iPhone-Gerücht Schafft Apple die Kopfhörerbuchse ab?

Beim iPhone 7 wird man Kopfhörer nur noch drahtlos betreiben können - das sagen zumindest die Gerüchteköche. Technisch hätte das Vorteile, doch mehr als eine Viertelmillion wütender Menschen unterzeichneten schon eine Petition gegen Apple.

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iPhone 6s: Das nächste Apple-Handy hat womöglich keine Headset-Buchse (links)
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iPhone 6s: Das nächste Apple-Handy hat womöglich keine Headset-Buchse (links)


Seit etlichen Wochen wird spekuliert, dass Apple bei der nächsten iPhone-Generation womöglich auf die Kopfhörerbuchse verzichten könnte. Seit einigen Tagen verdichten sich diese Gerüchte nun. Mehreren Techblogs zufolge haben verschiedene Quellen aus Herstellerkreisen die Gerüchte bestätigt, natürlich anonym.

Einen Grund für den Verzicht auf eine Kopfhörerbuchse erkennt man sofort, wenn man sich die Unterseite eines aktuelles iPhones anschaut: Solange die 3,5-Millimeter große Buchse im Gehäuse steckt, kann man das Handy nicht noch dünner machen. Nebenbei hätte man damit eine Öffnung weniger zu stopfen, sollte Apple versuchen, das neue iPhone wasserdicht zu machen.

Es gäbe also durchaus Vorteile. Für viele Apple-Kunden würde es aber auch bedeuten, dass sie ihre alten Kopfhörer wegwerfen oder nur noch mit einem Adapter am neuen iPhone benutzen könnten. Ganz egal, wie teuer sie waren.

Zum Durchklicken: Die neuen iPhones im Test

Die Unterschiede sind kaum zu erkennen. Von links nach rechts liegen hier iPhone 6s, iPhone 6, iPhone 6s Plus und iPhone 6 Plus nebeneinander.

Die neue Farbvariante Roségold sticht allerdings deutlich hervor.

Ob Apple Probleme hat, das pinkfarbene Modell herzustellen oder ob die Nachfrage danach einfach sehr hoch ist, lässt sich nicht sagen. Aber während die anderen Modelle im Vorverkauf bequem zum Erstverkaufstag, dem 25. September, bestellbar sind, werden für diese Variante bereits wochenlange Wartezeiten in Aussicht gestellt.

Das Pinkmetallic wurde bei dem neuen Modell konsequent auf alle sichtbaren Teile übertragen.

Auch die neuen iPhones benötigen wieder eine Nano-Sim-Karte, die in eine kleine Schublade eingelegt werden muss.

Einen USB-C-Anschluss, wie man ihn mittlerweile bei einigen aktuellen Android-Smartphones findet, baut Apple nicht ein. Stattdessen setzt das Unternehmen weiter auf seinen Lightning-Connector.

In den Homebutton ist wieder ein Fingerabdrucksensor eingebaut. Gegenüber dem Vormodell soll er doppelt so schnell sein. Im Alltag ließ sich kaum ein Unterschied feststellen.

Die Auflösung der Bildschirme ist so hoch, dass sich mit bloßem Auge keine Pixel erkennen lassen. Hier haben wir mit siebenfacher Vergrößerung eine Nahaufnahme des Displays eines iPhones 6s gemacht, um die Bildpunkte sichtbar zu machen.

Die Selfiekamera hat ein signifikantes Update bekommen, zeichnet jetzt 5 Megapixel auf. Zuvor waren es 1,2. Der Bildschirm dient ihr als Blitzersatz.

Auch die Hauptkamera der neuen iPhones wurde aufgewertet, nimmt zwölf statt bisher acht Megapixel auf und kann jetzt auch 4K-Videos filmen. Im iPhone 6s Plus wird das Linsensystem durch einen optischen Bildstabilisator unterstützt.

Die am deutlichsten spürbare Neuerung der iPhones 6s und 6s Plus ist die Funktion 3D Touch.

Drückt man etwas kräftiger auf App-Symbole, lassen sich per 3D Touch Menüs ausklappen, über die man auf einige Funktionen der App sofort zugreifen kann.

Welche Funktionen per 3D Touch nutzbar sind, entscheidet der Entwickler, selbst auswählen kann man nicht.

