Milliardenmarkt Bezahlen per Handy Walmart gegen Apple

Zahlen wir in Zukunft alle per Handy? Apple Pay soll dieser Technik zum Durchbruch verhelfen. Doch in den USA bahnt sich ein Krieg der Bezahlsysteme an: Gegen den iPhone-Konzern stellt sich eine mächtige Allianz, angeführt von Walmart.

Apple-Pay-Bezahlvorgang: Handy über den Scanner, Finger auf den Sensor
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Apple-Pay-Bezahlvorgang: Handy über den Scanner, Finger auf den Sensor

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Es geht um eine Menge Geld - 90 Milliarden Dollar im Jahr 2017, schätzt die Agentur Forrester. Und es geht, einmal mehr, um Daten. Wer die Technik kontrolliert, mit der in Ladengeschäften in den USA künftig bezahlt wird, der weiß auch, wer was wann wo kauft, welche Kunden welche Art von Produkt bevorzugen, wen man wann mit welchen Rabatten in seinen Laden locken kann.

Vor diesem Hintergrund ist verständlich, dass sich eine mächtige Allianz, der viele der größten US-Einzelhändler angehören, gerade mit Apple anlegt. Der Konzern hat mit seinem Bezahlsystem Apple Pay, integriert in die neuen iPhone-Modelle, gerade einen ersten Achtungserfolg erzielt: Mehr als eine Million Nutzer hätten sich bereits für das System angemeldet, verkündete Apple-Chef Tim Cook. An 220.000 Verkaufsstellen in den USA könne man bereits mit Apple Pay bezahlen.

Allianz-Vertrag untersagt Konkurrenzsysteme

Da fehlen jedoch noch ziemlich viele - zum Beispiel alle Ladenkassen großer Ketten wie Walmart, Best Buy oder Gap, die Sears-Kaufhäuser, Shell-Tankstellen oder 7-Eleven-Supermärkte. Daran wird sich vorerst auch nichts ändern. Denn alle genannten Unternehmen gehören einer Allianz namens Merchant Customer Exchange (MCX) an, die gerne ein eigenes mobiles Bezahlsystem etablieren möchte.

MCX vertritt Unternehmen mit insgesamt 110.000 Verkaufsstellen und wickelt eigenen Angaben zufolge jährlich Zahlungen in Höhe von über einer Billion Dollar ab, was etwa 20 Prozent des Einzelhandelsumsatzes in den USA entspreche. Der "New York Times" zufolge hat MCX seinen Mitgliedern untersagt, Apple Pay zu akzeptieren. Eine Forrester-Analystin erklärte "Mashable", die MCX-Mitglieder hätten einen Vertrag unterschrieben, der ihnen den Einsatz von Konkurrenzsystemen verbiete. MCX hat auf eine entsprechende Anfrage von SPIEGEL ONLINE bis zum Erscheinen dieses Artikels nicht reagiert.

Best Buy und Walmart sowie seit kurzem auch die Drogerieketten CVS und Rite Aid verweigern die Annahme von Apple-Zahlungen bereits - und verweisen die enttäuschten Kunden auf ein eigenes System, das "in der ersten Hälfte des Jahres 2015" verfügbar sein werde.

Jeder Kauf hinterlässt eine Datenspur

MCX gibt es schon seit 2012. Der ursprüngliche Gegner der Allianz war nicht Apple, sondern die Kreditkartenbranche. Deren zwei bis drei Prozent Kommission pro Einkauf wollten sich die großen Einzelhändler gerne sparen und gleichzeitig selbst Zugriff auf die umfassenden Konsumdaten bekommen, die bei Mastercard, Visa und American Express anfallen. Schließlich hinterlässt dort jeder Kauf eine Datenspur.

MCX lässt deshalb ein System namens CurrentC entwickeln. Das aber geht augenscheinlich zu langsam. Erst im kommenden Jahr soll CurrentC als App für Smartphones verfügbar sein. Das System soll es ermöglichen, über Gutscheinkarten oder aber mit einer direkten Verbindung zum eigenen Bankkonto an Ladenkassen zu bezahlen, in gewisser Weise ähnlich, wie man das hierzulande von EC-Karten kennt.

