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Rechner-Jubiläum: Wie Steve Jobs zum Mac kam

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30 Jahre Macintosh: Vom Ur-Mac bis zum iMac Fotos
Apple

Ein kleiner Rechner veränderte die PC-Welt - für immer: Vor genau 30 Jahren präsentierte Apple den Macintosh, es war ein großer Erfolg des legendären Steve Jobs. Dass der an dem Projekt mitarbeitete, lag an einer Finte seines Chefs.

Um Apples Macintosh ranken sich viele Mythen. Vor allem der, dass er Steve Jobs' Idee gewesen sei. Tatsächlich war der kompakte Computer eine Idee von Jef Raskin, Apple-Mitarbeiter Nr. 31. Raskin wollte einen Rechner bauen, den sich jeder leisten konnte. Um den Preis unter 1000 Dollar zu drücken, sollte der Bildschirm winzige fünf Zoll groß sein und ein lahmer Prozessor eingebaut werden.

Von Raskin stammt auch der Name des Projekts: Der kanadische McIntosh soll seine Lieblings-Apfelsorte gewesen sein. Weil der Name aber bereits von einer Firma für Highend-Audiogeräte verwendet wurde, wandelte er daraus den Namen Macintosh ab.

Steve Jobs hingegen war kein Mann für Kompromisse. Für ihn lief die Macintosh-Entwicklung nebenher, während er sich seinem damaligen Lieblingsprojekt widmete: dem Lisa. In diesen Computer wollte Jobs alles hineinstecken, was er bei seinen Besuchen in den legendären Xerox Labs gesehen hatte: Eine grafische Benutzeroberfläche, eine Maus, zwei Diskettenlaufwerke und am besten noch eine Festplatte.

Als sich zeigte, dass diese damals futuristischen Vorstellungen zu einem exorbitant hohen Verkaufspreis führen würden, wurde Jobs vom damaligen Apple-Chef Michael Scott von der Lisa-Entwicklung abgezogen. Mit dieser Entscheidung wurde Jobs' Fokus quasi automatisch auf den Macintosh gelenkt.

Mac fördern, Lisa verbuddeln

Schrittweise übernahm Jobs die Kontrolle über das Macintosh-Projekt und gestaltete den Rechner nach seinen Vorstellungen um. Gemeinsam mit Entwickler Bill Atkinson begann er, "einen weniger teuren Lisa-Rechner zu bauen anstatt ein Stück Schrott". So zitiert Walter Isaacson Steve Jobs in seiner Biografie des Apple-Mitgründers.

In den folgenden Jahren setzte Jobs alles auf den Mac und verlor jedes Interesse am Lisa, der zu einem der größten Flops der Firmengeschichte wurde. Mit einem Anfangspreis von umgerechnet rund 30.000 Mark war er ein Hochleistungs-Ladenhüter. Mit Äußerungen, dass Apple im nächsten Jahr einen noch viel besseren und zudem billigeren Nachfolger für den Lisa herausbringen werde, sorgte Jobs nicht gerade dafür, das Interesse an seinem Ex-Projekt zu verstärken. Am Ende ließ Apple die letzten 2700 Exemplare des Ladenhüters auf einer Mülldeponie in Utah vergraben - aus steuerlichen Gründen.

Unterschriften im Inneren

Den Macintosh aber förderte Jobs mit aller Kraft, kümmerte sich um jedes Detail, verwendete viel Zeit auf das Design und sorgte zum Schluss noch dafür, dass die Unterschriften der beteiligten Entwickler auf die Innenseite des Gehäuses geprägt wurden.

Vor allem aber kümmerte er sich um das Marketing des neuen Rechners, ließ Regisseur Ridley Scott ("Alien", "Blade Runner") den legendären "1984"-Spot drehen. Der kurze Film orientiert sich an Motiven aus dem Roman "1984", in dem ein Welt der Totalüberwachung geschildert wird.

Perfektes Timing

Als er das Video, in dem der Mac gar nicht auftaucht, bereits im Oktober 1983 auf einer Konferenz zeigte, erzeugte Jobs Spannung. Im öffentlichen Fernsehen war der kurze Film nur zweimal zu sehen. Zum ersten Mal wurde er kurz vor Sendeschluss bei einem Lokalsender in Idaho ausgestrahlt, um sich für einen Werberwettbewerb des Jahres 1983 zu qualifizieren.

Ein regelrechter Kult entwickelte sich jedoch um die Ausstrahlung während des Super Bowls am 22. Januar 1984. Das Timing war perfekt, als in dem Spot eine Stimme aus dem Off sagte: "Am 24. Januar wird Apple Computer den Macintosh vorstellen. Und ihr werdet erkennen, warum 1984 nicht wie '1984' sein wird".

Billiger als ein Lisa und doch noch sehr teuer

In der Folge stilisierte Apple den Macintosh zum Gegenentwurf zur grauen Welt der IBM-PC. Der Mac sollte der Computer für Rebellen sein, ein Computer für diejenigen, die anders sein und eine bessere, schönere Welt gestalten wollten. Dafür musste man allerding das nötige Kleingeld haben. Mit einem Preis von 2500 Dollar (in Deutschland damals etwa 10.000 Mark) kostete der Macintosh zwar weniger als ein Lisa, billig war er aber nicht.

