iPad Pro im Test Das kann Apples Riesen-Tablet

Das neue iPad Pro ist fast so groß wie ein MacBook - und ebenso teuer. Apple glaubt, mit dem neuen Gerät den PC ersetzen zu können. Ob das klappt?

Darf es ein bisschen mehr sein? Mit 12,9 Zoll ist das neue iPad ähnlich groß wie ein Notebook
Matthias Kremp

Darf es ein bisschen mehr sein? Mit 12,9 Zoll ist das neue iPad ähnlich groß wie ein Notebook


Als ich vor fünf Jahren das Ur-iPad getestet habe, war mein Urteil klar: Ein tolles Gerät, das aber eigentlich nur zu Hause auf der Couch gut nutzbar ist - für alles andere ist es zu groß und zu schwer. Was für eine Fehleinschätzung! Einige iPad-Generationen später sehe ich jeden Tag Menschen, die Apple-Tablets und ähnliche Geräte unterwegs benutzen, in der U-Bahn, im ICE oder im Flugzeug.

Nach dieser Erfahrung halte ich mich mit einem vorschnellen Urteil über die Größe des neuen iPad Pro lieber zurück. Dabei lädt das Gerät geradezu zu Vorbehalten ein. Mit einer Diagonale von 12,9 Zoll ist sein Bildschirm fast genau so groß wie das Display eines Notebooks. Mit gut 700 Gramm wiegt es fast so viel wie iPad Air 2 und iPad mini 4 zusammen. Und mit bis zu 1229 Euro ist es auch noch teurer als ein ähnlich bestücktes MacBook Air.

Apple inszeniert das neue Tablet als Notebook-Ersatz. In einem Interview mit dem britischen "Independent" sagte Apple-Chef Tim Cook, dass er auf Geschäftsreisen nur noch mit iPhone und iPad Pro unterwegs sei. Sein MacBook bleibe zu Hause. Einen PC brauche man heute einfach nicht mehr.

Das macht stark: Mit 713 bis 723 Gramm ist das iPad Pro rund 30 bis 40 Gramm schwerer als das Ur-iPad. Einhändig kann man es nur benutzen, wenn man intensives Hanteltraining betreibt. Selfies wie dieses werden daher die Ausnahme bleiben.

Die iPad-Familie: Mit dem neuen Modell führt Apple eine weitere Variante seiner Tablets ein - es ist die bislang größte.

Den zusätzlichen Platz nutzt Apple unter anderem, um vier Lautsprecher in das Gehäuse einzubauen. Gesteuert durch die Lagesensoren werden dabei jeweils die unteren als Basslautsprecher verwendet.

iPad Pro, iPad Air 2 und iPad mini 3 im Größenvergleich: Um dieselbe Pixeldichte zu erreichen wie beim iPad Air 2, wurde die Auflösung beim neuen Modell auf 2732 x 2048 Pixel erhöht.

Mit dem optionalen Smart Keyboard wird das iPad Pro zur Reiseschreibmaschine. Schade nur, dass sich der Winkel des Bildschirms nicht verändern lässt.

Die Qualität der flachen Apple-Tastatur ist gut. Allerdings ist der Anschlag recht hart und das Geräusch beim Tippen vergleichsweise laut.

Eine Alternative zur Apple Tastatur ist Logitechs Create-Keyboard. Auch hier ist der Winkel nicht veränderbar.

Die Logitech-Tastatur ist deutlich weicher und leiser als Apples Tastenfeld. Im Test überzeugte das Create-Keyboard mit einem guten Schreibgefühl.

Die Logitech-Tastatur ist in ein Gehäuse verbaut, das offenbar einiges aushalten kann.

Der robusten Hülle trauen wir zu, Apples Mega-iPad auch bei einem Sturz vom Tisch gut zu schützen.

Mit der Hülle wird das iPad Pro einem Notebook sehr ähnlich - nicht nur was die Außenmaße angeht.

Das eigentlich schlanke Tablet wird durch Logitechs Hülle nicht nur viel dicker, sondern auch schwerer. Ungefähr 1480 Gramm wiegen Tablet und Tastaturhülle zusammen.

Der große Bildschirm ermöglicht es Apples iOS auch, mehr Informationen gleichzeitig anzuzeigen. Hier etwa werden Symbole in sechs Spalten nebeneinander angezeigt. Auf einem iPhone sind es nur vier.