CurrentC-Eigenwerbung: "In der ersten Hälfte des Jahres 2015"

CurrentC-Eigenwerbung: "In der ersten Hälfte des Jahres 2015"

Statt wie Apple auf Near-Field-Communication-Chips (NFC) setzt CurrentC auf QR-Codes. Das sind die Kästchen mit Schwarz-Weiß-Mustern, die man mittlerweile öfter auf Produkten, Plakaten oder in Zeitschriften sieht. Für eine CurrentC-Transaktion muss entweder der Kunde einen QR-Code mit seiner Handykamera scannen oder das Kassenpersonal einen auf dem Handy angezeigten Code, was mit den bereits vorhandenen Kassen-Scannern möglich sein soll. Beides aber erfordert, dass das Telefon zuvor entsperrt wird.

Verglichen mit einem Apple-Pay-Bezahlvorgang scheint das umständlich: Hier muss der Nutzer sein Telefon nicht entsperren, es reicht, das Gerät über den NFC-Scanner zu halten und die Transaktion dann mit einem Druck auf den Fingerabdrucksensor des Telefons zu bestätigen. Bezahlen wird so zu einem einhändigen Vorgang - anders als etwa bei Googles schon länger verfügbarem aber wenig erfolgreichem Konkurrenzprodukt Google Wallet. Dort muss man für jeden Kauf einen Zahlencode eingeben.

Das CurrentC-System ist für den Nutzer also nicht sehr komfortabel, hat aber einen wichtigen Vorteil: Es funktioniert auch mit Handys, die keinen NFC-Chip haben, was heute noch die deutliche Mehrzahl der in Betrieb befindlichen Geräte sein dürfte.

Kunden vor den Kopf gestoßen

Mehr als die Nutzer dürften allerdings die Händler von dem System profitieren: Sie könnten damit nicht nur die Zahlungen an Kreditkartenfirmen umgehen, sondern auch noch gemeinsam gewaltige Mengen Kundendaten sammeln. Und - damit wirbt MCX explizit - beispielsweise Treueprogramme und Rabattaktionen damit verknüpfen. CurrentC ist offenbar sehr neugierig: Screenshots zufolge, die "TechCrunch" veröffentlichte, will die App sogar auf dem Handy gespeicherte Gesundheitsdaten abfragen. Apple dagegen verspricht, man werde beim Bezahlen "keine Transaktionsinformationen sammeln, die mit Ihnen in Verbindung gebracht werden können".

Vorerst jedenfalls werden die MCX-Mitglieder die ersten Kunden, die tatsächlich bereit sind, mit ihrem Handy zu bezahlen, erst einmal vor den Kopf stoßen. Schon in den ersten drei Tagen hatte Apple zehn Millionen iPhone-6-Geräte verkauft, bis Weihnachten sollen es 25 Millionen sein. Viele zahlungskräftige Kunden werden in den Läden der MCX-Mitglieder künftig wohl unangenehme Erlebnisse haben, sollten sie versuchen, ihr Handy als Geldbörse zu benutzen.



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insgesamt 17 Beiträge
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Seite 1
RichardRigan 29.10.2014
1.
CASH is KING - vor allem in der Zukunft! Egal was Sie Cash lösen wollen - Sie kommen überall besser und eher dran! Auch in USA. Sogar ihr Arzt lächelt plötzlich.
kdshp 29.10.2014
2.
mir ein rätsel warum der einzelhandel so spät reagiert oder das überhaupt erst jetzt macht. Warum gibts nicht die aldi kart oder eine des deutschen einzelhandels.
rexsayer 29.10.2014
3. Wer wird gewinnen ? Apple !
Warum ? Einfacher geht es nimmer. Die Daten der Kreditkarte bleiben geheim. Die Kreditkarten funktionieren. Erwiesenermaßen. Und Versichert ist man auch. Das soll noch wer nachmachen !
chagall1985 29.10.2014
4. Schmunzel
Jetzt müssen die das nur noch durchhalten bis 2015 und die Kundenbeschwerden aushalten..... Ich bin gespannt ob die Allianz 2015 noch komplett besteht. Hängt wahrscheinlich stark von der Höhe der Vertragsstrafe ab......
Phienchen 29.10.2014
5.
Ich kenn' die Situation in USA nicht... aber ich würd' halt als Kunde in die Läden gehen die es akzeptieren. Nicht nur, weil ich auch schon keine Lust auf PayBack-Karte hab' auch weil die Schlangen in den Geschäften zumindest bisschen kürzer sein dürfte. Bleibt zu hoffen das der Kunde mit den Füssen abstimmt...
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