Apples Jubiläums-Handy Der erste Tag mit dem iPhone X

Im iPhone X sieht Apple angeblich seine Zukunft. Unser Testgerät liefert erste Eindrücke vom Edel-Handy: großer Bildschirm, keine Home-Taste - dafür gibt es eine Gesichtserkennung.

Matthias Kremp

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Knapp sechs Wochen nach den iPhones 8 und 8 Plus geht am kommenden Freitag Apples Jubiläumsmodell, das iPhone X, an den Start. Bestellungen nimmt der Konzern seit vergangener Woche an. Wer jetzt ein Gerät ordert, muss mit fünf bis sechs Wochen Lieferzeit rechnen. Ob das an einer enormen Nachfrage liegt oder doch eher an Produktionsproblemen, wie manche Analysten immer wieder vermuten, lässt sich nicht abschließend klären. Mein Testgerät jedenfalls kam ungewöhnlich spät, erst einen Tag vor dem Ende der Sperrfrist am Dienstagvormittag. Ab diesem Termin darf die Presse über die Apple-Testgeräte schreiben.

Was sofort ins Auge sticht: Das iPhone X ist vergleichsweise klein. Zumindest, wenn man es neben ein iPhone 8 Plus legt. Dabei hat der Bildschirm eine größere Diagonale - 5,8 statt 5,5 Zoll - und eine höhere Auflösung - 2436 x 1125 Pixel statt 1920 x 1080. Was trotz dieser Zahlen den erstaunlichen Größenunterschied möglich macht, ist der fast randlose Bildschirm des iPhone X.

Wirklich randlos ist das neue Apple-Display aber nicht. Ein paar Millimeter Rand bleiben an allen vier Seiten übrig. Damit unterscheidet es sich beispielsweise von Samsungs Galaxy Note 8, dessen Bildschirm tatsächlich ein Stück weit um den Rand herum reicht. Dennoch reicht auch die Bauweise des iPhone X aus, das Gehäuse insgesamt deutlich kleiner zu machen als bei anderen iPhones.

Weil der Bildschirm fast die gesamte Vorderseite einnimmt, bleibt vorne kein Platz mehr für eine Home-Taste. Damit fällt auch der Fingerabdruckscanner, Apple nennt ihn Touch ID, weg. Statt den nun in die Rückseite einzubauen, wie es beispielsweise LG, Google und Huawei tun, hat sich Apple zu einem radikalen Schritt entschlossen: Statt per Fingerabdruck identifiziert man sich am iPhone X per Gesichtserkennung. Apple nennt die neue Technik Face ID.

Anders als die Konkurrenz nutzt Apples System kein zweidimensionales Foto des Nutzers und vergleicht es mit einem zuvor gespeicherten Referenzbild. Diese Methode, die bei manchen Android-Geräten verwendet wird, lässt sich leicht mit einem gedruckten Bild des Nutzers austricksen.

30.000 Punkte im Gesicht

Apples Face ID legt stattdessen zusätzlich zu einer Infrarotaufnahme des Nutzers eine Art Höhenkarte seines Gesichts an, erzeugt aus 30.000 Datenpunkten. Die so gewonnenen Daten werden wiederum in ein mathematisches Modell umgewandelt und in einem besonders geschützten Bereich auf dem Handy gespeichert. Ins Internet wird dabei nichts übertragen. Face ID funktioniert auch offline, wie ich ausprobiert habe.

Wer Apples Gesichtserkennung trotzdem nicht benutzen will, kann sie auch abschalten. Dann muss man das Handy eben immer durch Eingabe eines Tastencodes entsperren.

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Für iPhone, iPad und iPod touch: Die wichtigsten Neuerungen von iOS 11

Abzuwarten bleibt noch, wie gut das System Apples Versprechen einlöst, sich an Veränderungen im Gesicht des Nutzers anzupassen. Dass es mich sowohl mit als auch ohne Lesebrille erkennt, war noch keine Kunst. In den kommenden Tagen werde ich versuchen, es mit Sonnenbrillen, Mützen, Schals und Kapuzen aufs Glatteis zu führen und mit verschiedenen Lichtsituationen zu verwirren.

