Mensch gegen Maschine: So irre mäht der Rasenmähroboter

Von

Gardena R70Li: Der Rasenmähroboter im Test Fotos
Matthias Kremp

Gartenarbeit kann so schön sein, wenn man dem Roboter beim Rasenmähen zusieht. Wir haben ausprobiert, ob ein Mähautomat Rasen und Hobbygärtner besser bekommt als das manuelle Mähen.

Nie mehr selbst den Rasen mähen, für viele Gartenbesitzer ist das eine traumhafte Vorstellung. Denn im Sommer braucht Gras viel Pflege, wenn es saftig und grün spießen soll. Ein- bis zweimal pro Woche muss es geschnitten werden. Warum also nicht einem Roboter diese Arbeit überlassen? Um zu testen, ob das funktioniert, habe ich einige Wochen lang den Gardena-Mähroboter R70Li ausprobiert.

Einfach auf den Rasen stellen und losfahren lassen ist aber nicht drin: Bevor die Mähmaschine ihren Dienst aufnehmen kann, muss ich ihr Revier mit einem Begrenzungskabel abstecken. 200 Meter dieses Spezialkabels, samt 400 Erdhaken zum Fixieren, werden mitgeliefert. Das Kabel wird vom Roboter als Grenze interpretiert, die er nicht überwinden kann.

Fürs Verlegen habe ich gut zwei Stunden gebraucht. Dabei sollte man sich sklavisch an die vom Hersteller empfohlenen Abstände von Hindernissen halten und steile oder enge Bereiche aussparen. Ich habe das gelernt, als dem Mäher eine kleine Ecke meines Gartens regelmäßig zur Falle wurde, aus der er keinen Ausweg fand. An anderer Stelle scheiterte er an einer Steigung, grub seine Plastikräder tief in den Boden ein, bevor er, jämmerlich piepend, aufgab.

Diese Macken zeigen, dass der Roboter seine Aufgabe nur auf ebenen, rechteckigen Flächen fehlerlos und vollständig verrichten kann. Wird das Gelände kompliziert, scheitert er. Bei mir hatte das zur Folge, dass es Bereiche im Garten gab, in denen das Gras munter in die Höhe schoss. Ganz ohne manuelle Nacharbeiten ging es also nicht.

Langsam und wirr

Statt Spur für Spur über das grüne Gewächs hinwegzuziehen, erinnert das irre Treiben des Roboters eher an die Fahrt eines alkoholisierten Teenagers im Autoscooter. Vollkommen planlos fährt er kreuz und quer über den Rasen, bis er auf ein Hindernis stößt. Dann dreht er sich ein wenig und versucht es in neuer Richtung noch einmal. Der Vorteil dieser Methode ist, dass nach dem Mähen keine Spuren auf dem Gras zurückbleiben, der Rasen wirkt gleichmäßig und eben.

Den Komfortgewinn, nicht selbst den Rasenmäher schieben zu müssen, bezahlt man mit einem deutlich erhöhten Zeitaufwand. Um die etwa 400 Quadratmeter unseres Testgrüns zu schneiden, braucht der R70Li rund sechs Stunden. Wenn ich den Rasen selber mähe, bin ich mit derselben Aufgabe nach 45 Minuten fertig. Der Hersteller empfiehlt, ihn auf Flächen von maximal 700 Quadratmetern einzusetzen.

Schmalspurmäher

Der Roboter braucht so lange, weil er sehr gemächlich über das Grün fährt. Zudem muss er nach jeweils einer Stunde Rasenschneiden zurück zur Ladestation fahren, wo er etwa eine Stunde braucht, um seinen Akku vollzutanken. Seine zufallsbasierte Mähweise hat überdies zur Folge, dass er viele Flächen mehrfach überfährt, nachdem er sie bereits geschnitten hat. Andere Mährboter, etwa von Bosch, lernen dagegen den Grundriss des Rasens auswendig und errechnen daraus ein Mähmuster.

Vor allem aber sind die kleinen Messer des Gardena der Grund, weshalb er so lange braucht. Normale Handrasenmäher haben Schnittbreiten von 32 bis über 50 Zentimeter. Der Roboter hingegen schneidet nur auf 17 Zentimeter Breite.

Schneiden statt schlagen

Das Ergebnis ist allerdings auch ein anderes als das eines herkömmlichen Rasenmähers, der mit seinen rotierenden Messern nicht schneidet, sondern den Halmen die Köpfe abschlägt. Der Gardena-Roboter schneidet wirklich. Seine Messer sind dünn und scharf, aber auch viel kleiner als die Schlagwerkzeuge normaler Mäher.

In meinem kleinen Feldversuch hatte das, in Kombination mit den häufigen Mähzyklen, zur Folge, dass der Rasen schlicht viel besser aussah als sonst. Ich bin alles andere als ein Hobbygärtner, aber ich vermute, dass das regelmäßige Mähen nebenbei den Effekt hatte, dass ungewünschte Pflanzen keine Chance hatten, sich gegen das Gras durchzusetzen. Im Ergebnis sah mein Rasen nach einigen Wochen Dauerbehandlung besser aus als je zuvor. Zumindest bis der Gärtner meiner Nachbarn sich auf mein Grundstück verirrte und mit seinem Profi-Mäher tiefe braune Riefen in den Boden schlug.

