Apple Watch Series 4 im Test Diese Smartwatch ist ein Sportgerät

Ein größeres Display, eine EKG-Funktion und zum Verrücktwerden detaillierte Zifferblätter: Apple erklärt seine neue Smartwatch großspurig zur weltweit besten Uhr. Was kann sie wirklich?

SPIEGEL ONLINE

Von


Die Apple Watch hat mich wieder zum Uhrenträger gemacht. Und nicht nur mich allein, zumindest sagt das Apple. Bei der Präsentation des neuen Modells in Cupertino behauptete CEO Tim Cook selbstbewusst, die Apple Watch sei nicht nur die führende Smartwatch, sondern auch die beste Uhr weltweit. Eine Verkaufszahl nannte er aber - wie gewöhnlich - nicht.

Von den ganz großen Neuerungen, über die im Nachgang der Präsentation in Cupertino viel diskutiert wurde, ist bisher wenig zu sehen. Dazu gehört beispielsweise die Sturzerkennung, die man im Bereich "Notruf SOS" einschalten muss. Ich habe das lieber nicht getan. Zum einen, weil ich mir beim Ausprobieren keine blauen Flecken holen wollte. Zum anderen, weil Apple selbst darauf hinweist, dass dieser Alarm auch "von Aktivitäten mit heftigen Bewegungen" ausgelöst werden könnte. Beim Sport beispielsweise.

Die Möglichkeit ein EKG zu machen, ist hingegen derzeit noch nicht freigeschaltet. Auf der Unterseite der Uhr ist dafür ein elektrischer Herzsensor angebracht, der ein Gegenstück auf der Oberseite der Krone hat. Nach dem Start der EKG-App hält man einen Finger für 30 Sekunden auf die Krone, um eine Messung durchzuführen.

Um diese Möglichkeit zu aktivieren, braucht Apple aber eine behördliche Genehmigung. Wann die erteilt wird, ist unklar. Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) erklärt in einer Mitteilung (PDF), dass ein solches EKG ein "wertvolles Monitoring-Tool zur Etablierung wichtiger Informationen für Patienten und Ärzte darstellen" könnte. Gleichzeitig fordert sie vor einer Zulassung aber weitere klinische Studien. So oder so müssten eventuelle EKG-Aufzeichnungen von einem Arzt abgeklärt werden. Klar, das menschliche Herz ist kein Hobby.

Sport hingegen schon. Und bei Kardiologen auch ein gern gesehenes. Apple hat den Bereich Sport und Training nicht nur bei der neue Series 4, sondern ganz allgemein mit dem Update auf watchOS 5 ausgebaut. Jetzt kann man mit ihr auch Freiwasserschwimmen und Yoga trainieren oder wandern gehen und dabei die Erfolge messen lassen. Die Option "Wandern" entspricht allerdings dem bisherigen und weiter auswählbaren "Gehen outdoor", nur eben mit anderem Namen. Wanderer wollen offenbar nicht mit Spaziergängern in einen Topf geworfen werden.

Fotostrecke

9  Bilder
Apples Smartwatch-Betriebssystem: Das ist neu in watchOS 5

Beim Wandern aber hat man - anders als bei vielen anderen Sportarten - die Möglichkeit, das neue, um ein Drittel größere Display der Apple Watch Series 4 zu genießen. Das nämlich ist im Alltag der wohl deutlichste Unterschied zu den Vorgängermodellen. Weil der Bildschirm sanft in die Rundungen des Rahmens übergeht, wirkt er nicht mehr so sehr wie ein PC-Bildschirm, bietet deutlich mehr Platz für Bilder und Text. Es hat nicht lange gedauert, bis ich mich fragte, wie ich mich vorher mit dem Display der früheren Modelle begnügen konnte.

