Neues Apple-Handy Das iPhone X im Test

Es erkennt seinen Besitzer am Gesicht, ist extrem schnell und extrem teuer: Das iPhone X stößt technisch und preislich in neue Bereiche vor. Und ist viel zu langsam beim Aufladen.

SPIEGEL ONLINE

Von


Mit dem iPhone X feiert Apple zehn Jahre iPhone und will gleichzeitig eine neue Ära einleiten. Der Konzern versucht, vieles anders zu machen. Nicht nur technisch und optisch. Testgeräte bekamen die meisten Pressevertreter erst am Montag dieser Woche, die Sperrfrist für Berichte endete kurz darauf am Dienstagvormittag.

Meine ersten Eindrücke waren überwiegend positiv und lassen sich hier nachlesen. Die Gesichtserkennung funktionierte auf Anhieb. Die neuen Gesten, die den fehlenden Home-Button ersetzen, waren schnell erlernt. Nach nunmehr drei Tagen intensiveren Tests zeigt sich, dass auch der Bildschirm die Erwartungen erfüllt.

Erstmals setzt Apple hier auf die OLED-Technik. Der Kontrastumfang ist enorm, die Farbwiedergabe realistischer als bei vielen Konkurrenten. Mit 2436 x 1125 Pixeln auf 5,8 Zoll ist er zudem sehr scharf.

Fotostrecke

27  Bilder
Apple-Smartphone: Das kann das iPhone X

Vor allem aber hat Apple es geschafft, den Rahmen um den Bildschirm so schmal zu machen, dass das Gerät kaum größer ist als ein iPhone 8. Für mich ist das einer der großen Pluspunkte des iPhone X: Endlich ein iPhone mit XL-Display in einem handhabbaren Format.

Face ID funktioniert einfach

Im Alltag ist die Gesichtserkennung, die Apple als Face ID bezeichnet, gut zu gebrauchen. Man muss sich nur erst daran gewöhnen, das Gerät wirklich vor sein Gesicht zu halten, um es zu entsperren. Während des Tests zeigten sich nur zwei limitierende Faktoren: Das Entsperr-System versagte schon bei einer Entfernung von etwa 60 Zentimetern Entfernung der Kamera zum Gesicht und bei sehr steilen Blickwinkeln.

Ansonsten aber ist es so schnell wie eine Fingerabdruckscanner, lässt sich weder von einem Foto noch von einem Video meines Gesichts täuschen. Nicht mal im Schlaf muss man Angst haben, dass ein Fremder das iPhone entsperrt, indem er es dem Schlafenden vors Gesicht hält: Hatte ich meine Augen geschlossen, verweigerte es den Entsperrversuch.

Mützen, Schals und auch die meisten Brillen hielten Face ID dagegen nicht davon ab, mich korrekt zu erkennen. Auch eine 3D-Brille aus einem Kino konnte das System nicht verwirren. Meine 20 Jahre alte Sonnenbrille mit polarisierten Gläsern hingegen machte mich für Face ID unidentifizierbar. Sowohl am Strand als auch beim Skilaufen müsste ich diese Brille also absetzen, um das Handy zu entsperren - oder meinen Pin-Code eingeben.

Eine Einschränkung ist, dass nur ein Gesicht für Face ID registriert werden kann. Wer beispielsweise Familienmitgliedern Zugriff auf das Handy geben will, muss seine PIN verraten.

Super-Selfies und Animojis

Verglichen mit der schon sehr guten Bildqualität des iPhone 8 Plus lässt sich bei der Rückkamera des iPhone X wenig Neues feststellen. Meine Testfotos sind durchweg gut geworden. Die etwas größere Blendenöffnung des Teleobjektivs - f/2,4 statt f/2,8 - machte kaum einen Unterschied. Die bessere Stabilisierung der Objektive, die von Magneten ruhig gehalten werden, macht sich vor allem bei Videodrehs positiv bemerkbar und ermöglicht bei wenig Licht bessere Schnappschüsse. Sie hilft, auch ohne Stativ brauchbare Zeitrafferaufnahmen zu machen.

Fotostrecke

19  Bilder
Für iPhone, iPad und iPod touch: Die wichtigsten Neuerungen von iOS 11

Ein deutlicher spürbarer Fortschritt ist die Selfie-Kamera. Der Grund: Mit dem iPhone X kann man Selbstbildnisse im Porträtmodus machen. Dank eines sogenannten Bokeh-Effekts wird das Motiv scharf abgebildet, der Hintergrund verschwimmt in Unschärfe.

Selfie am iPhone X
SPIEGEL ONLINE

Selfie am iPhone X

Außerdem ermöglicht die neue Kamera Apps eine viel genauere Vermessung des Gesichts. So lassen sich beispielsweise virtuelle Masken in Echtzeit auf das Gesicht legen. Snapchat arbeitet an einer solchen Funktion. Wie das aussehen könnte, lässt sich auch mit der japanischen Selfie-App Pitu ausprobieren (siehe Fotostrecke).