Keine Angst

Wünschenswert wäre es, den Mäher fernsteuern zu können, am besten per Smartphone-App. So könnte man den Roboter bei Regenwetter abschalten und wieder aktivieren, wenn die Sonne scheint. Derzeit lässt er sich nur darauf programmieren, an bestimmten Wochentagen zu bestimmten Tageszeiten mit dem Mähen anzufangen und wieder aufzuhören.

Unbeaufsichtigt mochte ich ihn aber nicht ackern lassen, weil es immer wieder vorkam, dass er an einer schwierigen Stellen nicht weiterkam, sich beispielsweise mit den Rädern in die Erde grub. Angst muss man vor ihm aber nicht haben. Stößt er gegen ein Hindernis, dreht er um, hebt man ihn an, hören seine Messer auf, sich zu drehen. Selbst die anfänglich misstrauischen Nachbarskatzen ignorierten ihn nach wenigen Tagen.

Fazit

Jetzt, da der Test abgeschlossen und der Roboter für den Rückversand an den Hersteller verpackt wird, ist klar: Ich werde ihn vermissen. Wenige Wochen, nach der Inbetriebnahme war er zum festen Bestandteil des Haushalts geworden - den kleinen Macken zum Trotz.

Kaufen würde ich ihn mir trotzdem nicht. Der Listenpreis des R70Li beträgt mit 1650 Euro ein Vielfaches dessen, was mein Rasenmäher gekostet hat. Da freut man sich, dass er eine eingebaute Alarmanlage hat und nur nach Eingabe eines PIN-Codes in Betrieb genommen werden kann. Doch so gerne ich dem Kleinen auch bei der Arbeit zugesehen habe: So teuer ist mir mein Rasen dann doch nicht.

Vorteile und Nachteile

Einfach zu bedienen

Sehr gute Rasenpflege

Geringes Betriebsgeräusch

Robustes Design

Vollkommen autonome Arbeitsweise möglich

Integrierter Diebstahlschutz

Aufwendige "Verkabelung" des Gartens

Geringe Arbeitsgeschwindigkeit

Probleme an engen und steilen Passagen

Kein Regensensor

Keine Fernsteuerung

Hoher Preis

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insgesamt 52 Beiträge
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1. Der Hersteller ihn auf Flächen von maximal 700 Quadratmetern einzusetzen.
hdudeck 24.06.2013
Toller Satz. Haetten Sie man auch 6 Stunden fuer diesen Artikel aufgewendet anstelle nur 45 Minuten, waere dieser Satz vielleicht vollstaendig und verstaendlich ausgefallen .
2. Was macht Dein Rechtschreibroboter?
indianerpfeil 24.06.2013
Lieber Matthias, so gerne ich Deine Produktvorstellungen hier immer wieder gerne verfolge, so wundere ich mich in letzter Zeit über die kleinen Fehlerteufel hinsichtlich Deines Satzbaus und Deiner Rechtschreibung. Liest denn niemand bei SPIEGEL ONLINE gegen? Fängt gleich oben im Vorspann an und zieht sich durch den ganzen Text. Beste Grüße eines entfernten Kollegen. :)
3. Kann die Berichterstattung nur teilweise nachvollziehen...
Buck 24.06.2013
Seit ein paar Tagen fährt in meinem Garten der "kleine Bruder" des Gardena R70LI, der R40Li. Die Installation war kinderleicht und man muss und sollte sich mitnichten sklavisch an die Herstellervorgaben zu Abständen halten. Vielmehr empfiehlt es sich auszuprobiren, wo der für die individuelle Situation richtige Abstand liegt. Damit erzielt man auch am Rand ein akzeptabeles Mähergebnis. Sicher, man muss die Ränder nacharbeiten, aber auch vorher mit einem konventionellen Rasenmäher musste ich das an unserer Gartenmauer tun.
4. Probier's mal mit Ambrogio...
bodenseekoenig 24.06.2013
...denn die haben verschiedene Modelle für verschieden große Flächen, schaffen Steigungen etc. Benzin-Rasenmäher gehören verboten, weil sie immer dann unnötig Krach machen und stinken, wenn's am schönsten draußen ist. Ganz kleine Flächen schafft ein konventioneller Elektro-Handrasenmäher, Flächen ab ca. 100qm schafft ein Roboter leise, hochwertig und billig!
5. Lustige Produkte
gifmemore 24.06.2013
Also 1650 Euro für einen Rasenmäher - dann hat man wohl keine anderen Probleme. Aber gut mit Ratenkauf über 24 Monate kostet das Teil dann auch nur noch 70. Da könnte man also auch einen Schüler beschäftigen, der das für 10 Euro macht.... das hätte zumindest noch einen Sinn! Wie absurd sind wir eigentlich geworden?
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