iPhone 5s und 5c im Test: Das können die neuen Apple-Handys

Von

iPhone 5s und 5c im Test: Mit Scanner und viel Farbe Fotos
Matthias Kremp

Zum ersten Mal hat Apple gleich zwei neue iPhones im Programm. Was können die beiden Modelle? Was unterscheidet sie von ihren Vorgängern? Und wie sicher ist der neue Fingerabdruckscanner wirklich? Die beiden Geräte im Test.

Die Neuerung, über die nach der Vorstellung der neuen iPhones am meisten gesprochen wurde, ist der von Apple als Touch ID bezeichnete Fingerabdruckscanner. Er dient dazu, das Handy per Fingerabdruck zu entsperren oder Einkäufe in Apples Onlineshops zu autorisieren. Apple begründet die Einführung unter anderem damit, dass die Hälfte der iPhone-Besitzer keinen Zahlencode nutzt, um ihr Handy vor fremdem Zugriff zu schützen.

Touch ID macht es nun viel leichter, das Handy zu sichern, ohne Zahlen eintippen zu müssen. Zum Entsperren genügt es, nach dem Druck auf den Home-Button den Finger noch einmal kurz auf den Knopf aufzulegen. Im Test funktionierte das sehr zuverlässig, schnell und unabhängig davon, in welchem Winkel man den Finger auflegt. Bis zu fünf Finger kann man pro Gerät registrieren und so auch anderen Zugriff geben. Ganz ohne Zahlencode kommt man aber trotzdem nicht aus. Jeweils nach dem Einschalten, nach 48 Stunden Inaktivität und nach fünf Fehlversuchen muss man sich mit seinem Code identifizieren, bevor Touch ID wieder funktioniert.

Der Fingerabdruck lässt sich nicht auslesen

Tatsächlich scheinen Befürchtungen, Fremde, womöglich der US-Geheimdienst NSA, könnten einen Fingerabdruck aus dem Gerät auslesen, unbegründet. Zum einen weil die Touch-ID-Daten in einen von Apple als Secure Enclave bezeichneten Speicherbereich des A7-Chips abgelegt werden, der nur von der Touch-ID-Technik angesprochen werden kann. Andere Apps haben darauf keinen Zugriff, bei einem Backup des Handys wird dieser Bereich übersprungen und auch in der iCloud landen die Daten nicht.

Zudem speichert Apple kein Bild des Fingerabdrucks, sondern nur dessen Hash ab. Ein solcher Hash ist ein mathematisches Konstrukt, das laut Wikipedia genutzt wird, um Daten "nahezu eindeutig zu identifizieren, ohne etwas über den Inhalt zu verraten". Der ursprünglich eingelesene Fingerabdruck lässt sich daraus also nicht wiederherstellen. Überdies erschwert Apple den Zugriff auf die Daten erheblich, indem der Hash zusätzlich mit einer modifizierten Variante der AES-Kryptotechnologie verschlüsselt wird. Der so aufgezeichnete Fingerabdruck ist spezifisch und kann nur auf dem Gerät genutzt werden, auf dem er erzeugt wurde.

Mehr Bits bitte

Neben Touch ID ist der neue A7-Prozessor die wichtigste Hardware-Neuerung im iPhone 5s. Mit ihm führt Apple als erster Handyhersteller 64-Bit-Technik in einem Smartphone ein und verspricht einen deutlichen Leistungszuwachs. Im Testprogramm Geekbench 3 erreichte das getestete iPhone 5s knapp 2250 Punkte. Zum Vergleich: Das iPhone 5 kommt im selben Test auf rund 1650 Punkte. Der A7 ist also tatsächlich spürbar schneller als der A6. Wie viel man davon hat, hängt aber auch davon ab, wie schnell Software-Entwickler ihre Apps an die neue Technik anpassen. Apple selbst warnt, dass alte 32-Bit-Apps das System verlangsamen können, weil für sie parallel alte 32-Bit- und neue 64-Bit-Bestandteile des Betriebssystems im Speicher gehalten werden müssen.

