eben darum, dass man damit (meistens) Musik hören möchte, da stören andere Geräusche nun einmal. Bei einem Fernseher will man ja auch keine störenden Spiegelungen haben. Deshalb sind Kopfhörer für Radfahrer auch nicht erlaubt.
3. optional
tekie2 13.08.2013
Leider sehr teuer die Teile. Ich hatte mal so einen mit großen Ohrmuscheln+Bügel in einem Raum mit lauten Pumpen spaßeshalber getestet. Mein Fazit: - Gerätelärm wurde reduziert, aber verschwand nicht vollständig. Wenn man die Kopfhöhrer nach einiger Zeit abnahm, bekam man trotzdem einen Schock wie laut es um einen doch tatsächlich war. - Gespräche und hohe Töne blieben unverändert laut. Lag vielleicht am Modell. Keine Ahnung. War in dem Fall auch gut so, weil nur der Lärm der Geräte unterdrückt werden sollte. - erzeugt unangenehmes Druckgefühl im Ohr, wenn man sie aktiviert. Vermutlich der Antischall? Nach einiger Zeit hatte ich mich mehr oder weniger daran gewöhnt.
4. Ein Segen für Vielflieger
chefrationalist 13.08.2013
Noise Cancelling Kopfhörer sind ein Segen für Vielflieger. Nicht nur lässt sich so der stets präsente Geräuschteppich aus Turbinengeräuschen, Geplapper der Sitznachbarn, Klappern des Servierwagens usw. dämpfen, sondern es ist endlich möglich, das In-Flight-Entertainment-Programm nicht nur zu sehen, sondern auch zu hören. Trotzdem werde ich bei Auf-dem-Ohr-Modellen bleiben. Die Ohrstöpsel sind mir einfach zu unhygienisch.
5.
Cococha 13.08.2013
Da ist mal wieder einer. Ein Werbeartikel für ein fragwürdiges Produkt für einen fragwürdigen Hersteller, der mit Fakten eher spart. Müssen die echt sein? Kann man das nicht Fachtestern überlassen, die Expertise haben und auch Vergleichsmodelle präsentieren? Stattdessen muss SPON hier permanent einsetig Produkte präsentieren, speziell von Herstellern, die von offensivem Marketing (oder Irreführung des Kunden) leben und sich wesentlich mehr für ihre Produkte bezahlen lassen, als diese Wert sind (Apple, etc.). Gerade BOSE hat in dieser Beziehung einen sehr schlechten Ruf. Miserable Verarbeitungsqualität, mittelmäßiger Ton, Wucherpreise. BOSE = Buy Other Sound Equipment geistert ja schon länger herum und die Zielgruppe ist ja wie bei Apple beispielsweise auch Statussymbol-orientierte Volldeppen mit zuviel Geld. Qualitätsjournalismus sieht für mich anders aus.
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