In den ersten Stunden jedenfalls funktionierten Face ID bei mir problemlos, erkannte mich immer sofort und entsperrte mein Testgerät ebenso schnell wie ein Fingerabdruckscanner.

Wischen statt drücken

Der Wegfall der Home-Taste bedeutet aber auch, dass man sich bei der Bedienung des iPhones umgewöhnen muss. Als Ersatz hat Apple einige neue Gesten eingeführt. Die werden dem Anwender bei der Erstinstallation des iPhone X auch auf einer Reihe von Schautafeln erklärt. Wer, wie ich, solche Erklärungen bei einem neuen Gadget erstmal überspringt, um zum Homescreen zu gelangen, hat davon freilich wenig. Gut also, dass man sich die Gesten auch auf dieser Apple-Seite nochmal vorführen lassen kann.

Ich hatte erwartet, die Gewöhnung an die neuen Gesten würde mich zumindest mehrere Tage, wenn nicht Wochen kosten. Immerhin bin ich seit zehn Jahren an eine Home-Taste gewöhnt. Zum meinem Erstaunen dauerte es dann aber tatsächlich nur wenige Minuten, bis ich die Gesten verinnerlicht hatte. Ein Highlight ist dabei eindeutig die Möglichkeit, durch einen Wisch am unteren Bildschirmrand von App zu App zu wechseln.

Gemeinsamkeiten

Ansonsten teilt das iPhone X seine Technik zu großen Teilen mit dem iPhone 8 Plus. Es hat denselben A11-Bionic-Prozessor, kann kabellos aufgeladen werden und wird wahlweise mit 64 oder 256 GB Speicher geliefert. Auch gegen Staub und Spritzwasser sind beide gleichermaßen geschützt, können also auch mal im Regen benutzt werden, ohne kaputt zu gehen. Und auch was die Ausstattung mit Mobilfunktechnik, Bluetooth und WLAN angeht, sind sie identisch.

Feine Unterschiede gibt es bei den Kameras. Zwar haben beide Top-iPhones 12-Megapixel-Kameras eingebaut, aber während das Teleobjektiv des iPhone 8 Plus eine Blende f/2,8 hat, liegt dieser Wert beim Tele des iPhone X bei f/2,4. Zudem haben die Kameras des iPhone X eine aufwendigere optische Bildstabilisierung.

Welchen Unterschied das in der Praxis macht, werde ich in den kommenden Tagen testen, ebenso wie die Akkulaufzeit. Apple gibt an, der Akku hält beim iPhone X "bis zu 2 Stunden länger als beim iPhone 7". Damit würde das iPhone X dennoch in einigen Disziplinen weniger lange durchhalten als das iPhone 8 Plus.

Aber: Das und all die anderen feinen Unterschiede auszuprobieren und zu überprüfen, braucht mehr Zeit. Mein Testgerät wurde vor einem Tag erst an mich übergeben. Das ist noch nicht ausreichend, um einen umfassenden Test durchzuführen. In ein paar Tagen melde ich mich mit einem vollständigen Test zum iPhone X zurück.

