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Heizungssteuerung per App: Wenn ich weg bin, wird es kalt

Von

Energiesparen per App: So arbeitet die Tado-Box Fotos
Matthias Kremp

Die Heizung per Smartphone zu steuern, hat Vorteile: Es wird nur warm, wenn jemand zu Hause ist, das spart Geld. Damit wirbt auch der US-Hersteller Nest, den Google jetzt übernimmt. Doch wie gut läuft so ein System wirklich? Ein Test des deutschen Fabrikats Tado.

Meine Gasrechnung nervt. Sie wird immer höher. Und das, obwohl ich mein Wohnzimmer abends mit einem Kamin beheize. Aber meine Kombination aus einer Neunziger-Jahre-Heizung und einem Sechziger-Jahre-Altbau lässt die Wärme schnell verpuffen. Da erscheint das Versprechen von Tado verlockend: Rund 250 Euro Heizkosten jährlich soll die kleine Box einsparen, indem sie die Heizung intelligent steuert, abhängig davon, ob jemand im Haus ist. Zudem lässt sich die Heizung von überall per Smartphone-App regulieren.

Das System ähnelt dem Gerät der amerikanischen Firma Nest, die Google gerade für 3,2 Milliarden Dollar kauft. Genau wie Nest kann auch die Tado-Box als Ersatz für ein bestehendes Wohnraumthermostat genutzt werden. Ist ein solches nicht vorhanden, schließt man sie direkt an den Heizkessel an.

So ist das in meinem Haus. Entsprechend unsicher war ich, ob ich mich wirklich trauen sollte, das Gerät selbst zu installieren. Tado bietet einen Installationsservice an, wirbt aber damit, 95 Prozent der Kunden würden den Einbau selbst erledigen.

Selbst machen

Das ist Motivation genug für mich. Eine gedruckte Anleitung gibt es nicht. Stattdessen werde ich online durch die Installation geführt. Folgt man den Anweisungen, kann nichts schiefgehen. Außer bei mir. Kaum habe ich alle Kabel angeschraubt und die Tado-Box in Betrieb genommen, geht die Heizung aus.

Zum Glück kann mir die Hotline helfen. Ich schicke ein Handy-Foto der Anschlussleiste meiner Heizung, der Grund für den Ausfall ist schnell gefunden: Laut Tados Unterlagen sind die Anschlüsse meines Heizkessels falsch beschriftet. Ich stecke zwei Kabel um, und alles läuft wie geplant.

Der Rest ist schnell erledigt. Im Wohnzimmer stelle ich einen Temperatursensor auf, an meinen Internet-Router schließe ich ein Gateway an, das die Tado-Box mit dem Internet verbindet. Box und Gateway werden verschlüsselt per Funk verbunden.

Apps für iOS und Android

Das System lässt sich über verschiedene Oberflächen steuern: Es gibt ein Webportal, in das ich mich per Browser einloggen kann, aber auch Apps für iOS und Android. Überall muss man sich mit dem Nutzernamen und Passwort anmelden, das der Hersteller vorgegeben hat, Änderungen sind unmöglich.

Über die App stelle ich ein, wann die Heizung sich ein- und ausschalten soll, auf welche Temperatur sie das Haus aufheizt und wie stark die Zimmer nachts abkühlen dürfen. Die App ist aber vor allem wichtig, weil sie dem System mitteilt, wenn ich das Haus verlasse. Denn das ist der Clou an Tado: Gehe ich weg, wird die Heizung abgeschaltet und Energie gespart.

Wenn ich gehe, friert die Familie

Wie gut das funktioniert, bekommt meine Familie bald zu spüren. Als ich ins Büro gehe, wird es zu Hause kalt. Als ich davon höre, schalte ich die Heizung vom Handy aus wieder ein.

Als Reaktion auf dieses Erlebnis installiere ich die Tado-App auf den Handys aller Familienmitglieder und lerne erneut dazu: Weil deren Handys keine Datenflatrate haben, sind sie unterwegs vom Internet getrennt. Tado merkt deshalb nicht, wenn sie das Haus verlassen, und lässt die Heizung weiterlaufen.

Also richte ich im Tado-Webportal für die Zukunft einen Zeitplan ein, der die Heizung immer dann zum Abschalten zwingt, wenn alle bei der Arbeit oder in der Schule sind.

Fremde in meiner Tado-Box

Die Funktion des Systems ist dadurch natürlich eingeschränkt. Allerdings bei weitem nicht so sehr wie am Heiligabend, als das System plötzlich den Kontakt zum Internet verliert. Wenn das passiert, läuft die Heizung im zuletzt eingestellten Modus weiter. War das der Absenkbetrieb, wird es kalt. Die Hotline sucht tagelang den Fehler, erfolglos.

