Apple-Neuheiten im Schnellcheck Eine Nacht mit dem neuen iMac

Was taugen Apples neuer iMac und das neue MacBook Pro? In Kalifornien konnte unser Reporter die Geräte bereits ausprobieren, unter erschwerten Bedingungen.

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Aus San José berichtet


Zwei Dinge vorab: Dies ist kein Test und dieser Bericht ist nicht auf die übliche Weise zustande gekommen. "Üblich" heißt in diesem Zusammenhang, dass man ein Testgerät in die Redaktion geschickt bekommt, ein paar Tage oder Wochen testet und dann zurückschickt.

Für diesen ersten Eindruck von den neuen Apple-Rechnern aber wurde ich in ein Hotel geführt, vorbei an einem sehr kräftig aussehenden Wachmann in ein Zimmer, in dem mir gegen meine Unterschrift zwei Kartons ausgehändigt wurden: ein neuer iMac im 27-Zoll-Format und ein neues MacBook Pro mit 13-Zoll-Bildschirm.

Damit ich die beiden Geräte in mein Hotel bringen konnte, bekam ich zudem eine Sackkarre geliehen, anders wäre es nicht gegangen. Und dann fing die Uhr an zu ticken. Rund 16 Stunden hatte ich Zeit, mir einen Eindruck von den beiden Geräten zu machen, dann musste ich sie wieder in jenem Apple-Hotelzimmer abliefern.

Aber was macht man bloß, um von einem derart gewaltigen Gerät wie diesem neuen iMac über Nacht einen Eindruck zu bekommen. Immerhin hatte ich das Modell mit 4,2-GHz-Intel-Prozessor 16 GB Speicher, 512 GB SSD und Radeon-Pro-Grafikkarte bekommen. Eine Profimaschine, die man mit Profisoftware testen sollte. Es kostet 3319 Euro.

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Kann man gut verkabeln

Doch die Profisoftware blieb in der Nacht ein ferner Traum. Selbst das Herunterladen der Testsoftware Geekbench 4, läppische 90 Megabyte, dauerte übers Hotel-WLAN mehrere Stunden. Der Versuch, den Rechner per Kabel ans Hotelnetzwerk anzuschließen, scheiterte grandios - schön zwar, dass der iMac eine Ethernet-Buchse hat, schade aber, dass das Kabelnetzwerk im Hotel abgeschaltet war.

Immerhin hatte ich dabei Gelegenheit, mir die Anschlüsse des Rechners anzuschauen. Neben besagter Netzwerkbuchse findet man vier USB-3-Anschlüsse und zwei Thunderbolt-3-Buchsen, die zum USB-C-Standard kompatibel sind. Außerdem gibt es eine Kopfhörerbuchse und - für Fotografen wichtig - einen Steckplatz für SDXC-Speicherkarten. Im Hotelzimmer brauchte ich all das freilich nicht.

Gegen die Abendsonne kommt er lässig an

Wichtiger war die mitgelieferte Tastatur, das sogenannte Magic Keyboard, auf der ich diesen Text schreibe. Im Karton war nur die kleine Version - würde ich einen solchen Mac kaufen, würde ich die neue große Variante mit Ziffernblock dazustellen. Die kostet nur 30 Euro Aufpreis, das lohnt sich.

Mit der Maus - Entschuldigung, der Magic Mouse - hingegen hatte ich zuerst Probleme. Ihr optischer Sensor kam mit der gläsernen Tischplatte in meinem Hotelzimmer nicht klar. Ein Mousepad hatte ich natürlich nicht dabei, also musste eine iPad-Hülle als Unterlage dienen.

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Und dann ging es endlich ans Ausprobieren. Zunächst einmal: Der Bildschirm ist grandios. Heller soll er sein als sein Vorgänger und mehr Farben anzeigen können. Beurteilen konnte ich das mangels Vergleichsmöglichkeit freilich nicht. Wohl aber wurde schnell klar, dass das 5K-Display mit seinen 5120 x 2880 Bildpunkten sehr feine Details auf meinen Fotos anzeigt und in den Farben, gefühlt, sehr realistisch wiedergibt. Hell ist er obendrein. Gegen die kalifornische Abendsonne, die bei Testbeginn in mein Zimmer knallte, kam er gut an.

Auch leistungsmäßig muss man sich keine Sorgen machen, schnell genug ist der iMac bestimmt, für fast alles. Im Geekbench-Leistungstest erreichte er mehr als 19.000 Punkte. Eine abstrakte Zahl, aber ein recht hoher Wert. Ein Blick auf andere bei Geekbench vermerkte Punktzahlen zeigt aber, dass ein Vorgängermodell dieses Computers schon höhere Werte in diesem Test erreicht hat.

Auf die Goldwaage sollte man diese Erkenntnis aber nicht legen. Derartige Testprogramme prüfen nur einzelne Komponenten, in diesem Fall den Prozessor. Im Alltag wichtiger ist aber das Zusammenspiel aller Bauteile. Grafikkarte und Festplatte konnte ich auf meinem Hotelzimmer jedoch nicht ausreichend testen.

Und das neue MacBook Pro?

