Apple-Tablet im Test: So gut ist das neue iPad wirklich

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Das neue iPad sieht aus wie sein Vorgänger, doch das Gerät ist schneller, es besticht durch einen phänomenalen Bildschirm und eine starke Kamera. Allerdings hat das Apple-Produkt auch Tücken. Was es kann und was nicht - der Testbericht.

Matthias Kremp

Hamburg - Gut, dass mein Testgerät weiß ist. So kann ich das neue iPad besser von meinem alten, schwarzen iPad 2 unterscheiden. Denn, Hand aufs Herz, die 0,6 Millimeter, die das neue Modell dicker geworden ist als sein Vorgänger, kann ich weder sehen noch die rund 50 Gramm zusätzliches Gewicht spüren. Erst wenn der Bildschirm aufleuchtet, ist der Unterschied deutlich zu erkennen. Das neue Display ist brillant, hell, kontraststark und vor allem extrem detailreich.

Erstaunliche 2048 x 1536 Pixel lässt Apple seine Zulieferer auf den 9,7-Zoll-Bildschirm des neuen iPad pressen, mehr als jeder Full-HD-Fernseher anzeigt, denn die bieten nur 1920 x 1080 Pixel. Etwa beim aktuellen James-Bond-Film in Full HD: Das Bild ist scharf, sauscharf könnte man sagen. Selbst bei Panorama-Ansichten lassen sich Feinheiten erkennen, die das iPad 2 schlicht verschlucken würde. Bei einer Szene in einer Wüstenlandschaft meine ich, selbst in der Ferne noch einzelne Steine ausmachen zu können.

Eindrucksvoll ist auch, wie sich die Darstellung von Schrift verändert hat. Buchstaben werden viel feiner gezeichnet als zuvor. Um zu ergründen, woran das liegt, hole ich eine Lupe hervor, mit der ich einen Text auf dem iPad 2 und dem neuen iPad - das Apple nicht iPad 3 nennen will - vergleiche. Die Erkenntnis: Auf dem iPad 2 sind in der Vergrößerung Treppeneffekte an den Rundungen der Buchstaben erkennbar, die auf dem neuen Bildschirm fehlen (siehe Bilderstrecke). Plötzlich erscheinen mir Buchstaben auf dem iPad 2 ausgefranst und kontrastarm.

Fotostrecke

23  Bilder
Mehr Pixel, mehr Speed: So sieht das neue iPad aus
Ähnlich wie bei Text fällt der Effekt bei Fotos aus: Bisher war es so, dass iTunes beim Übertragen von Fotos auf das iPad die Auflösung der Bilder automatisch auf die Auflösung des iPad-2-Displays (1024 x 768 Pixel) herunterrechnete. Damit sei es jetzt vorbei, erklärte mir ein Apple-Manager. Künftig würden Fotodateien mit bis zu 18 Megapixel Auflösung auf den Flachrechner übertragen. Und tatsächlich, die Fotos, die ich zum Test auf das neue Tablet lade, werden dort mit den vollen zwölf Megapixeln meiner Kamera gespeichert, können also pixelgenau bearbeitet werden. Apps dafür gibt es einige, wie zum Beispiel Snapseed oder Photoshop touch. Für das neue Display, das Apple wie beim iPhone 4 und 4S als Retina-Display bezeichnet, ist bisher aber nur Apples iPhoto optimiert. Ein anderes Feature des iPhone 4S ist übrigens nicht an Bord: der Sprachassistent Siri.

Gute Kamera, schlechte Kamera

Passend zum Display ist auch die Rückkamera im neuen Modell verbessert worden. Wie in der Kamera des iPhone 4S bündeln jetzt fünf Linsen das durch die vergrößerte Blende einfallende Licht. Im Gegensatz zum Acht-Megapixel-Sensor des Apple-Handys hat der Bildsensor im iPad aber nur fünf Megapixel. das Ergebnis kann sich trotzdem sehen lassen. Mit der neuen Kamera bringe ich ein paar recht gute Schnappschüsse zustande. Vor allem Nahansichten gelingen erstaunlich gut.

Als Kamera würde ich das iPad trotzdem nicht benutzen wollen, auch nicht mit seiner neuen Videofunktion, die jetzt auch Full-HD-Filmchen aufzeichnet. Dafür ist ein Tablet nach wie vor zu unhandlich. Die Rückkamera ist ein nettes Extra, aber keinesfalls ein Grund, so ein Tablet zu kaufen. Viel mehr schmerzt es mich, dass Apple die Frontkamera, die zum Anwender gerichtet ist, nicht verbessert hat. Sie liefert weiterhin magere VGA-Auflösung (640 x 480 Pixel) und ist ausgesprochen lichtschwach. Um damit beim Videochat gut auszusehen, braucht man schon eine sehr gute Beleuchtung.

