Lumia 925 im Kurztest: Leichter, schärfer, abgespeckt

Aus London berichtet

Kurztest: Das ist das Nokia Lumia 925 Fotos
SPIEGEL ONLINE

Nokias neues Top-Smartphone kann nicht spontan begeistern: Statt neuer Technik bringt es vor allem ein neues Design. Nach ein paar Stunden mit den Handy zeigt sich jedoch: Das Gerät ist besser, als es das Datenblatt verspricht.

Im Grunde war allen Anwesenden klar, worum es bei Nokias Pressekonferenz, am Dienstag in London, gehen sollte: Einen Nachfolger für das Lumia 920, ein neues Top-Gerät also für die mittlerweile elf Modelle umfassende Serie von Windows-Smartphones, die bei Nokia unter der Bezeichnung Lumia laufen.

Zur Erinnerung: Mit dem Lumia 920 hatten die Finnen im Herbst 2012 ihr erstes Smartphone mit Windows-Phone-8-Betriebssystem vorgestellt. Und sie hatten alles in das Gerät hineingestopft, was technisch denk- und machbar war: LTE, NFC, diverse Sensoren, GPS, schnelles W-Lan, ein Super-Kamera und sogar eine drahtlose Ladefunktion.

Nur wenige Mängel konnte man dem Gerät seinerzeit ankreiden: Zum einen ist es mit 180 Gramm sehr schwer, zum anderen mag manchen Kunden stören, dass es in einem Kunststoffgehäuse steckt, das gegenüber iPhone 5 oder HTC One billiger wirkt.

Genau diese Mängel haben Nokias Designer und Techniker beim Lumia 985 mit einer einzigen Konstruktionsänderung beseitigt. Im Inneren steckt nun ein Aluminium-Chassis, das nur wenige Gramm wiegt (siehe Bildergalerie). Von außen ist davon allerdings nur der Rahmen zu sehen, der auch als Antenne dient. Vorne macht das nichts, denn die Front wird ohnehin komplett von dem sehr kräftig und kontrastreich wirkenden 4,5-Zoll-Bildschirm eingenommen.

Den Rücken allerdings bedeckt ein Plastikdeckel. Der passt zwar farblich perfekt zum Aluminium, wirkt aber nicht so wertig wie ein einteiliges Aluminiumgehäuse. Wieso Nokia sich für diese Zwischenlösung entschieden hat, ist unklar. Technische Gründe können es nicht gewesen sein. Umso weniger, als sich das Gehäuse nicht öffnen lässt, um beispielsweise den Akku zu wechseln.

Billige Plastiküberzieher

Trotzdem sieht das 925 edler und eleganter aus als das bisherige Nokia-Flaggschiff 920. Und es liegt viel besser in der Hand. Das mag daran liegen, dass es ein bisschen dünner ist, vor allem aber am deutlich verringerten Gewicht. Um satte 41 Gramm wurde das neue Modell gegenüber seinem Vorgänger abgespeckt, bringt 139 Gramm auf die Waage und fühlt sich damit sehr tragbar an.

Einige dieser gesparten Gramm sind wohl erkämpft worden, indem man Funktionen weggelassen hat. Warum aber ausgerechnet die enorm praktische drahtlose Ladefunktion dazu gehört, ist völlig unverständlich. Die Technik dafür wiegt nur wenige Gramm und macht das Gerät keinen Millimeter dicker. Doch stattdessen müssen Lumia-925-Besitzer künftig ein spezielles Cover kaufen (ca. 30 Euro, siehe Bildergalerie) und auf das Gerät aufstecken, um den drahtlosen Komfort nutzen zu können. Das ist umständlich und macht das Gerät nicht eben schöner. Seinen eleganten Look jedenfalls büßt es durch die billigen Plastiküberzieher ein.

Schnappschüsse in der Dunkelkammer

Die Kamera hingegen konnte im ersten kurzen Test begeistern. Allein indem das Objektiv um eine sechste Linse ergänzt wurde, scheint die Bildschärfe deutlich gesteigert worden zu sein. In Kombination mit dem optischen Bildstabilisator glückten uns damit sogar in einer abgedunkelten Kammer im Veranstaltungszentrum erstaunlich lichtstarke Schnappschüsse. Die konnten vor Ort allerdings nur auf den Handy-Display begutachtet und deshalb nicht abschließend bewertet werden.

