Apple MacBook Pro im Test So fühlt sich die neue Touch Bar an

Bei Apples neuen MacBooks gilt: Touch Bar statt Touchscreen. Der schmale Bildschirm oberhalb der Tastatur ersetzt Funktionstasten und Menüfunktionen. Wir haben ihn ausgiebig ausprobiert.

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Seit zwei Wochen habe ich die verschiedenen Varianten des neuen MacBook Pro jetzt im Einsatz. Eines ist mir dabei besonders positiv aufgefallen: der Fingerabdrucksensor, von Apple Touch ID genannt. Er macht es viel bequemer, sich am Notebook anzumelden. Statt ein Passwort einzugeben, legt man kurz einen Finger auf den Sensor, fertig.

Wer sich auch am Smartphone durch Fingerauflegen identifiziert, wird das zu schätzen wissen, auch wenn die Technik nicht gerade neu ist. Windows-Notebooks gibt es schon seit Jahren mit solchen Sensoren. Auch Einkäufe bei iTunes und im App Store kann ich damit autorisieren. Theoretisch wären auch Zahlungen per Apple Pay möglich, wenn es den Zahlungsdienst denn schon in Deutschland gäbe.

Angenehm fällt außerdem auf, dass Apples Pro-Notebooks rund 200 Gramm leichter sind als ihre Vorgänger. Das 13 Zoll große MacBook Pro wiegt jetzt nur noch 20 Gramm mehr als ein MacBook Air. Ein paar Millimeter dünner sind sie auch geworden. Dafür musste die Tastatur niedriger werden. Sie ähnelt jetzt der im 12-Zoll-MacBook. Anders als bei Apples kleinstem Notebook komme ich mit der neuen superflachen Tastatur gut klar.

Ein Bildschirmchen zum Anfassen

Aber eigentlich ist es natürlich der zweite Bildschirm, Touch Bar genannt, mit dem Apple die MacBook Pro zu etwas Besonderem machen will. Die Touch-Bar-Leiste liegt oberhalb der Tastatur, dort wo normalerweise die Funktionstasten sind. Und sie übernimmt auch ähnliche Aufgaben wie Funktionstasten. Nur eben nicht starr mit Bezeichnungen wie F1 bis F12, sondern dynamisch. Je nachdem, in welcher Software man gerade aktiv ist, zeigt die Touch Bar unterschiedliche Symbole und Bedienelemente an.

Die sehen ganz gut aus, denn der Touch-Bar-Bildschirm hat eine Auflösung von 2170 x 60 Pixeln. Das reicht, um Texte fast wie gedruckt und Grafik sehr detailliert aussehen zu lassen.

Im Textprogramm Pages werden beim Tippen immer drei Wortvorschläge angezeigt. Ist das gewünschte Wort dabei, holt man es sich durch ein Mal Tippen in den Text. In der Chat-App Nachrichten lassen sich zusätzlich Emojis auf der Touch Bar auswählen. Im Fotoprogramm Fotos stehen Bildfilter zur Auswahl. Einige der Möglichkeiten, was man mit der Touch Bar machen kann, zeigen wir im Video und in dieser Fotostrecke:

Im Grunde bedient man mit der Touch Bar also Dinge, die man sonst auf dem Bildschirm in Menüs suchen müsste. Doch hier erscheinen die verfügbaren Funktionen automatisch, man muss sie nicht erst suchen. Manches geht damit schneller als bisher, manches macht damit erst richtig Spaß. So wie etwa das Manipulieren von Klangeffekten in der Musik-App Garageband.

Oft genug hat mich die Touch Bar aber auch aus dem Tritt gebracht. Offenbar bin ich durch Smartphones und Tablets schon so sehr an Touchscreens gewöhnt, dass ich reflexhaft auf den MacBook-Bildschirm getippt habe, nachdem ich die Touch Bar benutzt hatte.

Ein Tag auf Akkustrom

Auch auf die Akkulaufzeit scheint sich die Touch Bar auszuwirken. Beim Abspielen eines HD-Videos in Dauerschleife bei voller Bildschirmhelligkeit schaltete sich das 13-Zoll-MacBook Pro mit Touch Bar nach fünf Stunden ab. Das Gerät ohne Touch Bar hielt eine halbe Stunde länger durch.

Erstaunlich auch: Im Alltagseinsatz mit E-Mail, Twitter, Facebook, YouTube und dem Schreiben von Texten hielten alle drei MacBook-Varianten viel länger durch, kamen locker auf acht und mehr Stunden.

Bei der Prozessorleistung ist hier keine deutlich Steigerung gegenüber den Apple-Notebooks des Modelljahres 2015 mess- oder spürbar. Testprogramme attestieren den 15-Zoll-Macbook Pro mit 2,7 GHz-Prozessor eine um nur zehn Prozent höhere Prozessorleistung als dem Vorjahresmodell. Es gibt allerdings gute Gründe, weshalb Apple nicht die neuesten Prozessoren einbaut.

Beeindruckender ist die Performance der SSDs. Einen Ordner mit 10,5 Gigabyte Daten duplizierten meine Testrechner in 8,5 Sekunden. Die Datenmenge entspricht etwa zwei DVDs.

