Apple-Tablet im Test Kleines iPad, großer Preis

Das neue iPad Pro von Apple lockt mit ausgefeilten Extras. Es soll dank anklickbarer Tastatur sogar ein Notebook ersetzen können. Wir haben es getestet - und den Haken gefunden.

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Natürlich habe ich diesen Text an Apples neuem Tablet geschrieben. Schließlich soll das kleine iPad Pro, das Apple am 21. März vorgestellt hat, so etwas wie die eierlegende Wollmilchsau der Computertechnik sein. Das will ich ausprobieren.

Also habe ich meinem Testgerät das 169 Euro teure Smart Keyboard angeschnallt. Es wird magnetisch am Gehäuse gehalten und hat drei kleine Kontaktpunkte, den Smart Connector. Über den versorgt sich die Tastatur mit Strom und stellt die Verbindung zum iPad her.

Die Technik arbeitet tadellos: Ich muss nichts konfigurieren oder einstellen, die Tastatur funktioniert einfach. Als ich bei diesem Absatz angekommen bin, kann ich auch schon feststellen, dass ich auf den kleinen Tasten genau so schnell wie am PC tippen kann. Ein fester Untergrund ist aber wünschenswert, auf meinen Knien abgelegt wackelt die Tastatur zu sehr.

Zur Mobilschreibmaschine taugt das iPad Pro also schon mal. Dass das Smart Keyboard beim Transport gleichzeitig als Bildschirmdeckel fungiert, ist ein praktisches Extra. Zusammen wiegen iPad Pro und Tastatur nur 681 Gramm, halb so viel wie das MacBook Air, das ich sonst herumtrage. Das ist verlockend. Der einzige Wermutstropfen: Die Tastatur gibt es derzeit nur mit US-Layout. Weitere Sprachversionen sind in Arbeit, erklärte man mir bei Apple.

Auch mal malen

Die zweite Extrafunktion der Pro-iPads ist die Möglichkeit, mit Apples Digitalstift Pencil auf dem Bildschirm zu zeichnen, zu malen oder zu schreiben. Früher habe ich für solche Sachen Zeichentablets von Wacom benutzt, die bei mir zeitweilig auch die Maus ersetzt haben. Aber diese Technik ist indirekt, man zeichnet auf einem Plastikbrett auf dem Tisch, die Linien erscheinen auf dem Bildschirm des Computers.

Mit Apples Pencil kann man auf dem iPad Pro zeichnen und malen
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Mit Apples Pencil kann man auf dem iPad Pro zeichnen und malen

Das iPad Pro vermittelt einen sehr viel direkteren Kontakt zur Zeichenfläche. Bildbearbeitung, beispielsweise in der App Pixelmator, bekommt durch den Stift noch ein paar feinere Möglichkeiten. Ohnehin setzt der Stift meine Bewegungen und den Druck meiner Finger sehr feinfühlig um. Der Preis dafür ist weniger feinfühlig: 109 Euro kostet der Apple-Pencil.

Leistung für Jahre

Ohne Tastatur und Stift ist das iPad Pro eine in mancher Hinsicht verbesserte Version des iPad Air 2. Es hat dieselben Maße, fast dasselbe Gewicht, aber einen verbesserten Bildschirm. Im direkten Vergleich mit einem iPad Air 2 ist er etwas heller, was bei der Nutzung im Sonnenschein helfen könnte.

Vor allem aber fällt die sogenannte True-Tone-Funktion auf. Sie passt die Farbigkeit des Bildschirms an das Umgebungslicht an, so dass Farben immer realistisch aussehen, Weiß immer weiß ist. Wirklich sehen kann ich das eigentlich nur, weil der weiße Bildschirmrahmen des Testgeräts mal bläulicher, mal gelblicher wirkt, der Bildschirminhalt dabei scheinbar unveränderte Farben zeigt.

Auf der Rückseite fällt auf, dass an der Oberseite jetzt kein weißer Plastikdeckel mehr über den Antennen liegt. Stattdessen wird dessen Form jetzt nur von einem dünnen weißen Strich nachgezogen.