Die Telefonate zeigen mir, wie sehr ich mich in die Hand Fremder begeben habe. Die Tado-Mitarbeiter können aufs Zehntelgrad genau auslesen, wie warm es bei mir ist, sehen, wie meine Heizung läuft, wann ich sie an- und abschalte und wann ich das Haus verlasse. Tado versichert zwar, dass Datensicherheit und Datenschutz "höchste Priorität" haben, ein mulmiges Gefühl bleibt aber.

Kaufen oder mieten?

Als sich die Probleme nicht per Ferndiagnose lösen lassen, fliegt ein Techniker ein, der mein Heimnetzwerk untersucht. Er findet keinen Fehler. Kaum muss er zum Flughafen, funktioniert das System wieder. Am nächsten Tag gibt es wieder Netzaussetzer, allerdings nur für einige Stunden. Das Problem liegt offenbar bei meiner Fritz!Box oder bei meinem Internetprovider.

Die unerklärlichen Aussetzer, unter denen offenbar nur meine Installation leidet, geben einen Ausblick, welche Probleme das Internet der Dinge, die Vernetzung von allem mit allem, mit sich bringen kann.

Und doch möchte ich nicht mehr auf den Komfort der Heizungssteuerung per App verzichten. Ob sich der Einbau lohnt, ist eine andere Frage. Eine Tado-Box kostet 299 Euro. Wenn die Vorhersagen der Firma stimmen, könnte ich die schon nach etwas mehr als einem Jahr über die Gasrechnung eingespart haben. Ich bin gespannt, ob wenigstens das auf Anhieb klappt.

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insgesamt 154 Beiträge
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1. Hier ...
Muddern 16.01.2014
.... hat es geklappt.
2. Aha.
flateric 16.01.2014
Zitat von sysopMatthias Kremp Die Heizung per Smartphone zu steuern, hat Vorteile: Es wird nur warm, wenn jemand zu Hause ist, das spart Geld. Damit wirbt auch der US-Hersteller Nest, den Google jetzt übernimmt. Doch wie gut läuft so ein System wirklich? Ein Test des deutschen Fabrikats Tado. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/angefasst-heizungssteuerung-tado-im-test-a-943622.html
Die Heizung per Hand zu steuern, hat Vorteile: Es wird nur warm, wenn jemand zu Hause ist, das spart Geld. Wenn ich nämlich nach Hause komme, drehe ich per Hand die Heizung auf. Es wird warm. Wenn ich wegfahre und meine Wohnung verlasse, drehe ich die Heizung ab. Das spart Geld. Ich glaub ich lass mir das patentieren.
3. Albern
shechinah 16.01.2014
Wer im Physikunterricht aufgepasst hat, weiß daß das aufheizen einer ausgekühlten Wohnung mehr kostet, als sie auf einer konstanten Temperatur zu halten. Zumal die Lufttemperatur nur eine untergeordnete Rolle beim Wärmeempfinden hat. Entscheidend ist die Temperatur der Wände. Seit ich sämtliche Absenkungen und Abschaltungen ausgeschaltet habe konnte ich die Lufttemperatur von 21 auf 18 grad senken, weil die Wände durchgehend warm sind, und es fühlt sich nicht kälter an. Der Gasverbrauch ist dabei um 20% gesunken (gemittelt über die letzten 8 Jahre).
4.
PublicTender 16.01.2014
Zitat von sysopMatthias Kremp Die Heizung per Smartphone zu steuern, hat Vorteile: Es wird nur warm, wenn jemand zu Hause ist, das spart Geld. Damit wirbt auch der US-Hersteller Nest, den Google jetzt übernimmt. Doch wie gut läuft so ein System wirklich? Ein Test des deutschen Fabrikats Tado. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/angefasst-heizungssteuerung-tado-im-test-a-943622.html
Diese Lösungen gehen davon aus dass man Wärme in einem Haushalt beliebig "an und ausschalten kann". Tatsache ist, dass der Primärenergieverbrauch bei diesem zyklischen hoch und runterfahren erheblich ansteigen kann. Eine bestimmte Grundwärme sollte, ausser man fährt in den Urlaub, immer da sein. Von einer Fußbodenheizung mit niedriger Vorlauftemperatur wollen wir gar nicht erst reden, da funktioniert das nie.
5. Dr.
braintainment 16.01.2014
"Es wird nur warm, wenn jemand zu Hause ist" Boaaaah.... das ist ja die Krönung amerikanischer Ingenieurskunst. Kann meine Heizung schon seit x Jahren, nennt sich "Ein/Aus-Schalter" Irgendwie erinnert mich das an den Wahlwerbespot des Handelsblatts "Und so lösten die Russen das Problem" http://www.myvideo.de/watch/2215538/So_loesten_die_Russen_das_Problem
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