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Antwort aufs iPad : Amazon attackiert Apple mit Billig-Tablet

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Amazon greift Apple über den Preis an: Das neue Tablet Fire kostet nicht mal halb so viel wie das günstigste iPad. Dafür müssen die Käufer allerdings auf einige Standards verzichten. Zudem wirft Amazon ein Kindle-Lesegerät zum Discountpreis auf den Markt: in Deutschland für 99 Euro.

Kindle Fire: Amazons Günstig-Tablet und die Discount-Kindles Fotos
AFP

Amazon startet den Preiskampf. Für nur 199 Dollar soll der erste Tablet-Rechner des Online-Unternehmens auf den Markt kommen. Damit ist das Gerät namens Fire nicht einmal halb so teuer wie das günstigste iPad von Apple (499 Dollar). Sein Bildschirm wird, wie zuvor vermutet, mit sieben Zoll Diagonale allerdings auch deutlich kleiner sein. Diese Informationen hat das Wirtschaftsnachrichtenportal Bloomberg am Nachmittag kurz vor Beginn einer Amazon-Pressekonferenz mitgeteilt, bei der das Gerät offiziell vorgestellt wurde.

Demnach wird das Fire nur per W-Lan online gehen können, keine integrierte Mobilfunk-Funktion haben. Auch auf eine Digitalkamera werden Fire-Besitzer verzichten müssen. Nicht einmal ein Mikrofon ist eingebaut. Einige Anwendungen, die bei anderen Tablets längst Routine sind, fallen beim Kindle Fire deshalb weg. Man wird damit keine Schnappschüsse machen können (Tablets sind allerdings auch ausgesprochen sperrige Not-Fotoapparate), man wird damit nicht per Skype telefonieren und auch keine Sprachnotizen aufzeichnen können.

Dafür ist das Amazon-Tablet mit rund 410 Gramm ausgesprochen leicht, wird von einem Dualcore-Prozessor angetrieben und sieht dem Blackberry Playbook ausgesprochen ähnlich, genau wie TechCrunch bereits vorab berichtet hatte.

Aber solche Funktionen sollen Kindle-Fire-User ohnehin kaum vermissen, sie sollen konsumieren - nicht produzieren. So jedenfalls kann man interpretieren, wie Amazon-Chef Jeff Bezos das Gerät in New York ankündigte. Auf die von ihm selbst gestellte Frage, wie man Amazons Portfolio an Online-Diensten wohl sinnvoll zusammenbringen könnte, holt er als Antwort das Kindle Fire hervor.

99 Euro für Billig-Kindle in Deutschland

Jeff Bezos stellte bei der Präsentation des Tablets die Bandbreite der verfügbaren Amazon-Dienste in den Vordergrund. Für US-Kunden hat Amazon demnach in seiner digitalen Videothek 100.000 Filme und Fernsehserien-Folgen im Angebot. Im MP3-Store können US-Kunden aus 17 Millionen Musikstücken wählen, alle sind über den Cloud-Dienst überall verfügbar, ohne dass man sie lokal speichern muss. Außerdem verfügt der Konzern über einen eigenen App Store und natürlich den Kindle Store für Bücher und Magazine.

Neben dem Kindle Fire stellte Bezos in New York auch neue Lesegeräte vor, die preislich ebenfalls eine Kampfansage an die Konkurrenz sind. 99 Dollar wird Amazons neues Lesegerät für E-Books in einer Version mit Touchscreen kosten - und das ist nicht mal die günstigste Variante: Amazon stellt auch ein neues Kindle-Lesegerät ohne Touchscreen vor - das Billig-Gerät soll 79 Dollar kosten. Auch bei diesem Kindle fehlt die Tastatur, es wird über fünf Schalter am unteren Bildschirmrand bedient, Seiten blättert der Leser wie bei den alten Modellen mit Tasten links und rechts des Bildschirms um. Laut Amazon ist dieses Gerät 18 Prozent kleiner als das Vorgängermodell Kindle 3, es wiegt 170 Gramm. Der Billig-Kindle wird US-Kunden ab sofort geliefert.

In Deutschland soll der Billig-Kindle 99 Euro kosten - er wird vom 12. Oktober an versendet. Einen Erscheinungstermin für den Touchscreen-Kindle hat Amazon nicht angekündigt. Dafür senkt der Anbieter die Preise für die weiterhin verfügbaren Tastatur-Kindles: 159 Euro kostet das Modell mit Mobilfunkmodul, 119 die W-Lan-Version.

Querfinanzierung über Werbung

Wer nicht die Basisversion, sondern den Touchscreen-Kindle für 99 Dollar kauft, wird regelmäßig Anzeigen der Amazon-Werbedienste Special Offers und Local Deals sehen - Hinweise auf Schnäppchenangebote im Netz oder in der Nachbarschaft. Die Anzeigen zeigt der Kindle im ausgeschalteten Zustand auf dem Display an. Ohne Werbung kostet der Touchscreen-Kindle 139 Dollar.

Der Kindle Touch hat keine Tastatur, auch die Tasten zum Vor- und Zurückblättern fehlen. Das Gerät wird vollständig über das berührungsempfindliche Display bedient.

Zur Darstellung nutzt dieser Kindle weiterhin die E-Ink-Technologie, die Texte mit sehr hohem Kontrast darstellt und auch bei direktem Sonnenlicht Inhalte gut lesbar und flackerfrei darstellt. Das Display ist so groß wie beim Vorgänger-Modell Kindle 3, das weiterhin unter dem neuen Namen Kindle Keyboard erhältlich ist (99 Dollar kostet auch hier das billigste Modell ohne Mobilfunk und mit Werbezwang). Der Touchscreen-Kindle wiegt 216 Gramm - etwas weniger als der 241 Gramm schwere Kindle Keyboard.

