iPhone-5-Reaktionen "Absolut faszinierend und total langweilig"

Das neue iPhone ist dünner, länger, schneller, leichter, aber keine Revolution. Es ist das, was man von Apple erwartet hat: ein solides Update. Für echten Unmut sorgt vor allem das neue Steckerformat - Reaktionen aus der US-Fachpresse im Überblick.

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Apple hat sein iPhone 5 vorgestellt und der Aktienkurs des Unternehmens ist, entgegen der Tradition, gestiegen. Die Erwartungen wurden erfüllt, vieles von dem, was im Vorfeld als Gerücht gehandelt wurde, erwies sich als richtig: ein neues Betriebssystem, ein doppelt so schneller Prozessor und vor allem ein größeres Display, das trotz allem gut zu bedienen ist. Alles in allem also keine Überraschungen. "Absolut faszinierend und total langweilig", sei Apples neues Handy, titelte "Wired". Das fasst den Grundtenor vieler Reaktionen gut zusammen.

Für Aufregung sorgt indes der neue Dock-Connector. Der Steckplatz für Kabelverbindungen ist so klein wie ein Mini-USB-Port. Während der Präsentation sagte Marketingchef Phil Schiller, dass dieser Anschlussmindestens ein Jahrzehnt lang beibehalten werden soll. Dadurch werden alle Anschlüsse und Dock-Stationen für die neuen Geräte obsolet. Sie sind nicht mehr zu nutzen, jedenfalls nicht ohne Adapter. Zwar bietet Apple bereits Zwischenstecker an, diese sollen aber 30 bis 40 US-Dollar kosten.

"Verdruss im iPhoneland"

Insbesondere David Pogue, berühmter Tech-Journalist der New York Times, regt sich über den Connector auf. Der Adapter sei "viel zu teuer". Aus dem Wechsel Profit schlagen zu wollen, sei eine Fehlentscheidung: Die Adapter "sollten eine Geste der Freundlichkeit sein für jeden von uns, die wir das jetzt veraltete Zubehör gekauft haben." Pogue sagt, diese Entscheidung werde für "Verdruss im iPhoneland" sorgen, beginnend bei ihm: "Hunderte Millionen von Gadgets werden nicht mehr mit dem iPhone zusammenpassen." Pogue ist damit nicht der einzige - fast alle Kommentatoren heben Apples Entscheidung, den Steckplatz zu verändern, als potentiellen Streitpunkt hervor. Zum iPhone an sich schreibt Pogue: "Apple hat sich auf die wichtigen Dinge konzentriert, die man von einem App-Phone erwartet. Größe, Form, Material, Soundqualität, Kameraqualität und Geschwindigkeit. Und das ist gut."

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iPhone 5 ausprobiert: Apples Edel-Smartphone im Schnell-Check
Weitere Reaktionen aus der internationalen Technikpresse:

