Nokia Lumia 1020 im Test So gut fotografiert die Smartphone-Superkamera

Nokias neues Windows-Smartphone protzt mit einer 41-Megapixel-Kamera. Der Test zeigt, was die gewaltige Auflösung bringt.

Matthias Kremp

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Als Nokia Anfang 2012 ankündigte, ein Smartphone mit einer 41-Megapixel-Kamera bestücken zu wollen, glaubten manche an einen Scherz. Als im Sommer 2012 das Pureview 808 in den Handel kam, waren die Zweifler baff: Die Bildqualität war für ein Handy außergewöhnlich hoch. Trotzdem konnte das Multimegapixel-Mobiltelefon nicht ganz überzeugen. Sein Symbian-Betriebssystem war nicht zeitgemäß, das Gerät ein dicker Klopper. Mit neuen dem Lumia 1020 will Nokia dies ausbügeln.

Gegenüber seinem Vorgänger hat das neue Modell drastisch abgespeckt. Statt 1,4 Zentimetern misst es an der dicksten Stelle nur noch einen Zentimeter. Als Betriebssystem dient, wie in allen Lumias, Windows Phone 8. Ob man das mag, ist Geschmackssache. Immerhin einen großen Vorzug bietet das Microsoft-System: Es ist auch für Smartphone-Anfänger leicht bedienbar.

Entsprechend einfach ist es, mit dem Handy zu fotografieren: Ein etwas längerer Druck auf die Kamerataste startet die Foto-App, auch wenn sich das Handy im Ruhezustand befindet. Wenn man den Kennwortschutz aktiviert hat, muss man zuerst den Schlüssel-Code eintippen.

Zoomen per Fingerwisch

Was man dann zu sehen bekommt, ist weit weniger aufregend als erwartet: Nokias Kamera-App Pro Cam gibt sich auf den ersten Blick sehr schlicht. Man wählt den Ausschnitt und löst aus, mehr gibt es nicht zu tun. Erst wenn man das Kamerasymbol auf dem Bildschirm nach links zieht, öffnen sich eine Reihe virtueller Drehregler, mit denen sich Parameter wie Weißabgleich, ISO-Zahl oder die Belichtungszeit manuell verstellen lassen. Eine Änderung der Blendenzahl ist freilich nicht möglich.

In der Praxis lässt sich mit dem Lumia 1020 flink fotografieren. Die Kamera stellt ausreichend schnell das Objekt scharf, das man per Fingertipp auf dem Display auswählt. Seine Domäne sind Weitwinkelaufnahmen. Extreme Nahaufnahmen lässt es nicht zu, einen optischen Zoom gibt es nicht. Stattdessen kann man per Fingerwisch digital in die Aufnahmen hineinzoomen, der 41-Megapixel-Chip bietet dafür ausreichend Reserven und lässt bei Standbildern einen Dreifach-, bei Videos einen Sechsfach-Zoom zu. Das Ergebnis ist weit besser als herkömmliche Digital-Zooms, allerdings kann es einen optischen Zoom nicht ganz ersetzen.

38, 34 oder 5?

Dafür bietet der Sensor des Lumia 1020 die Möglichkeit, mit Unschärfeeffekten zu spielen, also ein Motiv im Vordergrund scharf abzubilden, während der Hintergrund in Unschärfe verschwimmt. Je nachdem, wofür man die Fotos verwenden will, kann man die Bilder in 5-Megapixel-Auflösung abspeichern oder zusätzlich eine 34- beziehungsweise 38-Megapixel-Version im Speicher des Telefons ablegen lassen.

Die unterschiedlichen Auflösungen erklären sich aus dem Bildseitenverhältnis: Im Format 4:3 zeichnet die Kamera 7136 x 5360 Pixel (38 Megapixel) auf, im Format 16:9 sind es 7712 x 4353 Pixel (34 Megapixel). Der Chip verfügt also über 7712 x 5360, die man aber aufgrund der Begrenzungen der Bildformate nie voll ausnutzen kann.

Technische Daten

Hersteller Nokia
Modell Lumia 1020
Maße (Millimeter) 130 x 71 x 10 Millimeter
Gewicht 158 Gramm
Sprechzeit Bis zu 19,1 Std.
Standby Bis zu 16 Tage
Display-Diagonale 4,5 Zoll
Display-Auflösung 1280 x 768 Pixel
Prozessor 1,5 GHz Dualcore
Arbeitsspeicher 2 GB
Massenspeicher 32/64 GB*
Speichererweiterung Nein
Kamera (hinten/vorne) 41/1,2 Megapixel
Mobilfunktechnik LTE, HSDPA, UMTS, EDGE, GPRS, GSM
W-Lan 802.11 a/b/g/n
Bluetooth 3.0
Betriebssystem Windows Phone 8
Besonderheiten Xenon-Blitz, optischer Bildstabilisator, 7 GB Skydrive-Speicher, NFC,optionale drahtlose Ladefunktion, optionales Kamera-Cover
Preis 699/679 Euro*

Alle Daten sind Herstellerangaben. * Das Lumia 1020 mit 64 GB ist exklusiv bei O2 erhältlich.

