Fortbildung für Mitarbeiter bei Apple Designen wie Picasso

Lernen von den ganz Großen: Apple-Mitarbeitern wird angeblich beigebracht, sich Pablo Picasso zum Vorbild zu nehmen. So sollen sie lernen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Museumsbesucher vor Picassos "Stier": Konzentration auf das Wesentliche
AFP

Museumsbesucher vor Picassos "Stier": Konzentration auf das Wesentliche


"Apple ist wahrscheinlich die einzige Technologiefirma auf dem Planeten, die es wagen würde, sich selbst mit Picasso zu vergleichen", schreibt die "New York Times" in einem Artikel über den Konzern. Das mag ein wenig überspitzt formuliert sein, denn zumindest öffentlich und so explizit ist das nicht geschehen. Der Satz bezieht sich vielmehr auf die Mitarbeiter-Ausbildung der Firma, die in der sogenannten Apple University stattfindet.

Dort werden die Angestellten des Konzerns, geschult und mit der Arbeitsweise und der Philosophie der Firma vertraut gemacht. Wie das genau abläuft, welche Kurse es gibt und was darin gelehrt wird, bleibt allerdings intern. Nun hat die "New York Times" einen kleinen Einblick in den "Lehrplan" erhalten, indem sie mit drei Mitarbeitern gesprochen hat, die dort unterrichtet wurden. Die Angestellten wollen demnach anonym bleiben, berichten aber von einigen Dingen, die sie in den Kursen gelernt haben.

Etwa, sich Picasso zum Beispiel zu nehmen: In einem Kurs veranschaulichte der Lehrer Apples Design-Philosophie anhand der Lithografieserie "Stier" des berühmten Künstlers. An deren Anfang steht ein gezeichneter Stier mit vielen Details, die von Version zu Version reduziert werden und wegfallen. Am Schluss der Serie steht nur noch ein Umriss aus wenigen Strichen, der dennoch klar als Stier erkennbar ist.

Schüler sollen sich nur mit dem Besten umgeben

Diese Vereinfachung und Konzentration auf das Wesentliche soll auch bei Apples Produktdesign eine Rolle spielen. Das wurde laut "New York Times" in einem weiteren Kurs an der Apple-Akademie anhand einer Fernbedienung aus dem Hause Google verdeutlicht. Das Gerät des Konkurrenten, das der Dozent zeigte, hatte 78 Knöpfe; eine Fernbedienung von Apple aber nur drei.

Doch es geht in dem hausinternen Weiterbildungszentrum nicht nur um minimalistisches Design: Hier werden auch Geschäftsentscheidungen des Unternehmens erklärt, die Kommunikation nach außen trainiert und die Firmenphilosophie vermittelt. Letzteres geschieht zum Beispiel mit dem Kurs "Die besten Dinge", überschrieben in Anlehnung an ein Zitat von Steve Jobs. Der Lehrgang sollte die Mitarbeiter laut "New York Times" daran erinnern, sich stets mit dem Besten zu umgeben, mit hochwertigen Produkten ebenso wie mit talentierten Kollegen. Das soll sie selbst, so die Philosophie, dann ebenfalls zu Bestleistungen anspornen.

