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Neues Apple-Handy

Das iPhone X im Test

Es erkennt seinen Besitzer am Gesicht, ist extrem schnell und extrem teuer: Das iPhone X stößt technisch und preislich in neue Bereiche vor. Und ist viel zu langsam beim Aufladen.

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Freitag, 03.11.2017   06:22 Uhr

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Mit dem iPhone X feiert Apple zehn Jahre iPhone und will gleichzeitig eine neue Ära einleiten. Der Konzern versucht, vieles anders zu machen. Nicht nur technisch und optisch. Testgeräte bekamen die meisten Pressevertreter erst am Montag dieser Woche, die Sperrfrist für Berichte endete kurz darauf am Dienstagvormittag.

Meine ersten Eindrücke waren überwiegend positiv und lassen sich hier nachlesen. Die Gesichtserkennung funktionierte auf Anhieb. Die neuen Gesten, die den fehlenden Home-Button ersetzen, waren schnell erlernt. Nach nunmehr drei Tagen intensiveren Tests zeigt sich, dass auch der Bildschirm die Erwartungen erfüllt.

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Erstmals setzt Apple hier auf die OLED-Technik. Der Kontrastumfang ist enorm, die Farbwiedergabe realistischer als bei vielen Konkurrenten. Mit 2436 x 1125 Pixeln auf 5,8 Zoll ist er zudem sehr scharf.

Vor allem aber hat Apple es geschafft, den Rahmen um den Bildschirm so schmal zu machen, dass das Gerät kaum größer ist als ein iPhone 8. Für mich ist das einer der großen Pluspunkte des iPhone X: Endlich ein iPhone mit XL-Display in einem handhabbaren Format.

Face ID funktioniert einfach

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Im Alltag ist die Gesichtserkennung, die Apple als Face ID bezeichnet, gut zu gebrauchen. Man muss sich nur erst daran gewöhnen, das Gerät wirklich vor sein Gesicht zu halten, um es zu entsperren. Während des Tests zeigten sich nur zwei limitierende Faktoren: Das Entsperr-System versagte schon bei einer Entfernung von etwa 60 Zentimetern Entfernung der Kamera zum Gesicht und bei sehr steilen Blickwinkeln.

Ansonsten aber ist es so schnell wie eine Fingerabdruckscanner, lässt sich weder von einem Foto noch von einem Video meines Gesichts täuschen. Nicht mal im Schlaf muss man Angst haben, dass ein Fremder das iPhone entsperrt, indem er es dem Schlafenden vors Gesicht hält: Hatte ich meine Augen geschlossen, verweigerte es den Entsperrversuch.

Mützen, Schals und auch die meisten Brillen hielten Face ID dagegen nicht davon ab, mich korrekt zu erkennen. Auch eine 3D-Brille aus einem Kino konnte das System nicht verwirren. Meine 20 Jahre alte Sonnenbrille mit polarisierten Gläsern hingegen machte mich für Face ID unidentifizierbar. Sowohl am Strand als auch beim Skilaufen müsste ich diese Brille also absetzen, um das Handy zu entsperren - oder meinen Pin-Code eingeben.

Eine Einschränkung ist, dass nur ein Gesicht für Face ID registriert werden kann. Wer beispielsweise Familienmitgliedern Zugriff auf das Handy geben will, muss seine PIN verraten.

Super-Selfies und Animojis

Verglichen mit der schon sehr guten Bildqualität des iPhone 8 Plus lässt sich bei der Rückkamera des iPhone X wenig Neues feststellen. Meine Testfotos sind durchweg gut geworden. Die etwas größere Blendenöffnung des Teleobjektivs - f/2,4 statt f/2,8 - machte kaum einen Unterschied. Die bessere Stabilisierung der Objektive, die von Magneten ruhig gehalten werden, macht sich vor allem bei Videodrehs positiv bemerkbar und ermöglicht bei wenig Licht bessere Schnappschüsse. Sie hilft, auch ohne Stativ brauchbare Zeitrafferaufnahmen zu machen.

Ein deutlicher spürbarer Fortschritt ist die Selfie-Kamera. Der Grund: Mit dem iPhone X kann man Selbstbildnisse im Porträtmodus machen. Dank eines sogenannten Bokeh-Effekts wird das Motiv scharf abgebildet, der Hintergrund verschwimmt in Unschärfe.

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Selfie am iPhone X

Außerdem ermöglicht die neue Kamera Apps eine viel genauere Vermessung des Gesichts. So lassen sich beispielsweise virtuelle Masken in Echtzeit auf das Gesicht legen. Snapchat arbeitet an einer solchen Funktion. Wie das aussehen könnte, lässt sich auch mit der japanischen Selfie-App Pitu ausprobieren (siehe Fotostrecke).

Am meisten Spaß machen damit aber die Animojis. Das sind animierte Emojis, bei denen Mimik und Sprache des iPhone-Nutzers auf eine Comicfigur übertragen werden. So kann man einen Alien, einen Affen oder ein Einhorn für sich sprechen lassen. Bis zu zehn Sekunden lange Videos lassen sich damit aufnehmen und über Apples Nachrichten-App verschicken (siehe Video).

Zu langsam beim Aufladen

Die Ausdauer des Akkus war durchschnittlich. Bei der intensiven Nutzung im Test musste das Gerät nach gut acht Stunden an die Steckdose. Im Normalbetrieb reicht das wohl nur für einen Tag normaler Nutzung.

Um den Akku aufzuladen, muss man zudem Geduld mitbringen. Apple verspricht in seiner Werbung, der Akku könne binnen 30 Minuten bis auf 50 Prozent seiner Kapazität gefüllt werden. Die Schnellladefunktion funktioniert aber nur mit einem MacBook-Netzteil samt USB-C-auf-Lightning-Adapterkabel, eine Kombination, die bei Apple mindestens 88 Euro kostet.

Das mitgelieferte Mini-Netzteil schaffte es im Test dagegen gerade mal, den Akku innerhalb einer halben Stunde auf 22 Prozent aufzuladen. Mit der kabellosen Ladefunktion dauert es in etwa genauso lange. Für ein angekündigtes Update fürs schnellere schnurlose Aufladen gibt es noch keinen Termin.

Fazit

Mit dem iPhone X wird nach zehn Jahren vieles anders. Apple hat versucht, sein Smartphone neu zu erfinden. Vieles am Jubiläums-iPhone ist Apple gelungen. Der Bildschirm und die Kameras sind hervorragend, die neue Gesichtserkennung funktioniert meist problemlos. Leistung haben die neuen iPhones, auch die 8er-Modelle, sowieso im Überfluss. Sie sind zudem gegen Wasser geschützt und lassen sich kabellos aufladen.

Die Schnellladefunktion aber ist nur mit teurem Zubehör nutzbar. Das ist ärgerlich. Bei Preisen zwischen 1149 und 1319 Euro sollte ein Schnellladegerät mitgeliefert werden. Die Standards des iPhone X wird Apple auf seine künftigen Geräte übertragen, die Zeit der Fingerabdrucksensoren dürfte bei dem kalifornischen Konzern damit zu Ende gehen. Stattdessen dürfte eine Zeit neuer Luxuspreise beginnen. Es wird nicht lange dauern, bis die Konkurrenz versuchen wird, diesem Beispiel zu folgen.

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