Apples 27 Zoll iMac Big-Mac im Härtetest

Apple demonstriert Größe, zumindest beim neuen iMac. Der Bildschirm des Pixelriesen lässt sogar manche Full-HD-Fernseher wie kleine Gucklöcher aussehen, findet Matthias Kremp - und schickt den gewaltigen All-in-one-Rechner auf den Test-Parcours.

SPIEGEL ONLINE

Als ich den iMac aus dem Transportkarton auf meinen Schreibtisch wuchte, sorgt das für Aufsehen. Einen so großen Bildschirm hat hier im Büro sonst niemand. Ein zum Vergleich daneben gestelltes 17-Zoll-Display erscheint neben dem iMac geradezu niedlich - und ziemlich hässlich. Im Gegensatz zum silberfarben lackierten Plastikrahmen unserer regulären Flachbildschirme verheißen das Aluminium-Gewand des Apple-Rechners und das rahmenlose Deckglas über dem Display puren Luxus.

Denn so wie in japanischen Großstädten jeder Quadratmeter Wohnraum purer Luxus ist, gilt auf PC-Bildschirmen jeder zusätzliche Bildpunkt als Aufwertung - und Bildpunkte hat der 27-Zoll-iMac reichlich. Denn das Display, in dessen Gehäuse auch der komplette Computer Platz findet, ist gewaltig. Die Auflösung beträgt 2560 x 1440 Bildpunkte, entspricht der eines 30-Zoll-Monitors. Das sind knapp 3,7 Megapixel und damit fast das Dreifache dessen, was ein typischer 19-Zoll-Bildschirm anzeigt. Was das bedeutet, lerne ich, als ich ein Full-HD-Video darauf anschaue: Auf dem riesigen Bildschirm belegt selbst ein hochauflösender Film nur ein Fenster; er muss hochskaliert werden, um den Bildschirm zu füllen. Das ist ungewohnt.

Und sieht verdammt gut aus.

Die schiere Größe hat allerdings auch Nebenwirkungen. Um etwa mit der Maus halbwegs flott über das riesige Bildschirm-Areal manövrieren zu können, muss ich das Tempo der Maus in den Systemeinstellungen erst einmal erhöhen. Zudem brauche ich ein wenig Zeit, mich daran zu gewöhnen, dass ich bei der Arbeit am Bildschirm den Kopf drehen muss, um etwa vom Apple-Menü links oben zum Papierkorb rechts unten zu schauen. Aber das ist bestimmt gut gegen mögliche Verspannungen.

Fotostrecke

10  Bilder
Der 27-Zoll-iMac: So schön kann groß sein

Schwieriger war es, mich an das Hochglanz-Display zu gewöhnen. Klar, das sieht toll aus und sorgt dafür, dass der Bildschirm knackige Kontraste und Farben darstellen kann. Andere Hersteller wie Samsung und Sony machen es nicht anders. Aber solche Displays spiegeln eben auch, vor allem bei dunklen Bildinhalten. Den Bildschirmhintergrund sollte man daher lieber hell wählen, den Rechner so aufstellen, dass man Lampen und Fenster nicht im Rücken hat. So gerüstet kann ich den glänzenden Bildschirm recht ungestört genießen. Trotzdem: Ein entspiegeltes Display würde ich bevorzugen, auch gegen Aufpreis.

Ob ich allerdings bereit wäre, den von Apple geforderten Aufpreis für einen Vierkern-Prozessor zu zahlen, steht auf einem anderen Blatt. Im Cinebench-Leistungstest kommt der getestete iMac mit 3.06 GHz Dualcore-Chip auf einen Wert von 5600 Punkten für die Prozessorleistung. Für Alltagsaufgaben wie Textverarbeitung, E-Mail und Websurfen ist schon das viel zu viel. Auch bei der Videobearbeitung mit iMovie und Bildbearbeitung mit Photoshop stelle ich keine langen Wartezeiten fest.

Das mag anders sein, wenn man mit den im Print-Bereich üblichen größeren Dateien arbeitet oder Filme mit Programmen wie After Effects professionell bearbeiten will. Wer vorhat, seinen iMac für solche Aufgaben zu knechten, sollte das 1800 Euro teure Quadcore-Modell zumindest in Betracht ziehen. Denn ein aktueller Rechner mit Vierkern-CPU schafft im Cinebench 11.000 bis 14.000 Zähler, kann also mindestens doppelt so viel Leistung liefern wie ein Dualcore-Rechner.

Unterschiede bei den Grafikkarten

Ähnliches gilt für die Grafikkarte. In den mit 1099 Euro günstigsten iMac wird noch ein nVidia-GeForce-9400M-Grafikprozessor eingebaut. Der ist zwar nicht übel, aber erstens nicht mehr ganz taufrisch und zweitens eigentlich für Notebooks konzipiert. Deutlich mehr Leistung versprechen die ATI Radeon HD 4670 und HD4850, die Apple in die teureren iMacs einbaut. Apple selbst rechnet vor, die neuen Grafikkarten würden doppelt so schnell, teilweise mehr als viermal so schnell Pixel verschieben wie das 9400er-Modell.

In Grafiktest von Cinebench jedenfalls schlägt sich die HD 4670 ausgesprochen gut, erreicht mehr als 6600 Punkte, ist damit tatsächlich rund viermal schneller als eine zum Vergleich getestete nVidia 9400M und liegt in etwa gleichauf mit nVidias Mittelklasse-Grafikkarte Geforce 8800 GTS. Das sind gute Voraussetzungen, auch für Spiele. Dringend nötig sind die relativ leistungsstarken Grafikchips aber auch deshalb, weil sie im Extremfall nicht nur den eingebauten, extrem hochauflösenden Bildschirm des iMac befeuern, sondern zusätzlich einen externen Bildschirm gleicher Größe ansteuern können.

