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08. Mai 2012, 12:07 Uhr

Videochat und Sprachsteuerung

Apple-Fernseher angeblich schon gesichtet

Der Apple-Fernseher ist so gut wie fertig, berichtet ein amerikanisches Blog. Ein anonymer Tippgeber will das Gerät bereits in Aktion gesehen haben - und erzählt von technischen Finessen. Tatsächlich spricht manches dafür, dass Apple ins TV-Geschäft einsteigt.

In Wellen kommen die Gerüchte immer wieder: Apple baue einen eigenen Fernseher, steige damit groß ins TV-Geschäft ein. Der Konzern selbst hat solche Vermutungen stets damit abgetan, dass er seine kleine TV-Box Apple TV als Hobby bezeichnete und sich ansonsten still verhielt. Doch in der Steve-Jobs-Biografie von Walter Isaacson hieß es, Jobs habe Hinweise auf einen revolutionären Fernseher gegeben. Nun berichtet das amerikanische Blog "Cult of Mac" von einem Augenzeugen, der einen Prototyp dieses Fernsehers schon gesehen haben will.

"Es sah aus wie ein Apple-Monitor, nur viel größer", beschreibt der anonyme Augenzeuge das mysteriöse Gerät. Alles andere wäre auch verwunderlich gewesen. Denn dass Apple, wenn die Geschichte stimmt, seinen typischen Look ins Wohnzimmer bringen würde, ist naheliegend. Und das bedeutet: Aluminiumrückseite aus einem Stück und vorne ein durchgehendes glänzendes Deckglas, das den Übergang vom Bildschirm zum Rahmen kaschiert.

Auch was die technische Ausstattung angeht, hat die Schilderung nichts Ungewöhnliches zu bieten - auf den ersten Blick jedenfalls. Denn dass ein Apple-Fernseher mit einer Webkamera ausgestattet sein wird, mit der man über Apples eigenen Facetime-Dienst Videotelefonate führen kann, ist abzusehen. Bemerkenswert ist allerdings, welche Fähigkeiten der Facetime-Kamera im Apple-TV zugesprochen werden. Demnach kann sie nicht nur auf das Gesicht des Anwenders zoomen, sondern folgt ihm auch noch automatisch, während dieser durchs Zimmer geht. Eine Fähigkeit, die wohl eine beweglich aufgebaute Kamera bedingen würde.

Das Ende der Fernbedienung

Zudem soll der vom iPhone 4S bekannte Sprachassistent Siri in den Fernseher integriert sein. Dem Tippgeber zufolge könne man damit Facetime-Gespräche einleiten. Welche weiteren Fähigkeiten Siri im TV hat, wird in dem Artikel leider nicht erklärt. Dass Siri in einen Fernseher integriert werden könnte, ist allerdings unstrittig. Etliche Firmen arbeiten an Möglichkeiten, den Zuschauer von der Fernbedienung zu befreien.

Auf der Unterhaltungselektronikmesse CES Anfang Januar zeigte beispielsweise Samsung Prototypen von Fernsehern mit Gestensteuerung. SPIEGEL ONLINE konnte bereits ein TV-Gerät ausprobieren, das sich komplett per Sprache steuern lässt. Mit Kommandos wie "Auf das Erste umschalten" oder "Heute Abend 'Dr. House' aufnehmen" könnten TV-Apparate, die mit dieser Technik bestückt sind, viel leichter und intuitiver bedienbar sein als über die oft klobigen Fernbedienungen. Erste Seriengeräte mit einer derartigen Sprachsteuerung könnten noch im Sommer in den Handel kommen.

Egal, ob man der Geschichte vom anonymen Augenzeugen glauben mag oder nicht: Technisch sind die Gerüchte, die "Cult of Mac" verbreitet, plausibel. Bliebe die Frage, wie Apple in der Lage sein soll, auf einmal großen Mengen der benötigten Bildschirme zu bekommen. Der US-Konzern hat keine eigenen Fabriken, lässt vom Headset bis zum 27-Zoll-iMac alle Hardware bei Fremdfirmen in Asien herstellen. Und die wenigen, weil enorm teuren Fabriken für LCD- und LED-Bildschirme sind fest in der Hand etablierter TV-Hersteller.

Apple muss es richtig machen

Aber auch auf diese Frage hat das Blog eine Antwort: Paul Gagnon, TV-Analyst bei der Marktforschungsfirma NPD DisplaySearch, sagt, Apples Hauptzulieferer Foxconn habe 1,6 Milliarden Dollar in die TV-Sparte von Sharp investiert. In der neuesten LCD-Panel-Fabrik des japanischen Konzerns könnten Bildschirmgläser produziert werden, die so groß sind, dass sich aus jedem davon sechs 60-Zoll-Bildschirme, acht 50-Zoll-Bildschirme oder 14 im 40-Zoll-Format herausschneiden lassen. Zudem bietet Sharp als einziges Unternehmen Bildschirme an, die das Bild nicht aus drei, sondern aus vier Farben zusammensetzen, was für mehr Brillanz sorgen soll.

Genau so etwas bräuchte Apple, um sich mit einem TV auch hinsichtlich der Bildqualität von der Konkurrenz abheben zu können. Denn sollte der US-Konzern tatsächlich ins TV-Geschäft einsteigen, wird er den Markt ebenso umkrempeln wollen, wie er es bei den Smartphones getan hat. Leicht wird das nicht werden, denn die TV-Branche ist derzeit viel agiler und fortschrittlicher, als es die seinerzeit sehr von sich überzeugte Handybranche 2007 bei der Vorstellung des ersten iPhones war.

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