Auch die Tagesübersicht hat auf dem iPad Pro mehr Platz, sich auszubreiten.

Für das große Apple-Tablet müssen viele Apps angepasst werden. Erst nach einer solchen Anpassung werden die Vorzüge des hochauflösenden Bildschirms nutzbar - so wie hier in der Layout-App Canva.

Grafiker und Designer werden sich über den Apple Pencil freuen, mit dem man auf dem Bildschirm malen und zeichnen kann. Aufgeladen wird der Digitalstift am Lightning-Anschluss des Tablets.

Wer mit Stift und Papier zeichnen kann, kann das auf dem iPad Pro auch. Die App Paper bemüht sich, dabei möglichst genau die Eigenschaften von Papier und verschiedenen Malwerkzeugen nachzuahmen.

Manche Apps versuchen auch, die Möglichkeiten des zweidimensionalen Zeichnens mit 3D-Funktionen zu verknüpfen. UMake beispielsweise ermöglicht es vergleichsweise leicht, digitale 3D-Modelle zu erzeugen.

Ein Beispiel dafür, welche Anwendungen mit dem iPad Pro noch vorstellbar sind, ist C. Anatomy. Die App soll dazu dienen, die menschliche Anatomie zu studieren. Sie bietet etwa die Möglichkeit ein Quiz zu erstellen.

Die iOS-9-Funktion Split View ermöglicht es, den Bildschirm für zwei parallel laufende Apps aufzuteilen.

Erst auf dem großen Display des iPad Pro ist die Split-View-Funktion wirklich sinnvoll nutzbar. Die zur Verfügung stehende Fläche entspricht nahezu der von zwei iPad-Air-Bildschirmen.

Erinnerungen an Microsofts Surface

Um das iPad Pro als PC- oder Notebook-Ersatz nutzen zu können, braucht man aber wenigstens eine Tastatur. Ein Zusatz, der sich anbietet, ist das sogenannte Smart Keyboard, eine Kombination aus Schutzhülle und Tastatur, die Apple für 179 Euro verkauft. Über drei Verbindungspunkte, den sogenannten Smart Connector, wird das Smart Keyboard mit dem iPad verbunden.

Das iPad Pro wird damit zu einem Hybrid aus Tablet und Notebook, ähnlich den Surface-Tablets von Microsoft. Mit deren ersten Modellen teilt es aber auch eine Schwäche: Der Bildschirm kann nur in einem fest vorgegebenen Winkel aufgestellt werden. Microsoft hat das in späteren Versionen verbessert.

Mit Tastatur doppelt so schwer

Eine Alternative zur Apple-Tastatur hat Logitech unter dem Namen Create im Programm. Die Create-Tasten haben einen besser definierten, leiseren Anschlag als die von Apple, sie sind außerdem hintergrundbeleuchtet. Zudem ist die Kombination aus Schutzhülle und Tastatur so robust gebaut, dass ich ihr zutraue, das iPad auch bei einem Fall vom Tisch gut zu schützen.

Mit 150 Euro ist das Logitech-Produkt etwas günstiger als Apples Smart Keyboard. Leider ist es aber auch viel schwerer. Eine Briefwaage gibt für das Komplettpaket aus iPad Pro und Create-Tastatur 1480 Gramm an. Mein Dienst-Notebook ist leichter.

Die Neuerfindung des Stifts

Anders als eine Tastatur ist der sogenannte Apple Pencil verzichtbar. Mit diesem einzeln verkauften Digitalstift kann man auf dem Bildschirm des iPad Pro malen, schreiben und zeichnen - zumindest in den entsprechenden Apps. Das macht mir Spaß, obwohl ich unbegabt bin. Wäre der Bildschirm nicht so glatt, könnte man glauben, auf Papier zu schreiben, so direkt werden die Bewegungen des Stifts umgesetzt.

Apple Pencil: Aufgeladen wird er am Lightning-Port des iPads
Matthias Kremp

Apple Pencil: Aufgeladen wird er am Lightning-Port des iPads

Wer in seinem Digital-Alltag Stift und Papier vermisst, wird sich über die Chance freuen, Apples Notizen-App wie einen analogen Notizblock benutzen und PDF-Dokumente mit Anmerkungen vollkritzeln zu können. Dann mögen sich auch die 109 Euro lohnen, die Apple für den Stift verlangt. Eine Möglichkeit, ihn am iPad zu befestigen, gibt es übrigens nicht. Ich hatte daher manchmal Angst, ihn zu verlieren.

