Angefasst Dells Streak ist Maxi-Handy und Mini-Tablet

Dieser Dell gibt Rätsel auf: Mit dem Modell Streak schafft der US-Computerbauer eine neue Kategorie mobiler Kleincomputer, die in keine der gewohnten Schubladen passen. Er ist Telefon, Tablet, Navi und noch einiges mehr. Zu groß für die Hemdtasche und zu klein für den Koffer.

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Meine erste Reaktion nach dem Auspacken: Was ist denn jetzt das? Für ein Handy ist der Bildschirm zu groß, für einen Tablet-PC ist der Bildschirm zu klein, und für ein Navigationsgerät kann das Ding zu viel. Der Streak von Dell ist ein bisschen wie eine gute Independent-Band: Er passt in viele Schubladen, aber in keine so richtig. Das hat auch der Hersteller eingesehen und platziert das Gerät in seinem Webshop nicht im Bereich Laptops und schon gar nicht bei den Desktops. Stattdessen hat Dell eigens die Produktkategorie Dell Streak eingeführt.

Ich kann es verstehen. Eigentlich sollte man meinen, der Streak, zu deutsch "Streifen" oder "Strähne", sei ein Handy, nur eben mit einem größeren Bildschirm. Schließlich hat er alles an Bord, was zu einem guten Smartphone gehört: Datenfunk per UMTS und HSDPA, W-Lan für das Netzwerk zu Hause. Bluetooth, um externe Geräte drahtlos anzuschließen, eine Fünf-Megapixel-Kamera für Schnappschüsse und eine VGA-Kamera für Videochats. Ein GPS-Empfänger zur Positionsbestimmung ist an Bord, verschiedene Sensoren erkennen, wie man das Gerät gerade hält. Sie drehen den Bildinhalt entsprechend und regeln je nach Umgebungslicht automatisch die Bildschirmhelligkeit. Alles wenig überraschend - für ein Mobiltelefon von heute.

Aber ein Handy ist der Streak deshalb noch nicht. Dafür ist er einfach zu groß. Groß, nicht klobig, um das klarzustellen. Denn die Größe des Streak erklärt sich aus seinem Bildschirm. Ansonsten ist er mit knapp einem Zentimeter ausgesprochen schlank und mit 220 Gramm nicht mal besonders schwer. Zu groß, um ihn zum Telefonieren ans Ohr zu halten, ist er trotzdem. Beim Selbstversuch - scheinbar in ein Telefonat vertieftes Schlendern über einen Bahnhof - zog der Mini-Dell viele Blicke auf sich. Die knallrote Farbe der Rückseite mag ihren Anteil daran gehabt haben, aber auch mit der schwarzen Variante wird man Gesprächsstoff liefern. Zuschauer werden sich fragen, ob sie einer optischen Täuschung unterliegen: Ist der Mann zu klein oder das Handy zu groß?

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Angefasst: Dell Streak
Abhilfe für dieses Problem schafft Dell mit einem mitgelieferten Kabel-Headset. Das ist nett, aber auch nicht mehr als eine Geste, denn um die Qualität der Mikrofon-Kopfhörer-Kombinationen steht es nicht zum Besten. Wer es gut mit seinen Ohren meint, schafft entweder ein Bluetooth-Headset zum kabellosen Telefonieren oder gleich einen Stereo-Bluetooth-Kopfhörer zum Telefonieren und Musikhören an. Kostet mehr, klingt aber, wenn man einen guten kauft, viel besser und macht die Hände frei.

Und das ist wichtig, weil man beide Hände braucht, um den Streak zu bedienen. Natürlich kann man versuchen, ihn auch einhändig zu steuern. Dafür braucht man aber entweder extrem lange Finger oder enorm biegsame Gelenke. Ansonsten erfordert der große Bildschirm zwei Hände, eine hält den Streak, die andere fuchtelt auf dem Display herum.

Lesen, Bilder oder Filme gucken

Herumzufuchteln gibt es einiges. Als Betriebssystem nutzt Dell Googles Android. Allerdings ist auf dem Streak die lange veraltete Software-Version1.6 installiert. Im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE versprach ein Dell-Sprecher, dass es ein kostenloses Update auf eine neue Android-Version, aktuell ist Version 2.2, geben werde, konnte dafür aber keinen Termin nennen. Das ist schade, aber nicht schlimm, da Dells Programmierer viele Funktionen der aktuellen Android-Variante bereits integriert haben.

So beherrscht der Streak Multitouch, man kann also beispielsweise mit Gesten, wie man sie vom iPhone kennt, Bilder und Texte vergrößern und verkleinern, was ausgesprochen gut funktioniert. Überhaupt reagiert der Touchscreen erfreulich flink auf Eingaben, leistet sich keine Verzögerungen beim Scrollen und Rollen. Dasselbe gilt für die Bildqualität: Farben kommen knackig, aber nicht übertrieben zur Geltung, der Kontrast ist großartig. Die Auflösung könnte angesichts des Fünf-Zoll-Display gerne etwas höher sein, reicht aber mit 800 x 480 Bildpunkten locker aus, um lange Texte scharf anzuzeigen. Da macht das Lesen Spaß, und das Bilder- und Filmegucken auch.

Was dagegen nur eingeschränkt Freude bereitet, ist das Tippen auf der Bildschirmtastatur. Hier muss sich der Streak größeren Tablets geschlagen geben, bei denen die Buchstaben größer und deshalb besser differenzierbar angeordnet werden können. Längere Texte jedenfalls sollte man damit nicht angehen.