Ein kommerzieller Erfolg wurde der Mac trotzdem. Während der Lisa weiter in den Regalen der Händler Staub ansetzte, konnte Apple in den ersten drei Monaten nach Einführung bereits 70.000 Macs absetzen. Für damalige Verhältnisse eine beachtliche Zahl. Ein Rechner für die Massen, wie ihn sich Jef Raskin vorgestellt hatte, wurde der Macintosh angesichts des hohen Preises aber nicht. Und er sorgte gemeinsam mit dem Lisa dafür, dass Apple bis heute der Ruf anhaftet, teurer zu sein als andere PC-Hersteller.

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insgesamt 156 Beiträge
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    Seite 1    
1. Lächerlich
ctwalt 24.01.2014
Warum bringt jemand seinen alten Apple mit in den Apple Store, wenn er ein iPad kauft. Will er vom Vrkäufer gelobt und beklatscht werden? Brain, how low can you go ...........
2.
Konstruktor 24.01.2014
"Lahm" war der 68000 im Macintosh absolut nicht – zur damaligen Zeit war der als 16/32-Bit-Prozessor so ziemlich das High End der damals verfügbaren CPUs und machte ja überhaupt erst die grafische Oberfläche wirklich praktikabel, während der IBM PC noch mit seinem primitiven und lahmen 8/16-Bit 8088 und DOS herumkroch. Die heutigen Maßstäbe an Technologie von vor 30 Jahren anzulegen ist sinnlos – man muß das schon im Maßstab der Zeit damals betrachten.
3.
Traffical 24.01.2014
der Visioner hat leider das Zeitliche gesegnet. Und ich denke Apple wird ihm bald nachfolgen. Es kommt einfach nichts bahnbrechendes mehr.
4. Apple war damals nicht Apple!
spongebob_gelb 24.01.2014
wenn ihr einen Beitrag über Apple schreibt, dann solltet ihr auch gut recherchieren und die Konkurrenz von damals beleuchten. Das fehlt hier gänzlich. Apple war damals ein Homecomputer für (sehr) gut situierte. Die anfänglichen Verkaufszahlen waren alles andere als erwähnenswert. Commodore hatte damals die Marktfüherschaft in diesem Bereich inne und bot für wesentlich weniger gelt was (mindestens) vergleichbares. Doch davon ist im Artikel keine Rede. Ausführliche Literatur hierzu gibt es ausreichend...
5.
chrome_koran 24.01.2014
Zitat von ctwaltWarum bringt jemand seinen alten Apple mit in den Apple Store, wenn er ein iPad kauft. Will er vom Vrkäufer gelobt und beklatscht werden? Brain, how low can you go ...........
Hm. Weil er es kann? Weil es ihm seine Fantasie erlaubt? Weil er auf spießige Fragen pfeift? Weil es sein Lifestyle ist? Weil er den alten Rechner im Sinne der Verordnungen recyceln lassen will? (Der war extra für Sie, gell.) Wie es der Dichter sagte: "Die Welt ist reich an Formen, und an Inhalten mangelt es ihr auch nicht." Dass es für manche ZeitgenossInNen zu viel sein kann: einzusehen. Das haben _Sie_ gesagt.
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Fotostrecke

Die sieben Flops von Jobs
Apple III (1981)
Der Nachfolger des sehr erfolgreichen Apple II war für geschäftliche Nutzer gedacht und hatte einen entsprechenden Preis. Die Hardware des Computers war unzuverlässig, Apple verlor den Unternehmensmarkt an den PC von IBM, der im gleichen Jahr an den Start ging, sowie einen rapide expandierenden Markt baugleicher Rechner.
Lisa (1983)
Der erste kommerziell produzierte Computer mit einer grafischen Benutzeroberfläche kostete bei seinem Start 9.995 Dollar und geriet bald in den Schatten des billigeren Macintosh, der ein Jahr später auf den Markt gebracht wurde.
NeXT Computer
Der Computer wurde unter Führung Jobs' kreiert, nachdem dieser aus dem Unternehmen Apple gedrängt worden war. Der PC war zwar in vielerlei Hinsicht seiner Zeit voraus. Allerdings war er zu teuer, um unter Durchschnittsnutzern auf breite Akzeptanz zu stoßen.
Puck Mouse (1998)
Der neue iMac war das erste größere Produkt, das nach Jobs Rückkehr zu Apple 1996 kreiert wurde. Der Computer war trotz seiner kleinen, runden Maus ein großer Erfolg. Die Maus selbst war aber schwer zu benutzen.
The Cube (2000)
Der kleine Tischcomputer in einem durchsichtigen Plastikgehäuse gewann zwar Designpreise, war aber wegen seines hohen Preises ein Verkaufsflop.
iTunes-Handy ROKR (2005)
Bevor das erfolgreiche iPhone an den Start ging, brachte Apple in Zusammenarbeit mit Motorola das Handy mit dem Namen ROKR heraus. Als Musikabspiel-Gerät konnte es kaum mit dem iPod mithalten - dem tragbaren Mediaplayer von Apple. Das ROKR konnte nur 100 Lieder speichern. Kritiker bemängelten zudem, dass mit dem Handy das Herunterladen von Musik über das Mobilfunknetz nicht möglich war.
Apple TV (2007)
Jobs selbst bezeichnete Apple TV später als "Hobby". Die kleine Set-Top-Box wurde an einen Fernseher oder an einen Macintosh von Apple angeschlossen. Mithilfe einer kleinen Fernbedienung konnte der Nutzer Musik und Filme vom PC auf dem Fernseher abspielen. Mit einem Preis von 249 Dollar war Apple TV teuer, zudem war die Inbetriebnahme kompliziert.


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