Viele Pixel, viel Leistung, viel Ausdauer

Die Hardware des Tablets selbst überzeugt. Mit seinen 6,9 Millimetern ist das iPad Pro sehr schlank. Seine rund 720 Gramm Gewicht - das sind 40 Gramm mehr als beim Ur-iPad - machen es aber zu schwer, um es einhändig zu benutzen. Das Display hat dieselbe Qualität und dieselbe Pixeldichte wie das Display des iPad Air 2, es zeigt aber mehr Bildpunkte an, nämlich 2732 x 2048.

Als Antrieb dient der A9X, eine aufgebohrte Version des A9-Prozessors, der in den iPhones 6s und 6s Plus steckt. Mit 2,2 GHz und vier Gigabyte Arbeitsspeicher attestieren ihm Messprogramme etwa ein Drittel bis ein Viertel mehr Leistung als dem A9.

Apple-Update iOS 9: Die neue Software ist für iPhones ab dem iPhone 4s, iPads ab dem iPad 2 und iPad mini sowie die iPod touch der fünften und sechsten Generation verfügbar.

Mehr finden: Die Suchfunktion wurde erheblich erweitert. Sie durchstöbert jetzt mehr Datenbanken und bemüht sich, zu jedem Suchbegriff verschiedene Ergebnisse anzubieten.

Wischt man vom Homescreen aus nach links, werden automatisch viel genutzte Kontakte und Apps sowie eine Auswahl aktueller Nachrichten angezeigt.

Apples Onlinedatenspeicher iCloud ist jetzt tiefer in das Betriebssystem integriert. Über eine eigene App kann man auf dort gespeicherte Daten jetzt so zugreifen, als lägen sie auf dem Gerät selbst.

In der Notizen-App kann man jetzt viel mehr, als nur eingetippte Texte zu sortieren. Stattdessen lassen sich Fotos, Listen, Weblinks und auf den Bildschirm gekritzelte Skizzen verwenden.

Um die neue Notizen-App leichter mit Inhalten befüllen zu können, findet man in vielen Apps jetzt unter dem Teilen-Knopf eine Möglichkeit, die ausgewählte Datei direkt an die Notizen zu senden.

Links unten im Hauptfenster der Notizen-App gibt es jetzt ein Symbol, das eine Übersicht der in der App verwendeten Anhänge öffnet.

Auf iPads lässt sich der Bildschirm jetzt besser fürs Multitasking nutzen. Slide over nennt Apple eine Funktion, mit der eine zweite App teilweise über eine bereits geöffnete geschoben werden kann. So lassen sich Daten zwischen beiden Apps leichter austauschen.

Zieht man das zweite Fenster bis zur Bildschirmmitte auf, erhält man eine Split View genannte Ansicht. Sie ermöglicht es noch besser, mit zwei Apps parallel zu arbeiten. Diese Funktion ist eindeutig für das neue, große iPad Pro entwickelt worden, das viel mehr Bildschirmfläche bietet als die bisherigen Modelle.

Auch die Kurzbefehlleiste, die einen schnellen Zugriff auf Textformatierungsbefehle bietet, kann man als Vorbereitung für das iPad Pro ansehen.

Eine hübsche Ergänzung ist die Möglichkeit, Textpassagen auszuwählen, indem man mit zwei Fingern über den Bildschirm streicht.

Die Funktion Bild im Bild kennt man von Fernsehern. Auf iPads kann man sie jetzt benutzen, um ein laufendes Video über einer anderen App schweben zu lassen. Richtig Spaß wird auch das erst auf dem großen iPad machen.

Die Karten-App von iOS 9 kann jetzt auch Bus- und Bahnfahrpläne zur Routenplanung nutzen. In der Betaversion hat das auch in Berlin noch funktioniert, in der Endfassung fehlt diese Möglichkeit für Deutschlands Hauptstadt wieder.

Was gibt es in der Nähe zu sehen? Die Suchfunktion beantwortet diese Frage automatisch nach Kategorien sortiert. Allerdings derzeit nur in den USA und China.