juh

Mehr zum Thema


insgesamt 5 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Khaled 11.08.2014
1. Königsklasse
In puncto Design ist Apple tatsächlich unübertroffen und vermutlich seit langem uneinholbar für die Konkurrenz.
monoman 11.08.2014
2. Tja, die Toten können sich eben nicht mehr wehren
Das ist ja noch eine relativ harmlose Vergewaltigung von Picasso, schlimmer ist sicherlich, dass auch Autos unter dem Namen des Meisters rumfahren, wobei auch noch dessen Signatur nachgeahmt ist. Im Computerbereich ist das auch nichts neues, ich erinnere mich noch daran, wie IBM in den Achtzigern Charlie Chaplin für ihre Werbung missbrauchte. Besonders bitter, da sowohl Picasso als auch Chaplin beides überzeugte Kommunisten waren und zu ihren Lebzeiten niemals sowas mit sich hätten machen lassen, schon gar nicht von solchen Leuten. Es ist auch wirklich skandalös, dass man das Erbe solcher Jahrhundertkünstler nicht vor den Pranken irgendwelcher Konzerne schützen kann. Vielleicht liesse sich da ja was machen, wenn man grosse Kunst in einer Weise zum Weltkulturerbe erklärt dass sie solchem Missbrauch durch Ausbeuterkonzerne entzogen wird.
Khaled 11.08.2014
3. Salonkommunisten
Chaplin & Picasso waren, wie auch Brecht und andere Konsorten, allenfalls Salonkommunisten. Niemals hätten sie auf ihre herrschaftliche Villa oder ein gut gefülltes Schweizer Bankkonto verzichtet, dem Lafontaine Oskar nicht unähnlich.
Konstruktor 12.08.2014
4.
Zitat von monomanDas ist ja noch eine relativ harmlose Vergewaltigung von Picasso, schlimmer ist sicherlich, dass auch Autos unter dem Namen des Meisters rumfahren, wobei auch noch dessen Signatur nachgeahmt ist. Im Computerbereich ist das auch nichts neues, ich erinnere mich noch daran, wie IBM in den Achtzigern Charlie Chaplin für ihre Werbung missbrauchte. Besonders bitter, da sowohl Picasso als auch Chaplin beides überzeugte Kommunisten waren und zu ihren Lebzeiten niemals sowas mit sich hätten machen lassen, schon gar nicht von solchen Leuten. Es ist auch wirklich skandalös, dass man das Erbe solcher Jahrhundertkünstler nicht vor den Pranken irgendwelcher Konzerne schützen kann. Vielleicht liesse sich da ja was machen, wenn man grosse Kunst in einer Weise zum Weltkulturerbe erklärt dass sie solchem Missbrauch durch Ausbeuterkonzerne entzogen wird.
Was soll daran eine "Vergewaltigung" von Picasso sein, wenn in einigen internen Schulungen bei Apple Picassos Entwicklung seiner Darstellungen von naturalistischer Wiedergabe bis hin zur extremen Reduktion als Vorbild für die Apple-Produktentwicklung genommen wird? Apple benutzt Picasso ja nicht dazu, um in öffentlicher Werbung ihre Produkte mit seinen Werken zu gleichzusetzen. Daß sie sich intern mit solchen Prinzipien der Gestaltung auseinandersetzen ist völlig in Ordnung, und das merkt man den Produkten tatsächlich auch an.
Konstruktor 12.08.2014
5.
Zitat von monomanDas ist ja noch eine relativ harmlose Vergewaltigung von Picasso, schlimmer ist sicherlich, dass auch Autos unter dem Namen des Meisters rumfahren, wobei auch noch dessen Signatur nachgeahmt ist. Im Computerbereich ist das auch nichts neues, ich erinnere mich noch daran, wie IBM in den Achtzigern Charlie Chaplin für ihre Werbung missbrauchte. Besonders bitter, da sowohl Picasso als auch Chaplin beides überzeugte Kommunisten waren und zu ihren Lebzeiten niemals sowas mit sich hätten machen lassen, schon gar nicht von solchen Leuten. Es ist auch wirklich skandalös, dass man das Erbe solcher Jahrhundertkünstler nicht vor den Pranken irgendwelcher Konzerne schützen kann. Vielleicht liesse sich da ja was machen, wenn man grosse Kunst in einer Weise zum Weltkulturerbe erklärt dass sie solchem Missbrauch durch Ausbeuterkonzerne entzogen wird.
Was soll daran eine "Vergewaltigung" von Picasso sein, wenn in einigen internen Schulungen bei Apple Picassos Entwicklung seiner Darstellungen von naturalistischer Wiedergabe bis hin zur extremen Reduktion als Vorbild für die Apple-Produktentwicklung genommen wird? Apple benutzt Picasso ja nicht dazu, um in öffentlicher Werbung ihre Produkte mit seinen Werken zu gleichzusetzen. Daß sie sich intern mit solchen Prinzipien der Gestaltung auseinandersetzen ist völlig in Ordnung, und das merkt man den Produkten tatsächlich auch an.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.