Von Matthias Kremp
Ob Apples Anwälte sich wirklich großzügig fühlten, als sie 2010 diesen Satz formulierten: "Da Samsung für Apple ein wichtiger Lieferant ist, sind wir bereit, Ihnen eine Lizenz für derartige Geräte anzubieten"? Die Aussage ist Teil einer Apple-Präsentation, die den koreanischen Konzern 2010 dazu bringen sollte, den Kaliforniern Lizenzgebühren für jedes verkaufte Smartphone und jedes Tablet zu zahlen.
Publik geworden ist das vertrauliche Dokument im Rahmen des Prozesses, den die beiden Konzerne derzeit in Kalifornien gegeneinander führen. In dem Verfahren wirft Apple Samsung vor, hemmungslos bei iPhone und iPad abgeschaut, die Produkte geradezu kopiert zu haben. Samsung konterte mit Klagen, Apple nutze in seinen Geräten unerlaubt Samsung-Patente. Gestritten wird dabei um Milliardenforderungen und um die Frage, inwieweit sich Designideen schützen lassen.
Nach den ersten zwei Verhandlungswochen ist aber nicht mal ansatzweise ein Ende der Streitereien abzusehen. Stattdessen führen beide Streitparteien immer wieder Dokumente gegeneinander ins Feld, die sie bisher sorgsam geheim gehalten hatten. So wurden Samsungs Pläne für ein Retina-Tablet ebenso aufgedeckt wie Apples Designstudien für das iPhone und iPad. Fast beiläufig kam ans Licht, welche Summen Apple in die Werbung für seine Mobilgeräte investiert hat.
30 Dollar für Smartphones, 40 Dollar für Tablets
Dabei hätte es womöglich gar nicht so weit kommen müssen, sagen Apples Anwälte nun. Schon Ende 2010 habe man Samsung ein Friedensangebot gemacht, erklärten sie am Freitag (10. August). Das allerdings war alles andere als friedlich formuliert und wohl schon deswegen zum Scheitern verurteilt, wie die Dokumente belegen, die die Website AllThingsD nun online gestellt hat.
Darin heißt es etwa über das Android-Smartphone Galaxy S: "Samsung hat sich dazu entschieden, das iPhone zum Vorbild zu nehmen, es zu adaptieren, nachzuahmen und zu imitieren". Man hätte es lieber gesehen, wenn der koreanische Konzern Apple vorher um eine Lizenz gebeten hätte, heißt es weiter. Und schließlich kommt jener Satz in Gutsherrenart, in dem Samsung eine solche Lizenz nachträglich angeboten wird.
Mit Kleingeld wollte sich Apple allerdings schon damals nicht abgeben. Pro Smartphone solle der Konzern 30 Dollar an Apple zahlen, für jedes Tablet wären dem Vorschlag zufolge 40 Dollar fällig geworden. Abzüglich diverser Rabatte, die man zu gewähren bereit wäre, kam Apple damals auf 250 Millionen Dollar, die Samsung rückwirkend für 2010 hätte zahlen sollen.
Angesichts der rasanten Entwicklung auf dem Handy-Markt wäre eine Zustimmung zu diesem Angebot Samsung allerdings mittlerweile teuer zu stehen gekommen. Denn in den letzten zwei Jahren hat sich Samsung zu einem der weltweit erfolgreichsten Handy-Hersteller entwickelt. Konnte das Unternehmen im vierten Quartal 2010 gerade mal knapp zehn Millionen Smartphones absetzen, waren es im zweiten Quartal 2012 bereits mehr als 50 Millionen Geräte.
Der Statistik-Dienstleister Statista hat aus diesen Zahlen hochgerechnet, wie viel Geld der koreanische Konzern demnach heute nur für die angebotenen Handy-Lizenzen an Apple überweisen müsste. Das Ergebnis ist eine beachtliche Zahl, die sich ganz anders liest als jene 250 Millionen Dollar für das Jahr 2010, von denen in Apples Angebot die Rede war: Rund 1,5 Milliarden Dollar hätte Samsung jetzt an Apple überweisen müssen - nur für das zweite Quartal 2012.
Korrektur: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, Apple hätte die Lizenzgebühren unabhängig vom Betriebssystem des jeweiligen Smartphones eingefordert. Tatsächlich hatte der Konzern für Windows-Handys einen Rabatt vorgesehen. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.
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