Drahtlose Kopfhörer im Test Was taugen Apples AirPods?

Passend zum iPhone 7 ohne Kopfhörerbuchse hat Apple im September die schnurlosen AirPods angekündigt. Jetzt kommen sie in den Handel. Wir haben sie mit Alternativen von Motorola und Bragi verglichen.

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Eine wichtige Vorbemerkung muss man machen: Bei den AirPods, deren Verhalten und Funktionen ich hier beschreibe, handelt es sich um Vorserienmodelle, die ich seit September teste. Die Serienmodelle können und werden sich also von meinen Testexemplaren zumindest geringfügig unterscheiden. Das ist auch wünschenswert, denn rundum gelungen waren die AirPods in der getesteten Version noch nicht.

Das fängt mit dem Design an. Dass es nicht jedermanns Sache ist, sei dahingestellt. Zumindest so viel sei gesagt: Die längliche Form der Ohrstöpsel ist vor allem technisch bedingt. Anders als von vielen Miesepetern vorhergesagt, sind mir die AirPods trotz monatelanger Nutzung aber auch nicht ein einziges Mal aus den Ohren gefallen, auch nicht beim Sport.

Trotzdem würde mir ein festerer Sitz im Ohr, etwa durch einen Silikonüberzug, besser gefallen. Das hat aber vor allem klangliche Gründe. So lange man still steht, klingen die AirPods nämlich ausgesprochen gut, ausgewogen und bassstark. Sobald ich mich aber intensiver bewege, etwa beim Sport, rütteln sich die glatten Oberflächen los, so dass die Ohrhörer den Hörkanal nicht mehr fest abschließen. Das Resultat ist eine augenblicklich nachlassende Basswiedergabe.

Bragi Dash, Apple AirPods, Motorla VerveOnes+ (v. l. n. r.)
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Bragi Dash, Apple AirPods, Motorla VerveOnes+ (v. l. n. r.)

Knöpfe, Tasten oder gar eine Lautstärkewippe sucht man vergeblich: Den AirPods gibt man Sprachkommandos, per Siri. Das funktioniert meist recht gut, etwa, wenn man das Kommando gibt: "Dreh die Lautstärke höher". Die Sprachsteuerung ist manchmal beeindruckend, aber nicht immer die schnellste Art, Kopfhörer und Musik zu steuern. Zumindest bei simplen Befehlen wäre eine schlichte Fernbedienung meist schneller. Und sie würde immer funktionieren. Siri dagegen braucht das Internet.

Unkonventionell ist auch die sonstige Bedienung der AirPods. Das fängt schon beim Koppeln mit dem Smartphone an. Man klappt die Transportbox auf, hält sie ans iPhone, fertig. Fortan ist nicht nur das iPhone mit den AirPods verbunden: Alle Geräte, auf denen man sich mit seiner Apple-ID angemeldet hat, erkennen die AirPods - zumindest theoretisch.

In der Praxis klappte das mit meinen Testgeräten nicht immer sauber. Gelegentlich musste ich den Kopplungsvorgang bei meinen Prototypen erneut anstoßen. Ein nettes Extra der ansonsten innigen Verbindung: Klappe ich die AirPod-Box neben einem iPhone auf, mit dem die AirPods bereits verbunden sind, wird mir der Ladezustand der Akkus angezeigt (siehe Fotostrecke).

Preis: 180 Euro

Alternative 1: Bragi The Dash

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Bei den ganz anders konzipierten The Dash des Münchener Start-ups Bragi wird der Ladezustand dagegen durch die Farbe kleiner LEDs an der Außenseite signalisiert.

Klanglich gibt es aber eine Ähnlichkeit: Wenn man The Dash richtig in seinen Gehörgang drückt, drücken hier auch die Bässe recht ordentlich. Im Übrigen klingen sie erfreulich transparent. Sie bringen alle Frequenzbereiche gleichmäßig an die Ohren, ohne den Klang dabei einzufärben. Neutral beschreibt ihren Klangcharakter wohl am besten.

Nervig ist nur, dass sich die Kopfhörer bei mir stets auf eine verringerte maximale Lautstärke zurückschalteten, auch wenn ich bei der letzten Nutzung das voreingestellte Limit überschrieben hatte.

Ansonsten machten mir The Dash über den mehrmonatigen Testzeitraum mehr Sorgen als Freude. Bis zum Schluss machte der linke Ohrhörer Probleme beim Aufladen, musste immer mehrmals in die magnetisch arretierende Ladeschale geruckelt werden, bevor seine LED endlich eine Stromaufnahme signalisierte. Tatsächlich war er dann oft auch weniger gut aufgeladen.

Sehr lästig: The Dash kann man nicht einfach aus der Ladeschale nehmen und ins Ohr stecken. Stattdessen musste ich vorher meist den linken und rechten Ohrhörer kurz in der Ladeschale rütteln, damit sie sich miteinander synchronisierten, was einige Sekunden dauern kann. Trotzdem passierte es unterwegs regelmäßig, dass einer der beiden Ohrhörer für ein paar Sekunden stumm wurde, was beim Musikhörer nervt.

