Eine Uhr, mit der man auch telefonieren kann? Hört sich nach James Bond an. Oder nach dem Comic-Privatdetektiv Dick Tracy. Trüge der Agent im Dienst Ihrer Majestät eine solche Uhr am Handgelenk, könnte er damit auch Giftpfeile verschicken, Rauchwolken erzeugen und sich an einem Draht, der im Gehäuse verborgen ist, von einem Dachfenster abseilen. All das kann die Simvalley PW-315 touch nicht, und doch bietet sie in gewisser Weise mehr als andere, meist teurere Handy-Uhren.
Denn während sogenannte Smartwatches wie etwa die italienische i'm watch letztlich nur ein zusätzlicher Bildschirm fürs Smartphone sind, ist die PW-315 ein richtiges Handy. Unter einem Deckel auf ihrer Rückseite steckt der kleine Akku, unter dem wiederum zwei Steckplätze verborgen sind: einer für eine Sim-Karte, ein weiterer für eine Speicherkarte. Sind beide belegt, ist die Uhr ein eigenständiges Handy samt Mediaplayer.
Ein Smartphone ist sie deshalb aber noch nicht. Dafür fehlt ihr die Möglichkeit, Apps zu installieren. Mehr als die zwölf vorinstallierten Apps bekommt man nicht auf das Gerät. Diese Apps wiederum liefern Funktionen, die heute jedes Billig-Handy beherrscht: Telefonieren und SMS, Player für Musik, Fotos und Videos, ein Wecker und eine Stoppuhr.
Ohne solches Zubehör nutzt das Armband-Handy seinen eigenen kleinen Lautsprecher und ein winziges Mikrofon als Freisprechanlage. Private Gespräche in Gegenwart anderer sind damit nicht möglich, und die Sprachqualität ist mäßig. Die Klingeltöne klingen, als hätte das Handy mit einer Grippe zu kämpfen.
Edel ist daran nichts
Den Attributen mit denen Versender Pearl das PW-315 bewirbt ("modische Designer-Handy-Uhr", "edler Handgelenkschmuck") wird es eher nicht gerecht. Das weiche Kunststoffarmband ist noch der angenehmste Teil der Konstruktion. Das quadratische Uhrengehäuse selbst aber besteht aus billigem Plastik. Edel ist daran nichts.
Das gilt auch für das Display, dass mit 1,5 Zoll Diagonale und 240 x 240 Pixel Auflösung eigentlich unterdurchschnittlich ist. Weil es aber hell leuchtet und recht gute Kontraste bietet, stört das nicht sehr. Anders sieht das mit den Touchscreen-Funktionen aus. Die funktionieren nur, wenn man sehr gemächlich über den Bildschirm streicht. Für Hektiker ist das nichts. Und auch nicht für Menschen mit großen Fingern. Die virtuellen Tasten des Ziffernblocks sind so klein, dass man leicht daneben greift. Den Versuch, über die Mini-Tasten Kontaktdaten in das integrierte Telefonbuch einzutragen, haben wir nach wenigen Minuten aufgegeben.
Günstiger Preis
Sehr gute Akkulaufzeit
Geringes Gewicht
Bluetooth-Funktion für Headsets
Keine Zusatz-Apps nutzbar
Sehr kleine Tasten
Billig-Look
Fazit
Wenn man seit Jahren Smartphones gewöhnt ist, bietet die Handy-Uhr eine Fähigkeit, die beeindruckt: Bis zu 60 Stunden Stand-by-Zeit verspricht der Hersteller, wir haben problemlos noch längeren Laufzeiten erreicht. Ein vollwertiger Ersatz für ein normales Handy oder gar ein Smartphone ist das Armbanduhr-Handy nicht. Dafür fehlt ihm zu viel. Eine Triband-Fähigkeit beispielsweise, die es in die Lage versetzen würde, sich auch in US-amerikanische Mobilfunknetze einzuwählen. Oder die Möglichkeit, ein Adressbuch vom Computer zu importieren.
Trotzdem wird das Simvalley PW-315 touch Käufer finden, einfach weil es originell ist und kein allzu großes Loch ins Portemonnaie reißt. Allerdings gibt es eine Alternative, die nicht mal teurer it: Sonys Smartwatch. Die hat ein moderneres OLED-Display, Bluetooth 3.0, ein spritzwasserdichtes Aluminiumgehäuse und kostet ebenfalls 80 Euro. Nur ein Handy ist sie nicht, braucht ein Android-Smartphone als Partner, um mit dem Mobilfunknetz Kontakt aufzunehmen.
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