Neues iPhone: Apple blamiert sich mit Karten-Desaster

Apples erster eigener Kartendienst ist eine Galerie der Peinlichkeiten. Routenplanung übers Flughafen-Rollfeld, Tanken bei der Caritas, Autobahnen in Erdbeben-Optik. Nun bietet der Navi-Hersteller TomTom seine Hilfe an - von ihm stammt das Rohmaterial.

Apple Maps: Ortsmarken im nirgendwo, ganze Städte in der iCloud Fotos
REUTERS

Hamburg - Die Verantwortlichen von TomTom Chart zeigen haben es eilig. Sie wollen deutlich machen, dass sie sich selbst nichts vorzuwerfen haben. Da besteht kein Zweifel. Tatsächlich ist die Panne ziemlich peinlich: Seit dem Start des neuen Apple-Betriebssystems iOS 6, das auch im neuen iPhone 5 steckt, reißen die Berichte über lächerliche Fehler in der Maps-Anwendung nicht mehr ab.

TomTom, bekannter Hersteller von Navigationssystemen, erklärte nun, man sei mehr als gewillt, Apple Chart zeigen dabei zu helfen, die Probleme zu beseitigen. "Wir stehen weiterhin zur Qualität unserer Karten", teilte eine TomTom-Managerin mit. Ob Apple bereits um Hilfe gebeten habe, erklärte sie auch auf Nachfrage nicht.

Klar ist jedenfalls, dass TomToms Kartenmaterial in Apples Maps-Anwendung zum Teil nicht gut aussieht - und dass einige gravierende Fehler in der Geodatenbank stecken, die dem Produkt zugrundeliegt. Veraltete Daten, falsche Verortungen, sinnlose Navigationsanweisungen.

Weite Teile von Berlin liegen Apples neuem Kartendienst zufolge beispielsweise im brandenburgischen Schöneiche, statt Heidelberg gibt es nur Wolken zu sehen und in der Göttinger Altstadt gibt es keine Straßen mehr.

Fairerweise muss man sagen, dass viele der zahlreichen Fehler nur in bestimmten Zoomstufen auftreten. Kommt man einem unsichtbaren Stadtgebiet näher, lichtet sich oft auch die Wolkendecke. Doch einige Fehler stecken offenbar tiefer in der Datenbank des Kartendienstes. Der funktioniert deshalb mal als Zeitmaschine, in Berlin etwa heißt der Hauptbahnhof plötzlich wieder Lehrter Stadtbahnhof (diesen Namen trug der alte Bahnhof dort bis 2002), und teils als Reiseführer - wer sich der Navigationsfunktion anvertraut, muss gelegentlich mit Umwegen rechnen. Oder sich auf ein ganz neues Ziel einstellen.

Am Freitagmorgen haben wir die SPIEGEL-ONLINE-Leser gebeten, uns ihre eigenen Fundstücke aus dem seltsamen Zwischenreich der Apple-Maps zu schicken, und viele reagierten umgehend (die besten Einsendungen finden Sie in der Fotostrecke). "Wenn ich von Mühldorf am Inn zum Flughafen München navigiert werden will, dann lande ich im Nachbarort Töging", schrieb uns etwa Torsten Wendland. Töging ist sicher eine Reise wert, aber vom Münchner Flughafen über 70 Kilometer entfernt. "Immerhin", scherzt der Apple-Nutzer ,"die Anfahrt zur Dienstreise ist nicht mehr so arg lang."

"Kundenerfahrung noch besser machen"

Wer vom Kopenhagener Flughafen aus in die Innenstadt will, tut gut daran, den Vorschlägen des Apple-Navigationsdienstes nicht zu folgen, denn der empfiehlt eine Route über die Rollbahn. Manchmal verlegt Apple Maps auch einfach ganze Ortschaften oder kassiert Straßenverbindungen. Wer sich Teneriffa in der Hybridansicht mit Satellitenbild und Karte ansieht, wird beispielsweise erstaunt feststellen, dass einer der beiden Flughäfen der Insel scheinbar keine einzige Zugangsstraße aufweist.

Auffällig ist auch, dass das Bildmaterial oft entweder älter oder schlechter ist als das der Konkurrenz - oder beides. So mancher iPhone-5-Besitzer hofft schon auf eine Google-Maps-App fürs nagelneue Handy. Besitzer eines älteren iPhone oder iPad zögern, das kostenlose iOS-6-Update zu installieren.