Dasselbe gilt für das MacBook Pro, das ich auch noch zum Test bekommen hatte. Dessen Prozessor ist zwar nur 200 Megahertz höher getaktet als der meines Arbeits-MacBooks, doch Geekbench attestiert ihm eine um etwa 20 Prozent höhere Leistung. Mehr als der neue Prozessor machte sich beim Ausprobieren die neue SSD bemerkbar, die deutlich schneller zu sein scheint als in meinem Modell. Ein Audioprojekt in Garageband jedenfalls lud das neue MacBook Pro spürbar fixer in seinen Speicher als mein Vorgängermodell, das nur wenige Monate älter ist.

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Ob der Akku länger durchhält, wie Apple verspricht, kann ich nach den paar Stunden nicht beurteilen. Auf den ersten Blick schienen beide MacBooks gleich schnell Energie zu verbrauchen.

Ein erstes Fazit

So ein iMac macht Spaß. Man muss sich nie Sorgen machen, dass er nicht genug Leistung haben könnte, schon gar nicht in der Highend-Variante, die ich ausprobiert habe. Ob er wirklich professionellen Ansprüchen gerecht wird, kann ich nach einer Nacht nicht beurteilen. Wohl aber, dass der Bildschirm groß und großartig ist. Mir würde wohl schon das kleine Modell mit 21,5-Zoll Bildschirm voll und ganz ausreichen, das in der Grundausstattung nur halb so viel kostet wie mein Testrechner. Verglichen mit einem Standard-PC ist auch das schon Luxus.

Anmerkung der Redaktion: Ursprünglich hieß es in diesem Text, dass die SSD des neuen MacBook Pro um 50 Prozent schneller sein soll, als die im Vorgängermodell. Tatsächlich wurde aber nur beim MacBook die SSD-Leistung erhöht. Der Unterschied in der Ladezeit großer Programme muss also einen anderen Grund haben.

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insgesamt 31 Beiträge
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Seite 1
Sonnenschein11 08.06.2017
1. Ob er wirklich professionellen Ansprüchen gerecht wird?
Kann leider Apple immer noch nicht, weil sie keinen 5 Jahres 24h Vorortssupport anbieten. Somit sind sie raus. Zudem sind Apple Geräte nicht Industrietauglich. Bzw. nur bedingt. Für mich sind Apple Geräte zum Konsumieren super. Man bekommt viele Emotionen, keine Frage. Für bestimmte Berufsgruppen sind die Geräte bestimmt auch ganz nett, aber im Business, wo Hard und Software über viele Jahre eine konstante sein muss, damit die Kosten nicht explodieren, wird wohl Apple nicht wirklich punkten. Aber das wollen sie auch nicht. Da gibt es andere Firmen wie IBM, DELL, Siemens u.s.w. die sich auf Business/professionellen Ansprüchen spezialisiert haben.
mijobi 08.06.2017
2. Technisch top, Sozial flop
Ich hatte vor einigen Jahren etliche Apple Geräte im privaten Einsatz. Verarbeitung, Ergonomie, Leistung. Alles super. Nur wenn man sich genauer mit der, neudeutsch "Corporate Sozial Responsibility", beschäftigt sieht die Sache anders aus. Produktion (Hardware) in Billiglohnländern, bei gewaltiger Marge, und ein Steuersparmodell, dass in den Ländern in denen produziert und verkauft wird, kaum etwas abfallen lässt. Soviel zu Responsibility. Klar legal, aber Moral? En Gros sind Unternehmen, so meine ich, einfach leblose, amoralische Konstrukte und unser kapitalistisches Wirtschaftsmodell tut sei übriges dazu. Ne Danke. Auf solche Produkte kann ich leichten Herzens verzichten.
g3cd 08.06.2017
3. Voll die professionelle Berichterstattung.
Echt jetzt? Da schicken Sie einen Korrespondenten nach Kalifornien, er ist völlig unvorbereitet, hat keine externe Festplatte oder Testsoftware dabei und alles, was er am Ende berichten kann, ist "die Kiste ist echt schön hell" und "ne Maus funktioniert auf 'nem Glastisch schlecht"??? Da hätten Sie auch meine Mutter schicken können.
ovi100 08.06.2017
4. aber die Preise..
so langsam meinen die jeden Preis zu verlangen..Aufruestung auf 512 GB SSd? Klar moeglich und vielleicht auch noetig denn sonst hat das Ding nur ein Fusion Drive also drehende PFestplatte..Schlappe 500 Euro Aufpreis!? Beim Laden um die Ecke circa 220 Euro..Das sagt alles um die Geldgeilheit dieses Konzerns aus! Ohne mich..
Rahvin 08.06.2017
5.
Tut mir wirklich leid, aber so ein Test ist absolut nichtssagend und sämtliche Aussagen des Autors dahingehend sinnbefreit. Keine Software dabei, um die Leistungsfähigkeit zu testen? Dann betrachten wir mal (stundenlang?) die Anschlussmöglichkeiten. Unglaublich, man kann tatsächlich SDXC Karten einstecken! Ansonsten sind die Werte bei Benchmarktests nicht überwältigend, teilweise waren die Vorgänger besser - naja, aber es zählt nur das Zusammenspiel der Komponenten, und die SSD ist doch viel schneller geworden? Wahnsinn! Ob der Akku länger hält, kann man auch nicht sagen, weil man das Gerät ja nur 16 Stunden testen durfte. Nächstes Mal bitte Software auf Sticks oder Karten mitnehmen, damit wenigstens ETWAS Belastbares am Ende geschrieben werden kann. Ja, Apple macht hübsche Geräte. Aber das war's auch schon. Hört bitte auf, dauernd Werbung hier für den Konzern zu machen.
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