Am meisten Spaß machen damit aber die Animojis. Das sind animierte Emojis, bei denen Mimik und Sprache des iPhone-Nutzers auf eine Comicfigur übertragen werden. So kann man einen Alien, einen Affen oder ein Einhorn für sich sprechen lassen. Bis zu zehn Sekunden lange Videos lassen sich damit aufnehmen und über Apples Nachrichten-App verschicken (siehe Video).

Zu langsam beim Aufladen

Die Ausdauer des Akkus war durchschnittlich. Bei der intensiven Nutzung im Test musste das Gerät nach gut acht Stunden an die Steckdose. Im Normalbetrieb reicht das wohl nur für einen Tag normaler Nutzung.

Um den Akku aufzuladen, muss man zudem Geduld mitbringen. Apple verspricht in seiner Werbung, der Akku könne binnen 30 Minuten bis auf 50 Prozent seiner Kapazität gefüllt werden. Die Schnellladefunktion funktioniert aber nur mit einem MacBook-Netzteil samt USB-C-auf-Lightning-Adapterkabel, eine Kombination, die bei Apple mindestens 88 Euro kostet.

Das mitgelieferte Mini-Netzteil schaffte es im Test dagegen gerade mal, den Akku innerhalb einer halben Stunde auf 22 Prozent aufzuladen. Mit der kabellosen Ladefunktion dauert es in etwa genauso lange. Für ein angekündigtes Update fürs schnellere schnurlose Aufladen gibt es noch keinen Termin.

Fazit

Vorteile und Nachteile

Sehr guter Bildschirm

Hervorragende Kameras

Stabile Gesichtserkennung

Extrem hohe Leistung

Drahtlose Ladefunktion

Wasser- und staubdicht

Teuer

Schnellladefunktion nur mit Zubehör nutzbar

Mit dem iPhone X wird nach zehn Jahren vieles anders. Apple hat versucht, sein Smartphone neu zu erfinden. Vieles am Jubiläums-iPhone ist Apple gelungen. Der Bildschirm und die Kameras sind hervorragend, die neue Gesichtserkennung funktioniert meist problemlos. Leistung haben die neuen iPhones, auch die 8er-Modelle, sowieso im Überfluss. Sie sind zudem gegen Wasser geschützt und lassen sich kabellos aufladen.

Die Schnellladefunktion aber ist nur mit teurem Zubehör nutzbar. Das ist ärgerlich. Bei Preisen zwischen 1149 und 1319 Euro sollte ein Schnellladegerät mitgeliefert werden. Die Standards des iPhone X wird Apple auf seine künftigen Geräte übertragen, die Zeit der Fingerabdrucksensoren dürfte bei dem kalifornischen Konzern damit zu Ende gehen. Stattdessen dürfte eine Zeit neuer Luxuspreise beginnen. Es wird nicht lange dauern, bis die Konkurrenz versuchen wird, diesem Beispiel zu folgen.

Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort
Über welche Produkte wird im Ressort Netzwelt berichtet?
Über welche Produkte wir in der Netzwelt berichten und welche wir testen oder nicht, entscheiden wir selbst. Für keinen der Testberichte bekommen wir Geld oder andere Gegenleistungen vom Hersteller. Es kann aus verschiedenen Gründen vorkommen, dass wir über Produkte nicht berichten, obwohl uns entsprechende Testprodukte vorliegen.
Woher kommen die Testprodukte?
Testgeräte und Rezensionsexemplare von Spielen bekommen wir in der Regel kostenlos für einen bestimmten Zeitraum vom Hersteller zur Verfügung gestellt, zum Teil auch vor der offiziellen Veröffentlichung. So können unsere Testberichte rechtzeitig oder zeitnah zur Veröffentlichung des Produkts erscheinen.

Vorabversionen oder Geräte aus Vorserienproduktionen testen wir nur in Sonderfällen. In der Regel warten wir ab, bis wir Testgeräte oder Spielversionen bekommen können, die mit den Verkaufsversionen identisch sind. In einigen Fällen kaufen wir Produkte auch auf eigene Kosten selbst, wenn sie bereits im Handel oder online verfügbar sind.
Dürfen die Netzwelt-Redakteure die Produkte behalten?
In der Regel werden Testgeräte nach dem Ende des Tests an die Hersteller zurückgeschickt. Die Ausnahme sind Rezensionsexemplare von Spielen und sogenannte Dauerleihgaben: So haben wir zum Beispiel Spielekonsolen und Smartphones in der Redaktion, die wir über längere Zeit nutzen dürfen. So können wir beispielsweise über Software-Updates, neues Zubehör und neue Spiele berichten oder Langzeiturteile fällen.
Lassen sich die Netzwelt-Redakteure von Firmen auf Reisen einladen?
Die Kosten für Reisen zu Veranstaltungen, egal ob sie in Deutschland oder im Ausland stattfinden, trägt SPIEGEL ONLINE stets selbst. Das gilt auch dann, wenn beispielsweise aufgrund kurzfristiger Termine ein Unternehmen die Reiseplanung übernimmt.

