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iPhone 6s und iPhone 6s Plus im Test: Daumendrücken macht Spaß

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SPIEGEL ONLINE

Äußerlich kaum verändert, sind die iPhones 6s und 6s Plus technisch fast in jeder Hinsicht schneller geworden - aber das merkt man kaum. Dass die beiden jetzt auf Druck reagieren, dafür umso mehr.

Ausgerechnet pink! Na ja, meiner Tochter gefällt die Farbe meines iPhone-6s-Testgeräts. Apple nennt das Roségold. Ich greife lieber zum iPhone 6s Plus, das ich in dezentem Space-Grau zum Testen bekommen habe. Beide sind die Nachfolger der 2014 eingeführten iPhones, sehen, bis auf das Roségold, genauso aus wie ihre Vorgänger. Die Technik allerdings wurde komplett überarbeitet.

Apple betont immer wieder, um wie viel schneller die neuen Modelle geworden sind. Der A9-Prozessor beispielsweise sei 70 Prozent fixer als der A8 in den Vorgängern. Benchmark-Apps bestätigen diese Angaben weitestgehend. Im Alltag macht das aber kaum einen Unterschied. Schon das iPhone 6 ist so schnell, dass es mit keiner aktuellen App Probleme hat. Das 6s ist jetzt halt noch etwas schneller.

Vorerst heißt das nur: Der neue Prozessor hat mehr Zeit, sich zu langweilen. Derzeit bringen jedenfalls nicht einmal grafisch anspruchsvolle Spiele wie "Real Racing 3" oder "Infinity Blade 3" das Gerät zum Keuchen. Als ich es zehn Minuten lang 4K-Video aufzeichnen ließ, erwärmte sich das Gehäuse des iPhone 6s Plus oberhalb des Prozessors gerade mal auf 38 Grad Celsius, von aufsteigender Hitze keine Spur.

Zum Durchklicken: Die neuen iPhones im Test

Die Unterschiede sind kaum zu erkennen. Von links nach rechts liegen hier iPhone 6s, iPhone 6, iPhone 6s Plus und iPhone 6 Plus nebeneinander.

Die neue Farbvariante Roségold sticht allerdings deutlich hervor.

Ob Apple Probleme hat, das pinkfarbene Modell herzustellen oder ob die Nachfrage danach einfach sehr hoch ist, lässt sich nicht sagen. Aber während die anderen Modelle im Vorverkauf bequem zum Erstverkaufstag, dem 25. September, bestellbar sind, werden für diese Variante bereits wochenlange Wartezeiten in Aussicht gestellt.

Das Pinkmetallic wurde bei dem neuen Modell konsequent auf alle sichtbaren Teile übertragen.

Auch die neuen iPhones benötigen wieder eine Nano-Sim-Karte, die in eine kleine Schublade eingelegt werden muss.

Einen USB-C-Anschluss, wie man ihn mittlerweile bei einigen aktuellen Android-Smartphones findet, baut Apple nicht ein. Stattdessen setzt das Unternehmen weiter auf seinen Lightning-Connector.

In den Homebutton ist wieder ein Fingerabdrucksensor eingebaut. Gegenüber dem Vormodell soll er doppelt so schnell sein. Im Alltag ließ sich kaum ein Unterschied feststellen.

Die Auflösung der Bildschirme ist so hoch, dass sich mit bloßem Auge keine Pixel erkennen lassen. Hier haben wir mit siebenfacher Vergrößerung eine Nahaufnahme des Displays eines iPhones 6s gemacht, um die Bildpunkte sichtbar zu machen.

Die Selfiekamera hat ein signifikantes Update bekommen, zeichnet jetzt 5 Megapixel auf. Zuvor waren es 1,2. Der Bildschirm dient ihr als Blitzersatz.

Auch die Hauptkamera der neuen iPhones wurde aufgewertet, nimmt zwölf statt bisher acht Megapixel auf und kann jetzt auch 4K-Videos filmen. Im iPhone 6s Plus wird das Linsensystem durch einen optischen Bildstabilisator unterstützt.

Die am deutlichsten spürbare Neuerung der iPhones 6s und 6s Plus ist die Funktion 3D Touch.

Drückt man etwas kräftiger auf App-Symbole, lassen sich per 3D Touch Menüs ausklappen, über die man auf einige Funktionen der App sofort zugreifen kann.

Welche Funktionen per 3D Touch nutzbar sind, entscheidet der Entwickler, selbst auswählen kann man nicht.

Auch in Apps selbst lässt sich 3D Touch nutzen. Hier beispielsweise wird der Inhalt einer Playlist angezeigt, nachdem diese per 3D Touch ausgewählt wurde.

Auch im Adressbuch und der Telefon-App ist 3D Touch nützlich. Drückt man auf den Namen einer Person, wird angezeigt, über welche Kommunkationswege man diese Person erreichen kann.

Ein Druck auf die Fotos-App fördert diese Menü hervor, über das man unter anderem die neuesten Aufnahmen und Bilder anzeigen lassen kann, die man vor einem Jahr aufgenommen hat.

