Replicator 2 im Test: Das taugt der 3-D-Drucker von Makerbot

Von

SPIEGEL ONLINE

Die Zukunft hat begonnen: Auf der Cebit ist eine neue Generation von 3-D-Druckern zu sehen. Statt Worte zu Papier zu bringen, stellen sie Gegenstände her. Bisher waren sie Zehntausende Euro teuer, jetzt gibt es die ersten bezahlbaren Modelle. Wir haben eines ausprobiert.

Science-Fiction-Fans kennen die Technik spätestens seit "Star Trek": Sogenannte Replikatoren stellen in der TV-Serie von heißem Earl Grey bis zu Maschinenteilen alles her, was die Mannschaft an Kleinkram braucht. So ungefähr funktionieren auch moderne 3-D-Drucker, nur waren sie bisher so teuer, dass nur Firmen ihre Anschaffung finanzieren konnten. Und Tee können sie auch noch nicht machen. Einen der ersten Dinge-Drucker, die auch für Normalsterbliche bezahlbar sind, haben wir ausprobiert, den Makerbot Replicator 2.

Wie einen Laser- oder Tintenstrahldrucker darf man sich solche Geräte nicht vorstellen. Weil er in drei Dimensionen arbeitet, ist ein 3-D-Drucker ganz anders aufgebaut. Das Gehäuse ist aus Metallstreben und Blechen hergestellt, die robust miteinander verschraubt sind. Das ist wichtig, denn Drucken in 3D ist Millimeterarbeit.

Das Auspacken und Anschließen des Replicator 2 ist zunächst einfacher als gedacht: Nachdem man einige Fixierbänder gelöst hat muss er nur mit einer Steckdose und gegebenenfalls mit einem Computer verbunden werden. Letzteres ist optional, denn die Druckdateien kann man auch per SD-Speicherkarte auf den Drucker bringen.

Fotostrecke

22  Bilder
3-D-Drucker: Das ist der Makerbot Replicator 2
Ist der Drucker soweit vorbereitet, kommt der einzig knifflige Teil des Aufbaus, das Justieren der Druckplatte. Auf dieser Platte sollen später die Gegenstände gedruckt werden. Dabei kommt es darauf an, dass zwischen Druckplatte und Druckkopf ein genau definierter Abstand eingehalten wird, den man über mehrere Stellschrauben justiert. Dabei das richtige Maß zu finden, hat uns eine gute Stunde gekostet.

Viel einfacher war es, das Druckmaterial aufzufüllen, das in Form einer langen Plastikschnur auf großen Spulen geliefert wird. Man setzt die Spule an der Rückseite des Druckers auf eine Halterung auf, zieht die Plastikschnur durch ein Führungsrohr und schiebt sie in den Druckkopf ein. Erfreulicherweise nutzt der Makerbot 2 den Biokunststoff Polymilchsäure (PLA) als Druckmaterial. Neben der biologischen Abbaubarkeit zeichnet sich dieses Material dadurch aus, dass es bei vergleichsweise niedrigen Temperaturen aufgeschmolzen werden kann. Gleichzeitig ist das aber auch ein Nachteil: Ab etwa 60 Grad Celsius werden Gegenstände aus PLA weich. Für Kaffeebecher ist es also nicht geeignet.

Selber machen oder runterladen

Ist der Drucker vorbereitet, bleibt die Frage, was man damit denn nun drucken soll. Eine gute Quelle für dreidimensionale Druckvorlagen ist die Website Thingiverse, ein Art Tauschbörse für druckbare 3-D-Objekte. Vom einfachen Kamm bis zum Modellflugzeug findet man hier Hunderte 3-D-Modelle, die von Künstlern und Bastlern für 3-D-Drucker erstellt worden sind.

Wer lieber selbst gestaltete Gegenstände drucken will, kann druckbare Objekte mit nahezu jedem beliebigen 3-D-Programm erstellen, egal ob das Profilösungen wie AutoCAD oder Cinema 4D sind, oder Googles kostenloses SketchUp. In jedem Fall aber muss man 3-D-Objekte vor dem Druck noch einmal mit der Makerware-Software bearbeiten, die zum Drucker gehört. Mit dem Programm, das es für Windows, OS X und Ubuntu gibt, platziert man das Objekt auf der Druckplatte und passt seine Größe an die gewünschte Ausgabegröße an. Ist man zufrieden, berechnet die Software die Druckdaten, die man per USB oder SD-Karte an den Drucker weitergibt.

Mit 230 Grad aus der Düse

Gibt man dem Replicator 2 dann den Druckbefehl, sollte man sich, je nach Größe des Objekts, zwischendurch etwas anderes vornehmen. Der Ausdruck einer iPhone-Hülle etwa dauert fast eineinhalb Stunden (siehe Video), der Druck einer Miniaturausgabe der Maske von Darth Vader ebenso. Am besten verlässt man dabei den Raum, denn beim Drucken erzeugt der Drucker eine recht laute Geräuschkulisse, die von seinem laut pustenden Lüfter noch verstärkt wird.