Veranstaltungen, zu denen wir auf eigene Kosten reisen, sind unter anderem die Messen Ifa, CES, E3 und Gamescom sowie Events von Firmen wie Apple, Google, Microsoft oder Nintendo. Auf Konferenzen wie dem Chaos Communication Congress oder der re:publica bekommen wir in der Regel, wie auch andere Pressevertreter, kostenlose Pressetickets, da wir über die Konferenz berichten und keine klassischen Teilnehmer sind.
Was hat es mit den Amazon-Anzeigen in manchen Artikeln auf sich?
Seit Dezember 2016 finden sich in einigen Netzwelt-Artikeln Amazon-Anzeigen, die sogenannte Partner-Links enthalten. Besucht ein Nutzer über einen solchen Link Amazon und kauft dort online ein, wird SPIEGEL ONLINE in Form einer Provision an den Umsätzen beteiligt. Die Anzeigen tauchen in Artikeln unabhängig davon auf, ob ein Produkttest positiv oder negativ ausfällt.


insgesamt 116 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
StonyBrook 03.11.2017
1. Grenznutzen
Es gibt wohl zur Zeit kein besseres Beispiel für den Effekt des abnehmenden Grenznutzens als den Kauf eines Handys. Der Mehrwert eines 1200?-Handys gegenüber einem für 600? ist für mich jedenfalls kaum noch zu erkennen.
igdalf 03.11.2017
2. Was gerechtfertigt den Preis?
Erkläre mir jemand diesen Hype um Apple? Ich lese hier die Vorteile: kabeloses Aufladen (gibt es schon lange bei anderen Herstellern). Kein Rahmen vorhanden (gab es auch schon bei anderen Herstellern. Facebook ID, welches nicht zu 100% funktioniert. Animojis? Dafür soll man 1300? zahlen? Langsam übertreibt Apple in der Preispolitik. Wahrscheinlich wird der Gewinn im Preis weiter angeschraubt, um zu sehen wo die Schmerzgrenze der Kunden ist. Für mich sieht Innovation anders aus. Ab dem Iphone 4 hat sich nicht viel getan bei Apple. Kopiert und wenig verändert. Für 1300? gehe ich lieber in den Urlaub, als ein Handy zu kaufen, welches in einem Jahr wieder out ist. Da das iPhone 11 raus kommt das 2000? kostet...Gute Reise
molkeboy 03.11.2017
3. Alter Wein in neuen Schläuchen.
Viele der im Artikel gepriesenen Funktionen sind bei anderen Herstellern auch zu haben. Bemerkenswert find ich, dass ein Smartphone für satte 1319 Euro nicht mit einem Schnelladenetzteil ausgeliefert wird. Ich verstehe schon, dass der durchschnittliche Applenutzer nicht dem Prekariat angehört, trotzdem sollte selbst der treuste Fan allmählich verstehen, dass ein IPhone eher ein Symbol für technische Unkenntnis und monetäre Naivität geworden ist.
mha1982 03.11.2017
4. Ea ist doch herrlich...
... dass inzwischen Massen von Leuten sich schon morgens um 5 vor den Apple Stores tummeln, damit sie dann sogar noch selbst ihre Gesichter inkl. deren Erkennungsdaten direkt in die Apple-Datenbanken einspielen dürfen... Gibt es 1984 eigentlich inzwischen auch als Ebook und kann ich das mit dem neuen IPhone X auch lesen?
rocketsquirrel 03.11.2017
5. Wer es mitmacht, gerne.
Ich habe nichts gegen Apple und halte deren Produkte auch für technisch gut, wenn auch nicht überragend. Bei der Preisgestaltung bin ich aber schon lange raus. Ich für meinen Teil kaufe gerne die Top Smartphones von LG, gerne die aus dem letzten Jahr. Die sind, falls nötig, für ein viertel des iPhone X Preises zu haben und jn Sachen Kamera, welche für mich wichtig ist, ebenbürtig. Ja, ich weiß, Updates sind für Android rar gesäht und das sollte Google wirklich besser in den Griff bekommen, nachdem ich aber mein vier Jahre altes (und von den technischen Daten her immer noch gutes!) 8.3 GPad auf LineageOS geflasht habe, ist zumindest dieser Punkt für mich obsolet. Und für die meisten Nutzer sowieso.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.