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WWDC 2015: Apples Streamingdienst verschlägt der Konkurrenz die Sprache

Aus San Francisco berichtet

DPA

Es kommt wie erwartet, und doch ist die Branche in Aufruhr: Bei der Entwicklerkonferenz WWDC hat Apple seinen neuen Streamingdienst Apple Music angekündigt. Umfang und Art des Angebots dürften der Konkurrenz das Leben schwer machen.

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Die Reaktion von Daniel Ek war denkbar knapp: "Oh Ok" twitterte der Spotify-Chef wortkarg und verblüfft, nachdem Apple angekündigt hatte, in sein Geschäft einzusteigen: Der Konzern geht mit Apple Music an den Start.

Nachdem Eks Tweet binnen Minuten vielfach weiterverbreitet worden war, löschte der Spotify-Manager ihn wieder.

Kein Wunder, dass es Ek erst mal die Sprache verschlägt: Ende Juni will Konkurrent Apple mit seinem Streamingangebot in hundert Ländern starten. Der Monatspreis, der den unbegrenzten Zugriff auf 30 Millionen Songs sichert, beträgt 9,99 Dollar und ist damit derselbe wie bei Spotify und Co. Allerdings hat Apple noch ein attraktives Zusatzangebot: Für 14,99 Dollar gibt es ein Abo für Familien mit bis zu sechs Mitgliedern.

Der Schwerpunkt von Apple Music liegt klar auf kuratierten Inhalten. Von Musikexperten zusammengestellte Playlists sollen es Anwendern leicht machen, neue Musik zu finden, die zu ihrem Geschmack passt. Das Konzept erinnert ein wenig an das, was früher einmal Radiostationen gemacht haben, wenn sie, statt nur Top-40-Songs zu spielen, ihren Zuhörern neue Platten, neue Künstler vorgestellt haben.

Dazu passt auch, dass Apple mit Apple Music auch eine neue Live-Internetradiostation einführen will. Der Sender trägt die Bezeichnung Beats One und soll mit verschiedenen DJs aus New York, Los Angeles und London ein Live-Programm liefern, das 24 Stunden am Tag läuft und neben Musik beispielsweise auch Interviews mit Künstlern beinhalten soll.

Apps für iOS und Google-Smartphones

Statt für Apple Music eine eigene App zu programmieren, sind die neuen Funktionen in eine überarbeitete Version der Musik-App von iOS integriert worden, die mit der Einführung des Dienstes ausgeliefert werden soll. Vieles in dieser App erinnert an Funktionen, die man schon in der App von Beats Music nutzen konnte.

Zur Erinnerung: Vor einem Jahr hatte Apple Beats Electronics für drei Milliarden Dollar übernommen. Jetzt bestätigen sich Vermutungen, dass Apple es dabei vor allem auf den Streamingdienst Beats Music abgesehen hatte. Für Googles Android allerdings wird Apple eine eigene Apple-Music-App herausbringen. Sie soll im Herbst erscheinen.

In der Android-App wird man aber eines der charmanten neuen Features von Apple Music nicht verwenden könne: Die Siri Integration. Apples sprachgesteuerte Assistenzfunktion versteht mit der neuen Musik-App jetzt auch Befehle wie: "Spiel ,Born to run'", "Spiel den Top-Titel vom März 1968", "Spiel die Alternative-Top-Ten."

Ein "Wendepunkt"

Doug Morris, Chef von Sony Music, bezeichnete die Einführung des neuen Angebots schon am Sonntag als "Wendepunkt", der das Wachstum von Streamingangeboten beschleunigen werde. Damit hat er unzweifelhaft recht. Marktführer Spotify hat es seit seiner Gründung 2006 auf 60 Millionen Nutzer gebracht, von denen 15 Millionen Bezahlabos gebucht haben.

Apple dagegen meldete 2014 bereits 800 Millionen iTunes-Konten, "die meisten davon mit Kreditkarte". Mittlerweile dürften noch einige dazu gekommen sein. Das ist eine gewaltige Zahl potenzieller Streamingnutzer, für die der Zugang zu dem neuen Angebot nur ein paar Mausklicks weit entfernt ist.

Doug Morris glaubt, dass Apple sein Angebot außerdem "wie verrückt bewerben wird". Diese Werbung und die Berichterstattung über Apple Music werden dafür sorgen, dass das Thema Musikstreaming geradezu in die Köpfe der Menschen gehämmert wird. Bald wird jeder wissen, was Streaming ist, wie man es benutzt und was es kostet.

Zwar werden viele den Begriff dann auch mit Apple gleichsetzen, ähnlich wie iTunes lange synonym für Download-Musik stand. Doch Morris ist sicher, dass auch die anderen Musik-Streaminganbieter von Apples Markteintritt profitieren werden. "Wenn die Flut kommt, hebt sie alle Boote an", sagte er.