Wer schnell sein will, muss zahlen

Nachhilfe von anderer Seite brauchen die Mobilfunkfähigkeiten des neuen Apple-Tablets. Ich habe mich ja damit abgefunden, dass der Datenfunkchip in Deutschland kein LTE unterstützt. Dass es aber so schwer - und vor allem teuer - wird, die schnelle Netzanbindung des iPad wirklich auszunutzen, nervt schon. Mit drei verschiedenen Sim-Karten von drei Providern erreichte das Gerät in Hamburgs gut vernetzter Innenstadt maximal Datenraten von knapp über 7,2 Mbit/s. Der Grund ist nicht, dass die Netze nicht mehr hergeben würden, sondern dass die mit den Sim-Karten verknüpften Mobilfunkverträge allesamt maximal 7,2 Mbit per HSDPA erlauben.

Für mehr Speed müsste ich einen Aufpreis zahlen, der durchaus substantiell ist. Ein Vodafone-Sprecher erklärte mir: "Die aktuellen Datentarife von Vodafone Deutschland sind bereits für die Nutzung mit Tablets wie dem neuen iPad optimiert. So unterstützt der Datentarif MobileInternet Flat 50,0 im UMTS-Netz die jeweils maximale Geschwindigkeit von bis zu 42,2 Mbit/s über HSDPA." Der Preis für den Zugang zu diesem mobilen Datenturbo: 65 Euro pro Monat. Die anderen Netzbetreiber haben zum Teil ähnliche Angebote oder erreichen mit ihren Netzen gar nicht die vom neuen iPad unterstützten Geschwindigkeiten. O2 etwa bietet Datenverträge nur bis maximal 14,4 Mbit/s an.

Da bleibt mir nur zu hoffen, dass sich der eine oder andere Anbieter besinnt und für das neue iPad bezahlbare Highspeed-Datenverträge anbieten wird.

Leistungsträger ohne Leistungsangabe

Ein Ausstattungsmerkmal, von dem ich während des Tests kaum etwas bemerkt habe, ist der neue Prozessor. A5X nennt Apple den - er hat für viel Verwirrung gesorgt, weil er bei der Vorstellung des Geräts mit dem Begriff Quadcore garniert wurde. Tatsächlich aber handelt es sich nur um eine aufgebohrte Variante des A5-Chips aus dem iPad 2, der zwei Rechenkerne hat, also ein Dualcore-Chip ist. Quadcore ist nur die Grafikeinheit geworden, die bisher auch nur Dualcore war.

Um die 3,1 Megapixel des neuen Displays ruckelfrei über den Bildschirm wuchten zu können, musste ein neuer, schnellerer Grafikchip her. Apple hatte sich bei der iPad-Vorstellung weit aus dem Fenster gelehnt, indem es für den Chip Leistungswerte versprach, die weit über denen des Konkurrenzprozessors Tegra 3 von nVidia liegen. Etliche Technik-Aficionados weltweit warten deshalb schon sehnlich auf den Verkaufsstart des neuen iPad, um Apples Behauptungen mit eigenen Benchmark-Messungen zu überprüfen.

Im täglichen Umgang mit dem Gerät dürften die allerdings weitgehend bedeutungslos sein. So wie man bei Rolls-Royce Fragen nach der Leistung der Motoren gerne mit einem schlichten "genug" beantwortet, kann man auch über das neue iPad sagen, dass die Leistung wohl ausreichend ist. Dass Apple weder die Taktfrequenz des Prozessors noch die Größe des Arbeitsspeichers angibt, passt in dieses Bild.

Wer schon ein iPad 2 besitzt, sollte deshalb einen großen Bogen um das neue iPad machen - ein Blick aufs neue Display könnte Begehrlichkeiten wecken. Zu groß ist die Versuchung, sich das neue Modell als Upgrade zuzulegen, obwohl es nicht mal mehr Speicher bietet als ein iPad 2.