Technische Daten
Hersteller Apple Apple
Modell iPhone 5s iPhone 5c
Maße (Millimeter) 124 x 59 x 8 Millimeter 124 x 59 x 9 Millimeter
Gewicht 112 Gramm 132 Gramm
Sprechzeit Bis zu 10 Std. Bis zu 10 Std.
Standby Bis zu 10 Tage Bis zu 10 Tage
Display-Diagonale 4 Zoll 4 Zoll
Display-Auflösung 1136 x 640 Pixel 1136 x 640 Pixel
Prozessor 1,3 GHz Dualcore* 1,3 GHz Dualcore*
Arbeitsspeicher 1 GB* 1 GB*
Massenspeicher 16/32/64 GB 16/32 GB
Speichererweiterung Nein Nein
Kamera (hinten/vorne) 8/1,2 Megapixel 8/1,2 Megapixel
Mobilfunktechnik LTE, HSDPA, UMTS, EDGE, GPRS, GSM LTE, HSDPA, UMTS, EDGE, GPRS, GSM
W-Lan 802.11 a/b/g/n 802.11 a/b/g/n
Bluetooth 4.0 4.0
Betriebssystem iOS 7 iOS 7
Besonderheiten Touch-ID-Sensor, 64-Bit-Technik, M7-Coprozessor,
Preis 699/799/899 Euro 599/699 Euro
Alle Daten sind Herstellerangaben, außer wo gekennzeichnet. * Laut Geekbench 3
Abzuwarten bleibt, was Programmierer aus der OpenGL-3.0-Grafiktechnik holen werden, die mit dem neuen Chip eingeführt wird. Demos, die Apple bei der Vorstellung des iPhone 5s zeigte, waren vielversprechend. Ebenso vielversprechend ist der in den A7 integrierte Co-Prozessor M7. Er kümmert sich ausschließlich darum, Sensordaten zu verarbeiten und Apps bereitzustellen. Weil er dabei nur ein Sechstel des Stromes benötigt, den der A7 für dieselben Aufgaben bräuchte, könnte er künftig dazu beitragen, dass beispielsweise Fitness- und Augmented-Reality-Apps weniger stark am Akku nuckeln.

Fette Pixel und ein warmer Blitz

Obwohl die Kamera des neuen iPhone immer noch nur vergleichsweise magere acht Megapixel Auflösung bietet, hat sie einige entscheidende Verbesserungen bekommen. Zum einen wurde der Fotochip vergrößert, so dass die lichtempfindlichen Sensoren darauf jetzt 1,5 Micron messen und damit größer sind als bei Handys üblich. In Kombination mit der auf f/2.2 vergrößerten Blendenöffnung dringt nun mehr Licht auf den Sensor und man kann bei schlechter Beleuchtung bessere Fotos machen. Schlechte Lichtverhältnisse galten als besonderer Schwachpunkt der Kamera im iPhone 5.

Dazu trägt auch der True Tone Flash genannte Blitz bei, der über eine weiße und eine bernsteinfarbene Lampe verfügt. Abhängig vom Umgebungslicht berechnet das Handy bei Dunkelheit eine zum Motiv passende Mischung der beiden Farben und lässt die beiden Blitze entsprechend aufleuchten. Im Test wurden dadurch vor allem Hauttöne realistischer aufgenommen als mit dem iPhone 5. Zudem kann die Kamera jetzt schnelle Bildfolgen mit zehn Fotos pro Sekunde schießen, bis der Speicher voll ist. Außerdem bietet sie bei Videos einen Zeitlupenmodus mit 120 Bildern pro Sekunde, der sehr einfach zu bedienen ist und beeindruckende Ergebnisse liefert.

An die Fotoqualität des Nokia Lumia 1020 kommt Apple aber auch mit der neuen Kamera nicht heran. Dessen 41 Megapixel sind einfach nicht zu schlagen, auch wenn sie nur 1,1 Micron groß sind.

Details

Neben diesen Änderungen hat Apple beim 5s vor allem einen Mangel des iPhone 5 ausgebügelt: Der LTE-Chip ist jetzt nicht mehr auf das Netz der Telekom beschränkt, sondern kommt mit allen in Deutschland verfügbaren LTE-Netzen klar. "Auch mit denen, die noch angekündigt werden", sagt ein Apple-Sprecher. Außerdem ist die Facetime HD genannte Frontkamera mit einem verbesserten Fotosensor bestückt worden.

Und was ist mit dem iPhone 5c?