Für 149 Dollar bietet Amazon einen Kindle Touch mit integriertem 3G-Mobilfunkmodul - wie schon bei den bisherigen 3G-Kindle-Lesegeräten ist der Datenverkehr zum Abrufen von E-Books und zum Synchronisieren von Lesezeichen, Notizen und Textmarkierungen in 100 Staaten rund um den Globus inklusive. Die beiden Touchscreen-Kindles will Amazon US-Kunden vom 21. November an liefern.

Amazon will neue Nutzer locken

Mit seinen neuen E-Book-Lesegeräten und dem auf Medienkonsum ausgerichteten Kindle Fire geht Amazon also in die Offensive. Dass Tablet-Rechner populär sind, steht außer Frage, dass die meisten Anwender damit vor allem Internet, Videos und Musik konsumieren wollen, ebenfalls. Und seit dem enorm erfolgreichen Abverkauf des HP Touchpads für 99 Dollar sollte jedermann klar sein, dass sich über einen attraktiven Preis enorm viele Kunden vom iPad ablenken lassen.

Genau das dürfte Amazons Strategie sein: möglichst viele Geräte möglichst schnell zu verkaufen, um seinen Online-Angeboten mehr Nutzer zuzuführen. Das Geld wird dann nicht über den Verkauf der Hardware verdient, sondern über MP3-Musik, App-Verkäufe und TV-Abos. Das Modell ist das gleiche wie bei Spielkonsolen und Tintenstrahldruckern - oder auch bei klassischen Nassrasierern: Verschenke den Griff, verkaufe die Klingen.

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insgesamt 73 Beiträge
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    Seite 1    
1. Was?
TRicKeY 28.09.2011
Also entweder der Autor des Artikels oder die Leute von Amazon müssen dringend an der Namensgebung arbeiten. Ich jedenfalls habe völlig den Faden verloren welcher Kindle der Touchscreen- oder Billig-Kindle ist und was der in den Staaten oder hier kostet. Wenn dieselben Geräte aber in den Staaten 99 Dollar und hier 99 Euro kosten bin ich "not amused" ...
2.
Walter Sobchak 28.09.2011
Ich wuerde ja gerne meine DRM freien PDFs auf nem Samsung Pad lesen... aber irgendwie sind die gerade sehr schwer zu bekommen. Nichtmal auf amazon.de :)
3. you get what you pay for
Fred_MUC 28.09.2011
was billiger ist kann halt auch weniger. Interessierte Kunden werden erst einen Fire kaufen und dann auf ein regulären Tablet umsteigen. Wer wirklich Bücher lesen will bleibt lieber bei den e-ink Readern. Die können zwar keine Farbe darstellen dafür sind sie aber in grellem Sonnenlicht lesbar. Wirklich innovativ wäre ein Fire mit Farb e-ink Display gewesen. Schade. Für Amazon wird die Strategie aufgehen. Auch wenn der Kunde später den Fire beiseite legt kann er ja die selben Services (wie jetzt auch schon) mit dem iPad oder einem Android Tablet genießen. Darum geht es ja schließlich - für Amazon.
4. ...
sploosh 28.09.2011
Das Ding sieht auf den ersten Blick nicht schlecht aus, 7 Zoll, 8GB, Android, Dual Core, USB, 400 Gramm, 8h Batterie und das fuer 199USD.
5. i pads
Hansschwarz 28.09.2011
Zitat von sysopAmazon greift Apple über den Preis an:*Das neue Tablet Fire*kostet nicht mal halb so viel wie das günstigste iPad. Dafür müssen die Käufer allerdings auf einige*Standards verzichten. Zudem wirft Amazon ein Kindle-Lesegerät zum Discountpreis auf den Markt: in Deutschland für 99 Euro. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,788913,00.html
[QUOTE=sysop;8815547]Amazon greift Apple über den Preis an:*Das neue Tablet Fire*kostet nicht mal halb so viel wie das günstigste iPad. Dafür müssen die Käufer allerdings auf einige*Standards verzichten. Zudem wirft Amazon ein Kindle-Lesegerät zum Discountpreis auf den Markt: in Deutschland für 99 Euro. ...abwarten und Tee tri´nken.
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Amazons Preisattacke: Mit Kampfpreisen gegen Apples iPad

Aktuelle Tablet-PC im Test
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Nicht schön, dafür vergleichsweise günstig ist Acers Android-Tablet Iconia Tab A500. Das 10,1-Zoll-Tablet mit 32 GB Speicher wiegt 765 Gramm undd kostet rund 500 Euro. Unser Testergebnis: Pummelchen mit vielen Anschlüssen.
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Das Asus-Tablet lässt sich mit einer Extra-Tastatur zum Netbook kombinieren. Wie in dieser neuen Geräteklasse üblich, hat das Eee Pad Transformer TF101 ein 10,1-Zoll-Display und 32 GB Speicher. Die Tastatur kostet allerdings 150 Euro extra.
HP TouchPad
Das TouchPad von HP setzt auf das mobile Betriebssystem webOS: Wer Palm liebt, wird dieses Tablet mögen. Das Display ist 10,1 Zoll groß, im Inneren werkelt ein Snap-Dragon-Prozessor mit zwei Kernen.
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Mit seinem 7-Zoll-Touchscreen sieht das HTC Flyer aus wie ein zu groß geratenes Smartphone. Um auf dem Display vernünftig arbeiten zu können, ist ein Zeigestift beigelegt. Den sollte man nicht verlieren, sonst ist das Tablet für die Handtasche nur schwer zu bedienen.
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