Apple muss damit nicht reich werden

Allerdings sind die Ausgangspunkte sehr unterschiedlich. Bei einem Umsatz von 1,3 Milliarden Dollar machte Spotify im vergangenen Jahr 197 Millionen Euro Verlust. Mit dem Geldverdienen klappt es also nicht einmal beim Marktführer so richtig. Und trotzdem wird das schwedische Unternehmen mit acht Milliarden Dollar bewertet.

Für Apple aber ist es viel einfacher: Der kalifornische Konzern muss mit seinem Angebot gar kein Geld verdienen. Der iTunes Store und der App Store dienen in erster Linie dazu, Kunden an Apples Plattformen zu binden und damit den Verkauf der viel profitableren Apple-Hardware anzukurbeln. Genauso ist es auch mit Apple Music.

Wer profitiert davon noch?

Dass sich auch die Musikindustrie über Apples Markteintritt freuen wird, steht außer Frage. Im März meldete der Bundesverband Musikindustrie, mit einer Steigerung um 78,6 Prozent seien Streamingangebote "entscheidend verantwortlich für das Wachstum des Musikmarktes 2014" gewesen. Musik-Downloads gingen im selben Zeitraum dagegen leicht zurück, ein Trend, den Apple deutlich zu spüren bekommen hat.

Fraglich bleibt bei all dem, ob Musiker einen Grund haben, sich über Apple Music zu freuen. Schon vor zwei Jahren beklagten Stars um Radiohead-Sänger Thom Yorke, dass vor allem weniger bekannte Bands bei Streamingangeboten finanziell schlecht wegkämen. Im Mai sagte Matt Bellamy von der Band Muse, dass digitale Musikangebote, gemeint sind Streaming- und Downloadanbieter, das Konzept des Albums zerstörten. Keine besonders originelle oder neue These, wohl aber eine richtige.

Musik-Streamingdienste
Gratisangebot Abopreis Offline-Modus Mobil-Apps
Apple Music Nein 9,99 Ja iOS, Android (geplant)
Spotify Ja 9,99 Ja iOS, Android, Windows Phone, Blackberry
Deezer Ja 9,99 Ja iOS, Android, Windows Phone, Blackberry
Xbox Music Nein 9,99 Ja iOS, Android, Windows Phone
Google Play Music All-Inclusive Nein 9,99 Ja iOS, Android
Napster Nein 9,95 Ja iOS, Android, Windows Phone
Juke Nein 9,99 Ja iOS, Android, Windows Phone
Rdio Nein 9,99 Ja iOS, Android, Windows Phone, Blackberry
Tidal Nein 9,99* / 19,99 Ja iOS, Android
* Standard-Klangqualität / Hifi-Klangqualität
Zusammengefasst: Apple startet ab 30. Juni einen Streamingdienst in gut hundert Ländern. Der Monatspreis, der den unbegrenzten Zugriff auf 30 Millionen Songs sichert, beträgt 9,99 Dollar. Ein Familienpaket für bis zu sechs Personen kostet 14,99 Dollar.

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insgesamt 271 Beiträge
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1. typisch apple...
mollow 08.06.2015
Mal wieder auf einen gut fahrenden zug aufspringen, mit den überteuerten ..iphones den kram subventionieren und nach 2 jahren vorreiter einfach kaufen. Es wird zeit, dass denen mal das kartelamt in den usa auf die finger guckt.
2.
davornestehtneampel 08.06.2015
Gebt den alten Säcken endlich in guter Qualität das Zeug, das in den Archiven vor sich hinschimmelt. DA wär Kohle zu machen...
3. Der Dienst läuft nur auf iOS,
fsonntag 08.06.2015
was dazu führt, dass alle Nutzer eines Android, Microsoft-Phones etc. ausgeschlossen werden. Das ist ein gravierender Nachteil des Angebots, den man hätte in einem journalistischen Artikel auch einmal hätte ausarbeiten können.
4. irgendwie versteh ich das nicht
Fackus 08.06.2015
man wird doch schon rund um die Uhr von -zig Radiosendern und allen möglichen Musikquellen zugeballert. Alles was man hören oder lieber nicht hören will. Wie kommt man da auf die Idee, noch Geld dafür hinzulegen? Das wirklich Wertvolle, das vom Kenner Handverlesene, dürfte eh nicht drin sein in diesem Tonsumpf. Na gut - die Leute gucken auch RTL2 und lesen Bild...
5. Korrektur
paulinino 08.06.2015
Apple Music bietet einen Offline Modus, siehe (Tabelle) http://www.apple.com/music/membership/
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