Dieser Lüfter ist nötig, um den Druckkopf zu kühlen, in dem der PLA-Kunststoff bei 230 Grad Celsius verflüssigt und als dünner Faden aus einer Düse auf die Druckplatte gepresst wird. So entsteht schließlich, Schicht für Schicht, eine Reproduktion des 3-D-Modells. Die Makerware-Software sorgt dabei dafür, dass die Exponate mit möglichst geringem Materialeinsatz hergestellt werden. Festkörper beispielsweise werden nicht massiv gedruckt, sondern aus einer Konstruktion von Hohlwaben zusammengesetzt.

Vorteile und Nachteile

Einfache Inbetriebnahme

Einfache Bedienung

Innovatives Konzept

Stabiler Aufbau

Überzeugende 3-D-Drucke

Teuer

Langsam

Laut

Nur einfarbige Drucke

Die eigentlichen Druckkosten halten sich in Grenzen. Der in vielen Farben lieferbare PLA-Kunststoff kostet beim deutschen Vertrieb 59 Euro pro Spule. Aus einem Kilogramm des Materials, so der Anbieter, lassen sich etwa 392 Schachfiguren drucken. Eine Rolle Plastik liegt dem Drucker bei.

Fazit

Billig ist der 3-D-Druckspaß nicht. Der Replicator 2 selbst kostet inklusive einer Farbspule derzeit 1890 Euro, als Modell 2X (mit ABS-Kunststoff als Druckmaterial) 2290 Euro. Damit ist der potentielle Nutzerkreis deutlich eingeschränkt. Für Architekten und Designbüros mag das quasi ein Schnäppchenpreis sein, für Heimanwender wohl kaum. Wer 3D als Hobby betreibt und es sich leisten kann, mag trotzdem zugreifen und sich rühmen, zu den ersten zu gehören, die Dinge in 3D drucken. Alle anderen sollten lieber noch warten, bis 3-D-Drucker billiger und schneller werden.

Mehr zum Replicator 2 lesen Sie auch in der aktuellen Ausgabe des SPIEGEL.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 97 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. stromverbrauch?
caine666 07.03.2013
Mich würde eher interessieren wieviel Strom so ein Gerät pro Druckvorgang zieht
2. Kaufdrang
yshitake 07.03.2013
Ich bin sehr interessiert mir so eine Zauberkiste anzuschaffen, sobald die richtige Zeit gekommen ist. Als ich mich vor 2 Jahren das erste Mal nach einem Drucker für den Heimgebrauch umsah, war der Makerbot auch schon zu haben, aber noch in einem viel früherem Stadium in Holzoptik. Vor dem bin ich noch zurückgeschreckt, aber diese neue Version sieht auf jeden Fall schon viel vertrauenswürdiger aus. In 1-2 Jahren werden die wahrscheinlich schon unter vielen Weihnachstbäumen liegen
3. Dem Kremp seine Fresse
Matthias_H 07.03.2013
... fand ich schon beim letzten Gadgettest eher störend. Bitte in Zukunft vorm Abdrücken aus dem Bild gehen.
4. Toll
taglöhner 07.03.2013
Zitat von sysopSPIEGEL ONLINEDie Zukunft hat begonnen: Auf der Cebit ist eine neue Generation von 3-D-Druckern zu sehen. Statt Worte zu Papier zu bringen, stellen sie Gegenstände her. Bisher waren sie Zehntausende Euro teuer, jetzt gibt es die ersten bezahlbaren Modelle. Wir haben eines ausprobiert. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/angefasst-makerbot-replicator-2-im-test-a-884940.html
Jetzt kann ich mir den ganzen Scheiß, den ich sonst in der Frühstücksflockentüte finde selbst ausdrucken, bevor ich ihn wegschmeiße.
5. Was für ein Schwachsinn
yxi 07.03.2013
...noch mehr Plastikmüll, den keiner braucht. Ausser sinnlosem Zeug (im besten Falle wohl Spielzeug) kann man mit so einem Heim-3D-Drucker doch nichts brauchbares produzieren. Zumal die Geräte ja ausschliesslich irgendwelches Plastik verarbeiten können. Und da die in Heimarbeit produzierten "Staubfänger" dann alsbald wohl im Müll entsorgt werden, handelt es sich bei dem mittlerweile von einigen Medien kräftig ge-hype-ten 3D-Drucken m.M.n. um ein mehr als fragwürdiges Konzept. Naja, irgenwie muss der Planet doch kaputtzukriegen sein...
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Gadgets
RSS
alles zum Thema Cebit
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 97 Kommentare
Mehr dazu im SPIEGEL


Anzeige
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher

    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.a.

    SPIEGEL E-Book; 2,69 Euro.

  • Einfach und bequem: Direkt bei Amazon kaufen.