Auch Apples eigene Nachrichten-App News, die Informationen aus vielen Quellen zusammenstellt, gibt es auf deutschen Betriebssysteme noch nicht zu sehen.

Ebenso steht es um die Bezahlfunktion Apple Pay: In den USA kann man seine Rechnung schon in Zigtausenden Geschäften per iPhone und Apple Watch begleichen, in Deutschland noch nicht.

Ausnutzen kann man das derzeit kaum. Selbst Apps, die bereits an den größeren Bildschirm angepasst worden sind, so wie die Anatomie-App C. Anatomy, laufen auf dem neuen iPad vollkommen flüssig. Grafisch aufwendige Spiele-Apps wie "Real Racing 3" haben ebenfalls keine Probleme.

Die bereits für das neue Gerät optimierte Version der Videoschnitt-App iMovie hat keine Mühe damit, zwei Full-HD-Videostreams parallel ablaufen zu lassen. iMovie ist auch ein schönes Beispiel dafür, wie sich die größere Bildschirmfläche und die hohe Auflösung gut nutzen lassen. Zu hoffen ist nur, dass viele App-Hersteller diesem Beispiel folgen werden.

Im Übrigen lässt sich der Platz durch die iOS-9-Funktionen Slide Over und Split View gut ausnutzen, weil sie es ermöglichen, zwei Apps nebeneinander auszuführen.

Fazit

Das iPad Pro ist ein typisches iPad, nur größer und schneller. Auf die Akkulaufzeit hat das keine Auswirkungen, im Test hielt das Gerät locker zehn Stunden durch. Das Aufladen dauerte danach allerdings auch stattliche fünf Stunden.

Die iPad-Familie: Mehr Pixel für das iPad Pro
Matthias Kremp

Die iPad-Familie: Mehr Pixel für das iPad Pro

Unhandlich ist das iPad Pro nicht, aber doch relativ schwer. Verglichen mit einem Notebook ist das Gerät trotzdem ein Leichtgewicht. Genau aus diesem Grund dürfte es attraktiv sein, das iPad Pro anstelle eines Laptops zu benutzen. Ein Ersatz für einen PC ist das Gerät deshalb nicht. Zu sehr unterscheiden sich die Möglichkeiten eines Desktop-Betriebssystems von denen von iOS.

Vielen Anwendern dürften die Tablet-Fähigkeiten aber reichen - vorausgesetzt, der Preis schreckt sie nicht ab. Mit 32 GB Speicher und WLAN kostet das günstigste iPad Pro 899 Euro, 210 Euro mehr als ein entsprechendes iPad Air 2. Für die Variante mit 128 GB verlangt Apple 1079 Euro, fürs LTE-Modell sogar 1229 Euro.

Vorteile und Nachteile

Sehr guter Bildschirm

Sehr leistungsfähiger Prozessor

Umfangreiche Nutzungsmöglichkeiten

Großes Angebot an Apps und Zubehör

Hoher Preis

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insgesamt 95 Beiträge
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Seite 1
sting111 11.11.2015
1. Vor- und Nachteile decken sich nicht mit dem Text.
Fazit: Ersetzt keinen PC hat aber dufte Apps. IOS ist ein Nachteil.
Mistergarsh 11.11.2015
2.
Und wie immer, wenn ein Apple-Artikel auf SPON erscheint (oder auch sonstwo), das Bashing darf beginnen! Also los, haut euch die Köpfe ein, ich guck amüsiert zu.
Antoni 11.11.2015
3. Bild?
Danke für den informativen Artikel, aber hätte man kein anderes Titelbild nehmen können? Herr Kremps Doppelkinn bietet keinerlei Mehrwert im Bezug auf die Größe oder Ästhetik des iPads!
huettenfreak 11.11.2015
4. Krasses Teil
Einfach riesig das Ding! Kann man damit auch telefonieren? Sieht bestimmt komisch aus wenn man es sich ans Ohr hält. Dagegen ist mein BlackBerry Passport ein Winzling;-)
SpiDe1500 11.11.2015
5. Das Ding...
...richtet sich wie das SP von MS an Studenten, und Leute, die das Pad mit in Meetings nehmen wollen für Notizen. Vllt noch an ein paar Künstler. MS hat mit dieser Marktausrichtung vorgelegt, Apple zieht nun nach. Da iOS aber sehr beschränkt ist, zweifle ich am Erfolg.
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