Auch in Apps selbst lässt sich 3D Touch nutzen. Hier beispielsweise wird der Inhalt einer Playlist angezeigt, nachdem diese per 3D Touch ausgewählt wurde.

Auch im Adressbuch und der Telefon-App ist 3D Touch nützlich. Drückt man auf den Namen einer Person, wird angezeigt, über welche Kommunkationswege man diese Person erreichen kann.

Ein Druck auf die Fotos-App fördert diese Menü hervor, über das man unter anderem die neuesten Aufnahmen und Bilder anzeigen lassen kann, die man vor einem Jahr aufgenommen hat.

Die E-Mail-App von iOS 9 ist ein gutes Beispiel für die Möglichkeiten von 3D Touch. Drückt man auf eine Mail, wird eine Vorschau von deren Inhalt angezeigt.

Schiebt man die E-Mail nach links, lässt sie sich sofort löschen. Ein Wisch nach rechts markiert sie als gelesen.

Schiebt man die Nachricht nach oben, werden verschiedene Optionen angezeigt, etwa, um sie zu beantworten oder weiterzuleiten.

Wer mit 3D Touch nicht zurechtkommt, sollte einen Blick in die Einstellungen-App werfen. Dort gibt es unter Allgemein/Bedienungshilfen die Möglichkeit einzustellen, wie sensibel der Bildschirm auf den Druck der Finger reagieren soll.

Das hört sich nach einer radikalen Entscheidung an, aber für Apple sind solche drastischen Abschiede von alten Standards nicht ungewöhnlich. Schon als der Konzern bei der Einführung der iMacs 1998 auf ein Diskettenlaufwerk verzichtete und USB als universellen Anschluss einführte, waren Staunen und Empörung groß.

Auch als Apple beim ultraflachen Macbook Air auf ein CD-Laufwerk verzichtete, gab es Widerstand. Nicht viel anders sah es aus, als 2012 der mit dem ersten iPod eingeführte Dock-Connector gegen den heute üblichen Lightning-Port ausgetauscht wurde. Der Ablauf ist stets derselbe: Immer wenn Apple eine alte Technologie durch eine moderne ersetzt, reagiert die Öffentlichkeit mit Entsetzen.

250.000 sind dagegen

Da wundert es nicht, dass nun schon ein Gerücht ausreicht, Menschen auf die Barrikaden zu treiben. Eine Petition, die sich gegen Apples angebliche Pläne richtet, wurde von mehr als einer Viertelmillion Menschen unterzeichnet, obwohl es von Apple noch gar keine Bestätigung dafür gibt, dass die Klinkenstecker-Buchse, die schon dem Walkman als universeller Kopfhöreranschluss diente, abgeschafft werden soll.

Xerox Alto: Dieser Computer war die Vorlage, von der sich Apples Entwickler bei vielen wichtigen Eigenschaften des Macintosh inspirieren ließen. Vor allem die grafische Benutzeroberfläche war wegweisend.

Xerox-Maus: Dieses Ding war eine der wichtigsten Innovationen der Computergeschichte und die Voraussetzung dafür, dass man die grafische Benutzeroberfläche des Xerox Alto bedienen kann. Sie war das Vorbild für die Apple-Maus.

Apple Macintosh: Der legendäre Rechner brach mit vielen Traditionen, war tragbar, hatte eine ungewohnt leicht bedienbare Benutzeroberfläche und eine Maus.

Computer-Entwickler Jef Raskin: Er hatte das Macintosh-Projekt bei Apple geleitet, bis Steve Jobs die Führung übernahm und aus dem von Raskin geplanten Billig-Computer einen Highend-Rechner machte.

Vaterstolz: Gemeinsam mit dem damaligen Apple-Chef John Sculley (r.) stellte Steve Jobs am 24. Januar 1984 den Macintosh vor. Im Bild rechts ist das Vorgängermodell Lisa zu sehen, das ein kommerzieller Flop war.

Computerzimmer, 1986: Macintosh-Rechner im Creative Arts Computer Lab an der San Francisco State University, komplett ausgestattet mit einem zweiten Floppy-Laufwerk und Nadeldrucker.