VIDEO: iPhone 8 und 8 Plus im Test

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insgesamt 129 Beiträge
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Klangstof 31.10.2017
1. Für 1.349 Euro
gehe ich lieber ins Kino, gönne mir gutes Essen, mache einen Kurztrip. Ehrlich, es gibt Menschen, die alle 2 Jahre Riesenschotter auf den Tisch legen, nur um das neuste Ding, den "hottest shit" zu haben!? Habe ich nie verstanden. Dieser überbordende Materialismus und Status-Fetisch nimmt ungesunde Formen an. Aber bitte, kauft es Euch - auf einem Megascreen macht SPON lesen sicher auch mehr Spaß:)
SvenPeters 31.10.2017
2. bis 1.319 Euro?
zu Apple Produkten mag man stehen wie man will aber bis zu 1.319 Euro für ein Smartphone egal welcher Marke? Da scheint wohl jemand zu glauben dass man für einen angebissenen Apfel alles verlangen kann. Technisch neues, sinnvoll und Brauchbares für den realen Nutzer bietet das X-phone wohl nicht. Man kann die Auflösung immer weiter heraufschrauben aber wo ist der Unterschied für das menschliche Auge nicht mehr wahrnehmbar? Ein normaler Nutzer nutzt whatsapp, surft manchmal, macht ein paar Schnappschüsse und soll sogar auch mal telefonieren - das war es. Wo ist der reale Mehrwert bei 1.319 Euro?
goldbachtal 31.10.2017
3. Jedem Tierchen sein Pläsierchen...
Wer sein Geld dafür opfert... OK. Mich schreckt nicht nur der Preis ab, sondern schon alleine diese "Apfel-Kachel-Neumode-Sch...". Positiv finde ich allerdings die Qualität der Kamera, um auch was positives einzuwerfen.
spon-facebook-10000015195 31.10.2017
4. Grenze überschritten
Ich bin seit Jahren wirklich immer mit Apple Geräten durch die Welt gegangen, aber mit dem Preis von über 1.000 € für ein Smartphone, was in 2 Jahren nur noch teurer Elektronikschrott ist, hat Apple für meinen Geschmack die Grenze überschritten. Auch wenn die Hardware und das Design neu ist, aber dieser Preis ist definitiv absolut überzogen für ein Smartphone, was vermutlich genauso verbugt ist, wie die iOS 11. Ich bin gespannt, wann die ersten Bugs und Fehlerbilder im Netz auftauchen. Apple hat leider den Fokus komplett verloren - Früher konnte man einfach sorglos jedes Update mitmachen oder einfach ein neues iPhone kaufen ohne sich Gedanken zu machen und das hat einfach funktioniert. Heute liest man teilweise von Fehlern bei den Geräten oder beim iOS, die sogar schon in den Beta-Versionen bekannt waren und einfach nicht behoben wurden.
mr.andersson 31.10.2017
5.
Zitat von SvenPeterszu Apple Produkten mag man stehen wie man will aber bis zu 1.319 Euro für ein Smartphone egal welcher Marke? Da scheint wohl jemand zu glauben dass man für einen angebissenen Apfel alles verlangen kann. Technisch neues, sinnvoll und Brauchbares für den realen Nutzer bietet das X-phone wohl nicht. Man kann die Auflösung immer weiter heraufschrauben aber wo ist der Unterschied für das menschliche Auge nicht mehr wahrnehmbar? Ein normaler Nutzer nutzt whatsapp, surft manchmal, macht ein paar Schnappschüsse und soll sogar auch mal telefonieren - das war es. Wo ist der reale Mehrwert bei 1.319 Euro?
Das ist ein High-end Gerät der Luxusklasse. Das kauft man sich nicht wegen dem zusätzlichen Nutzwert. Und das ist ja gerade das gute. Alles was Sie beschreiben, kann man mit einem sehr günstigen Gerät erledigen, kann sich also so gut wie jeder leisten. Oberhalb dessen was man im Regelfall als breite Masse so nutzt, beginnt dann das Luxussegment. Was ist der reale Mehrwert von einem Diamanten gegenüber einem Kunstdiamenten bei Schmuckstücken? Was ist der Mehrwert einer Breitling/Rolex gegenüber einer günstigen Uhr? Das sind Luxusgegenstände für diejenigen, die es sich leisten können. Schlimmer fand ich da die Autoindustrie, die die lebensrettenden Airbags erst nur in der Luxusklasse hatte. Da fehlten echte wichtige notwendigkeiten aus Kostengründen in der Mittelklasse und drunter. Hier reden wir von Luxus und der sei denjenigen gegönnt, die sich ihn leisten können und/oder wollen.
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