Diese beiden letztgenannten Neuerungen haben es auch ins iPhone 5c geschafft, das ansonsten technisch mit dem iPhone 5 identisch ist, aber in einem neugestalteten Kunststoffgehäuse steckt, das mit seinen Rundungen ein wenig an frühere iPhone-Modelle erinnert. Befürchtungen, das Plastikgehäuse würde billig wirken, verschwinden, sobald man das Gerät in der Hand hält. Der hochglänzend lackierte Korpus macht einen sehr stabilen Eindruck, der Lack sieht sehr hochwertig aus, vor allem in dem grünen Farbton, der unser Testgerät ziert. Gegenüber dem Vorjahresmodell ist es aber nur um 80 Euro billiger geworden - ein "Billig-Modell" ist das 5c also beileibe nicht.

Fazit

Eines stellt Apple mit den neuen Modellen klar: iPhones sind Luxus, auch wenn Technik vom Vorjahr drinsteckt, wie beim iPhone 5c. Egal welche Version man wählt, ein Apple-Handy ist immer teurer als vergleichbare Android-Smartphones. Insbesondere wenn man ein Modell mit viel Speicher wählt, fällt der Aufpreis oft sehr hoch aus.

Gleichzeitig stemmt sich Apple gegen den Trend: Die neuen iPhones haben weder einen größeren Bildschirm, noch Full-HD oder NFC. Auf dem Datenblatt müssen sich iPhone 5s und 5c Android-Konkurrenten wie dem LG G2geschlagen geben. Stattdessen führt der Konzern mit 64 Bit und Touch ID neue Techniken ein.

