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Intelligente Boombox

Apple baut angeblich Siri-Lautsprecher

Amazon und Google bieten längst vernetzte, intelligente Lautsprecher an. Konkurrent Apple will jetzt aufholen, laut einem Branchenbericht stellt der Konzern in Kürze eine eigene schlaue Box vor.

DPA

Apple-Logo

Donnerstag, 01.06.2017   12:58 Uhr

Apples Einstieg ins Geschäft mit vernetzten intelligenten Lautsprechern steht einem Medienbericht zufolge unmittelbar bevor. Der iPhone-Konzern lasse bereits Lautsprecher produzieren, die mit seiner virtuellen Assistentin Siri ausgestattet sind, schrieb der Finanzdienst "Bloomberg" am Mittwoch. Das Gerät werde möglicherweise am kommenden Montag auf der Apple-Entwicklerkonferenz WWDC präsentiert, auch wenn es erst später im Jahr in den Handel kommen solle.

Amazon hat derartige Produkte mit dem Echo populär gemacht. Das ist ein vernetzter Lautsprecher, der per Sprache gesteuert werden und diverse Aufgaben erfüllen kann. Er ist an Amazons virtuellen Assistentin Alexa angebunden. Inzwischen ist Echo zu einer ganzen Produktfamilie ausgebaut worden, zu der auch eine vernetzte Kamera und ein Lautsprecher mit Bildschirm für Videochats gehören.

Google folgte Amazon mit dem Google Home, einem WLAN-Lautsprecher, über den man den Google Assistant nutzen kann. Microsoft brachte seine digitale Assistentin Cortana in einem Lautsprecher des Hi-Fi-Spezialisten Harman/Kardon unter. Und erst diese Woche kündigte auch der Erfinder des Mobil-Betriebssystems Android, Andy Rubin, einen Smart-Home-Lautsprecher von seinem Start-up Essential an.

Sprache gilt als immer wichtigerer Weg, mit Computern zu kommunizieren. Apple war mit Siri, die bereits 2011 in die iPhones kam, ein Vorreiter des Konzepts. Doch die Qualität der Spracherkennung und der Antworten ließ anfangs oft zu wünschen übrig, wodurch die Software von vielen als Spielerei abgetan wurde.

Wie komplex es ist, eine anspruchsvolle Sprachsteuerung am Markt zu platzieren, erfährt gerade auch Smartphone-Marktführer Samsung. Bei den Südkoreanern verzögert sich der Start seines im Frühjahr vorgestellten Assistenten Bixby für das Smartphone Galaxy S8 in den USA seit Wochen.

Räumlicher Sound

Apple-Manager hatten in der Vergangenheit angedeutet, dass die Vision des Konzerns eher sei, die Nutzer mit Siri über Geräte wie das iPhone oder die Apple Watch kommunizieren zu lassen, statt mit einem Lautsprecher einen festen Anlaufpunkt zu schaffen. Jetzt will sich Apple den Bloomberg-Informationen zufolge bei seinem smarten Lautsprecher unter anderem mit räumlichem Sound von der Konkurrenz abheben.

Hauseigene Dienste wie Apple Music oder die Smart-Home-Plattform Homekit würden eingebunden. Das ist wichtig für Apple, denn die anderen Lautsprecher unterstützen Services der Konkurrenz wie Spotify oder Amazon Music und verschaffen ihnen so einen Brückenkopf in den Haushalten.

Apple lasse die Lautsprecher bei der Firma Inventec aus Taipeh fertigen, die auch die drahtlosen AirPods-Ohrhörer produziere, hieß es. Bloomberg hatte bereits im vergangenen Jahr über Tests der Apple-Lautsprecher berichtet.

Entgegen früheren Spekulationen habe das Gerät kein Display, hieß es unter Berufung auf Leute, die es gesehen hätten. Apple habe auch erwogen, in den Lautsprecher Sensoren einzubauen, die die Raumakustik vermessen und mit den so gesammelten Daten den Klang des Lautsprechers an die jeweilige Umgebung anpassen.

Schon im Jahr 2006 hatte Apple einen Lautsprecher vorgestellt. Auf das Gerät mit dem Namen iPod Hi-Fi konnten die iPod-MP3-Player aufgesteckt werden. Es hatte jedoch wenig Erfolg, der Verkauf wurde nach etwas mehr als einem Jahr eingestellt.

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Steve Jobs mit dem iPod Hi-Fi

Bloomberg zufolge könnten auf der Entwicklerkonferenz WWDC auch neue iPads sowie aufgefrischte Macbook-Pro-Notebooks mit schnelleren Prozessoren präsentiert werden. Apple bietet das große iPad Pro mit 12,9 Zoll Bildschirmdiagonale seit Herbst 2015 und das kleinere Pro-Modell seit Frühjahr vergangenen Jahres unverändert an.

Bei den aktuellen Macbook-Pro-Geräten konnte der Konzern im vergangenen Jahr noch nicht die neuesten Intel-Prozessoren verbauen, weil diese zum Zeitpunkt der Markteinführung noch nicht fertig waren. Der Konzern musste sich Kritik gefallen lassen, zu wenig auf die Bedürfnisse professioneller Nutzer einzugehen.

mak/dpa

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