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19. Februar 2013, 13:07 Uhr

Smartphone Ativ S im Test

Kann Samsung Windows?

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Samsung hatte sich jahrelang auf Android-Smartphones konzentriert, nun bringen die Südkoreaner mit dem Ativ S ihr erstes Windows-Phone-8-Handy heraus. Doch das Gerät ist nur Mittelmaß, mit Konkurrenzprodukten von Nokia kann es nicht mithalten.

Mit der Vorstellung des Ativ S hatte Samsung es sehr eilig. Schon im August 2012 zeigte der Konzern das Gerät im Rahmen seiner Ifa-Pressekonferenz. Viel gab das Unternehmen dabei allerdings nicht preis: Kurz wurde ein Foto des Handys gezeigt, grob dessen technische Rumpfdaten abgehandelt. Mehr gab es nicht zu sehen. Für die Journalisten gab es keine Möglichkeit, das Gerät anzufassen oder zu fotografieren.

Und doch hatte Samsung unterm Strich zwei Ziele erreicht: Man konnte sich rühmen, nach den Omnia-Modellen mit Windows Phone 7 das erste Windows-Phone-8-Handy gezeigt zu haben. Und man hatte Nokia verärgert. Das finnische Unternehmen konnte sein erstes Windows-Smartphone erst eine Woche später in New York vorführen, gemeinsam mit Microsoft. Dass Nokia bei den Windows-Handys trotzdem weit vor Samsung steht, liegt daran, dass die Finnen ihr Lumia 920 seit Monaten ausliefern. Das Ativ S hingegen ist erst jetzt verfügbar, fast ein halbes Jahr nach der Ifa.

Was Samsung so lange aufgehalten hat, ist nicht bekannt. Am Design kann es nicht gelegen haben, denn das stimmt weitgehend mit dem überein, was im August in Berlin kurz zu sehen war. Jetzt endlich das Original in der Hand zu halten, birgt allerdings auch eine Enttäuschung: Was auf jener Pressekonferenz nach einer Rückseite aus massivem Aluminium aussah, ist in der Realität bloß in Metallfarben getöntes Plastik.

Billiger Mantel, brillanter Bildschirm

Damit reiht sich das Ativ S fast nahtlos in die Riege der erfolgreichen Galaxy-Handys ein, die oft dafür kritisiert werden, dass ihre Hightech-Innenleben in billig wirkenden Plastikmänteln stecken. So auffällig wie beim Galaxy S III ist das bei diesem Windows-Handy allerdings nicht, weil der Metall-Look gut gelungen ist. Überdies bringt der Kunststoff einige Vorteile mit sich, ist leichter, billiger und durchlässig für Funkwellen.

Einen krassen Gegensatz zum Plastikmantel bildet das zu den Rändern fein abgerundete Deckglas des Displays. Der Bildschirm selbst gehört zu den Highlights des Ativ S. Samsung nutzt hier einmal mehr seine AMOLED-Technik, die sehr kontrastreiche, farbenfrohe Bildschirme ermöglicht, die trotz hoher Helligkeitswerte auch ein tiefdunkles Schwarz schaffen. Die Auflösung des 4,8-Zoll-Displays beträgt 1280 x 720 Pixel, die Pixeldichte ist so hoch, dass einzelne Bildpunkte nicht erkennbar sind.

Dualcore reicht

Ähnlich positiv ist der Eindruck, den vor allem die Rückenkamera hinterlässt. Mit ihren acht Megapixeln und sehr kurzen Reaktionszeiten liefert sie scharfe und farbstarke Schnappschüsse, solange genug Licht vorhanden ist. In schlecht beleuchteten Räumen und Dämmerung hingegen muss man sich mit zunehmendem Bildrauschen abfinden.

Im Maschinenraum des Ativ S tickt ein 1,5 GHz schneller Dualcore-Prozessor von Qualcomm. Verglichen mit aktuellen Quadcore-Chips ist der zwar kein Top-Modell, kommt mit Microsofts Betriebssystem aber locker klar. Im Test zeigte er keine Schwäche. In Kombination mit dem brillanten Bildschirm macht vor allem das Websurfen Spaß, weil die Seiten sehr schnell geladen und angezeigt werden. Wartezeiten gab es keine.

Magere Software-Beigaben

Weniger Begeisterung können dagegen die von Samsung mitgelieferten Apps hervorrufen. Ein "MiniDiary" soll als Kalender mit Tagebuch fungieren. Es erinnert vage an die entsprechende App auf Samsungs Galaxy Note II, kann mit deren Leichtigkeit und Funktionsumfang aber nicht mithalten. Samsungs Photo-Editor-App genügt nur für einfachste Bildbearbeitung, und der Music Hub für Samsungs Online-Musikshop doppelt sich mit Microsofts Online-Shop.

Einzig die Samsung-App Now bringt einen gewissen Mehrwert. Sie liefert einen ortsbezogenen Mix aus Wetterinformationen, Nachrichten, Wechselkursen und Twitter-Postings. An die namensgleiche Google-App auf Android-Smartphones kommt sie nicht heran. Um mit dem fetten Software-Paket mitzuhalten, dass Nokia seinen Lumias aufspielt, reicht das nicht.

Zu viel Mainstream

Für das Samsung-Smartphone sprechen sein deutlich geringeres Gewicht, das schlanke Design und vor allem der Speicherkartensteckplatz, über den es sich als erstes Windows-Phone-8-Handy aufrüsten lässt. Auch leistungsmäßig muss es sich nicht verstecken und liegt zudem gut in der Hand. Schwächen zeigen sich bei der Software-Ausstattung, die ebenso wenig begeistern kann wie der Materialmix.

Ob es Samsung damit gelingt, den Erfolg des Galaxy S III in die Windows-Phone-Welt zu übertragen, ist zu bezweifeln. Nokias Lumia 920 lockt mit einer herausragenden Kamera und viel Software, HTCs Windows Phone 8X kombiniert eine Weitwinkelkamera mit durchgehend buntem Design. Das Ativ S dagegen ist Mainstream. Was es macht, das macht es gut. Aber es bietet nichts, was es aus der Masse heraushebt.

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