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Bragi The Dash Smart In-Ear-Kopfhörer (kabellos, Bluetooth) schwarz

Angesichts von 27 Sensoren, die laut Bragi in The Dash eingebaut werden, bieten diese nur wenige Fitnessfunktionen für Schwimmer, Läufer und Radfahrer. Deren Auswertung ist, verglichen mit anderen Fitnesstrackern, sehr dürftig. Zu meinen Radtouren etwa wurde nur deren Dauer, das Durchschnittstempo und die durchschnittliche Herzfrequenz aufgezeichnet.

Letztere wurden regelmäßig vollkommen falsch gemessen. Ein zum Vergleich herangezogener Polar-Brustgurt und eine Apple Watch zeigten meist doppelt so hohe Werte an wie jene, die The Dash zu messen meinten.

Preis: 300 Euro

Alternative 2: Motorola VerveOnes+

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Mit dem drahtlosen Motorola-Headset kann so etwas nicht passieren - einfach weil es keine Sensoren für Körperfunktionen eingebaut hat. Mit den VerveOnes+ kann man Musik hören, telefonieren oder sprachgesteuerten Programmen wie Apples Siri und Googles Assistent Fragen stellen und Befehle erteilen.

Dieser Verzicht auf Extras macht die Bedienung leicht, denn viele Funktionen gibt es hier nicht. Anrufe kann man annehmen, Musik vor- und zurückspielen. Die Lautstärke jedoch lässt sich nicht am Headset einstellen. Ebenso wenig lässt sich hier die Funktion aktivieren, die Außengeräusche ans Ohr durchleitet, was etwa beim Joggen oder Radfahren in der Stadt sinnvoll ist.

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VerveOnes+ by Motorola Wireless Stereo Bluetooth In-Ear Kopfhörer - IP57 Wasserresistent

Wie einige andere Optionen auch, kann man die Funktion nur in Motorolas App anwählen, die wiederum nur funktioniert, wenn man die Ohrhörer nicht im Ohr hat, sondern ins Transport-Case steckt.

Preis: 250 Euro

Fazit

Richtig cool sind total drahtlose Kopfhörer noch nicht. Keines der drei getesteten Modelle kann vollkommen überzeugen. Vor allem Bragi The Dash, vom Hersteller seit Jahren vollmundig angekündigt, erfüllen die hohen Erwartungen nicht. Viele ihrer Funktionen liegen brach. Motorolas VerveOnes+ klingen zwar gut, haben aber Schwierigkeiten, die drahtlose Verbindung konstant aufrechtzuerhalten.

Und Apples AirPods? Ihre Technologie ist faszinierend und weil ich Vorseriengeräte getestet habe, neige ich dazu, ihnen einige der Fehler zu verzeihen. Laut Apple wurden inzwischen sowohl Hard- als auch Software verändert. Konkrete Angaben zu den Änderungen macht das Unternehmen aber nicht. So bleibt etwa abzuwarten, ob die Seriengeräte fester im Ohr sitzen oder nicht.

Sicher ist auf jeden Fall: Die AirPods sind einfacher zu bedienen als die Konkurrenzmodelle und sie können im Idealfall gut klingen. Und vergleichsweise günstig sind sie auch noch. Mit knapp 180 Euro kosten sie weit weniger als die VerveOnes+ oder Bragis Dash.

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insgesamt 63 Beiträge
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Seite 1
deranaluest 13.12.2016
1. Wie gut schirmen die Dinger nach außen ab?
Dank mittlerweile weit verbreiteter In-Ears und großer Kopfhöhrer gibt es weniger Schepperproleten die Bus und Bahn mit Hilfe ihrer Kopfhörer beschallen. Nur Applenutzer fallen hier negativ auf. Leider geht der Artikel nicht darauf ein, wie groß die Umfeldbelästigung mit diesen Teilen ist.
harjunsalmi 13.12.2016
2. 180 Euro Ausgaben
für den Tester sind einwandfrei zu viel.
Dr. Cooper 13.12.2016
3. Ich weiß ja nicht...
Vielleicht bin ich nicht "cool" genug aber mir fallen nicht viele Methoden ein, sich in der Öffentlichkeit für alle anderen ersichtlicher als Honk zu outen, als sich die hässlichen Elektrozahnbürstenköpfe in die Ohren zu hängen.
hermanngaul 13.12.2016
4. man kann
Aber auch ohne Internet lauter und leiser stellen an den pods oder?
ErkanGecici 13.12.2016
5. Supi!
Noch mehr Geräte zum aufladen! ?? Was, wenn ich so win Gerät mir zulegen wollen würde, wichtig wäre -> wie langw hält eine Akkuladung?
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