Vorteile und Nachteile des iPhone 5s

Einfache Bedienung

Gute Kamera

LTE in allen Netzen

Sehr schlank

Schneller Prozessor

Komfortabler und sicherer Fingerabdrucksensor

Speicher nicht erweiterbar

Kein NFC

Teuer

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1. Gleich kommen sie...
resomax 18.09.2013
Gleich kommen sie, die Apple Hasser. Mit den gleichen "Argumenten" wie jedes Jahr: Kein Wechselakku, keine Speichererweiterung, kein NFC, zu teuer, zu klein, überaltete Technik, Protzobjekt etc etc. Neu ist: jetzt kriegt die NSA auch den Fingerabdruck… So und jetzt? Bleibt doch bei euren Win- und Androidphones und genießt eure gefühlte Überlegung und eure Geiz-Ist-Geil-Mentalität! Und wir werden das viel bessere Hard- und Softwarezusammenspiel bei toller Materialverarbeitung genießen! Und die Kamera... Sind mal wieder schöne und gute iPhones geworden, freu mich auf eines davon! Und auf iOS 7!
2. tse
bimbambum 18.09.2013
was herr kremp immer so test nennt. das herunterbeten von Features und die wiedergabe von Pressetexten ist kein Test. Auch dann nicht wenn man dem Hersteller glauben will das das mit dem Fingerabdruck alles nicht so schlimm ist. Also danke für das Datenblatt und den Pressetext
3. Endlich
jacksparrowb 18.09.2013
Endlich mal ein objektiver Beitrag zum iPhone bei SO. Der neue Acku wurde vergessen. Das ist aber nicht weiter schlimm da er auch nicht so stark vergrößert wurde. Fazit: das 5s ist toll und wird als Luxusartikel seinen Weg machen. Das 5c ist für die Technik weiterhin rund 150€ zu teuer. Die Infrastruktur und Sicherheit von Apple rechtfertigen höhere Preise aber auf jeden Fall.
4. Fehlte da nicht was für einen TEST?
pmeuser 18.09.2013
Natürlich kann man ein Handy als ein Konstrukt aus PS, Zylinderzahl, Verbrauch und Komforttüröffnung sehen, aber das ist letztlich im Ergebnis am Thema vorbei und gehört in die Rubrik "Auto". Der Test (des Datenblatts?) erwähnt nicht in einem Satz iOS7 und welchen Anteil die Software im Zusammenspiel mit der Hardware am Gesamtergebnis hat.
5. Heben Sie den Finger!
hr_schmeiss 18.09.2013
Und legen Sie ihn wiederholt auf die Home-Taste! Aha, ich hebe meinen Finger - Wind West-Nordwest - und suche dann die Home-Taste. Mag damit dieses stilisierte Ohr gemeint sein? Den Finger wo hin legen, das geht ja wohl am besten mit einer Prothese. Gemeint ist wohl eher, ich soll mit der Fingerspitze wiederholt dieses Symbol berühren? Fort Knox, naja. Eher Turm zu Babel! Heben Sie den Finger und legen Sie ihn wiederholt auf die Schläfe...
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Mobile Breitbandformate
UMTS
Universal Mobile Telecommunications System - wird oft als Mobilfunkstandard der dritten Generation (3G) bezeichnet, da er deutlich höhere Datenübertragungsraten als sein Vorgänger GSM ermöglicht. Deutsche UMTS-Netze schaffen üblicherweise eine Bandbreite von 384 Kbit/s im Standardmodus. Mit der Erweiterung HSPA+ (siehe dort) sind bis zu 42 Mbit/s möglich (Stand Ende 2012). Reguläre DSL-Anschlüsse bieten heute üblicherweise 16 Mbit/s. (mehr ...)
HSPA+
High Speed Packet Access - setzt auf UMTS auf, erzielt aber deutlich höhere Übertragungsraten bei der Übertragung vom Mobilfunkmast zum Endgerät. Die praktisch erreichbare Datenrate liegt zurzeit bei 42 Mbit/s (Stand Ende 2012). Der HSPA+-Standard sieht Übertragungsraten von bis zu 168 Mbit/s vor, die bisher allerdings noch nicht erreicht werden. (mehr ...)
LTE
Long Term Evolution ist der Name, den eine Reihe von Mobilfunkunternehmen diesem Standard der vierten Mobilfunkgeneration gegeben haben. LTE ist im Grunde eine Weiterentwicklung von UMTS - braucht aber gänzlich neue Hardware, einschließlich neuer Sendestationen. Theoretisch sind per LTE Downloadraten von bis zu 300 Mbit/s per Mobilfunk möglich. Tatsächlich werden von LTE-Netzbetreibern maximal 100 Mbit/s angeboten. In Deutschland werden für LTE Frequenzbänder verwendet, die durch die Umstellung der TV-Ausstrahlung auf digitale Angebote frei geworden sind. Einer der Vorteile von LTE ist die im Vergleich zu UMTS größere Reichweite der Funkmasten. Unter anderem deshalb wird LTE in Deutschland genutzt, um ländliche Gegenden, in denen eine DSL-Verkabelung nicht wirtschaftlich wäre, mit schnellen Datendiensten zu versorgen. Ein Problem bei LTE ist, dass es regional und je nach Anbieter auf unterschiedlichen Frequenzen arbeitet. Da nicht jeder LTE-Chip alle diese Frequenzen beherrscht, können manche Endgeräte trotz grundsätzlicher LTE-Tauglichkeit nicht alle LTE-Netze nutzen. . (mehr ...)
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General Packet Radio Service - dieser Standard zerlegt Daten beim Sender in einzelne Pakete, überträgt sie gestückelt und setzt sie beim Empfänger wieder zusammen. Durch Bündelung mehrerer Übertragungskanäle ist theoretisch eine Übertragungsrate von bis zu 171,2 Kbit/s möglich. Im praktischen Betrieb sind es meist 55,6 Kbit/s - so langsam waren Modems in den Zeiten vor DSL. (mehr ...)
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Enhanced Data Rates for GSM Evolution - Technik zur Erhöhung der Übertragungsrate von Daten in GSM-Mobilfunknetzen. Durch effizientere Modulationsverfahren sollen in der Summe bis zu 384 Kbit/s erreicht werden - das ist UMTS-Geschwindigkeit. Edge wurde bisher in 75 Ländern eingeführt. (mehr ...)
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Die WiMax-Technologie umfasst mehrere Standards zu Datenübertragung auf verschiedenen Funkfrequenzen. Manche WiMax-Standards brauchen eine Sichtverbindung zwischen Sender und Empfänger, bei anderen können die Signale auch Mauern durchdringen. Bei Tests soll WiMax schon Datentransferraten von mehr als hundert Mbit/s erreicht haben. Hermann Lipfert, Experte für Drahtlosnetze beim Münchner Institut für Rundfunktechnik (IRT), schätzt, dass in einer regulären WiMax-Funkzelle Transferraten von 50 Mbit/s realistisch sind - unter idealen Bedingungen und bei Anwendung aller derzeit zur Verfügung stehenden technischen Tricks. Diese Bandbreite müssten sich dann wie bei UMTS alle Nutzer teilen, die in der jeweiligen Funkzelle online sind. Bislang hat WiMax aber noch keine Bedeutung (Stand Ende 2012).(mehr ...)

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