Überall Adapter

Was auch manche hartgesottene Apple-Fans an den neuen MacBooks stört, sind die Anschlüsse. Apple tut hier etwas, was der Konzern alle paar Jahre tut und sich damit immer wieder Feinde macht: Er schneidet alte Zöpfe ab. Statt der altbekannten Buchsen findet man an den neuen MacBook Pro nur vier identische Anschlüsse vom Typ Thunderbolt 3.

Das hat erst mal technische Hintergründe: Die neuen Buchsen sind kleiner und flacher, gleichzeitig leistungsfähiger als die früher verwendeten USB- und HDMI-Buchsen. Außerdem passen hier auch USB-C-Stecker. Ansonsten aber sind sie zu nichts kompatibel.

MacBook Pro mit Adapterkabeln
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MacBook Pro mit Adapterkabeln

Das bedeutet: Es ist fast egal, was man ans neue MacBook Pro anschließen will, man braucht einen Adapter. Das kann ins Geld gehen, was viele Apple-Anwender so sehr erzürnt hat, dass Apple seine Adapterpreise bis Jahresende zum Teil drastisch reduziert hat. Läge im Karton ein kleiner Thunderbolt-auf-USB-Adapter, hätte sich Apple diesen Ärger sparen können.

Schöner schauen

Viel besser als die Displays der neuen MacBook Pro kann ein Notebook-Bildschirm derzeit nicht sein. Voll aufgedreht strahlen sie hell genug, dass man auch bei Sonnenlicht noch gut daran arbeiten kann. So hell jedenfalls, dass ich im Test maximal drei Viertel der Leistung benutzt habe. Alles andere hätte geblendet.

Apple wirbt außerdem damit, dass die Displays mehr Farben darstellen können als bisher. Überprüfen kann ich das nicht, habe aber die Erfahrung gemacht, dass Fotos und Videos je nach Motiv krass bunt oder auch düster-melancholisch wiedergegeben werden. Der Bildeindruck ist immer hervorragend, auch im Vergleich mit einem Vorgängermodell.

Fazit

Die neuen MacBook Pro zu bewerten, fällt nicht leicht. Sie sind tolle Notebooks, keine Frage. Schick und dünn und leicht, schnell genug für fast alles und mit tollen Displays bestückt. Aber sie sind auch teuer. 1700 Euro kostet das Einstiegsmodell mit 13 Zoll und herkömmlichen Funktionstasten. Wer die neue Touch Bar nutzen will, zahlt mindestens 300 Euro mehr. Bis zu 5000 Euro kostet die Top-Ausstattung.

Richtig auszahlen wird sich dieses Investition aber erst mit der Zeit, wenn neben Apples Apps auch die Programme anderer Hersteller die neue Touch-Bar-Technik nutzen. Ein Ersatz für einen Touchscreen ist die freilich nicht, sondern ein ganz neues Bedienkonzept. Dessen Erfolg hängt jetzt nicht nur von Apple ab, sondern maßgeblich von Softwareentwicklern, die ihre Programme so umbauen müssen, das sie den Mini-Touchscreen maximal ausnutzen.

Vorteile und Nachteile

Sehr guter Bildschirm

Hohe Leistung

Dünn und leicht

Hochwertige Verarbeitung

Sehr schnelle Thunderbolt-3-Anschlüsse

Ausschließlich Thunderbolt-3-Anschlüsse

Speicher nicht erweiterbar

Hoher Preis



insgesamt 52 Beiträge
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Seite 1
derdings123 17.11.2016
1. Tjaaaa...
Letztlich lässt sich der Nutzen oder Nicht-Nutzen von der Touchbar erst beurteilen, wenn man mal einen Monat damit gearbeitet hat. Insgesamt ein attraktives Gerät, aber der Preis ist 400 EUR zu hoch. Die Sache mit den Anschlüssen schreckt mich nicht ab.
HansMaulwurf 17.11.2016
2. Neuer Anschluss
Lightning ist der iPhone-Anschluss. Der neue Standard am MacBook Pro nennt sich Thunderbolt 3.
spatenheimer 17.11.2016
3.
Die fehlende Erweiterbarkeit ist tatsächlich lächerlich. RAM? Verlötet? SSD? Verlötet. Akku? Eingeklebt. Der Repairability-Score von iFixit (Einer von 10 möglichen Punkten) spricht Bände.
Matthias Kremp (SPON-Redakteur) 17.11.2016
4.
Zitat von HansMaulwurfLightning ist der iPhone-Anschluss. Der neue Standard am MacBook Pro nennt sich Thunderbolt 3.
Stimmt, das war im Artikel leider durcheinandergekommen. Ist korrigiert.
mkummer 17.11.2016
5. Es wird sein wie immer
erst wird an Apple rumgemäkelt - Touchbar ist ein Gimmick, das keiner braucht - die neuen Anschlüsse sind Adaptermacher - das eingelötete Zeugs verhindert Flexibilität - und innerhalb eines halben Jahres haben alle PDCs dann auch dieselben Features (und es wird als grosse Innovation gefeiert). Der Retina-5k iMac war auch zuerst wegen der neuen Hardware sehr teuer - nach einem halben Jahr wurden die Preise deutlich „normaler“ - das wird auch hier passieren. Beim iPhone wird das Wegfallen der Audio-Klinke als grösste Katastrophe gesehen - in einem Jahr hat kein aktuelles Smartphone mehr so ein Dings. Bei den ersten Androiden ist es bereits so.
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