Komplexere Zifferblätter

Vollkommen irre ist, welch immensen Aufwand Apple in die digitalen Ziffernblätter der neuen Apple Watch gesteckt hat. Für das Ziffernblatt "Liquid Metal" beispielweise wurde ein mehrere Meter großes Modell des Bildschirms gebaut, mit gefärbtem Wasser gefüllt, dessen Bewegungen mit einer Hochgeschwindigkeitskamera abgefilmt wurden.

Die Vorbereitungen dafür zogen sich über ein Jahr hin, die Dreharbeiten dauerten mehrere Wochen. Das Ergebnis ist eines von vier neuen animierten Ziffernblättern auf der Series 4 und ein gutes Beispiel dafür, mit welcher Detailversessenheit Apples Entwickler selbst solche Feinheiten angehen.

Ziffernblatt "Liquid Metal"
SPIEGEL ONLINE

Ziffernblatt "Liquid Metal"

Neben den animierten Ziffernblättern hat Apple zwei weitere mit der Apple Watch Series 4 eingeführt, die wesentlich funktioneller gestaltet sind. Eines davon heißt "Infograph" und enthält neben den Uhrzeigern acht teils komplexe Zusatzfunktionen (sogenannte Komplikationen). So werden etwa bei der Wetterprognose neben der aktuellen Temperatur auch Minimal- und Maximalwerte des Tages dargestellt.

Das sieht hübsch aus, ist mir aber im Alltag zu überfrachtet. Mein Ziffernblatt für den Alltag ist "Infograph Modular", das mit sechs Komplikationen immer noch eine hohe Informationsdichte bietet, dabei aber übersichtlicher ist.

Die Krone rattert

Die Bedienung wird dadurch erleichtert, dass die Krone jetzt haptisches Feedback gibt. Vereinfacht gesagt heißt das: Wenn man an der Krone dreht, fühlt es sich an, als würde man ein feines Räderwerk bewegen. Wie grob oder fein dieses simulierte Räderwerk ist, hängt davon ab, wie viele Informationen gerade dargestellt werden. Bei einer Liste mit vier Einträgen pro Bildschirmseite fühlen sich die virtuellen Zahnräder feiner an als beim Lesen einer Mail. Das macht die Orientierung in Listen, Texten und E-Mails leichter.

Erstaunlich und etwas enttäuschend ist die Akkulaufzeit. Eine zum Vergleich herangezogene Apple Watch Series 3 zeigte mit einer fast finalen Version von watchOS 5 am Ende eines Tages mit zwei Trainingseinheiten á 45 Minuten noch rund zwei Drittel verbleibende Akkukapazität. Der Series 4 verblieb zur selben Zeit nur ein Drittel Akkukapazität.

Fazit

Vorteile und Nachteile

Sehr guter Bildschirm

Umfangreiche Sport- und Fitnessfunktionen

Überwachung der Herzfrequenz

Wasserdicht bis 50 Meter

LTE-Funktion nur im Inland nutzbar

Akkulaufzeit

Die Series 4 ist ein in vielerlei Hinsicht bemerkenswertes Upgrade. Vor allem der neue Bildschirm hebt sie deutlich von ihren Vorgängern ab. Viele Funktionen, mit denen die neue Apple Watch beworben wird, kann man aber auch per watchOS 5 auf älteren Modellen nutzen. Die Akkulaufzeit könnte gerne etwas besser sein.

Mit Aluminiumgehäuse kostet die neue Apple Watch ab 429 Euro, das LTE-Modell ist 100 Euro teurer. Die Varianten im Edelstahlgehäuse haben immer LTE eingebaut, kosten ab 699 Euro.

Im Video: Apples neue Luxus-Smartphones im Test

SPIEGEL ONLINE
Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort
Über welche Produkte wird im Ressort Netzwelt berichtet?
Über welche Produkte wir in der Netzwelt berichten und welche wir testen oder nicht, entscheiden wir selbst. Für keinen der Testberichte bekommen wir Geld oder andere Gegenleistungen vom Hersteller. Es kann aus verschiedenen Gründen vorkommen, dass wir über Produkte nicht berichten, obwohl uns entsprechende Testprodukte vorliegen.
Woher kommen die Testprodukte?
Testgeräte und Rezensionsexemplare von Spielen bekommen wir in der Regel kostenlos für einen bestimmten Zeitraum vom Hersteller zur Verfügung gestellt, zum Teil auch vor der offiziellen Veröffentlichung. So können unsere Testberichte rechtzeitig oder zeitnah zur Veröffentlichung des Produkts erscheinen.