Für die meisten Fälle dürften allerdings 5 Megapixel vollkommen ausreichend sein. Die Bildqualität der beiden Varianten unterscheidet sich nach unseren Tests nicht sichtbar. Einzig wenn man die Fotos noch am Computer nachbearbeitet, sehr groß ausdrucken oder im Nachhinein einzelne Bildbereiche vergrößern will, ist das 38- oder 34-Megapixel-Bild die bessere Wahl.

Mehr Speicher für weniger Geld

Allerdings gehen die großen Bilddateien zu Lasten des Speichers, die 38-Megapixel-Versionen waren in unserem Test bis zu 13 MB groß. Da der Speicherplatz des Lumia 1020 nicht erweiterbar ist und man neben Fotos wahrscheinlich auch Apps, Musik und Videos unterbringen will, heißt es also haushalten. Das Limit hat Nokia festgelegt: Die Standardversion des 1020 wird mit 32 GB bestückt, die 64-GB-Version ist exklusiv O2 vorbehalten. Amüsantes Detail: Für das Standardmodell gibt Nokia einen Preis von 699 Euro an, das Modell mit doppelt so viel Speicher kostet bei O2 20 Euro weniger.

Neben der außergewöhnlichen Kamera bekommt man dafür ein Smartphone, dem es an fast nichts fehlt. Es beherrscht alle modernen Datenfunktechniken, bis auf Bluetooth 4.0, hat einen sehr kräftig leuchtenden 4,5-Zoll-Bildschirm, der auch mit Handschuhen noch bedienbar ist. Und es liegt sehr gut, wenn auch etwas schwer, in der Hand.

Fazit

Unverständlich ist, weshalb Nokia die drahtlose Ladefunktion nicht integriert hat, seine Kunden stattdessen 25 Euro für einen wenig attraktiven Plastiküberzug zahlen sollen. Und man muss sich mit dem Betriebssystem anfreunden können: Windows Phone 8 ist nicht jedermanns Sache. Umsteiger, egal ob von Android oder iOS, tun sich damit schwer. Smartphone-Neulingen hingegen macht es den Einstieg mit seinen großen Kacheln und vielen vorinstallierten Apps leicht.

Vorteile und Nachteile

Hervorragende Kamera

Einfache Bedienung

Nahezu vollständige Ausstattung mit Funkstandards

Vergleichsweise schlank

Speicher nicht erweiterbar

Drahtlose Ladefunktion nur optional

Kein optischer Zoom

Vor allem aber findet man derzeit kein Handy, das eine bessere Kamera hat als das Lumia 1020. Schon gar nicht so schön verpackt. Regelrecht beeindruckend waren Fotos, die wir bei schummriger Beleuchtung knipsten (siehe Fotostrecke). Die Kombination aus einem optischen Bildstabilisator und hohen ISO-Werten macht sich bezahlt. Eine Kompaktkamera braucht man nicht mehr, wenn man dieses Handy hat.



insgesamt 107 Beiträge
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Seite 1
wohltaer 17.09.2013
1. Ist Lumia das neue iPhone?
Klingt nach der Innovation, die man früher von Apple kannte.
testi 17.09.2013
2. Schön
auf den ersten Blick. Wer viel fotografiert, könnte mit diesem Gerät glücklich werden. Warum aber kein erweiterbarer Speicher vorgesehen ist, erschließt sich mir nicht. Gerade bei solchen großen Datenmengen, wie die Fotos erzeugen, sollten die Entwickler an diesem Punkt nachbessern.
Dr. Clix 17.09.2013
3. Nix neues...
die Löcher sind bestimmt gebohrt und kein Guss. Die Bewegungsabläufe nenne ich bei meinem Nexus4 Panoramaaufnahme mit bewegendem motiven im Vordergrund - auch hübsch
Megg 17.09.2013
4. Optischer Zoom
Es hat einen 3fach optischen Zoom.
Reiner_Habitus 17.09.2013
5.
Zitat von testiauf den ersten Blick. Wer viel fotografiert, könnte mit diesem Gerät glücklich werden. Warum aber kein erweiterbarer Speicher vorgesehen ist, erschließt sich mir nicht. Gerade bei solchen großen Datenmengen, wie die Fotos erzeugen, sollten die Entwickler an diesem Punkt nachbessern.
Mit einer Festblende glücklich werden? NIEMALS.....
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