Apple-Patent Smartphone soll Fingerabdrücke von Dieben sammeln

Ein geklautes iPhone klärt seinen eigenen Diebstahl auf - das sieht ein von Apple beantragtes Patent vor. Die Geräte sollen Fotos und Fingerabdrücke unberechtigter Benutzer sammeln und auf Server hochladen.

Fingerabdrucksensor beim iPhone
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Fingerabdrucksensor beim iPhone


Moderne Smartphones sind teuer. Umso ärgerlicher, wenn man es verliert oder wenn es gestohlen wird. Die Hersteller wissen um das Problem und versuchen, Dieben das Leben zumindest ein bisschen schwerer zu machen. Etwa mit einer Ortungsfunktion, die anzeigt, wo sich ein entwendetes Gerät gerade befindet.

Künftige Smartphones könnten sogar selbst Polizei spielen, wie ein nun von Apple gestellter Patentantrag zeigt. In dem Dokument mit dem Namen "Biometric Capture for unauthorized User Identification" (Biometrische Erfassung unautorisierter Nutzer) beschreiben die Apple-Ingenieure, wie sie Diebe im Idealfall sogar identifizieren wollen.

Sobald das Gerät von einer nicht autorisierten Nutzung ausgeht, etwa weil PINs oder Fingerabdrücke nicht stimmen, fängt es an, Daten über den Nutzer zu sammeln. Das können Fingerabdrücke sein, die der Sensor erfasst, aber auch Fotos, welche die Kamera macht. Das alles natürlich unbemerkt vom Nutzer.

Fang den Dieb!

Die gesammelten Daten würden auf dem Telefon gespeichert und könnten dann auf Server hochgeladen werden, heißt es in dem Patentantrag. Erfasste Fingerprints potenzieller Diebe könnten mit bekannten Fingerabdrücken aus Datenbanken verglichen werden. Auf diese Weise sollen Sensoren und Software des Smartphones dabei helfen, einen Dieb zu identifizieren.

Die in dem neuen Antrag beschriebenen Ideen sind nicht einmal neu - bereits 2009 hatte Apple ein ganz ähnliches Patent angemeldet. Es trägt den Namen "Systeme und Verfahren zum Identifizieren nicht-autorisierter Nutzer eines elektronischen Geräts".

Auch damals ging es schon darum, dass Software anhand bestimmter Kriterien feststellen soll, ob ein Gerät unberechtigt genutzt wird. Die beschriebenen Verfahren setzen nicht voraus, dass ein Besitzer sein Gerät als gestohlen meldet. Die Technik soll das selbst bemerken und entsprechend reagieren.

Fragwürdige Datenerfassung

In dem alten Patentantrag schlugen die Apple-Ingenieure vor, Fotos zu machen, die Stimme mitzuschneiden und den Herzschlag zu protokollieren - alles natürlich verdeckt. Auch Daten der Bewegungssensoren sollten erfasst und ausgewertet werden, um etwa aus Erschütterungsprofilen die aktuelle Transportart des Geräts festzustellen.

Aus Datenschutzsicht sind die Ideen aus Cupertino mehr als bedenklich. Allerdings überwachen und spionieren Smartphones bereits heute ihre Nutzer. Eine Software gegen unautorisierte Nutzung könnte die Überwachung noch intensivieren: Schon eine falsche Pin-Eingabe würde unter Umständen reichen, um Fotos der Nutzer und der Umgebung zu machen und auf Server hochzuladen. Betroffen wären Millionen Handy-Besitzer. Ein Albtraum für Datenschützer.

hda

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insgesamt 95 Beiträge
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Seite 1
c_a_p_o77 28.08.2016
1. Endlich!
Sowas sollte jedes Mobiltelefon haben! Die gestohlene IMEI der Polizei melden und dann über die Provider das Feature aktivieren. So wird der Diebstahl von Mobiltelefonen absolut unattraktiv.
Bürger Icks 28.08.2016
2. Schöne Neue Welt...
...Big Brother is watching you, Soylent Green is People und Bücher brennen bei 451° Fahrenheit... Scannt ihr mal alle schön eure Fingerabdrücke und Augen in Big Brothers Mini-Televisoren für die Hosentasche, all ihr unbescholtenen Menschen, die ihr alle ja gar überhaupt nichts zu verbergen habt... xD Wurden Touchscreens vielleicht nur für diesen einen Grund eingeführt? Und lesen vielleicht alle Touchscreens alle Fingerabdrücke? Warum sollte man noch anderes annehmen? Ein weiterer Grund für ein 25 Euro Mobiltelefon ohne Touchscreen und Internet. Auch wenn ich kein "Terrorist" bin, aber wenn jemand mit meinen Daten Geld macht, dann möchte ich das sein! Und ich möchte selber entscheiden können, was ich zu verkaufen bereit wäre. Und an wen! Denn all die gescannten Fingerabdrücke dieser US-Geräte, na, wo werden die wohl gespeichert sein? Schöne Neue Welt noch!
Keh 28.08.2016
3. Also sind Fingerabdruckscanner unsicher
Wenn man Fingerabdruckdaten an zentrale Server schicken kann, dann ist die Behauptung von der lokalen Speicherung also falsch und eine Lüge. Somit sind Fingerabdrücke unsicher und kein Nachweis mehr, dass eine bestimmte Person eine Zustimmung darüber gegeben hat
macinfo 28.08.2016
4. Läuft doch super ...
für jeweils ein kleines bisschen vorgegaukelter Sicherheit oder auch nur Bequemlichkeit bekommen wir einen gigantischen Zuwachs an Überwachung und Kontrolle. Weiter so!
7eggert 28.08.2016
5.
Ein jedes Kind, das schon sprechen kann, würde einem das vorschlagen. Daß sowas als Patent angenommen wird, zeigt, daß das System kaputt ist.
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