Auch als Navi ist der große Kleine brauchbar

Für längere Strecken eignet sich der Streak dagegen sehr, als Navigationsgerät. Auch in dieser Funktion bringt das große Display seine Eigenschaften bestens zur Geltung, wenn man die von Dell installierte Google-Maps-Navigation samt Sprachführung benutzt. Damit dem Streak dabei nicht die Puste ausgeht, sollte man allerdings das als Zubehör angebotene Car Kit samt Autohalterung und Ladekabel kaufen.

Am Ende einer solchen Fahrt bleibt die Erkenntnis, dass Dells Streak zu vieles viel zu gut kann und dabei doch so einiges auf der Strecke bleibt. Als Handy schlägt er sich wacker, zumindest mit Headset, und kann dabei mit Sim-Karten aller Anbieter benutzt werden, ist nicht an das Netz eines bestimmten Providers gebunden. Als Tablet macht er eine ebenso gute Figur, ist dank des großen Displays eine prima Surfmaschine und kann über den Android Marketplace mit reichlich Zusatzsoftware gefüttert werden. Einige Apps, beispielsweise für Facebook, sind bei Kauf bereits installiert. Die mitgelieferte 16-GB-Speicherkarte bietet erst mal genug Platz für Musik und Filme, kann bei Bedarf gegen eine größere ausgetauscht werden.

Androids tiefe Integration in Googles Online-Angebote sorgt dafür, dass Google-Nutzer nach dem ersten Abgleich ihr komplettes Adressbuch, RSS-Feeds und anderes auf das Gerät geladen bekommen. Und selbst als Navi ist der große Kleine gut brauchbar, auch wenn es dem Google-Navi noch an ein paar Funktionen mangelt, die man von Standalone-Navis gewöhnt ist. Was dem Streak außerdem fehlt, ist Ausdauer. Im gut zehntägigen Test leerte sich der Akku selbst dann binnen zwei Tagen, wenn ich das Gerät komplett ignorierte. Schuld dürften die Push-Mails sein, die sich auch im Standby zu Hunderten auf das Gerät mogelten. Ungewöhnlich ist ein solches Verhalten bei aktuellen Smartphones aber nicht. Die meisten müssen, je nach Nutzung, alle ein bis zwei Tage an die Steckdose.

Das gilt auch für den Streak, der ja eigentlich kein Smartphone ist. Aber eben auch kein Tablet und schon gar kein Navigationsgerät. Er ist eben ein bisschen von allem und von manchem etwas mehr, ein echter Generalist, kein Spezialist. Gerade deshalb aber dürfte er in Deutschland Herzen gewinnen, denn Funktionsmonster wie der Streak haben hierzulande schon immer viele Freunde gefunden, die Aldi-PC haben es vorgemacht. Das Darf-es-etwas-mehr-sein-Prinzip wird vermutlich gut ankommen.



insgesamt 20 Beiträge
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Wer ich wirklich bin, 01.09.2010
1. !
So so, das Ding ist also zu klein für den Koffer. Das muss ein iKoffer sein
Ben-99, 01.09.2010
2. He did it again
... wenn also ein Gerät mehr Möglichkeiten bietet als ein vergleichbares Produkt der glorreichen Firma A., dann wird es abwertend mit Aldi in Verbindung gebracht, und man betont auch gleich, daß die (dummen) Deutschen solche "Funktionsmonster" lieben. Und wieder einer der typischen Berichte von Herrn Kremp, in denen er sich "neutral" mit den Konkurrenzprodukten seines Lieblingsunternehmens befaßt.
frank_lloyd_right 01.09.2010
3. Ist nicht von Äppel,
folglich zu kleingroß und eh auf keinen Fall revolutionär. Damit kann man doch gar nichts anfangen - Dell hat ja nicht mal ´n eigenen T-Shirtladen online.
earl grey 01.09.2010
4. Und wohin dann damit?
Zitat von sysopDieser Dell gibt Rätsel auf: Mit dem Modell Streak schafft der US-Computerbauer eine neue Kategorie mobiler Kleincomputer, die in keine der gewohnten Schubladen passen. Er ist Telefon, Tablet, Navi und noch einiges mehr. Zu groß für die Hemdtasche und zu klein für den Koffer. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,714673,00.html
Und wohin dann damit? Kann nur floppen das Teil...
moex 01.09.2010
5. Exklusivität
Zitat von Ben-99... wenn also ein Gerät mehr Möglichkeiten bietet als ein vergleichbares Produkt der glorreichen Firma A., dann wird es abwertend mit Aldi in Verbindung gebracht, und man betont auch gleich, daß die (dummen) Deutschen solche "Funktionsmonster" lieben. Und wieder einer der typischen Berichte von Herrn Kremp, in denen er sich "neutral" mit den Konkurrenzprodukten seines Lieblingsunternehmens befaßt.
Äh nein,nicht ganz.Das Produkt bietet mehr und ist günstiger,daher ist es eher was für die "gemeinen" Leute.Echte Exklusivität ist heutzutage gleichbedeutend mit Minimalistik und die bieten nur die Produkte der Firma A.,natürlich zu einem angemessenen Preis *hust*,damit sich nicht jeder Bauer diese Produkte leisten kann *husthust*.
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