Vorabversionen oder Geräte aus Vorserienproduktionen testen wir nur in Sonderfällen. In der Regel warten wir ab, bis wir Testgeräte oder Spielversionen bekommen können, die mit den Verkaufsversionen identisch sind. In einigen Fällen kaufen wir Produkte auch auf eigene Kosten selbst, wenn sie bereits im Handel oder online verfügbar sind.
Dürfen die Netzwelt-Redakteure die Produkte behalten?
In der Regel werden Testgeräte nach dem Ende des Tests an die Hersteller zurückgeschickt. Die Ausnahme sind Rezensionsexemplare von Spielen und sogenannte Dauerleihgaben: So haben wir zum Beispiel Spielekonsolen und Smartphones in der Redaktion, die wir über längere Zeit nutzen dürfen. So können wir beispielsweise über Softwareupdates, neues Zubehör und neue Spiele berichten oder Langzeiturteile fällen.
Lassen sich die Netzwelt-Redakteure von Firmen auf Reisen einladen?
Die Kosten für Reisen zu Veranstaltungen, egal ob sie in Deutschland oder im Ausland stattfinden, trägt SPIEGEL ONLINE stets selbst. Das gilt auch dann, wenn beispielsweise aufgrund kurzfristiger Termine ein Unternehmen die Reiseplanung übernimmt.

Veranstaltungen, zu denen wir auf eigene Kosten reisen, sind unter anderem die Messen Ifa, CES, E3 und Gamescom sowie Events von Firmen wie Apple, Google, Microsoft oder Nintendo. Auf Konferenzen wie dem Chaos Communication Congress oder der re:publica bekommen wir in der Regel, wie auch andere Pressevertreter, kostenlose Pressetickets, da wir über die Konferenz berichten und keine klassischen Teilnehmer sind.
Was hat es mit den Amazon-Anzeigen in manchen Artikeln auf sich?
Seit Dezember 2016 finden sich in einigen Netzwelt-Artikeln Amazon-Anzeigen, die sogenannte Partner-Links enthalten. Besucht ein Nutzer über einen solchen Link Amazon und kauft dort online ein, wird SPIEGEL ONLINE in Form einer Provision an den Umsätzen beteiligt. Die Anzeigen tauchen in Artikeln unabhängig davon auf, ob ein Produkttest positiv oder negativ ausfällt.