Die E-Mail-App von iOS 9 ist ein gutes Beispiel für die Möglichkeiten von 3D Touch. Drückt man auf eine Mail, wird eine Vorschau von deren Inhalt angezeigt.

Schiebt man die E-Mail nach links, lässt sie sich sofort löschen. Ein Wisch nach rechts markiert sie als gelesen.

Schiebt man die Nachricht nach oben, werden verschiedene Optionen angezeigt, etwa, um sie zu beantworten oder weiterzuleiten.

Wer mit 3D Touch nicht zurechtkommt, sollte einen Blick in die Einstellungen-App werfen. Dort gibt es unter Allgemein/Bedienungshilfen die Möglichkeit einzustellen, wie sensibel der Bildschirm auf den Druck der Finger reagieren soll.

Angenehm bemerkbar machen sich im Alltag dagegen die höheren Datenübertragungsraten, die in LTE-Netzen und per Gigabit-WLAN erreichbar sind. Aber darauf, diese genießen zu können, sollte man sich nicht verlassen. Richtig schnelles WLAN bekommt man nur in der Nähe eines entsprechenden WLAN-Routers. Um die volle LTE-Leistung nutzen zu können, muss das Mobilfunknetz dafür ausgebaut sein, und man braucht einen Mobilfunkvertrag, der schnelles LTE enthält. Meist ist dafür ein Aufpreis fällig.

Mehr-Pixel-Kameras

Mit zwölf Megapixeln bietet die Rückkamera der 6s-iPhones eine deutlich höhere Auflösung als die des Vorgängermodells, das nur acht Megapixel aufzeichnete. Bei unseren Vergleichsfotos zeigen sich die Unterschiede in der Detailtiefe. Die neue Kamera bildet feine Strukturen merklich genauer ab. Vor allem aber wirken Farben noch realistischer als zuvor.

Noch deutlicher sind die Neuerungen bei der zum Anwender gerichteten 5-Megapixel-Selfie-Kamera. Gegenüber der 1,2-Megapixel-Knipse im iPhone 6 ermöglicht die neue Kamera viel bessere Selbstporträts. Insbesondere, wenn wenig Licht vorhanden ist und der Bildschirm als Blitzlichtersatz kurz hell aufleuchtet. Da hierbei die Farbe des Bildschirms an das Umgebungslicht angepasst wird, kommen mit dieser Methode sehr natürliche Hauttöne zustande.

Technische Daten
Hersteller Apple Apple
Modell iPhone 6s iPhone 6s Plus
Maße (Millimeter) 138 x 67 x 7,1 158 x 78 x 7,3
Gewicht (Gramm) 143 192
Sprechzeit Bis zu 14 Stunden Bis zu 24 Stunden
Standby Bis zu 10 Tage Bis zu 16 Tage
Display-Diagonale 4,7 Zoll 5,5 Zoll
Display-Auflösung 1334 x 750 1920 x 1080
Prozessor 1,8 GHz Dualcore 1,8 GHz Dualcore
Arbeitsspeicher 2 GB 2 GB
Massenspeicher 16/64/128 GB 16/64/128 GB
Speichererweiterung Nein Nein
Kamera (hinten/vorne) 12 Mpx / 5 Mpx 12 Mpx / 5 Mpx
Mobilfunktechnik UMTS, HSPA+, LTE UMTS, HSPA+, LTE
W-Lan 802.11 a/b/g/n/ac 802.11 a/b/g/n/ac
Bluetooth 4.2 4.2
Betriebssystem iOS 9 iOS 9
Besonderheiten NFC, Fingerabdrucksensor NFC, Fingerabdrucksensor, optischer Bildstabilisator
Preis (Euro) 739/849/959 849/959/1069
Alle Daten sind Herstellerangaben
Mit beiden Kameras kann man übrigens sogenannte Live Photos aufnehmen. Das sind Aufnahmen, bei denen zusätzlich zum Standbild noch die Augenblicke vor und nach der Aufnahme als eine Art Kurzvideo in der Bilddatei gespeichert werden. Diese Clips werden nur auf Wunsch sichtbar und laufen vorläufig nur auf Apple-Geräten. Eine Facebook-Anpassung ist geplant. Vor allem aber gilt: Damit solche Aufnahmen gut werden, muss man sich angewöhnen, die Kamera nach dem Auslösen noch ein paar Sekunden aufs Motiv zu richten.

Dass es jetzt die Möglichkeit gibt, 4K-Videos zu drehen, also Filmchen mit bis zu vierfacher Full-HD-Auflösung, ist vorerst ein netter Gimmick. Wer hat schon einen zu dieser Auflösung passenden Fernseher zu Hause? Viel sinnvoller ist, dass es für Zeitrafferaufnahmen jetzt eine Bildstabilisierung gibt. So kann man solche Filme jetzt auch aus der Hand aufnehmen, ohne dass sie später für den Zuschauer anstrengende Wackelbilder zeigen. Vorgemacht hatten das schon Apps wie Hyperlapse.