Macintosh LC: Der flache Rechner im Pizzabox-Design sollte zu einem vergleichsweise günstigen Preis Farbanwendungen ermöglichen. Daher auch das Kürzel LC, das für low-cost color steht. Zur selben Zeit produzierte Sun professionelle Workstations in einem ganz ähnlichen Design.

Macintosh Powerbook: Mit diesem Modell brachte Apple seinen ersten wirklich tragbaren Mobilrechner auf den Markt. Der Prozessor tickte mit 16 MHz, der Schwarzweiß-Bildschirm maß neun Zoll.

Power Mac G4 Cube: Das Design dieses Computers war so aufsehenerregend, dass ein Exemplar heute im New Yorker Museum of Modern Art ausgestellt wird. Aufgrund der besonderen Konstruktion war kein Lüfter nötig, und der Rechner lief geräuschlos.

20th Anniversary Mac: Zum zwanzigsten Firmenjubiläum brachte Apple 1997 diesen Rechner auf den Markt, der seiner Zeit in vielerlei Weise voraus war und zur Einführung 7500 Dollar kostete. Trotz seiner optischen Vorzüge wurde er ein Flop. Restposten wurden ein Jahr später zu einem Bruchteil des ursprünglichen Preises verkauft.

Wiederkehr: Nach seiner Rückkehr zu Apple ließ Steve Jobs den ersten iMac entwickeln. Das vom Prinzip an den Ur-Macintosh angelehnte Gerät gab es zuerst nur in der Farbe Bondi Blue, die nach einem beliebten Strand in Australien benannt ist.

Bunt geht immer: Um die Jahrtausendwende brachte Apple Varianten des iMac in diversen Farben heraus. Wichtig war Apple-Designer Jonathan Ive (l.) und Entwicklungschef Jon Rubinstein dabei stets, dass die Geräte transparent blieben.

Power Mac G3: Die Verbuntung der Macs machte auch vor den Profi-Rechnern nicht halt.

Nach dem Macbook kam das iBook: Mit dem günstigen Mobilcomputer im iMac-Design lockte Apple Privatkunden weg vom Desktop.

iMac anno 2002: Diese Designvariante mit einem beweglichen Bildschirm auf einem massiven Fuß voller Elektronik wurde gerne auch als Tischleuchte bezeichnet.

iMac 2013: Die aktuellen Modelle bestehen zu großen Teilen aus Notebook-Hardware. Anders wäre es kaum möglich, sie so schlank zu bauen.

Ein (manipulierter) Blick ins Innere eines iMac: Die Konstruktion des All-in-one-Computers bedingt vollkommen andere Ansätze als herkömmliche PC.

Fans: Bis heute wird der Macintosh von vielen als Ikone der Computerentwicklung angesehen. Hier ist ein Apple-Enthusiast zu sehen, der seinen Macintosh Classic, Baujahr 1990, zum Kauf eines neuen iPads mit in den Apple Store brachte.

Das erste Mal wäre es freilich nicht, dass ein Smartphone ohne Kopfhörerbuchse gebaut wird. HTC etwa versuchte das schon 2008 mit dem Dream und einige Monate später dem Magic. Diese ersten Android-Handys hatten ebenfalls keine Kopfhörerbuchse und wurden mit Kopfhörern für den USB-Anschluss ausgeliefert. Den Kunden hat das damals auch nicht gepasst, Proteststürme blieben trotzdem aus.

Digital hat nicht nur klanglich Vorteile

Dabei wäre es technologisch betrachtet lägst an der Zeit, den uralten analogen Miniklinkenanschluss gegen ein digitales Pendant auszutauschen. Denn das dürfte der Plan sein: Kopfhörer sollen - den Gerüchten zufolge - ab dem iPhone 7 entweder drahtlos, per Bluetooth angeschlossen werden. Oder eben über die Lightning-Buchse.

Über die kann Musik digital und damit verlustfrei auf die Kopfhörer übertragen werden - und theoretisch einen besseren Klang erreichen. Aber es gibt noch mehr Möglichkeiten. So könnte man eine in den Kopfhörer integrierte Elektronik zur Nebengeräuschunterdrückung vom iPhone mit Strom versorgen lassen. Oder festlegen, dass beim Anstöpseln der Kopfhörer immer eine bestimmte App geöffnet wird.