Apple hat auf den Entrüstungssturm, den die zahllosen Schnitzer ausgelöst haben, mittlerweile mit einem gewohnt dürren Statement reagiert. Man habe den neuen Dienst "in dem Bewusstsein gestartet, dass das eine große Initiative ist und wir damit noch am Anfang stehen". Weil der Dienst aber "cloud-basiert" sei, werde er immer besser werden, "je mehr die Leute ihn benutzen". Mit anderen Worten: Die eigene Kundschaft soll zur Fehlerkorrektur herangezogen werden.

Man begrüße Kundenfeedback und arbeite "hart daran, die Kundenerfahrung noch besser zu machen", teilt Apple weiter mit. Das zumindest sollte nach heutigem Stand nicht allzu schwierig sein.

Wer übrigens gern auf einen anderen Kartendienst umsteigen möchte, etwa den von Bing, Google oder Nokia, der kann das einfach über den Webbrowser tun: In Safari lässt sich mit einem Klick auf den Button in der Mitte der unteren Browserleiste nicht nur ein Lesezeichen anlegen, sondern auch ein Icon auf dem Home-Bildschirm einrichten ("zum Home-Bildschirm"). Ein Fingerstups auf das Icon führt dann direkt in die jeweilige Kartenanwendung - der man bei Bedarf auch noch gestatten kann, den GPS-ermittelten Standort des Geräts zu ermitteln.

cis

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insgesamt 117 Beiträge
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1. Schlimmer ist ...
discotieren 21.09.2012
... dass die Leute für die Unfreiheit in der Form von Apple und Microsoft bezahlen, statt das freie Linux zu benutzen. Bei Linux wird einem, wenn Probleme auftauchen, innerhalb von Minuten von anderen geholfen. Da muss man nicht in eine Warteschleife eines US-Konzerns ...
2. So macht Apple das doch regelmäßig
town621903 21.09.2012
man erinnere sich nur an mobileme - tagelang nicht erreichbar, miserable Ansicht oder die Erste Version von iCal - Aus einer Zeit als die Dinosaurier die Welt beherrschten Die Zeit wird's wohl richten. Seit heute habe ich ein iPhone 5:-)
3. Wie oft ...
bikersplace 21.09.2012
wird das Thema jetzt noch durchgekaut. Ist jetzt sicher der 3. oder 4. Blog zu dem Thema. Gibts nichts neues von Bett Ina Wulff? Oder zur Sicherheitslücke im Internet Explorer?
4. optional
Izmir.Übül 21.09.2012
It's not a bug, it's a feature!
5. Warum Retina-Display?
Komatator 21.09.2012
Auf das Retina-Display kann man bei Apple wohl verzichten. Völlig unnötig bei solch pixeligem Maps. Stehen die Twin Towers eigentlich noch?
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Die WiMax-Technologie umfasst mehrere Standards zu Datenübertragung auf verschiedenen Funkfrequenzen. Manche WiMax-Standards brauchen eine Sichtverbindung zwischen Sender und Empfänger, bei anderen können die Signale auch Mauern durchdringen. Bei Tests soll WiMax schon Datentransferraten von mehr als hundert Mbit/s erreicht haben. Hermann Lipfert, Experte für Drahtlosnetze beim Münchner Institut für Rundfunktechnik (IRT), schätzt, dass in einer regulären WiMax-Funkzelle Tranferraten von 50 Mbit/s realistisch sind - unter idealen Bedingungen und bei Anwendung aller derzeit zur Verfügung stehenden technischen Tricks. Diese Bandbreite müssten sich dann wie bei UMTS alle Nutzer teilen, die in der jeweiligen Funkzelle online sind. (mehr ...)
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Long Term Evolution ist der Name, den eine Reihe von Mobilfunkunternehmen einem weiteren Standard der vierten Mobilfunkgeneration gegeben haben. LTE ist im Grunde eine Weiterentwicklung von UMTS - braucht aber gänzlich neue Hardware, einschließlich neuer Sendestationen. LTE konkurriert mit dem WiMax-Standard um die Marktführerschaft im mobilen Internet der Zukunft - zwischen den beiden Standards wird möglicherweise ein neuer Formatkrieg ausbrechen. LTE ist nach Einschätzung von Experten gegenüber WiMax allerdings etwa zwei Jahre im Rückstand, was die technologische Entwicklung angeht. (mehr ...)

iPhone-Vergleich
Modell iPhone 5 iPhone 4S
Höhe (mm) 123,8 115,2
Breite (mm) 58,6 58,66
Tiefe (mm) 7,6 9,3
Gewicht (g) 112 137
Display (cm) 10,16 8,9
Auflösung 1136x640 960x640
Pixeldichte 326 ppi 326 ppi
Kamera (Megapixel) 8 8
Frontkamera (Megapixel) 1,2 0,3
3G ja ja
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