Produktpiraterie Chinesische Fabrik fälschte 41.000 iPhones

Die Pekinger Polizei ist auf eine Fabrik gestoßen, in der monatelang iPhones nachgebaut wurden. Es ist nicht das erste Mal: Schon vor vier Jahren flogen in China mehrere falsche Apple-Stores auf.

iPhone-6-Geräte, hier im Original: Für Fälscher ist es attraktiv, die vergleichsweise teuren Apple-Smartphones nachzubauen
Matthias Kremp

iPhone-6-Geräte, hier im Original: Für Fälscher ist es attraktiv, die vergleichsweise teuren Apple-Smartphones nachzubauen


Die Pekinger Polizei hat eine Fabrik enttarnt, in der in großem Umfang iPhones gefälscht wurden. Die Fabrik soll 41.000 Geräte im Wert von umgerechnet über 17 Millionen Euro produziert haben, heißt es in einem Social-Media-Posting des Pekinger Amts für öffentliche Sicherheit.

Dem Amt zufolge waren "Hunderte" Arbeiter angeheuert worden, um gebrauchte Smartphone-Komponenten so zusammenzusetzen, dass die Geräte als iPhones verkauft werden können. Apple zählt auch in China zu den populärsten Marken.

Als verantwortlich für die Fabrik hat die Polizei ein Ehepaar ausgemacht. Der 43-jährige Mann und seine 40-jährige Frau sollen die Fabrik mit sechs Montagebändern im Januar eröffnet und unter dem Deckmantel eines Wartungsgeschäfts betrieben haben.

Bei der Polizeirazzia in der Fabrik wurden insgesamt neun Personen festgenommen. Die Operation, bei der auch 1400 Handys und zahlreiche Accessoires beschlagnahmt wurden, fand offenbar bereits Mitte Mai statt, wurde aber erst jetzt öffentlich.

Es gab schon gefälschte Apple-Stores

Die chinesischen Behörden gehen seit einigen Jahren verstärkt gegen Produktfälschungen vor. Ziel ist es, Bedenken aus dem Ausland auszuräumen, China würde zahlreiche Fake-Produkte in Umlauf bringen. Chinesische Unternehmen werden dazu aufgefordert, ihre Marken schützen zu lassen und sich Patente zu sichern.

Im Jahr 2011 hatten chinesische Blogger allein in der Stadt Kunming 22 Smartphone-Geschäfte entdeckt und dokumentiert, die sich als Apple-Stores ausgaben. Die Bilder der Fake-Stores tauchten seinerzeit weltweit in den Medien auf.

Fotostrecke

10  Bilder
iKopie: Angeblich falscher Apple-Store in China
Sofort schließen mussten die Geschäfte damals nicht. Die Behörde für Wirtschaft und Handel in der Hauptstadt der Provinz Yunnan erklärte aber, man habe den Läden die Nutzung des Apple-Logos verboten. Das habe die chinesische Niederlassung von Apple verlangt - wegen unerlaubter Nutzung von eingetragenen Warenzeichen und Wettbewerbsverzerrung.

Auf die Fake-iPhone-Fabrik ist die Polizei durch einen Hinweis von US-Behörden aufmerksam geworden. Die Amerikaner hatten zuvor in der Fabrik produzierte Geräte beschlagnahmt, heißt es. Wohin die chinesischen Geräte geliefert wurden und wie viele am Zielort tatsächlich auf den Markt kamen, ist ungewiss.

Der Nachrichtenagentur Reuters sagte ein chinesischer Behördensprecher, von der Pressemitteilung abgesehen habe man keine weiteren Details mitzuteilen. Auch Apple lehnte ab, das Thema zu kommentieren, weil die Untersuchung noch nicht abgeschlossen sei.

Apple-Chef Tim Cook hatte kürzlich gesagt, er erwarte, dass China langfristig der größte Markt für sein Unternehmen wird.

mbö/Reuters



insgesamt 37 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
chjuma 28.07.2015
1. in China
ist das halt möglich...;-)
Mr Bounz 28.07.2015
2. HaHa sehr witzig
Das klingt ja richtig witzig. I-phones aus Altteilen, ist wirklich stark. Tim wird sauer sein, denn das Unternehmen hat sicher ein höhere Gewinnspanne als Apple.
maxmaxweber 28.07.2015
3. Technisch wahrscheinlich gleichwertig
Da die Produktionskosten für ein iPhone nur einen Bruchteil der Verkaufskosten betragen, wird die Fälschung wahrscheinlich technisch genau so gut sein wie das Original. Schließlich zahlt man bei Apple Produkten nicht für den Gebrauchswert, sondern für das aufgedruckte Markenzeichen.
Alfred 28.07.2015
4. Die perfekte Nachahmung des Meisters ist eine Ehre
mit gebrauchten Smartphone-Komponenten produziert man in kurzer Zeit keine 41 000 Geraete, zumal schon einige ausgeliefert gewesen sein duerften, wenn US Behoerden dahinter kommen.
SkeptischerLeser 28.07.2015
5.
"Da die Produktionskosten für ein iPhone nur einen Bruchteil der Verkaufskosten betragen, wird die Fälschung wahrscheinlich technisch genau so gut sein wie das Original. " Das ist wirklich ein grotesker Unsinn. Das Apple nur Qualitätsteile verbaut ist doch bekannt. Die Kopierer haben nicht nur keinen Zugang zu z.B. den hochwertigen LCDs, sie hätten auch kein Interesse daran so eine $100 LCD zuverbauen. Da ist nur billige G'lump drinnen. Die China-Handys die Apple Konkurrenz machen kosten auch schnell über EUR 300
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.