Cool und lautlos

Die von Apple mit dem iMac gelieferte kabellose Tastatur steht allerdings im krassen Gegensatz zu solch großangelegten Aufbauten. Denn die ist zwar wunderschön und für Vieltipper gut geeignet, enthält aber keinen Ziffernblock. Buchhalter werden das hassen. Premiere feiert beim iMac die neue, nicht minder schöne Magic Mouse. Das feine Zeigegerät ist besonders flach, hat keine mechanischen Schalter oder Rädchen. Stattdessen ist ihre Oberfläche berührungsempfindlich, kann haarklein an eigene Vorlieben angepasst werden. Meine wurde so zur Zweitastenmaus inklusive Dreh- und Scroll- und Zoomfunktion. Sensationell ist das alles nicht, aber es spart manchen Griff zur Tastatur, macht den Umgang mit der Maus sehr angenehm und effizient.

Angenehm und effizient ist auch die Kühlung des iMacs gelungen. Obwohl es im Gehäuse des All-in-one-Rechners ähnlich eng zugeht wie in Tokioter U-Bahnen zur Rush-Hour, ist der Riesen-iMac fast lautlos. Die drei in das Gehäuse integrierten Lüfter laufen so langsam, dass ich sie im Test selbst bei starker Belastung des Rechners nicht bewusst hören konnte. Hier spielt das Design eine große Rolle: Umgebungsluft strömt durch ein Lochgitter von unten in den Rechner ein, verlässt das Gehäuse durch einen Schlitz an der Oberseite wieder. Allein durch Konvektion entsteht so ein kühlender Luftstrom. Zusätzlich dient das Gehäusematerial als Kühlkörper, befördert die Hitze von Chips und Laufwerken von innen nach außen.

Von all der Technik bekommt man aber sowieso kaum etwas zu sehen. Den tiefsten Einblick in die Technik bekommt man, will man den Arbeitsspeicher erweitern. Dafür muss eine kleine Abdeckung gelöst werden, welche die vier Speichersteckplätze freilegt. Von jeglichen anderen Selbstbau-Erweiterungen sollte man allerdings lieber die Finger lassen. Allein um die Festplatte auszutauschen, muss der halbe Rechner zerlegt, sogar der Bildschirm abgenommen werden. Dramatisch ist das allerdings nicht. Außer beim Einstiegsmodell ist bei allen iMacs eine Ein-Terabyte-Festplatte eingebaut, die eine Weile ausreichen sollte.

Lieber gleich das große Modell

Zwar kann man den iMac auch mit einer doppelt so großen Platte bestellen, muss dafür aber, typisch Apple, einen Apothekenpreis zahlen. Vollkommen abwegige 225 Euro verlangt der Hersteller für das Upgrade von ein auf zwei Terabyte, ignoriert dabei, dass man Zwei-Terabyte-Festplatten im Handel schon für 140 Euro bekommen kann. Wer viel Plattenspeicher braucht, sollte also besser ein externes Laufwerk in Betracht ziehen.

Die Entscheidung für eines der neuen iMac-Modelle macht Apple ohnehin nicht leicht. Mit einem Preis von 1100 Euro legt das Einstiegsmodell die Kaufhemmschwelle niedrig, hat dafür eine kleine Festplatte und eine veraltete Grafikkarte eingebaut. Sicherlich empfehlenswerter ist das 250 Euro teurere Modell mit doppelt so großer Festplatte und schnellerer Grafikkarte. Ist man aber erst einmal bereit, so viel für einen Computer auszugeben, stellt sich die Frage, warum man dann nicht noch die 150 Euro drauflegen sollte, die dann noch zum 1500 Euro teuren 27-Zoll-iMac fehlen. Zum Vergleich: Ein halbwegs vergleichbar ausgestatteter Mac mini würde inklusive Apples 24-Zoll-Display gut 1800 Euro kosten - mehr als der Quadcore-iMac - und wäre dabei bedeutend langsamer.

Aber wer solche Rechnungen aufstellt, versucht wohl nur, sich selbst zu überzeugen. Wie so oft dürfte auch beim iMac der Kontostand der limitierende Faktor sein.

Apples iMacs, Ende 2009

Prozessor Intel Core 2 Duo Intel Core 2 Duo Intel Core 2 Duo Intel Core i5
Taktfrequenz 3,06 GHz 3,06 GHz 3,06 GHz 2,66 GHz
Grafikkarte nVidia GeForce 9400m ATI Radeon HD 4670 ATI Radeon HD 4670 ATI Radeon HD 4850
Arbeitsspeicher 4 GB 4 GB 4 GB 4 GB
Festplatte 500 GB 1 TB 1 TB 1 TB
DVD-Laufwerk Ja Ja Ja Ja
Displaygröße 21,5 Zoll 21,5 Zoll 27 Zoll 27 Zoll
Displayauflösung 1920 x 1080 1920 x 1080 2560 x 1440 2560 x 1440
W-Lan/Bluetooth 802.11n/2.1+ EDR 802.11n/2.1+ EDR 802.11n/2.1+ EDR 802.11n/2.1+ EDR
Ethernet 1 x Gigabit 1 x Gigabit 1 x Gigabit 1 x Gigabit
USB 4 4 4 4
Firewire 1 1 1 1
Audio In/Out optisch-digital optisch-digital optisch-digital optisch-digital
Sonstiges Mikrofon, Webcam, SD-Kartenleser Mikrofon, Webcam, SD-Kartenleser Mikrofon, Webcam, SD-Kartenleser Mikrofon, Webcam, SD-Kartenleser
Preis in dieser Ausstattung 1099 Euro 1349 Euro 1499 Euro 1799 Euro



© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.