Die neue Kamera-App hingegen, die anderen Lumias im Sommer per Software-Update nachgeliefert werden soll, macht auf Anhieb Spaß. Sie zeichnet bis zu zehn Bilder in 5-Megapixel-Auflösung in einer Belichtungsreihe auf. So lassen sich beispielsweise bewegte Objekte besser vom Hintergrund abheben oder mehrere Bewegungsphasen zu einem einzigen Bild zusammenfassen. Das geht hier so leicht, dass zu befürchten steht, in sozialen Netzwerken bald haufenweise solche Bilder zu sehen. Einzigartig sind die gebotenen Möglichkeiten zwar nicht, Ähnliches bieten auch andere Handy-Hersteller, aber in dieser Kombination hat bisher nur Nokia die verschiedenen Funktionen zusammengefasst.

Insgesamt war der erste kurze Testtag mit dem Lumia 925 vielversprechend. Das neue Nokia macht Spaß, es fühlt sich gut an, ist stabil und sieht edel aus. Allerdings fehlen ihm gegenüber dem Lumia 920 einige Funktionen, die man bei einem Oberklassemodell heute erwartet. Inwiefern sich das negativ bemerkbar macht oder womöglich gar nicht weiter auffällt, kann aber erst ein ausführlicher Test zeigen. Erstmal heißt es also: Abwarten.

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insgesamt 56 Beiträge
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1. optional
Knarzi 15.05.2013
LTE ist vorhanden bei dem Ding.
2. das leist sich ja nun ganz anders
chinataxi 15.05.2013
hallo herr kremp: glückwunsch. nun liest sich der artikel schon eher nach einem runden bericht. ob es nun billiger wirkt ist fraglich und subjektiv das hätte ich weggelassen. die 720er 920er wirken ebenfalls nciht billig trotz des poly gehäuses. einen kritikpunkt den ich als lumia/WP fan sehe ist der speicher von 16 gig. das ist sogar selten dämlich wenn man bedenkt dass dieses handy so enorm den schwerpunkt auf ois filmaterial und brauchbaren fotos legt. DAS ist selbst für mich null nachvollziehbar. unterm strich: danke für diesen nun besser verfassten artikel ohne polemische headline und weiter so :)
3. drahtlose Ladefunktion
dure2000 15.05.2013
Warum haben sie die drahtlos Ladefunktion weggelassen? Der Preis, den man für eine Metallgehäuse zahlt, ist der Verzicht auf eine drahtlose Ladefunktion, ganz einfach. Das zusätzliche Cover übernimmt die Funktion und führt den Strom dann klassisch über die dafür vorgesehene Buchse zu.
4. Das Comeback scheint zu gelingen
derfreiebuerger 15.05.2013
Ich bin Nutzer eines Nokia Lumia 900 und freue mich, dass es Nokia offensichtlich gelingt zurückzukommen. Aus meiner Erfahrung mit WindowsPhone kann ich sagen, dass es dieses System schlicht bringt. Schlank, Schick, Schnell. Was will man als User denn mehr? Und als Schwabe oder vernunftbegabter Mensch freut man sich auch noch über 200 Euro die man gegenüber Apfel oder Samsung spart. (Ich weiß, dass die meisten Menschen der Werbung erliegen und ihr Smartphone im Rahmen eines teuren Vertrags nutzen. Schlau / Smart ist das aber nicht. Aber das ist wieder ein anderes Thema.) Daher ran an die neuen Nokias.
5. Kunststoff = billig? Quatsch!
Stelzi 15.05.2013
Ich besitze zwar kein Lumia 920, hatte es aber schon einige male in der Hand. Jeder der behauptet, es wirke oder fühle sich bllig an, redet Unsinn. Das durchgefärbte, perfekt verarbeitete Polycarbonatgehäuse wirkt äusserst wertig und fasst sich auch sehr gut an. Ein Beispiel für billiges Plastik look & feel sind die Samsung Galaxy Modelle, nicht die Lumias. Naja, und die vermeintlich drahtlose Ladefunktion ist ja wohl nur ein Gimmick. Da kann man gleich à la Apple ein Dock verwenden und as Gerät aufstecken, wenn man es ohnehin auf die verkabelte Ladeplatte legen muss. Wenn es dereinst mal weit verbreit Arbeitstische gibt, die Geräte auf diese Weise mit Strom versorgen, dann sprechen wir über ein nützliches Feature. Insofern ist die Streichung dieses Gimmicks ja wohl kein Verlust.
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