Links das kleine iPad Pro, rechts das iPad Air 2
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Links das kleine iPad Pro, rechts das iPad Air 2

Bemerkenswert verbessert wurde die Kamera. Technisch handelt es sich um eine modifizierte Variante der 12-Megapixel-Kamera des iPhone 6s. Beim Knipsen merkt man das, die Bildqualität ist weit besser als beim Vormodell. Und mit dem großen Display als Sucher könnte das Fotografieren damit sogar Spaß machen, wäre ein iPad als Fotoapparat nicht ein wenig unhandlich und groß.

Der aus dem großen iPad Pro entliehene A9X-Prozessor erreicht in Testprogrammen etwa ein Viertel bis ein Drittel höhere Werte als die eines iPad Air 2. Viel zu bemerken ist davon im Alltag nicht, selbst aufwendige Spiele bringen den Antrieb nicht aus dem, Takt. Aktuell kann man die überschüssige Leistung eher als Investition in die Zukunft betrachten, sie wird sich in den folgenden Jahren auszahlen, wenn anspruchsvollere Apps und iOS-Versionen nach mehr Power verlangen.

Fazit

Der Bildschirm und die Kamera des kleinen iPad Pro sind sehr gut, der Prozessor liefert Leistung im Überfluss und die 256-GB-Option ist verlockend. Als Tablet mit der Möglichkeit, es auch mal als Unterwegs-Computer zu benutzen, kann ich mir derzeit nichts besseres vorstellen. In Kombination mit dem Smart Keyboard ist es ein extrem leichtes Beinahe-Notebook.

Aber da gibt es einen gewaltigen Haken.

Der Preis schmerzt. Das WLAN-Modell mit 32 GB kostet 689 Euro, 150 mehr als ein iPad Air 2. Inklusive Pencil, Smart Keyboard, LTE und 256 GB werden satte 1477 Euro fällig. Schuld daran sind vor allem Apples Aufpreise für Speicher-Upgrades, die 256-GB-Version kostet 360 Euro mehr als das 32-GB-Modell, bei ansonsten gleicher Ausstattung. Für diesen Preis bekommt man auch ein Ultrabook. Zum Vergleich: Ein MacBook Air mit 13 Zoll und 256 GB Flash-Platte kostet 1349 Euro.

Vorteile und Nachteile

Sehr guter Bildschirm

Sehr gute Kamera

Sehr hohe Leistung

Schneller Fingerabdrucksensor

Optionale Tastatur und Stift

Alle aktuellen Funkstandards integriert

Bis zu 256 GB Speicher

Sehr hohe Preise

Zum Autor
Matthias Kremp
Christian O. Bruch/ laif

Matthias Kremp ist Redakteur im Ressort Netzwelt, Autor der Technik-Test-Kolumne "Angefasst" und oberster Gadget-Experte bei SPIEGEL ONLINE.

  • E-Mail: Matthias.Kremp@spiegel.de

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insgesamt 125 Beiträge
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Seite 1
kaiservondeutschland 26.03.2016
1. Und keine Maus
Apple preist das Gerät als PC-Ersatz für Privatpersonen an, verschweigt aber, dass es keine Möglichkeit gibt, eine Maus anzuschließen. Das ist nicht akzeptabel!
dwg 26.03.2016
2.
Hier wäre der Vergleich mit den aktuellen Surface Modellen hilfreich. Die haben schon eine Weile die magnetisch gehaltene (mittlerweile sehr gute) Tastatur, einen erstaunlich guten Bluetooth Stift und ein ungewöhnlich gutes Design bei allerdings auch üppigen Preisen.
calinda.b 26.03.2016
3. Lte?
Haben Sie denn kein Handy über das Sie mit LTE ins Internet kommen, wie der Rest der Bevölkerung?
hdudeck 26.03.2016
4. Bis zu 256 GB Speicher ein Pluss?
Da kann ich noch nicht einmal meine Photos alle darauf ablegen. Da ich meine Tablets, Phones ect. auch als Back Up benutzte kann man so ein schwachbruestiges Teil gleich vergessen Alle aktuellen Funkstandards integriert - auch kein Plus, sondern Standard.
heinz_kopplin 26.03.2016
5. Warum nicht das Original
Ich nutze das Original: Surface pro von Microsoft
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