  • Mat Honan vom "Wired"-Magazin hält Apples neues iPhone für "das großartigste Telefon der Welt", gleichzeitig aber auch für "grausam langweilig". Das habe aber nichts mit dem iPhone an sich zu tun, sondern mit den Erwartungen der Nutzer. "Eine gewisse Zeit lang hatten wir das Gefühl, dass Apple uns immer umhauen wird. [...] Apple lieferte eine Revolution nach der anderen." Nach fünf bis sechs Generationen sei aber einfach ein Punkt erreicht, an dem es nicht mehr viel zu verbessern gebe. Und da die Konkurrenz sich in Sachen Optik, Haptik und im Design immer mehr an das iPhone annähere, verliere dieses an Extravaganz. "Also hat man ein iPhone 5 - das im wesentlichen aussieht wie eine längere und dünnere Version des iPhone 4."
  • Der renommierte und vielzitierte Gadget-Journalist Farhad Manjoo ("Slate", "New York Times"), der anhand der Dokumente aus dem Rechtsstreit zwischen Samsung und Apple die Geschichte des iPhone-Designs aufgeschrieben hat, widmet sich dem neuen Produkt bis dato in drei Tweets: "Mag ja sein, dass das iPhone 5 das beste ist, was man kaufen kann. Aber die Leute sind enttäuscht, weil es niemanden mehr begeistert." Wie Honan pocht er darauf, dass die erste Generation des iPhones so gut gewesen sei, dass es kaum zu glauben sei. Manjoo schließt mit: "Ist es unvernünftig, das zu erwarten? Ja, ist es. Aber ist es falsch, zu hoffen, dass Apple uns so überraschen könnte? Nein, ist es nicht."
  • Auch MG Siegler vom Technik-Blog "TechCrunch", bekannt für seine ausgiebige Berichterstattung über Apple-Produkte, schlägt einen ähnlichen Ton an. Er vergleicht Apple als Unternehmen mit einem Zauberer, dessen Trick, etwas verschwinden zu lassen, aus drei Schritten bestehe: Ein alltägliches Gerät zu nehmen, außerordentliche Dinge damit zu tun und es dann wieder neu in Szene zu setzen. Das Problem sei, dass Apple diesen Trick seit 2007 aufführe. Das Publikum sei nun gelangweilt davon.
  • Michael Liedtke von Associated Press fragt sich, wie wohl Steve Jobs das iPhone 5 gefunden hätte: "Es braucht nicht viel Zeit, um zu merken, dass Jobs entzückt wäre von der Mischung aus Schönheit, Nützlichkeit und Vielseitigkeit." Das iPhone werde zum Verkaufsschlager werden, glaubt Liedtke.
  • Dan Rowinski vom Tech-Blog "ReadWriteWeb" nennt das neue Apple-Handy das "bisher größte, schlaueste, schnellste". Auch er aber fragt: "Reicht das, um die Verbraucher zu entzücken?"

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Seite 1
Leser222 13.09.2012
1. jetzt reicht's langsam mit der Werbung
Gott der Gerechte, es handelt sich um ein Telefon. Sonst nix. Keine neue Religion, kein Mittel gegen Krebs, keine sich selbst vermehrende Grützwurst, den Hunger der Vielen zu stillen. Haben Sie eigentlich den Verstand verloren, den Tanz um dieses Stück Elektronik auf allen Kanälen rund um die Uhr zu zelebrieren?
suppenkoch 13.09.2012
2.
Zitat von Leser222Gott der Gerechte, es handelt sich um ein Telefon. Sonst nix. Keine neue Religion, kein Mittel gegen Krebs, keine sich selbst vermehrende Grützwurst, den Hunger der Vielen zu stillen. Haben Sie eigentlich den Verstand verloren, den Tanz um dieses Stück Elektronik auf allen Kanälen rund um die Uhr zu zelebrieren?
Ja, besonders weil die Artikel nicht als "Werbung" gekennzeichnet sind. Man könnte fast den Verdacht von Sponsoring bekommen.
Knarzi 13.09.2012
3. optional
Da hat sich der Spiegel ja mal wieder die besten rausgesucht, damit es auch halbwegs gut rüberkommt. http://www.forbes.com/sites/erikkain/2012/09/12/apple-plays-catch-up-with-iphone-5-but-still-comes-up-short/
Sabi 13.09.2012
4. ...und total unnötig,
Zitat von sysopSPIEGEL ONLINEDas neue iPhone ist dünner, länger, schneller, leichter, aber keine Revolution. Es ist das, was man von Apple erwartet hat: ein solides Update. Für echten Unmut sorgt vor allem das neue Steckerformat - Reaktionen aus der US-Fachpresse im Überblick. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/apple-hat-das-iphone-vorgestellt-und-so-reagiert-das-netz-darauf-a-855536.html
...total unnötig, ausgenommen die Dekadenz und die muß-haben-haben- haben-Leutchen !
DrStrang3love 13.09.2012
5.
Naja, die wegen des neuen Dock-Steckers meckern, sollten nicht vergessen, dass der alte Stecker seit der Einführung des ersten iPods vor über 10 Jahren praktisch unverändert geblieben ist. Ein wenig technischer Fortschritt dann und wann sollte doch möglich sein. Der Preis für den Adapter für das alte System ist dennoch äußerst unverschämt.
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