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insgesamt 209 Beiträge
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1.
qrl 15.03.2012
Ich mag die Testvideos, muss aber dieses mal die wechselnde Lautstärke kritisieren. Das mit dem ganzen hickhack um LTI ist sowieso alles Schmarn, das aktuelle 3G ist in der Regel ausreichend für so gut wie alles.
2.
sitz_gerade 15.03.2012
Zitat von sysopDas neue iPad sieht aus wie sein Vorgänger, doch das Gerät ist schneller, es besticht durch einen phänomenalen Bildschirm und eine starke Kamera. Allerdings hat das Apple-Produkt auch Tücken. Was es kann und was nicht - der Testbericht. Das neue iPad im Test: Apples Augenöffner - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Netzwelt (http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,821101,00.html)
Ob bei BBC oder Spiegel Online: Ein upgrade von einem iPad ist keine Nachricht. Absolut lächerlich und unwichtig.
3.
schlumpf515 15.03.2012
Kann bitte jemand den Ton justieren? Der gesprochene Text ist zu leise, der Rest bei aufgedrehter Lautstärke folglich zu laut.
4. iPad 3
Niamey 15.03.2012
Zitat von sysopDas neue iPad sieht aus wie sein Vorgänger, doch das Gerät ist schneller, es besticht durch einen phänomenalen Bildschirm und eine starke Kamera. Allerdings hat das Apple-Produkt auch Tücken. Was es kann und was nicht - der Testbericht. Das neue iPad im Test: Apples Augenöffner - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Netzwelt (http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,821101,00.html)
Leider wird es immer genug BETRIEBSBLINDE geben die sich trotz allem ein Up-Date vom Zweier auf das Dreier leisten. Frei nach dem Motto: Das Leben ist kurz, wir haben wenig geleistet, gönnen wir uns was. Die Politik von Apple den dummen User und Konsumenten dank fehlender Leistungs- und Ausstattungswerte im Regen stehen zu lassen und Programme nur über den Applestore zu vertreiben läßt mich wieder zu Windoof zurückkehren.
5.
chalchiuhtlicue 15.03.2012
Zweifelsfrei kein schlechtes Gerät, aber 2 Punkte stören doch: 1. Die Auflösung des Bildschirmes ist sinnlos hoch. 1920x1080 könnte man in Hinsicht auf 1080p-Videomaterial noch verstehen, aber mehr erscheinen mir auf einem 9,7"-Zwergenbildschirm einfach Fehl am Platz. Meine beiden 27"-Arbeitsplatzmonitore kommen mit 1920x1200 aus, meinem 42"-Fernseher genügen 1920x1080 - ich vermisse kein Pixel mehr. Warum sollten es auch mehr sein? Apple gehen die Innovationen aus und so suggeriert man der Kundschaft, daß immer höhere Pixeldichte automatisch besser (und unbedingt notwendig) sein muß. Mit solcher "Logik" versuchen ja auch seit Jahren die Hersteller von Digitalkameras mangelnde Innovation auszugleichen. 2. Der schwerste und grundlegenste Makel des iPads bleibt komplett verändert: Es ist in allem von iTunes abhängig. Kein Update des OS ohne iTunes, kein Laden von Apps ohne iTunes - für alles muß diese unerwünschte Software auf dem PC sein. Da lob ich mir mein Android-Tablet. OS-Updates kommen ohne zusätzliche Software auf meinem PC direkt aufs Tablet, Apps kann ich mir auch selbst entwickeln und ohne die Zustimmung eines "Big Brothers" auf dem Tablet installieren. Bei Apple - welch Überraschung - kostet bereits das SDK zur App-Entwicklung Geld. Für Android bekomme ich das ganze kostenlos. Fazit: Für Menschen, die in Apple eine Ersatzreligion gefunden haben, wird das iPad selbstverständlich Pflicht sein. Für Menschen, die technikbegeistert sind und mit ihrem Geld nix besseres anzufangen wissen, wird es ein interessantes Produkt sein. Und für alle, die gerne selber bestimmen, welche Software auf ihre Geräte drauf darf und welche nicht, ist das iPad (wie alle anderen iProdukte von Apple) nach wie vor ein "no go". Schade eigentlich. Wenn Apple von dieser restriktiven Kontrolle seiner Kundsachaft und dem krampfhaften Versuch, jeden in seinem iTunes-Shop zum Kaufen zu nötigen, mal abrücken und sich offener geben würde, dann könnten sie m.E. doppelt so viele Geräte absetzen. Aber Apple konzentriert sich wohl zu viel darauf, seine Konkurrenz auf dem Rechtsweg abzuhängen, als daß es zu echter Innovation oder zu Änderung der Geschäftspolitik kommen könnte.
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Bildschirm 9,7 Zoll 9,7 Zoll 9,7 Zoll
Auflösung 1024 × 768 px 132 PPI 1024 × 768 px 132 PPI 2048 x 1536 px 264 PPI
Dicke (ca.) 1,3 cm 0,88 cm 0,94 cm
Akkulaufzeit 10 h 10 h 10 h
Arbeits-
speicher
256 MB 512 MB derzeit unbekannt
Prozessor 1 GHz Apple A4 1 GHz Apple A5 Apple A5X
Speicher 16 / 32 / 64 GB 16 / 32 / 64 GB 16 / 32 / 64 GB
Kameras - 2 Video-
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2 Video-
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