Lightning ist teuer

Das hört sich gut an, billig wird es nicht. Bisher gibt es nur wenige Firmen, die Kopfhörer mit Lightning-Stecker anbieten. Der Fidelio M2L von Philips gehört mit einem Listenpreis von 280 Euro noch zu den Günstigeren.

Philips Fidelio M2L: Digitale Klangübertragung per Lightning-Kabel
Philips

Philips Fidelio M2L: Digitale Klangübertragung per Lightning-Kabel

Von Apple selbst gibt es noch kein solches Headset. Doch an dieser Stelle könnte sich der milliardenteure Zukauf der Kopfhörerfirma Beats bezahlt machen. Bluetooth-Kopfhörer hat die Apple-Tochter schon diverse im Programm. Nun ein paar Modelle mit Lightning nachzuliefern, dürfte kein Problem sein.

Zieht Google nach?

Solche Kopfhörer sind ein einträgliches Geschäft, die Margen hoch. Derzeit kostet das günstigste Beats-Headset im Apple Store 100 Euro. Doch auch an denen, die ihren alten analogen Kopfhörer nicht ersetzen wollen, könnte Apple verdienen. Beispielsweise mit einem Lightning-auf-Miniklinke-Adapter. Wenn der günstig wäre, würde er immer noch 25 Euro kosten.

Sollten die Gerüchte wirklich stimmen, und Apple schafft die Kopfhörerbuchse ab, müssen Apple-Kunden also erst einmal mit Zusatzkosten rechnen, wenn sie sich ein neues iPhone kaufen. Das wird nervig und es wird für Aufregung sorgen. Und es wird bedeuten, dass die Trennlinie zwischen Apple-Kunden und dem Rest der Welt noch dicker wird, wenn bestimmte Kopfhörer plötzlich nur noch mit iPhones funktionieren.

Abzuwarten bleibt dann nur, ob Android-Entwickler Google Apples Vorbild folgen wird und Android-Handys künftig erneut mit USB-Kopfhörern ausgestattet werden. Dem Klang könnte das zugute kommen - dem Geldbeutel erst einmal nicht.

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Bragi Dash: Ein Kopfhörer mit Gehirn

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insgesamt 315 Beiträge
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Seite 1
jeze 13.01.2016
1. Dünner
Der Kopfhöreranschluss ist das eine - aber wenn man das macht, um das iPhone noch dübber zu bekommen, dann finde ich es fragwürdig. Dinge nur dünn zu machen, weil's halt geht ist nicht sinnvoll. Ich kenne schon genügend Menschen mit beschädigtem iPhone 5 und 6, welches heruntergefallen ist, weil die Personen es aufgrund des dünnen Gehäuses in der Hektik nicht richtig fassen konnten.
Referendumm 13.01.2016
2. Bin kein Apple-Fan, aber
dies halte ich für sehr vernünftig - allerdings nur dann, wenn ein gängiges System wie z.B. Bluetooth zum Einsatz kommt und nicht wieder etwas sehr Apple-Spezifisches. Das ist dann nämlich nur reine Geldschneiderei. Aber die Geschichte lehrt uns, dass Apple nur wieder seine Kunden abzocken will.
Jan B. 13.01.2016
3.
Warum wird Apple das wohl machen? Sicherlich gibt es im Warenangebot auch eine Reihe kabelloser Kopfhörer, die vermutlich deutlich teurer als kabelgebundene Kopfhörer sind. Im Zubehörmarkt ist eben eine ganze Menge Geld zu holen. Aber es ist ja niemand gezwungen, sich das IPhone 7 zu kaufen, nicht wahr? ;)
Circular 13.01.2016
4. Der Ohrhörer lässt sich auch implantieren
und an den Knochen andocken. Aufgeladen wird er via Induktion. Und dann stört die Musik auch keinen Nachbarn mehr.
karaokefreak01 13.01.2016
5. Nicht USB sondern Firewire
Die Angabe, Apple hätte 1998 USB eingeführt, ist falsch. IBM, Compaq und Partner führten 1996 USB auf PCs ein. Apple setzte noch Jahre später auf den eigenen Standard namens Firewire (IEEE 1394). USB kam bei Apple erst viel später zum Einsatz, als Firewire längst auf verlorenem Posten stand.
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