Schön druckempfindlich

Die mit Abstand wichtigste und nützlichste Neuerung in den neuen iPhones ist 3D Touch. Gemeint ist damit, dass die Bildschirme von iPhone 6s und 6s Plus jetzt messen können, wie stark man mit den Fingern auf sie drückt. Fast könnte man das mit der rechten Maustaste vergleichen: Wenn man etwas stärker auf das Symbol einer App drückt, öffnet sich ein Menü, über das man bestimmte Funktionen aufrufen kann, ohne die App vorher zu öffnen.

Fotostrecke

16  Bilder
Neuerungen in iOS 9: Das erwartet Sie im iPhone-Update

3D Touch funktioniert auch in Apps. Im E-Mail-Client beispielsweise wird bei leichtem Druck eine Vorschau der Nachricht angezeigt, die man ausgewählt hat. Indem man die Nachricht nach links, rechts oder oben verschiebt, kann man sie beispielsweise löschen oder weiterleiten. Scheint der Inhalt interessant, drückt man etwas stärker, und die Nachricht wird ganz geöffnet.

Das funktioniert auf ähnliche Weise auch in anderen Apps. Vorerst allerdings nur in jenen von Apple. Entwickler können die Technik jedoch frei nutzen und in ihre Apps einbauen. Dropbox beispielsweise hat bereits ein entsprechendes Update angekündigt.

Fazit

Die iPhones 6s und 6s Plus sind gelungene Upgrades. Dass der Prozessor schneller ist, ist nett, die Verbesserungen an den Kameras sehr schön. Aber das eigentliche Argument für die neuen Modelle ist 3D Touch. Diese Technologie macht nicht nur Spaß, sie kann Zeit sparen, Dinge vereinfachen. Richtig spannend wird es zu sehen, was App-Entwickler damit anfangen werden.

Wie in den Jahren zuvor, sind die iPhones mit dem "s" im Namen also deutlich aufgewertete Versionen ihrer Vorgänger. Leider sind sie in diesem Jahr auch teurer geworden. Aufgrund des schwachen Euro kosten sie je nach Modell und Speicherbestückung zwischen 40 und 70 Euro mehr.

Vorteile und Nachteile

Nütziche Funktion 3D Touch

Sehr gute Kameras

Sehr hohe Leistung

Gute Ausdauer

Gelungenes Design

Teuer

Speicher nicht erweiterbar

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Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 156 Beiträge
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1. Kontextmenü
master-of-davinci 22.09.2015
Lieber Hr. Kremp, erklären Sie doch bitte dem Unwissenden, wo da jetzt der Riesenspass darin liegt ein Kontextmenü durch "festes" drücken aufzurufen, anstelle des "gedrückt haltens"?
2.
Bobby Shaftoe 22.09.2015
Angesichts des vielen Leids, das direkt vor unserer Haustür geschieht, wirken Handy-News inzwischen wie eine Farce.
3.
chk23 22.09.2015
Zitat von master-of-davinciLieber Hr. Kremp, erklären Sie doch bitte dem Unwissenden, wo da jetzt der Riesenspass darin liegt ein Kontextmenü durch "festes" drücken aufzurufen, anstelle des "gedrückt haltens"?
Vermutlich weil das zwei unterschiedliche Dinge sind, die beim neuen iPhone BEIDE zum Einsatz kommen? leicht drücken (und halten) -> Kontextmenü öffnen fest drücken -> Standard-Aktion ausführen (zB EMail öffnen). Ich denke, durch diese zusätzliche Ebene lässt sich die Bedienung durchaus in einigen Anwendungen noch vereinfachen, bzw. um zusätzliche Funktionen erweitern, ohne dabei in der Bedienung komplizierter oder schwieriger zu werdeb.
4. @master-of-davinci
Dr. Frankenstein 22.09.2015
Zwar beschreibt Hr. Kremp ein typisches Kontextmenü, allerdings dient das wohl nur als Beispiel. 3D Touch erkennt verschiedene Drucktiefen - zurzeit können (glaube ich) 3 Tiefen per API ausgelesen werden - inklusive der Kombination des "gedrückt haltens" ergeben sich viel mehr Möglichkeiten für die UX. Cool ist halt wie einfach es Apple immer wieder schafft, Technik für alle Altersgruppen nutzbar zu machen. Ich wette Samsung abreitet schon an einem "3D Touch" Nachbau.
5. @master-of-davinci
zeichenkette 22.09.2015
Bei "lange drücken" muss man jedesmal warten, bis ein Menü aufgeht und dann nochmal auf einen Menüpunkt tippen. Bei "fester drücken" ruft man sofort eine andere Funktion auf, das geht genau so schnell wie einfach antippen. Bei regelmäßiger Benutzung macht das einen Riesenunterschied, weil das eben keine umständliche, mit Wartezeit verbundene Aktion zweiter Wahl mehr ist.
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