insgesamt 45 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
neurobi 19.09.2018
1. Uhr
Welche Anforderungen habe ich an eine Uhr? Sie soll genau sein, Wasserdicht sein, endlos lang laufen und sich ggf. selbst stellen. Bei mindestens einem Punkt fällt jede "Smartwatch" durch, egal von wem und wie teuer.
technikaffin 19.09.2018
2. Die wichtigste Anforderung wird gern vergessen
Zitat von neurobiWelche Anforderungen habe ich an eine Uhr? Sie soll genau sein, Wasserdicht sein, endlos lang laufen und sich ggf. selbst stellen. Bei mindestens einem Punkt fällt jede "Smartwatch" durch, egal von wem und wie teuer.
Die Technikwelt ist schon manchmal kurios. Die wichtigste Anforderung sollte doch eher lauten: Eine Uhr, die mit ALLEN Endgeräten bzw. Hauptbetriebssystemen problemlos funktioniert. Diese angeblich beste Smartwatch kann ihren Status meiner Ansicht nach so lang nicht erfüllen, solange Apple sich in seinem eigenen Universum bewegt. Sie machen den Riesenfehler, ihr Betriebs-System nicht für andere Geräte freizugeben und gleichzeitig sperren sie die apple watch für Android. Apple ist und bleibt da stur und damit machen sie genau den Fehler den andere Techgiganten schon vorher gemacht haben. Und warum sollte ich bitte von einem tollen Androidphone auf ein 5-6 mal so teures aber gleich ausgestattetes IPhone XRS oder wie auch immer das jetzt heißt wechseln, nur um die "beste" smartwatch der Welt nutzen zu können? Ich finde die Uhr toll aber leider würde sie wohl bei mir nur die Uhrzeit anzeigen können und dafür reicht auch eine Casio Modeuhr.
Sensør 19.09.2018
3. Uhr nennen die das?
Eine Uhr ist ein Zeitmesser. Wie kann man ein Gerät als Zeitmesser betieteln, wenn dass Ding nach 18 Stunden aus geht? Als Stopuhr geht die Äpplewatsch durch, das war es aber schon.
U. Sielaff 19.09.2018
4. Weitere Anforderung:
Sie soll nicht aussehen wie eine Uhr aus dem Kaugummiautomat. Wie man schönes Smartwatches baut sollte sich Apple mal bei den Mitbewerbern ansehen.
mimas101 19.09.2018
5. Wer's braucht
und gleich noch ein passendes Sündhaft-36-Monate-Teuer Handy des gleichen Herstellers sein Eigen nennt... Eine andere Boulevard-Postille behauptet die Uhr mache Spaß und hier im eher sachlichen SPON sucht der Autor direkt nach Vorzügen um den Wecker ins rechte Licht (bei weniger als 0,5 Watt Lumenleistung) zu stellen. Immerhin - irgendwas kann ja die Uhr, aber nur was? Zeitanzeigen vielleicht, wahrscheinlich. Dauerüberwachung per Televisior ist auch gleich eingebaut und genauso mit dem OS verpappt wie auch der Mini-Akku und die restlichen Innereien der Uhr. Ach Ja,. man braucht den Zeigefinger nicht mehr auf die Pulsader zu halten und zu zählen. Das macht jetzt die Uhr, ja irgendwie so ungefähr auf das man dann erstmals in die nächste Notaufnahme rennen muß um sich dann erklären zu lassen ob man noch lebt oder eher nicht. Vorzüge hat das Dingens aber auch: Das Display ist ein paar Pixel größer, es gibt zu Hause ein neues Ladegerät zu bestaunen und die E-Werke freuen sich auch über den gestiegenen Strombedarf des Watschen-Besitzers W. Und das Teilchen kurbelt dann auch mal gleich den Umsatz anderer Produkte und Adapter aus dem gleichen Hause mit an. Gehen die Geschäfte schlecht und kann man mittels Walkie-Talkie keinen, gesponsort vom nächsten Werbetreibenden um die Ecke, einladen dann kann man natürlich auch gleich das Televisor.-Feature samt der Krankenakten meistbietend verhökern. Also - wers braucht dem seis gegönnt. Ich halte es eher mit meiner 30,-- Titan-Uhr, Batterie für 7 Jahre, Lederarmband und klassischer Uhren- samt Datumsanzeige. Puls habe ich auch sowieso, das kann man fühlen und wenn man nix mehr fühlt dann ists eh zu spät und man liegt dann meistens schwerkraftgesteuert auf dem Boden herum. Netter Nebeneffekt: Ich renne selbstbestimmt auf dem Trimm-dich-Pfad herum und habe keinen der mir auch gleich eine passende Krankenversicherung andreht. So nebenbei: Es sieht so aus als wenn es einfach nix mehr zu erfinden gibt. Was die Amis produzieren ist nicht nur Rohstoffvergeudung und Umweltverschmutzung sondern auch allerlei was eigentlich total überflüssig ist, nur weitere Probleme produziert, die Sache umständlicher gestaltet und final also eher keinen Sinn macht.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.